Einträge mit dem Tag ‘Frauenquote’


Was vom Frauentage übrig blieb: Symbolpolitik

9. März 2012 von Helga

Zum gestrigen Internationalen Frauen(kampf)tag hat Deutschlands­ Frauen­ministerin Kristina Schröder ihre Tradition unangemessener politischer Zeichen erfolgreich fortgesetzt: Termine nahm sie keine wahr, stattdessen zeichnete sie zwei „Spitzen­väter“ aus, die ihren Frauen Karriere ermöglichten. Klar, dass dies nur am Frauentag geht, nicht etwa am Vatertag. In der Dankesrede ging es dann nur um „Vater, Mutter, Kind“ als Familie. Soviel zu ihrer Prämisse, man wolle Menschen kein Lebens­modell vorschreiben. Passend auch, wie die taz anmerkt: Während der Väterpreis mit 5.000 Euro dotiert ist, sind es beim zeitgleich verliehenen Berliner Frauenpreis nur 2.600 Euro. Die diesjährige Preisträgerin Sharon Adler nannte in ihrer Dankesrede Schröders Verhalten “einen Schlag ins Gesicht jeder alleinerziehenden Frau”.

Vielleicht hat Schröder aber auch einfach keine Lust mehr auf Frauenpolitik. Nach ihrer jahrelangen Absage an eine Frauenquote hat die FDP, ausgerechnet, ihr Gegenprojekt der „Flexiquote“ gekippt. Hier hätte Schröder kämpfen können – die Liberalen Frauen etwa sprechen sich für die Quote aus. Auch die Frauen Union dringt darauf und freut sich angesichts Schröders Untätigkeit über Vorstöße von EU-Kommissarin Viviane Reding. Diese Chancen lässt Kristina Schröder aber ein ums andere Mal verstreichen.

Stattdessen bringt nun die SPD einen Gesetzvorschlag ein, der für Aufsichtsräte wie Vorstände eine Frauenquote von 40 Prozent fordert. Vorausschauend ist dabei sogar die Besetzung geregelt; Arbeitgeber­_innen- und Arbeit­nehmer­_innen­seite müssen die Anforderung jeweils getrennt erfüllen. Bisher stammen die weiblichen Mitglieder meist von der Arbeitnehmer_innenvertretung. Die Erfolgsaussichten sind aber mager. Von Seiten der CDU hieß es, der Vorschlag sei „aus rechtlichen Gründen problematisch“, aber (irgendwann) in dieser Wahlperiode könnte man sich noch mal auf eine Quote einigen. Von 30 Prozent und dann nur in Aufsichtsräten. Vielleicht ja nächstes Jahr, wenn wieder Frauentag ist.


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Auf der deutschen Staatsrechtslehrertagung ist keine Schlange vor dem Damenklo

15. Februar 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 3 von 18 der Serie Feminismus im Recht

Hätten die Mütter des Grundgesetzes Quoten in der Privatwirtschaft befürwortet? Diese Frage stellte sich im Januar Alexandra Kemmerer im Verfassungsblog. Der Ver­fassungsblog schreibt zwar über “matters constitutional”, hat sich bisher aber nicht durch die Auseinandersetzung mit Gleichstellungsfragen hervorgetan. An­läss­lich der Berliner Erklärung bloggte Kemmerer zur Frage, was solche Quoten bringen, ob das eine gute Idee ist und ob durch solche gesetzlichen Regelungen ein gesellschaftlicher Diskurs über Gleichstellungsfragen in Gang kommen könnte.

Klassisch liberal gedacht ist die Durchsetzung des Gleichstellungsgebots für Alex­andra Kemmerer eher keine Rechtsfrage, sondern hängt von individuellem En­ga­ge­ment ab:

“Am Ende hängt die Veränderung gesellschaftlicher Realitäten vom En­ga­ge­ment und Habitus individueller Akteurinnen und Akteure ab. Gerade Juristinnen sollten da auf die Kraft der Selbsteuerung vertrauen. Sollten nicht erst auf ein Gesetz, eine Mentorin oder den großen über­fraktionellen Konsens warten, sondern die Sache selbst regeln, kon­se­quent, konfliktfreudig und ideenreich. Wie die vier Mütter des Grund­gesetzes, die uns inspirieren sollten, kreativer und einfallsreicher über die Verwirklichung des Gleichstellungsgebots nach Art. 3 Absatz 2 Satz 2 GG nachzudenken.”

Die vier Mütter des Grundgesetzes können in vieler Hinsicht Vorbild sein. Es war aber sicher nicht so, dass gerade die Juristin unter ihnen (Elisabeth Selbert) der Rolle des Rechts bei der Durchsetzung der Gleichstellung eine untergeordnete Bedeutung beigemessen hat. Während die Mehrheit der Väter des Grundgesetzes eine Formulierung der Weimarer Reichsverfassung übernehmen wollten (“Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten”), setzte sich Elisabeth Selbert für den Satz “Frauen und Männer sind gleichberechtigt.” ein, der viel weitergehend war und sich nicht auf die öffentliche Sphäre (Wahlrecht und so weiter) beschränkte. Von dieser Formulierung galt es nicht nur die männlichen Kollegen zu überzeugen, sondern auch die Kolleginnen. Mehr über die Geschichte von Art. 3 Abs. 2 GG kann in der Publikation des BMFSFJ über die Mütter des Grund­gesetzes nachgelesen werden. (mehr …)


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Wie Firmen “unauffällig Chefinnen verhindern”

13. Dezember 2011 von Anna-Sarah

Ich hatte hier ja mal ein bisschen an Heide Oestreichs Schreibtonfall rumgemäkelt. Letzte Woche hat Oestreich dann in der taz einen Beitrag über die Frauenquote bzw. über die äußerst, nun ja, flexible Handhabung dieses Instruments seitens der Politik gebracht, und den finde ich dann doch ziemlich lesenswert: Unter dem Titel “Erfolgreich Chefinnen verhindern” legt sie auf originelle Weise dar, welche Mechanismen mit dazu beitragen, dass Frauen im Job oftmals weitgehend von bestimmten Positionen ausgeschlossen bleiben – obwohl es doch immer heißt, auf den so genannten Führungsebenen gelte einzig das Leistungsprinzip und Frauen hätten strukturell doch die gleichen Möglichkeiten, dort “etwas zu werden”, wie Männer; wenn ihnen keine glanzvolle Karriere gelänge, wollten oder könnten sie wohl halt einfach nicht so recht. (Anmerkung: Ich persönlich lese aus Gründen selten Kommentare in bestimmten öffentlichen Foren, jedenfalls nicht gründlich, auch nicht in der taz online, deshalb kann ich den “Härtegrad” diesmal nicht vollständig einschätzen – ich vermute jedoch aufgrund bisheriger Erfahrungen mit (Anti-)Diskriminierungsthemen dort, dass eine Triggerwarnung für die Kommentarsektion möglicherweise angebracht sein könnte. Die üblichen Nazivergleiche sind jedenfalls auch am Start.) Anhand von zehn To-do-Punkten gibt sie (fiktiven?) Personalverantwortlichen eine Liste von sarkastisch-satirischen Ratschlägen an die Hand, durch deren Befolgung sich der berufliche “Aufstieg” von Frauen wie erwünscht  verhindern lasse. Zum Beispiel:

4. Allgemeine Abwehr von weiblichen Führungskräften

Untersuchen Sie, ob die Bewerberin beim ersten Wind schon umfällt: Seien Sie aggressiv: “Warum um Himmels willen sollen wir Sie einstellen? Sie haben doch nichts zu bieten.” So sieben Sie junge Talente ohne Sozialkompentenz aus. Tritt eine Frau anders auf, als Sie erwartet haben, nämlich forsch und selbstbewusst, müssen die Alarmglocken klingeln: Wollen Sie einen so schwierigen Charakter in der Abteilung haben?

Denken Sie auch an die Kunden: Würden die wirklich diese (oder eine) Frau akzeptieren?

Machen Sie neumodischen Quatsch nicht mit: keine Präsentation oder gar ein Konfliktgespräch als Aufnahmetest. Da schneiden Frauen oft besser ab als im Gespräch, in dem Männer gern ihren allgemeinen Durchblick präsentieren.

Wenn Frauen schnell zum Punkt kommen und konkret Lösungen anbieten: Bedenken Sie, dass das für eine Führungsaufgabe irrelevant ist. Hat diese Frau den großen Überblick, den es für den Chefposten braucht?

Unterschätzen Sie keinesfalls Qualifikationen, die eher Menschen ohne Familienpflichten vorweisen können: Auslandsaufenthalte, lange Publikationsliste, Kongresse. Leider sind Frauen da ja oft schwächer bestückt.

Ich behaupte einfach mal: In dieser “Bedienungsanleitung” ist fieserweise garantiert für jede berufstätige Frau was dabei, das ihr irgendwie bekannt vorkommt…


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Miniquote, Klage gegen Jungfrauentests und Verdienst in Zeiten von Occupy – kurz verlinkt

7. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft

Im Frühjahr nächsten Jahres soll das erste Buch von Familienministerin Kristina Schröder erscheinen – Susanne Klingner überlegt in der taz, was da wohl zu erwarten ist. Zudem hat Schröder sich mal wieder in den Mittelpunkt gedrängt, indem sie schnell mal die “Miniquote” rausschüttelte: Das Aktiengesetz soll geändert, Aufsichtsräte jeweils für das folgende Geschäftsjahr eine Quote für sich selbst und den Vorstand festlegen, die mindestens eine Frau und einen Mann beinhalten soll.

Auf Samira Ibrahim hatten wir schon einmal hingewiesen – sie traut sich als einzige Ägypterin bisher, das Militärregime aufgrund der widerlichen „Jungfrauentests“ zu verklagen. Nun hat sie Der Spiegel porträtiert.

Die wunderbare Sookee hat dem Bielefelder Magazin weird ein Interview gegeben und spricht unter anderem über ihr neues Album “Bitches, Butches, Dykes & Divas”, Homophobie und zweite Chancen.

Unbedingt angucken: Der Stereotypen-Knacker-Clip von entschubladen.de.

Verdienst in Zeiten von Occupy ist (fast selbstredend) immer noch geprägt von knallharten Geschlechterdifferenzen: Tacheles dazu von Gloria Steinem.

Bei Sociological Images gibt es  ein paar besonders hübsche Beispiele von gegenderter Werbung – diesmal adressiert an Männer. Die es sich im Advent sicher gern  in ihrem rasurbrandfarben gestrichenen Wohnzimmer mit Motoröl-Duftkerzen gemütlich machen…

Dick, dünn, rund, eckig: Körpernormierungen gab es schon immer. Noch gar nicht lange her, da gab es interessante (sexistische) Werbung, die für “Gaining Weight” warb – gesehen bei feministing.

Frauen mit Behinderungen sind viel stärker von Gewalt betroffen, als nicht-behinderte Frauen und Mädchen, berichten Konnys Lesbenseiten über die aktuelle Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Termine (und ein Call for Papers) nach dem Klick
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Geschlechtergerechte Sprache, Karrierefrauen und Hausarbeit – Kurz Notiert

24. November 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 131 von 253 der Serie Kurz notiert

Das österreichische feministische Monatsmagazin an:schläge präsentiert eine brandneue Homepage. Ein Abo ist strengstens zu empfehlen!

Die New York Times ist in ihrer Wortwahl oftmals mehr als daneben: Da wird Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch von Kindern auch mal “Sex” genannt. Nun wagt die Zeitung einen kritischen Blick auf die eigene Berichterstattung.

Von minimalen Erfolgen berichtet das Handelsblatt: Der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der weltweit größten Unternehmen ist seit 2004 einer US-Studie zufolge um 1,1 Prozentpunkte gestiegen. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen liege der Anteil bei 13,8 Prozent. Vorangetrieben wurde der Anstieg vor allem von Ländern, in denen eine Frauenquote existiert.

Zur Konstruktion von Geschlecht über die Stimme schickte uns @midnite8lue noch folgendes Video:

Erst in die Schule gehen, dann Abitur machen und schließlich studieren – für Marie Christine Lanfermann war das alles nicht ganz so einfach. Fehlende Rampen für den Rollstuhl, ewig-lange Anträge und Mobbing im Volontariat sind nur einige der Schwierigkeiten, von denen sie derWesten berichtet hat.

Ein dpa-Text über das Frauenproblem der Wikipedia geisterte dieser Tage durch diverse Medien, von heise bis zur Mitteldeutschen Zeitung. „Freundschaftsbänder und Schuhdesigner“ seien Themen, die (mangels Autorinnen) bisher noch ver­nach­lässigt seien. Helfen soll ein einfacherer Texteditor, sowie explizite Ein­la­dungen an Frauen. Ebenfalls angesprochen wird auch die „garstige Atmosphäre“ – wie sie verbessert werden soll, steht aber leider nicht im Artikel.

Im Mai erst erschien eine Auswertung des US-Fernsehens, nach der 2008 Frauen in Filmen deutlich unterrepräsentiert aber übersexualisiert waren. Jetzt ist auch die Auswertung von 2009 da, geändert hat sich nichts, so die Los Angeles Times.

Die Uni Graz hat eine hilfreiche Anleitung zum geschlechtergerechten Formulieren (PDF).

Leigh Alexander schreibt über Computerspiele und das als Frau. Für manche immer noch eine Neuigkeit, für sie selber nur noch eines: ermüdend. Denn trotz ihrer jahrelangen Arbeit wird sie immer wie auf „die Frau die über Computerspiele schreibt“ reduziert oder, schlimmer, als Auskunft für Genderthemen bemüht, wenn es doch nur darum geht, eine Entschuldigung für Vorurteile einzuholen. „Genug davon!“ meint sie bei Kotaku.

Stichwort Mythos “neue Väter”: Den Großteil der Hausarbeit verrichten immer noch Frauen, so Spiegel Online.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die erschreckend hohen Häufigkeiten, mit denen Mädchen und Frauen mit Behinderungen sexualisierte Gewalt erfahren.

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“Kristi, Uschi und die Quote” – unsere Lieblingssoap geht endlich weiter!

18. Oktober 2011 von Anna

Es ist mal wieder Zeit für Quotentalk. Nicht etwa, weil es endlich verbindliche Gesetze oder gar ein Bekenntnis der zuständigen Ministerin geben würde. Nein, es wurde einfach mal wieder offiziell ein bisschen drüber geplaudert und schon hagelt es Artikel an jeder Ecke. Rumgekommen ist aber wie üblich – nichts!

Um konkreter zu werden: Gestern trafen sich Frauenministerin Kristina Schröder, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit Vorstandsmitgliedern der DAX-30-Unternehmen (also die 30 umsatzstärksten an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen) um über die Frauenquote für die Führungsebene zu sprechen. Oder, wie es das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) formuliert: “den Dialog über die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen fortzusetzen”.

Die DAX Unternehmen präsentierten dabei einen Katalog, in dem sie festlegen, dass bis 2020 der Anteil von Frauen im Management auf bis zu 35 Prozent steigen soll. Richtig gelesen, 2020 und “bis zu 35 Prozent”. Unfassbar revolutionäre Ziele, die im übrigen aber natürlich nicht für Vorstände und Aufsichtsräte gelten sollen. Was genau eine Führungsposition ist, definieren die Firmen selbst.

Und was sagten die anwesenden Ministerinnen dazu? (mehr …)


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Weibliche Tweets, Neu-Delhi-Slutwalk und tunesische Feministinnen – kurz notiert

4. August 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 116 von 253 der Serie Kurz notiert

Mehr Straßen und Plätze nach Frauen benennen! Hier wurden Düsseldorfer_innen befragt, wen sie gern verewigt wissen würden. Den meisten Befragten fiel übrigens spontan immer mehr als eine Person ein.

Mit 75% Sicherheit sagen Forscher_innen jetzt voraus, ob Mann oder Frau einen Tweet abgesetzt haben. Indikatoren: “My husband” und “my yoghurt” verraten Frauen, Biertweets und “my wife” sind Männerdomänen, so die ZEIT. Auf Twitter gab es prompte Reaktionen:

Tweet von @JollySea (Jøël Ådamø): "my yoghurt" "my yoga" "my husband". Und jetzt? bit.ly/o4PlRJ (via @habichthorn @hanhaiwen) - 34 minutes ago via web

Nicht allzu freizügig aber mächtig umstritten: The Star berichtet vom Slutwalk in Neu Delhi. Die Stadt hat die höchste Zahl an Vergewaltigungsanzeigen in Indien – gleichzeitig werden Frauen, die eine Anzeige machen, einem „Fingertest“ unterzogen um zu sehen, ob sie an „Sex gewöhnt sind“.

Wie sieht derzeit die Situation der Frauen und besonders von feministischen Aktivistinnen in Tunesien aus? Steal this Hijab hat nachgefragt.

Quotenfrauen in Vorständen und Aufsichtsräten als “verschlissenes Label”? Anke Domscheit-Berg, Gründerin von fempower.me und ehemalige Direktorin von Microsoft Deutschland dazu im Freitag.

Queer Audio Performance Festival in Berlin: „Empowerment, der Protest gegen Heteronormativität, gegen die Ausgrenzung durch die weiße, enthinderte, heterosexuelle Normalität.“

In der CDU gibt’s Ramba-Zamba: Parteiinterne Reformer_innen wehren sich gegen „verknöchertes Denken“ in Bezug auf die ewiggestrige Diskussion um die Gleichstellung schwuler und lesbischer Partnerschaften mit Hetero-Ehen.

„Lach doch mal wieder und bitte beschwer Dich nicht soviel.“ Diese guten Ratschläge, die Feminist_innen oft genug hören, nimmt Barbara Ehrenreich auseinander:


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Recht und Politik aus einer feministischen Perspektive

11. Juli 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 73 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

rechtundgeschlecht

Wie heißt du?
Maria Wersig

Seit wann bloggst du?
Ich blogge erst seit April 2011, betreibe aber unter rechtundgeschlecht.de seit ein paar Jahren eine einfache Webseite.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Aus Empörung. Ich las am Frühstückstisch einen Artikel von Kristina Schröder über Gleichstellungspolitik in der Zeitung und habe meine Meinung dazu in meinen ersten Blogbeitrag umgewandelt. In dem Zeitungsartikel stand unter anderem, dass Altfeministinnen und institutionalisierte Gleichstellungspolitik den Benachteiligungsstatus von Frauen verteidigen. Dazu habe ich als Juristin, die sich mit den Rechtsstrukturen und Gleichstellung beschäftigt, eine ganz andere Meinung.

Worüber schreibst du?
Über Recht und Politik aus einer feministischen Perspektive und die Zusammenhänge von Recht und Geschlechterverhältnissen. Meistens geht es um Themen, mit denen ich mich auch beruflich beschäftige, wie Familie, Gleichstellung, Steuern und Soziales. Die ersten Blogeinträge beschäftigten sich mit Frauenquoten, Unterhaltsrecht und der Heteronormativität von Regelungen zu künstlicher Befruchtung. Anlässe zum Schreiben gibt es irgendwie genug, ich habe jetzt auch eine Rubrik „Kristinas Welt“, die sich mit aktuellen Vorschlägen unserer Frauenministerin auseinandersetzt.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Im letzten Jahr bin ich für ein paar Monate nach New York City gezogen. Ohne das Internet hätte ich nie binnen kürzester Zeit eine Untermietgelegenheit mitten in Harlem gefunden und mir auch nicht per Google Streetview ein Bild von der Gegend machen können. Erst bei meiner Abreise habe ich meine Vermieterin persönlich kennengelernt. Weil wir aber im Netz so viel Kontakt hatten, kam es uns beiden so vor, als würden wir uns schon ewig kennen.

Wovon braucht das Internet mehr:
Eine dem kommerziellen Angebot Juris vergleichbare kostenlose Rechtsdatenbank in deutscher Sprache wäre fein. Für eine Recherche nach einschlägigen Gerichtsurteilen sollte meiner Meinung nach niemand bezahlen müssen. Und natürlich brauchen wir noch mehr Feminismus.

Frauen im Web sind…
wie Frauen offline auch – intelligent, stark, mutig und schön!

Deine tägliche Web-Lektüre:
ist eher klassisch, die großen und auch ein paar kleinere Tageszeitungen und ein paar nette Blogs.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre

4. Juli 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 34 von 43 der Serie Muttiblog

Die Frauenquote findet ja immer mehr AngängerInnen, wie es gerade so scheint. Auch meine Arbeitgeberin hat dieses Thema als etwas entdeckt, worüber man mal reden sollte und sich das Ziel gesteckt, bis 2015 30% Frauen in Führungs­positionen zu beschäftigen. Erreicht werden soll dieses Ziel mit mehr Kinder­betreuungs­möglichkeiten, flexibleren Arbeits­zeiten und Heim­arbeits­plätzen. Klingt erstmal toll und modern. Allerdings merkt man an den Maßnahmen sehr deutlich, wer sich das ausgedacht hat: weiße verheiratete Männer Mitte 50 mit durch­schnittlich 2.1 Kindern, die davon ausgehen, dass Frauen diejenigen sind, die Familie und Beruf vereinbaren müssen.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wegen der Wohnsitzproblematik blieb für uns letztendlich nur die Option „Betriebs­kinder­garten“. Aber auch dort sind die Plätze heiß begehrt und es be­durfte eines Wutausbruchs im Büro meines Chefs und mehrerer emotional sehr auf­ge­ladener Gespräche mit oberen Führungskräften, um nach einem Jahr Warte­zeit nun endlich ab Sommer das Kind an meinem Arbeitsort in den Kinder­garten schicken zu können und damit den Status „Wochenendmama zu beenden.

Jetzt haben diese Männer also erkannt, dass sie das Potential ihres Führungs­nachwuchses nicht voll ausschöpfen, weil ein Teil des Potentials ganz offen­sichtlich nicht beachtet wird. Und woran liegt das? Daran, dass die weiblichen High Potentials mit Kindern Beruf und Familie vereinbaren müssen. Da helfen wir denen doch mal ein bisschen und spendieren denen Kindergärten, flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze. Nur: Die außertariflich Angestellten werden schon heute nicht nach Anwesenheitszeit bezahlt. Die somit bereits realisierten flexiblen Arbeitszeiten bedeuten in dem Zusammenhang hauptsächlich „Über­stunden sind mit dem Lohn bereits abgegolten“. Und auch der Laptop, Zugang von einem externen Internetanschluss via VPN zum Firmennetzwerk und der Blackberry gehören zum Standard, so dass das Arbeiten von zu Hause aus bereits jetzt schon problemlos möglich ist. Diese vollmundig versprochenen Maßnahmen, größtenteils bereits etabliert, werden wahrscheinlich einfach nicht reichen, solange die männlichen Konkurrenten eben nicht das Problem haben, Karriere und Familie zu vereinbaren. (mehr …)


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Neues von Haseloff und der Männer-CDU

13. Mai 2011 von Helga

Rainer Haseloff (wir erinnern uns an „die ostdeutsche Frau an sich“) ist im Landtag von Sachsen-Anhalt erneut mit fragwürdigen Aussagen aufgefallen. Und diesmal nicht der einzige. So berichtete der MDR, Haseloff habe nach internen Querelen bei den Koaliationsverhandlungen von „hormongesteuerten Frauen“ gesprochen, die man „beruhigen“ müsse. Der derzeitige Innenminister sagte ferner „das Eierstockgehabe geht mir auf den Geist.“

Hintergrund sind Proteste der Frauenunion und ihrer Vorsitzenden, Eva Wybarnds, dass beim Postengeschacher nach der Wahl die Frauen übergangen wurden. Von 35 Postionen sind nur 2 an Frauen gegangen, ein Antrag auf eine Frauenquote von 30 Prozent weiblicher Beteiligung wurde abgelehnt. Mal abgesehen davon, dass drei weitere Bewerberinnen keinen Posten abbekamen, spricht die Erklärung Bände: „Bei sechs Frauen in der Fraktion kann man schlecht eine 30-Prozent-Quote durchsetzen.“

Nach allem was ich in der Schule gelernt habe, sind Parteien dazu da, die Wählerschaft und ihren Willen abzubilden – was in Deutschland als generisches Maskulinum auch die Wählerinnen miteinschließt. Um dies zu erreichen, sind sie ausdrücklich aufgefordert, aktiv Kandidatinnen und Kandidaten zu suchen und aufzustellen. Und das ist keine neue Idee, das ist ihre Aufgabe seit über 60 Jahren. Wenn die CDU in Sachsen-Anhalt es also bis heute versäumt, die Hälfte der Bevölkerung ordentlich zu repräsentieren, dann sollte sie vielleicht darüber nachdenken, sich in Männer-CDU umzubenennen.


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