Einträge mit dem Tag ‘Dresden’


Wer war… Lieselott Herforth? Kernphysikerin und erste Rektorin einer deutschen Universität

19. Dezember 2016 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 51 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Nach erfolgreichem (= abgeschlossenem) Lehramtsstudium in Musik und Physik arbeitet Julia-Josefine in der Physikdidaktik einer Berliner Uni. Und wenn sie gerade nicht die Studierenden mit Physik quält, liest sie gerne Bücher oder spielt Gitarre in der Band Totally Stressed. Für die Mädchenmannschaft hat sie die Biographie von Lieselott Herforth: Die erste Rektorin einer deutschen Universität von Waltraud Voss gelesen, erschienen im Transcript-Verlag (2016).

Dieses Jahr wäre Lieselott Herforth, Kernphysikerin und erste Rektorin an einer deutschen Universität, 100 Jahre alt geworden. Ein sehr guter Grund, sich mit dieser bemerkenswerten Frau zu beschäftigen. Das dachte sich auch Waltraud Voss und schrieb diese umfangreiche Biographie.

Buchcover: Lieselott Herforth. Die erste Rektorin einer deutschen Universität. Waltraud VossPhysik studieren und eine Frau sein, das ist auch heute noch mit einigen Vorurteilen verbunden. Ich musste leider hin und wieder die Erfahrung machen, nicht als kompetent genug betrachtet zu werden und wenn doch, dann wurde mir abgesprochen eine „richtige“ Frau zu sein. Wie muss es wohl zu Zeiten von Lieselott Herforth gewesen sein? Daher war ich sehr begierig darauf zu lesen, welche Erfahrungen sie gemacht hatte und wie ihr Umgang damit war. Immerhin hatte sie es bis zur Rektorin der Technischen Universität Dresden geschafft und war damit die erste Frau in Deutschland, die solch eine Stellung annahm.

Aber schon in der einleitenden Bemerkung wurde mir klar, dass diese Erwartungen wohl nicht erfüllt werden. Waltraud Voss stellt klar: Das Buch ist eine „Bestandsaufnahme“ ist. Was meinem Leseinteresse keinen Abbruch tat.

Das Buch ist eine umfangreiche und übersichtliche Darstellung von Lieselott Herforths Leben. Viele Originalquellen und Bilder sind zu sehen und Waltraud Voss nimmt sich ausreichend Zeit für alle Aspekte in Lieselotts Leben. So findet sich auch eine kleine und liebevoll ausgesuchte Zusammenstellung von Originalbriefen des Vaters an Lieselott.

Zu Beginn von jedem Kapitel findet sich ein gesellschaftlicher Abriss. Dies ist wichtig, denn Lieselott Herforth war Kernphysikerin. Der zweite Weltkrieg, der Bau der Atombombe, der Energiewechsel von Kohle zu Kernenergie, die Gründung der DDR bis hin zum Mauerbau, der Kalte Krieg: Das waren die Zeiten, in denen Lieselott in diesem Bereich tätig war, sich immer für eine friedliche Nutzung einsetzte und in entsprechenden Gremien vertreten war.

Wer sich nicht von diversen unerklärten physikalischen Begriffen wie „Strömungsionisationskammer“, „Szintillationszähler“ oder „Sekundärelektronenvervielfacher“ abhalten lässt und eine gut recherchierte und zusammengestellte Biografie lesen möchte, wird hier nicht enttäuscht. Denn auch ohne das physikalische Verständnis wird klar, dass diese Frau in Ihrem Gebiet viel geleistet hat. Als Wissenschaftlerin, aber auch als hervorragende Lehrerin und Reformatorin zur praxisnaheren Ausbildung. Das Buch ist eine angemessene Würdigung für das umfangreiche und beeindruckende Leben der Lieselott Herforth.


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Zum Mord an Khaled Idris Bahray

15. Januar 2015 von Charlott

Khaled Idris Bahray war 20 Jahre alt und aus Eritrea nach Deutschland geflohen. Mit anderen Geflüchteten lebte er gemeinsam in Dresden, eben jener Stadt mit den seit Monaten größten Pegida-Demonstrationen und wo nach einer dieser Demonstrationen im Dezember migrantisierte Jugendliche angegriffen wurden. Am Montag Abend verließ Khaled Idris Bahray seine Unterkunft um noch etwas einkaufen zu gehen. Er kam nicht zurück. Dienstagmorgen wurde er im Innenhof der Wohnsiedlung tot aufgefunden. Mekonnen Mesghena, der mit einigen seiner Mitbewohner_innen gesprochen hatte, postete auf Facebook:

Die Freund*innen und Mitbewohner*innen von Khaled Idris gehen von gewaltsamer Tötung aus, weil sie seine Leiche blutüberströmt und mit sichtbaren Verletzungen vorgefunden haben. Sie selbst stehen unter Schock und fürchten ähnliches Schicksal. Regelmäßig werden die Bewohner*innen der Unterkunft beschimpft und bedroht. Montags trauen sich die Flüchtlinge kaum aus ihrer Unterkunft, weil immer wieder aggressive Teilnehmer/innen der Pegida-Demonstrationen an ihre Eingangstür treten und die Bewohner*innen beschimpfen.

Und die Polizei? Diese verkündete zunächst, dass es keinerlei Hinweise auf ein Fremdeinwirken gebe (eine ‚Tatsache‘, auf die sich übrigens dann auch viele erst einmal in den sozialen Netzwerken bezogen und damit eine erschreckende Polizeigläubigkeit zu Tage legten). Man möchte sich nicht ausmalen, wie der Fall weiter behandelt worden wäre, hätte es nicht so schnell eine Öffentlichkeit und kritische Nachfragen gegeben. Gestern, nach der Obduktion, bestätigte der Dresdener Polizeipräsident Dieter Kroll nun doch, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Auf Trollbar heißt es:

Die [erste] Pressemeldung [zum Tod] liest sich, als sei er einfach umgekippt. Dass das Opfer erstochen worden war, darüber findet sich keinerlei Informationen. Auch nachdem die Polizei mittlerweile zugeben musste, dass ein Tötungsdelikt vorliegt, hat sie die Informationen auf ihrer Website nicht aktualisiert. Stattdessen schwafelt sie in ihrer aktuellen Pressemitteilung (heute, 14 Uhr) von einem missglückten Handtaschenraub und von zig Einbrüchen. Und der Clou: Für einen Unfall mit Sachschaden (!!!) sucht die Polizei Zeugen, für den Mord an dem Mann nicht. Ist ja nur ein Ausländer.

Wie kann eine sich jetzt die folgenden Ermittlungsarbeit vorstellen, wenn doch schon bereits von an Beginn an der Fall offensichtlich nicht ernst genommen und Gewalt vertuscht wird? Von einer Polizei, die auch nach den Angriffen im Dezember von einer betroffenen jungen Frau die Anzeige erst gar nicht aufnehmen wollte, da ihr unterstellt wurde, die Verletzungen sich selbst zugefügt zu haben? Wie soll diese Polizei (in Zusammenarbeit mit anderen Behörden) einem sehr wahrscheinlichen rassistischen Tathintergrund nachgehen, wenn doch die gesamte Polizeiarbeit eindeutig rassistisch strukturiert ist?

Von Pegida-Anhänger_innen und anderen Rassist_innen wird der Mord in jedem Fall im Netz bereits gefeiert. Und die mediale Berichterstattung schafft es auch kaum ohne Rassismus, so wird in fast jedem Text von „dem Afrikaner“ gesprochen, als habe er kein Herkunftsland und vor allem keinen Namen.

Denn eines steht fest: Ein junger Mann, Khaled Idris Bahray, ist tot. Er wurde umgebracht. Unser Mitgefühl sollte seiner Familie und seinen Freund_innen gelten. Und unser Blick auf die weiteren Ermittlungen und Berichte gerichtet sein – um immer wieder und wieder kritische Nachfragen zu stellen.

In Dresden fand gestern eine erste Gedenkveranstaltung statt. In Berlin sollen heute zwischen 9 und 18 Uhr Kerzen und Blumen vor der Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund (Brüderstraße 11, 10178 Berlin) abgelegt werden.


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Antifa-Sportgruppe, Alison Bechdel, Ärsche – kurz verlinkt

24. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 255 von 340 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat im Zuge ihrer Ermittlungen gegen eine vermeintliche „Antifa-Sportgruppe“ über „900.000 Datensätze von Handys erfasst sowie persönliche Daten von mehr als 55.000“ Demonstrant_innen und Anwohner_innen ausgewertet. Nun wurden alle Verfahren ohne Auflagen eingestellt, berichtet Spiegel Online.

Das Archiv für Jugendkulturen sammelt Geld, um das bereits bestehende Zine-Archiv weiterauszubauen. Dafür sollen Hefte mit Themen rund um Feminismus, Queerness und Riot Grrrls aufgekauft werden.

Auch in der Schweiz haben Aktivist_innen am Wochenende gegen selbsternannte „Lebensschützer“ demonstriert.

In Frankfurt blockierten am Montag behinderte Menschen eine Straße, um gegen die 90-prozentige Kürzung ihres Kontingents an Taxifahrten zu demonstrieren. Denn Mobilität, die die Stadt sonst gern groß feiert, gilt eben mal wieder nicht für alle, berichtet auch kobinet.

Englischsprachige Beiträge

Der Telegraph hat die Frage aufgegriffen, ob Gäste im Münchner Hofbräuhaus rassistisch diskriminiert wurden (wir berichteten).

Alison Bechdel hat einen McArthur Genius Grant gewonnen, freut sich Autostraddle und Feministing interviewt die Genius Grant Gewinnern Sarah Deer. Mehr großartige Gewinnerinnen stellt das Ms.Magazine vor.

Black Girl Nerds schreibt zum Schwarzen Cosplayer Darrien Hunt, der von der Polizei erschossen wurde. Auf Twitter thematisiert #BlackLivesMatter diesen und andere Fälle rassistischer (Polizei-)Gewalt.

„Why does a black butt only look good in white skin?“ Yomi Adegoke kommentiert im Guardian Cultural Appropriation und Körpernormierungen durch Künstler_innen und Mainstream-Medien.

Termine in Amsterdam, Bochum, Rostock und Wien

26. und 27. September 2014 in Rostock: Der der grrrlz*DaIY wird 4. Details gibt es hier zum nachlesen.

28. September in Wien: Kundgebung und Demo für sexuelle Selbstbestimmung, Zugang zum legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch und für reproduktive Rechte (Facebook-Link)

8. November 2014 in Amsterdam: „Returning the Gaze: Blackface in Europe„, eine internationale Aktivist_innenkonferenz.

Vom 3. November bis 14. Dezember 2014 wird Prof. Dr. Senay Kara der Universität Istanbul die Marie-Jahoda-Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum übernehmen und für Vorträge zur Verfügung stehen.


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Racial Profiling, Männlichkeitsdebatten und Lego – kurz notiert

26. April 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 156 von 340 der Serie Kurz notiert

In Uganda wird derzeit heftig über den Umgang der Polizei mit Frauenechtlerinnen debattiert. Seit einem Jahr gibt es immer wieder Vorfälle, zuletzt wurde die Aktivistin Ingrid Turinawe angegriffen, so der Daily Monitor.

Die Petition „Stoppt Racial Profiling“ wartet auf eure Unterschriften.

Queerlamefatfemme schreibt über die Notwendigkeit von safer spaces im Netz und Solidarität mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt.

In der Medizin stellen Frauen inzwischen 70 Prozent der Studienanfängerinnen – dennoch behindern „positive Vorurteile“ ihren Aufstieg auf der Karriereleiter, berichtet die Ärztezeitung. Auch an Risikobewertungen von Tätigkeiten müsse man arbeiten, besonders wenn es um den Mutterschutz geht.

Inzwischen gibt es die ersten Videos von “Words of Women from the Egyptian Revolution” (wir berichteten). In Episode 5 erzählen Hanan Sadek und ihre Tochter Mona El-Sabbahy, wie sie den Sturz des Regimes auf der Straße begleiteten. Die weiteren Folgen gibt es auf YouTube. (Die deutschen Untertitel wurden inzwischen vervollständigt, vielen Dank!.)



Eine Mutter schreibt ihrer Tochter einen Brief und bedauert, dass diese in einer Gesellschaft aufwachsen muss, in der Mädchen-sein als das schlimmste der Welt angesehen wird.

Die Musikerinnen von Pussy Riot bleiben weiterhin in Haft. In Dresden gab es eine Soli-Aktion für Pussy Riot in der Frauenkirche.

Mehr Lesefutter gibt es mit der neuen Ausgabe der an.schläge. Dieses Mal geht es unter anderem um Männlichkeitsdebatten und die Frage, wie sieht er eigentlich aus, der emanzipierte Mann.

Schauspielerin Vanessa Williams hat zusammen mit ihrer Mutter ihre Memoiren “You have no idea” geschrieben – und erzählt darin erstmals, wie sie sexuell belästigt wurde und dass sie eine Abtreibung hatte.

Aktivistinnen von Spark Movement waren zu Gast bei Lego, um über die Repräsentation von Frauen und Mädchen zu sprechen – Lego Friends wird leider bleiben, aber in allen anderen Sets sollen künftig mehr weibliche Figuren auftauchen, berichtet die Daily News.

Wer eine Reihe in die USA plant, sollte vorher bei Jezebel vorbeischauen. Im “War on Women” wird es derzeit allerorten ungemütlicher für Frauen, diese zehn Orte sind allerdings besonders furchteinflößend.

Termine

In Berlin wird am Samstag, den 28. April, die erste Riot Grrrl Compilation Release Party gefeiert.

Ab Donnerstag, 10. Mai 2012, ab 20 Uhr wird es einen neuen Stammtisch in Berlin geben: „Feminismus wagen“, und zwar in der BEGINE Frauenkneipe. Die Organisatorinnen (Feministische Partei Die Frauen, Landesmitfrauenverband Berlin) laden ein: „Wir wollen mit dir und allen interessierten Frauen in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre über Frauenpolitik diskutieren.“ Dieser Stammtisch wird zukünftig jeweils am 2. Donnerstag ab 20 Uhr in der Begine stattfinden.


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2,7 emanzipatorische Tage in Dresden

12. April 2012 von Magda

Vom 27. bis 29. April findet in Dresden die Veranstaltung „eh! 2,7 emanzipatorische Tage“ statt. Was erwartet euch?

Wir starten mit einem Einblick in das Zusammen­wirken von Kategorien wie sex, race und class im Kapitalismus, beschäftigen uns mit eigenen Identitäten und Normierungen, hören etwas über den Kampf um körper­liche Selbst­bestimmung in der Inter*-Bewegung oder lernen, wie sich Kunst als Mittel der Selbst­ermächtigung eignet. Ab­gesehen von Vorträgen und Work­shops erwarten euch auch Film, Konzert, Theater und Party. Zudem wird es während des Wochen­endes genügend Zeit für gemeinsame Diskussionen und die Ver­netzung unter­einander geben. Keine Bange – für leckeres Essen ist ebenfalls gesorgt.

Was – nur 2,7 emanzipatorische Tage?! Die Organisa­tor_innen stellen klar: „Emanzipation ist ein Prozess, der nicht nur 2,7 Tage dauert, aber dieses Woche­nende wird auch nicht das letzte sein, mit dem wir euch aufrufen: „eh!“ – Emanzipation ist kein Pony­hof!“


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