Einträge mit dem Tag ‘Frauenquote’


Neues von Haseloff und der Männer-CDU

13. Mai 2011 von Helga

Rainer Haseloff (wir erinnern uns an „die ostdeutsche Frau an sich“) ist im Landtag von Sachsen-Anhalt erneut mit fragwürdigen Aussagen aufgefallen. Und diesmal nicht der einzige. So berichtete der MDR, Haseloff habe nach internen Querelen bei den Koaliationsverhandlungen von „hormongesteuerten Frauen“ gesprochen, die man „beruhigen“ müsse. Der derzeitige Innenminister sagte ferner „das Eierstockgehabe geht mir auf den Geist.“

Hintergrund sind Proteste der Frauenunion und ihrer Vorsitzenden, Eva Wybarnds, dass beim Postengeschacher nach der Wahl die Frauen übergangen wurden. Von 35 Postionen sind nur 2 an Frauen gegangen, ein Antrag auf eine Frauenquote von 30 Prozent weiblicher Beteiligung wurde abgelehnt. Mal abgesehen davon, dass drei weitere Bewerberinnen keinen Posten abbekamen, spricht die Erklärung Bände: „Bei sechs Frauen in der Fraktion kann man schlecht eine 30-Prozent-Quote durchsetzen.“

Nach allem was ich in der Schule gelernt habe, sind Parteien dazu da, die Wählerschaft und ihren Willen abzubilden – was in Deutschland als generisches Maskulinum auch die Wählerinnen miteinschließt. Um dies zu erreichen, sind sie ausdrücklich aufgefordert, aktiv Kandidatinnen und Kandidaten zu suchen und aufzustellen. Und das ist keine neue Idee, das ist ihre Aufgabe seit über 60 Jahren. Wenn die CDU in Sachsen-Anhalt es also bis heute versäumt, die Hälfte der Bevölkerung ordentlich zu repräsentieren, dann sollte sie vielleicht darüber nachdenken, sich in Männer-CDU umzubenennen.


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Schreiben statt Schämen. Blogschau zum Wochenende

7. Mai 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 109 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Franziska von franziskript möchte übers Stillen reden, und zwar auch mal über die negativen Seiten ohne Weichzeichner: Stilleinlagen, Stillorte und die Mode! Weibliches Schämen kommt von weiblicher Scham – oder umgekehrt, stellt Katrin Rönnicke fest. Über Scheidenpilze und Selbstbefriedigung sollten Frauen nicht sprechen, oder wenn doch, dann nur mit hochrotem Gesicht.

Eure Homophobie-Toleranz kotzt uns an, schreiben Frittenbude dem Chiemseereggaesummer ins Gästebuch und bleiben weg.

Mit einem Text zu Frauenquoten und Männerangst aus der ZEIT/Wirtschaftswoche der vergangenen Woche beschäftigen sich das Genderblog ebenso wie rechtundgeschlecht. Und bei Frau Lila lesen wir einen Gastbeitrag zweier grüner Männer zur Familien-/Frauen-/wasauchimmer-Politik im Hause Schröder.

Die Stadtpiratin macht sich Gedanken zum 1. Mai, zu Protesten, Krawallen und Berichterstattung.

Die Library Mistress weist auf einen Fragebogen der Wirtschaftsuni Wien hin. Es geht um ein Forschungsprojekt zur Bedeutung einer homosexuellen Orientierung von Unternehmer_innen.

So geht’s mit dem Glücklichsein, wissen die Frauenzeitschriften! Grafisch aufbereitet beim graphitti-blog. Und wer’s immer noch nicht begriffen hat, versteht vielleicht die Bilder von obi: Männer bauen auf und ziehen ein, Frauen ziehen groß und genießen. Changinglifestyle verdreht die Augen. (via puzzlestuecke.wordpress.com)

Wie immer gilt: Wir freuen uns über Hinweise auf interessante Blogs für unsere wöchentliche Umschau im Netz. Gerne hier in den Kommentaren, per Mail oder auch morgen beim Selbermach-Sonntag. Und jetzt ins Wochenende!


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Buffy, Kritik an “feministischen Hochzeiten” und Natasha Walter im Interview

23. Februar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 95 von 152 der Serie Kurz notiert

Was hat eine Teenager-­Serie über ein blondes, Vampire tötendes High-School-Girl mit Genderforschung und postmarxistischer Theorie zu tun? Der Freitag stellt Buffy als “attraktive Antikapitalistin” vor.

In Irland gibt es die Pille danach jetzt rezeptfrei, berichtet Choice Ireland.

Auf Womanist Musings kritisiert Tassja den Trend, dass (weiße, heterosexuelle und wohlsituierte) Frauen wie Jessica Valenti (feministing.com) ihre eigene “feministische Hochzeit” publikumswirksam zelebrieren und dabei ignorieren, dass das Heiraten für viele Menschen auch heute noch ein Privileg darstellt und mit gesetzlichen Hürden und Diskriminierung verbunden ist.

Sexismus und Lookism galore! Die Flugbegleiter_innen der Linie Virginia Atlantic müssen sich ab jetzt “Red Hotties” nennen lassen. Eine illustre Männerrunde durfte abstimmen, weiß dieStandard.at.

Die Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftlichen Zentrums Berlin, Jutta Allmendinger, bekommt am 8. März den Berliner Frauenpreis verliehen. Der Ehrung wird seit 1998 jährlich jenen Frauen zuteil, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen.

Natasha Walter, Autorin des Buches “Living Dolls. The Return of Sexism”, spricht im Interview mit Deutschlandradio Kultur über die begrenzte Wirkung einer Frauenquote. Das Interview ist ebenfalls als Podcast abrufbar.

Eine digitale Geschichte über die sexuelle Belästigung von Frauen in Pakistan hat Sana Saleem produziert. Geschrieben, animiert und aufgezeichnet wurde “My body, my country” von Bloggerin Mehreen Kasana. (via MuslimahMediaWatch)

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für Februar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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Von Quotenfrauen, Aktivistinnen und Fußballerinnen

16. Februar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 94 von 152 der Serie Kurz notiert

Im SWR2 Forum könnt ihr der Diskussion zum Thema „Ganz oben alles männlich - Welche Chancen haben Frauen in Unternehmen?“ lauschen.

Auch Susanne Klingner und Barbara Streidl diskutieren im DRadio Wissen über Frauen und Erwerbsarbeit, die Frauenquote und Feminismus: „Macherinnen ohne Quote“.

Immer noch nicht genug von der Quote? Heute Abend ist Meredith Haaf von der Mädchenmannschaft zu Gast bei der Sendung ZDF login im ZDF infokanal, bei der ebenfalls die Frauenquote diskutiert wird.

Daniela Schaaf von der Sporthochschule Köln untersucht im Auftrag der Fifa die Vermarktungsmöglichkeiten des Frauenfußballs. Im Interview mit dem tagesspiegel berichtet sie, dass das Vorurteil von der nicht werbefähigen „Kampflesbe“ in den Köpfen der berichtenden Journalisten noch sehr lebendig ist.

Auf Gender Across Borders wird mit zwei Annahmen über die Proteste in Ägypten aufgeräumt: Die Protestierenden sind entgegen der US-amerikanischen Berichterstattung weder naiv und irrational, noch gehen nur Männer auf die Straße. Unter den Protestierenden sind auch die feministische Aktivistin Nawal El Saadawi und die Journalistin Mona Eltahawy.

Nicht nur in Tunsien, Ägypten und anderen Ländern gehen die Menschen auf die Straße: Laut der Berliner Zeitung folgten am Sonntag in Italien Hunderttausende dem Aufruf von Regierungskritiker_innen, die genug von Sexskandalen und dem Frauenbild Silvio Berlusconis haben. So zogen die Demonstrant_innen mit Parolen wie „Italien ist kein Bordell“ durch Rom.

Der internationale Frauentag jährt sich 2011 zum hundertsten Mal. Der vorwärts würdigt das Jubiläum mit einer eigenen Ausgabe, erstellt nur von Frauen. Und ruft Leser und Leserinnen, Blogger und Bloggerinnen auf, sich mit eigenen Beiträgen zu beteiligen.

In der Tikkun Daily wird die Bloggerin Fatemeh Fakhraie vorgestellt, die die Muslimah Media Watch gegründet hat. Außerdem schreibt sie für das Bitch Magazine, Racialicious und auf ihrem eigenen Blog. In den nächsten Tagen werden noch weitere Muslim_innen vorgestellt, die online „Wellen schlagen“.

Die Zeit stellte eine polyamore Familie vor und räumt mit dem Vorurteil der Orgien ohne Selbstkontrolle auf. Tatsächlich erfordere Polyamorie vor allem Diskussionen, Reflektion und Organisation.

Zu ihrem Buch Feminismen und »Neue Politische Generation« haben Anne Lenz und Laura Paetau ein Interview gegeben, in dem sie die Strategien feministischer Strömungen diskutieren.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für Februar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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Berlinale, Burka und das Zölibat: Die Blogschau

5. Februar 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 94 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ninia LaGrande schreibt an Frau Merkel: “Es ist einfach schade, wenn eine Frau die Chance hat, was Großes zu ändern und diese Chance nicht nutzt. Sie sind die Bundeskanzlerin. Sie müssen doch am besten wissen, wie viel schwerer es für Sie als für Männer war, an die Spitze zu kommen.”

Wo wir gerade bei Briefen sind: Bei Claudia Neusüß gibt es einen offenen Brief von verschiedenen Wissenschaftler_innen an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zu lesen. Sie fragen nach, warum unter den 17 Sachverständigen der im Dezember beschlossenen Enquete-Kommission keine einzige Frau zu finden ist.

Betty Friedan hätte am 4. Februar Geburtstag gehabt (Rosa Parks übrigens auch). Aviva-Berlin und auch dieStandard poträtieren Friedan.

Außerdem bei dieStandard zu lesen: “Wo Männer von Männern erzählen”. Es geht um … richtig, Wikipedia.

“schnelle akademische Bildung für zwischendurch” gibts bei der Denkwerstatt. Und zwar in Form eines Videobeitrags von Donna Haraway, aufgenommen an einer Schweizer Privatuniversität.

Noch mehr akademisches lesen wir bei gender:queer: “Weg mit dem Queer-Ding! Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik”.

Luise Pusch schreibt bei fembio über bzw gegen so genannte “korrigierende Vergewaltigungen”.

blogabsatz hat den Film “we want Sex” gesehen und wagt angeregt dadurch schon mal einen Ausblick auf den kommenden Equal Pay Day.

“Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass der Operationszwang zum Erlangen einer Personenstandsänderung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.” Warum diese eigentlich gute Nachricht einen ziemlichen Beigeschmack hat beschreibt Bad hair days.

Sina hat die Serie “Secret Diary of a Call Girl” gesehen und fragt sich, wie berechtigt die teilweise heftige Kritik daran wirklich ist.

Vom Honig beschäftigt sich mit der Debatte um das Zölibat: “Die Forderung nach der Abschaffung des Zölibats, die jetzt aus dem konservativen Lager kommt, ist höchstens ein Modernisierungsanstrich, um den Kahn noch eine Weile über Wasser zu halten.”

anders deutsch ist die seltsame Bebilderung bei Berichten über das Burkaverbot (nicht nur) in Hessen aufgefallen.

Gabriele Scholz ist Gastbloggerin drüben bei den Missys und wird die Berlinale (am 10.02. gehts los) aus weiblicher Sicht begleiten und kommentieren. Ihr Einstand macht Lust auf mehr!

Antje Schrupp hat über das neue Buch von Bascha Mika (Titel: “Die Feigheit der Frauen”) gelesen und denkt wie gewohnt ein großes Stück über den gewohnten Tellerrand hinaus.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Die Frauenquote? Ein Satz mit X!

2. Februar 2011 von Anna

Wir reden uns die Köpfe heiß, Die Zeit ruft den anscheinend unvermeindlichen “Zickenzoff” aus (den der Artikel in der ersten Version auch in der Überschrift stehen hatte), Familienministerin Schröder ist sowieso dagegen und die FDP meint gar, eine Quote sei verfassungswidrig.

Kanzlerin Merkel sah wohl heute die Notwendigkeit, für Ordnung zu sorgen und sprach ein Machtwort:

“Es wird keine gesetzliche Quote geben”, ließ Merkel über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert verkünden.

lesen wir in der taz. Und weiter:

Diese sei nicht durchsetzbar. Stattdessen wolle die Kanzlerin der Wirtschaft noch einmal Zeit geben, um Fortschritte zu erzielen. Dies dürfe aber nicht auf den “Sankt-Nimmerleins-Tag” verschoben werden.

Da sich dieser aber bekanntermaßen nicht datieren lässt, hat Merkel mal wieder das gemacht, was sie am besten kann: Schwammig bleiben, den Koalitionspartner nicht verschrecken und keinesfalls eine eigene Haltung zeigen.

Nach drei aufregenden Tagen heißt es also für uns: back to normal.


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Tagesschau: Komische Kronzeugin gegen die Quote

2. Februar 2011 von Nicole


Trotz der aktuellen Ereignisse in Ägypten fand auch gestern das Thema Quote den Weg in die Hauptnachrichtensendungen, allen voran das Flaggschiff (oh, oder ist das jetzt ein schwieriger Begriff?) des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: die ARD-tagesschau um 20 Uhr, Garant für ausgewogene und seriöse Berichterstattung.

„Umstritten“ sei die gesetzliche Frauenquote (wir berichteten) in der Koalition, hebt der Beitrag von Andrea Zückert an, um dann einer neutralen Kronzeugin für oder vielmehr gegen die Quote das Wort zu überlassen: Marie Christine Ostermann, Leiterin einer mittelständischen Firma und Bundesvorsitzende „Die Jungen Unternehmer“, ist gegen eine Frauenquote und darf auch gleich erklären, warum: Durch die Quote nämlich würde sie sich allein auf ihr Geschlecht reduziert fühlen und abgestempelt als Quotenfrau. Das wäre schlimm, denn schließlich sollen in der Wirtschaft Leistung und Qualifikation zählen. Und die hat Ostermann erbracht, um an ihre Position zu erlangen, wie der tagesschau-Beitrag uns in gebührender Neutralität und journalistisch sauber nahebringt: Sie ist jetzt die Chefin, kommt aber von ganz unten, „hat sich aus eigener Kraft an die Spitze gearbeitet“.
Oder, wie man es auch sagen könnte, sie ist Unternehmertochter, für die immer klar war, „dass ich einmal ins Unternehmen einsteigen werde.“ Sorry, liebe tagesschau, ererbter Reichtum und Familienbesitz in allen Ehren, aber nur weil man zwischendurch mal bei Aldi Kartons schleppt, hat man sich noch nicht aus eigener Kraft hochgearbeitet.

Aber weiter im Beitrag. Nicht nur Ostermann, auch die FDP ist ja gegen die gesetzliche Quote. Und ebenso Familienministerin Schröder, die nun ihre Kollegin von der Leyen vom Sinn und Nutzen der „flexiblen“ Quote überzeugt hat, also jener, die die Unternehmen selbst definieren dürfen. Alles andere wäre auch womöglich gefährlich, denn – das sind die letzten warnenden Worte des Beitrags: Die FDP befürchtet, dass eine gesetzliche Quote verfassungswidrig ist. Ach ja, die FDP oder die „Freunde der Freiheit“, wie Marie Christine Ostermann, die Kronzeugin gegen die Quote, sie nennt.

Danke für den Hinweis!


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Reden wir doch mal über die Männerquote!

1. Februar 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 48 der Serie Meine Meinung

Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dem Zwecke dient, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Diese Selbstverpflichtung sei, laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), “krachend gescheitert”. Sie fordert, dass eine gesetzliche Quote her müsse - jetzt! – die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll (wir berichteten).

Ein kurzer Blick in die Statistiken bringt Klarheit in den undurchsichtigen Wirtschaftssumpf: In den Vorständen der deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil sage und schreibe zwei Prozent. Das ist ein Witz. Aber weil wir uns so an die Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte gewöhnt haben, hilft hier vielleicht mal ein Perspektivwechsel, um dem Thema etwas mehr Brisanz zu verleihen.

Wenn wir die Frauenquoten-Debatten mal für eine Minute ruhen lassen und darüber nachdenken, warum die von der Leyens und Schröders dieser Welt noch nie die eigentlich viel dramatischere  Quote – die Männerquote – thematisiert haben, merken wir schnell: Eine Männerquote von 98% in den deutschen Vorständen könnte keine der Ministerinnen plausibel erklären, ohne über die Strukturen des Arbeitsmarktes, Diskriminierung, Sexismus und nicht zuletzt das verlässliche Old Boys Network zu sprechen. Aber das wäre ja unbequem. Dann würde es ja nicht mehr nur um Quoten gehen. Dann müssten wir uns gesamtgesellschaftlich die Frage stellen, ob wir so leben und arbeiten wollen. 50 – 60 Stunden die Woche unter Erfolgsdruck schuften? Familienfeindliche Strukturen? Eine nach einer männlichen Erwerbsbiographie ausgelegten Arbeitswelt? Nicht sehr attraktiv, mit oder ohne Quote.

Ja, die unionsgeführten Ministerien für Arbeit und Familie debattieren nun endlich über die Frauenquote. Aber: Wenn selbst die CDU sich zu Frauenförderung äußert, sollte man hellhörig werden. Und besonders auf die Argumentationslinien achten.

(weiterlesen …)


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Wir lassen uns aufregen: Blogschau zum Wochenende

22. Januar 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 92 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Die Honigsüße Welt fragt sich und ihre Leser_innen: „Woher kommt diese ‚Tradition‘, dass es für Frauen selbstverständlich ist zum Frauenarzt zu gehen, aber Männer gehen nicht zum Männerarzt?

Beim Mädchenblog spricht Blanca Dole vom feministischen Kollektiv der Uni-Frauen (so denke ich mir das zumindest mit meinem Urlaubsspanisch) über das Verbot der Notfallverhütung („Pille danach“) im April 2009 und dessen Folgen.

Und noch ein Blick über Deutschland und Europa hinaus: Bei L-Talk gibt es aus aktuellem Anlass – den Protesten und der Staatskrise in Tunesien – einen schon etwas älteren Text über die Situation von lesbischen Frauen im Land.

Die Denkwerkstatt berichtet über eine Veranstaltung mit Monika Hauser (Gynäkologin, Gründerin von Medica Mondiale, Trägerin des s.g. „Alternativen Nobelpreises“ 2008 und Kämpferin gegen sexualisierte Gewalt).

Ebenfalls beim Mädchenblog hat Leonie offenbar die Quotenintervention von Ursula von der Leyen (wir berichteten) vorausgeahnt und fragt schon mal „Warum eigentlich nicht gleich 50%?“

annalist verlinkt den Vortrag von Seda Gürses beim letztjährigen Kongress des Chaos Computer Clubs 27c3 über Privatsphäre, Datenschutz und Überwachung und legt ihn gerade Nicht-Informatiker_innen ans Herz (oder den Kopf).

Franziska Heine hat gelesen und gezählt, nämlich wie sich Frauen in der deutschen Blogosphäre selbst bezeichnen: Mädchen, Fräulein, Frau?

Bei words on a watch schreibt die Schriftstellerin Katharina Schultens über schlechte PR-Texte und gelangt auf kleinen Umwegen schließlich auch zum Auszählen – in diesem Fall der Repräsentation von Lyrikerinnen und Lyrikern.

Beim Feministischen Institut Hamburg gibt es eine ausführliche, persönliche und zugleich nüchtern-distanzierte Einzelfallstudie zum Umgang mit sexistischen Situationen: Was sage ich? Wie sage ich es? Wie reagiert er/sie und wie geht’s weiter?

Das Nuf könnte sich aufregen und tut es. Und zwar über einen Artikel im Nido (oder in der Nido anscheinend, sorry!), der das Schicksal von Mittelschichtsfamilien beklagt, die nach dem Kinderkriegen sparen müssen: „Man kann nicht mehr vier Mal in der Woche ausgehen, für den Jahresurlaub muss man sparen.“ Das Nuf rät: Jedes Kind nur ein Pony.

Eine elegante Überleitung zu einem kurzen Blick in die öffentlich-rechtliche Onlinewelt: rbb-Redakteurin Su Holder schrieb einen sogenannten „offenen“ – und bösen – Brief an die schwangere Kristina Schröder. Verletzung der Persönlichkeitsrechte fand ihr Arbeitgeber, der Sender Fritz, und nahm den Text von der Website.

Und zum Abschluss gibt’s noch einen Termin: Gestern starteten in Bielefeld bereits zum vierten Mal die „Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie“. Organisiert werden sie vom AStA der Fachhochschule Bielefeld, dem AStA der Universität Bielefeld sowie dem Frauencafé Anaconda, der Fachschaft Gender Studies und dem Autonomen Schwulen Referat (SchwuR) an der Uni Bielefeld. Bis zum 28.01.2011 gibt es noch zahlreiche Veranstaltungen, das ausführliche Programm hier.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Noch keine Chancengleichheit in den Führungsetagen

12. Oktober 2010 von Helga

Wie steht’s um die Geschlechterverhältnisse in den Führungsetagen? Das Hamburger Abendblatt berichtet von einer Studie der Uni Hamburg. In einigen Branchen, etwa dem Dienstleistungsgewerbe, haben Frauen danach schon aufgeholt, in vielen anderen hängen sie aber hinterher und steigen nicht so häufig auf wie die Männer.

Befragt, was sie als Managerinnen am Aufstieg hindert, nennen immer noch 24 Prozent “Vorurteile gegenüber Frauen”. Das lässt alle anderen Hindernisse weit hinter sich: 16 Prozent der Frauen nannten an zweiter Stelle “Probleme mit Vorgesetzten” und erst auf Platz drei “Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere”.

Ein häufig genanntes Argument für viele Ungleichheiten fällt inzwischen weg:

Man kann Frauen noch nicht einmal vorwerfen, dass sie sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften verschanzen: Auch im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften – der klassischen Startposition für eine Managementkarriere – stellen Frauen mit 53,2 Prozent den größten Teil [der Hochschulabsolvent_innen].

Allerdings sind unter den Führungsfrauen viele, die sich eine Managementkarriere eigentlich nicht vorstellen konnten und vergleichsweise wenig, die sie geplant hatten. Bei den Männern war das Verhältnis genau anders herum.

Vielleicht liegt es daran, dass es zu wenig Vorbilder gibt – und wenn es sie gibt, sind sie noch nicht einmal rundum glücklich: 49 Prozent der Führungsfrauen sagen, dass sie mit ihrer Arbeitssituation nur teilweise oder gar nicht zufrieden sind – unter anderem aufgrund schlechterer Bezahlung und einer geringeren Zahl von Mitarbeitern.

Große Neuigkeiten gibt es also nicht. Vorschläge zur Verbesserung der Situation gibt der Artikel leider auch nicht, nur dass familiengerechtere Personalpolitik nicht ausreichen wird. Dabei gibt es von der Quote über mehr Transparenz bei den Löhnen bis hin zu mehr Sensibilität für Genderfragen im Management eigentlich schon jede Menge Ideen.

(via twitter.com/frauenbarcamp)


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