Einträge mit dem Tag ‘Definitionsmacht’


Keine Frage der Haut

24. September 2013 von Gastautor_in

Wir freuen uns sehr über diesen Gastbeitrag von Simone Dede Ayivi. Sie studierte Kulturwissenschaften und ist als Theaterarbeiterin in den Feldern Regie, Dramaturgie und Performance tätig. Von ihr erschien Anfang dieses Jahres auch ein Beitrag zur Kinderbuchdebatte.

Am 7. Januar 2012 hatte „Ich bin nicht Rappaport“, ein Theaterstück des US-amerikanischen Autors Herb Gardner, am Berliner Schlossparktheater Premiere. Das Schlossparktheater wird von Dieter Hallervorden geführt, der auch eine der beiden Hauptrollen spielt – den weißen Amerikaner Nat, ein älterer Mann, der seine Tage mit dem Afroamerikaner Midge (Joachim Bliese) verbringt. Die Problematik dieser Besetzung wurde allerdings schon vor der Premiere deutlich.

Das Plakat zeigte Hallervorden in alberner Pose, der auf einen dümmlich dreinschauenden, schwarzgeschminkten Joachim Bliese herabblickt.

Eine Fehlleistung, auf die schon nach kurzer Zeit in Form von Facebook-Kommentaren und Protestbriefen an das Theater reagiert wurde.

Schwarze Menschen von angemalten Weißen spielen zu lassen, steht in der theatralen Konvention des Blackface. Mit der Kritik an der Verwendung dieses rassistisch konnotierten Theatermittels drängte eine  längst überfällige Debatte über rassistische Praktiken auf deutschen Bühnen in die breite Öffentlichkeit.

Wie groß unser Rassismusproblem wirklich ist, wurde deutlicher, je länger die Debatte andauerte: Der Diskussionsverlauf gibt Aufschluss über die Rassismus verharmlosende und verleugnende Stimmung, die der Debatte zu Grunde liegt. Eine Stimmung, die nicht theaterspezifisch ist,  sondern sich auch in anderen Bereichen zeigt. Der Theaterbetrieb ist also kein rassistischer Extremfall, aber eben entgegen der landläufigen Meinung auch keine diskriminierungsfreie Insel. Dies zeigt sich zu aller erst darin, dass die Thematisierung von Rassismus offensichtlich als störend empfunden wird und eine Diskussion über dieses Thema möglichst vermieden werden soll. So kommt das Gespräch sehr schnell auf die Frage der Haut. (mehr …)


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Anschreiben gegen alle *ismen – Die Blogschau

20. Juli 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 211 von 259 der Serie Die Blogschau

Zu erst: Frauen, Trans* und Inter*, die sich als Schwarze, of Color, als jüdisch, muslimisch, im Exil lebend, als Sinti und Roma oder als Migrant_in verstehen, können sich jetzt für die Konferenz FemoCo 2013 anmelden. Sie findet am 07. und 08. September in Berlin statt.

Auf drop the thought schreibt Helga zur Drohung von Lammert, dass die “Eingetragene Partnerschaft” abgeschafft werden würde, und warum dies nicht die “Homo-Ehe” tangiert.

Langweilige Zimmerwände sind langweilig? Bei Handgemachtes gibt es eine tolle Anleitung, wie dich bald die Gesichter von Buffy und Freund_innen angucken können.

Die trans*geniale f_antifa berichtet von der Mad & Disability Pride Parade, welche am 13. Juli in Berlin stattfand.

Katrin von reizende Rundungen zeigt an einem Beispiel, dass fat shaming eben kein Mythos ist, sondern alltägliche Realität.

Einen Brief an die Filmfigur Wendy aus „The incredibly true adventures of two girls in love“ schreibt Clara Rosa auf ClassMatters. Sie bemerkt unter anderem: “Du warst der perfekte Zerrspiegel für das, was ein_e Queerfeminist_in offenbar nicht zu sein hat. [...] Aber Wendy – Dir kann das egal sein. Denn Du bist wunderbar.”

Auf ['cosmonautilus] wird noch einmal das Konzept Defintionsmacht erläutert.

Beauty-Blogger_innen können ziemlich hohe Leser_innenzahlen erreichen. Das macht sie auch besonders interessant für die Kosmetikindustrie. Brigitte schaut sich auf denkwerkstatt dieses Zusammenspiel im deutschsprachigen Raum an.

fuckermothers weist auf den Vortrag “Überschwemmt von Geschlechtshormonen. Zur Geschichte des endokrinologischen Modells der Schwangerschaft” hin, der online zu hören ist.

Die Schrifstellerin Chimamanda Ngozi Adichie gewinnt den diesjährigen Chicago Tribune Prize for Fiction schreibt Stefanie auf Afrika Wissen Schaft.

Nein, ich höre nicht auf zu jammern!“, schreibt aufZehenspitzen.

Auf dem antiblog gibt es eine kurze Geschichten zum Aufeinandertreffen mit einem (vermutlichen) Pickup Artist. Wie eins erwarten könnte: [Inhaltshinweis: Übergriff].

Jonathan Meese reproduziert “Gesellschaftsscheiße”. Bushido reproduziert “Gesellschaftsscheiße”. Aber die Messlatte für beide wird sehr unterschiedlich angelegt, stellt Nadia bei Shehadistan fest.

Heute findet in Freiburg ein Holi-Fest statt und auch in anderen Städten in Deutschland erfreuen sich überwiegend weiße Menschen an diesem Fest-Import. Auf tea-riffic wird beschrieben, warum eins da nicht hingehen sollte. Stichwort: Kulturaneignung.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Solidarität muss praktisch werden: Der konsequente Ausschluss von Tätern.

21. Juni 2013 von Viruletta

[Triggerwarnung: Gewalt gegen Frauen*, rape culture, sexualisierte Gewalt, Tätersolidarität. Gilt auch für die Links und die Kommentare.]

Studien in Deutschland und den USA zufolge wird etwa jeder vierten Frau mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt angetan. Das ist ein ziemlich hoher Prozentsatz – und die Dunkelziffer dürfte sogar noch weit darüber liegen. Trotzdem gehen die meisten Menschen davon aus, weder Betroffene noch Täter in ihrem sozialen Umfeld zu haben. Rein rechnerisch müsste jede Person aber mindestens eine, wenn nicht sogar mehrere Betroffene kennen. Bei Tätern dürfte es sich ähnlich verhalten. Für die Betroffenen gibt es viele Gründe, zu schweigen. Im folgenden soll es darum gehen, welche Rolle das soziale Umfeld spielt und wie wir alle dazu beitragen können, der Vergewaltigungskultur, in der wir leben (müssen), etwas entgegen zu setzen.

Mangelnde Solidarität

Mangelnde Solidarität mit den Betroffenen von sexualisierter Gewalt ist ein Hauptgrund dafür, dass viele Betroffene die ihnen angetanen Gewalttaten nicht öffentlich machen. Oftmals befürchten sie, nach einem Outing des Täters (einem Öffentlichmachen der Taten) noch schlechter darzustehen als ohnehin schon. Leider sind diese Sorgen auch nicht ganz unberechtigt. Das soziale Umfeld der Betroffenen – Freund*innen, (Wahl-)Familienmitglieder, Politgruppen, Wohnzusammenhänge, usw. – verhält sich oft un_bewusst tätersolidarisch. Das reicht vom Nicht-glauben oder Herunterspielen der Tat über Entschuldigungen für das Verhalten des Täters bis hin zu Schuldzuweisungen an die Betroffene oder gar offene Drohungen. All diese Reaktionen sind Bestandteil einer Vergewaltigungskultur, also einer Kultur, in der sexualisierte Gewalt weit verbreitet ist, geduldet wird und für die Täter weitestgehend ohne Folgen bleibt. Eine Betroffene, die über die Taten spricht, stört diese Ordnung und wird dafür gesellschaftlich sanktioniert (bestraft).

Die Verantwortung liegt bei uns allen

Um diese Vergewaltigungskultur zu bekämpfen, müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Betroffene sich trauen die Taten öffentlich zu machen und sich Unterstützung zu holen. Diese müssen sie in dem Falle natürlich auch uneingeschränkt erhalten. Auf der anderen Seite muss (potentiellen) Tätern deutlich gemacht werden, dass sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, wenn sie anderen Menschen sexualisierte Gewalt antun. Es muss also eine Situation geschaffen werden, in der allen klar ist, dass sexualisierte Gewalt nicht geduldet wird. Und zwar unter keinen Umständen.

Das Ganze klingt paradoxerweise (scheinbar widersprüchlich) genauso einleuchtend wie utopisch (Utopie = Wunschtraum). Die Verantwortung liegt bei uns allen. Wie wir mit Betroffenen und mit Tätern umgehen, entscheidet mit darüber, wie leicht es Menschen fällt, sexualisierte Gewalt anzuwenden. (Was aber keineswegs auch nur einen Bruchteil der Schuld von den Tätern nimmt.)

Konsequente Solidarität – Täter ausschließen

Auf High on Cliches ist letztes Jahr ein Beitrag erschienen, der seitdem beständig zu den Beiträgen gehört, die ich am häufigsten verlinke. Er gehört einer (sehr lesenswerten!) Serie mit dem Titel “You can stop r***” (“Du kannst Vergewaltigungen stoppen”) an, und wirft die scheinbar einfache Frage auf: “Warum seid ihr noch Freunde?”. Das Fazit, dem ich mich anschließen möchte, lautet:

Grenzüberschreitendes Verhalten hält nicht nur an, weil es Menschen gibt, die Grenzen überschreiten. Es hält an, weil eben diese Menschen keine Sanktionen zu erwarten haben. [...] Also merke: Menschen, die Grenzen verletzen, sind nicht deine Freunde. Oder du bist mitschuld.

Der offene Ausschluss eines Täters erfordert jedoch eine Positionierung, die viele Personen lieber umgehen würden. Während der Ausschluss der Betroffenen stillschweigend erfolgt, muss im Falle des Auschlusses des Täters klar Stellung bezogen werden. Das mag für einige nicht einfach sein – verglichen mit dem, was die Betroffene durchmachen musste und muss, sollte sich der Blickwinkel jedoch etwas verschieben. Wichtig zu bedenken ist hierbei immer: Nicht die Betroffene ist es, die durch das Outing des Täters die vermeintliche “Harmonie” stört. Dies hat der Täter längst selbst getan, indem er einem anderen Menschen Gewalt angetan hat. Das ignorieren der Tat macht sie nicht ungeschehen. (mehr …)


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Über Sexismus reden – Antisexismus-Tage Wuppertal

3. August 2012 von Viruletta

Sexismus und sexualisierte Gewalt sind Alltag. Auch in linken Zusammenhängen. Um dieses oft tabuisierte und kleingeredete Thema zur Sprachen zu bringen, organisieren Aktivist*innen aus Wuppertal und Berlin nun die Antisexismus Tage Wuppertal vom 10. bis 12. August.

Logo der Antisexismustage Wuppertal - rote und blaue Linien auf weißem Hintergrund

Linke und/ oder autonome Zentren labeln sich in der Regel als antisexistisch. An Türen und Wänden kleben meist Zettel, auf denen steht, dass Macker*innen hier nicht gerne gesehen und sämtliche *ismen bekämpft werden würden. Dies soll zum einen ein Gefühl von Sicherheit und Willkommensein vermitteln, zum anderen das Selbstverständnis der dort arbeitenden Gruppen zum Ausdruck bringen. Doch leider genügt eine gute Absicht, auch wenn sie noch so plakativ nach außen getragen wird, noch lange nicht, um einen tatsächlich gewaltfreien Raum zu schaffen. Zettel und Schilder halten Menschen nämlich nicht davon ab, sich wie Arschlöcher zu verhalten, Privilegien auszuspielen und anderen Menschen Gewalt anzutun.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Zumindest nicht für Menschen, die von den *ismen betroffen sind, deren Bekämpfung sich linke Gruppen nur zu gerne auf die Fahnen schreiben. Aber trotzdem wird all das viel zu selten thematisiert, was nicht zuletzt daran liegt, dass in linken Zusammenhängen in den meisten Fällen dieselben Hierarchien bestehen wie in der restlichen Gesellschaft. Lieber wird abgelenkt, in­dem der Fokus auf die „richtigen“ Sex-, Rass- oder sonstige -ist*innen gelenkt wird. Die Probleme werden ausgelagert, die eigene Position im System tot­ge­schwiegen. In Wuppertal wurde Anfang Mai eine Kampagne gestartet, die sagt: Es reicht! (PDF) In einer 8-seitigen Stellungnahme wird dort die Schließung des AZ Wuppertals gefordert.

Indem ein Raum existiert, der ein angeblicher Freiraum ist, schafft er Hoffnungen und zerstört sie umso gründlicher. In der Schule, auf der Arbeit, im Supermarkt, im Bus, werden wir zu angeblich “anderen”/”nichtdeutschen”, in unserer Existenz unsichtbar gemacht, widerlich angebaggert, einer permanent, latenten Bedrohung durchs nicht-weißmännlichdeutschhetero sein ausgesetzt – im AZ auch. Und das ist tausendmal schlimmer als im Bus. Denn es verbleibt kein Ort mehr. Ihr nehmt den Raum weg. Den Raum den es geben könnte.

FÜR DIE FOLGENDEN ZWEI ABSÄTZE GILT EINE TRIGGERWARNUNG! (mehr …)


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Über Konsens reden – aber richtig!

5. April 2012 von Helga

Unter dem Titel „Die Angst, Nein zu sagen“ beschrieb Annabel Wahba in der ZEIT letzte Woche aktuelle Diskussionen zum Thema sexuellen Missbrauch. Leider beginnen die Bauchschmerzen schon im einleitenden Satz:

Zwischen einvernehmlichem Sex und einer Vergewaltigung liegt eine Grauzone […]

Wie im Artikel ausführlich beschrieben, gibt es in der Tat eine rechtliche Grauzone. Leider arbeitet der Artikel aber ausschließlich mit dem deutschen Rechtsbegriff, statt diesen zu hinterfragen und auf andere Möglichkeiten einzugehen. So geht es um die Anschuldigungen an Julian Assange und die schwedische #prataomdet-Diskussion. Dass es in Schweden eben strafbar ist, wenn man Sex ohne Kondom hat, obwohl der/die Partner_in auf einem Gummi bestand, bleibt außen vor.

Ebenfalls völlig unerwähnt bleibt, dass in den vergangenen Jahren, über rechtliche Begriffe hinaus, neue Konzepte und Ideen zu Sexualität entwickelt wurden. Aus der alten Parole „Nein meint Nein“ ist „nur ein enthusiastisches Ja meint Ja“ geworden, bereits 2008 erschien Yes Means Yes von Jaclyn Friedman und Jessica Valenti. Das Zustimmungskonzept verschiebt den Fokus auf die Einvernehmnlichkeit des Sex – damit Grauzonen gar nicht erst entstehen.

Weg von derzeitigen Rechtsbegriffen geht auch das Konzept der Definitionsmacht. Danach gelten auch Taten als sexualisierte Gewalt, die vom Gesetz nicht erfasst werden, unerwünschte Zungenküsse etwa. Statt der komplexen Debatte um „Grau­zonen“ und Grenzüberschreitungen gerecht zu werden und sie voran­zu­treiben, bleibt der Artikel leider bei der Grenze „Nein“.

Nur angerissen wird die Frage nach Erwartungen und Machtverhältnissen. „Männer müssen immer wollen“ und „Frauen die Sex geben“ sind zwei Annahmen, die dem offenen Umgang mit Sexualität gegenüberstehen. Aber auch Abhängigkeiten und das Gefühl, jemandem Sex zu schulden, spielen eine Rolle. Wie das real aussehen kann, zeigt ironischerweise das deutsche Recht: Erst 1997 wurde Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt, erst seit 2004 ist es auch ein Offizialdelikt, der unabhängig von einer Anzeige verfolgt werden muss. Vorher war jede_r Verheiratete zum Sex verpflichtet. Schließlich behauptet der Artikel:

Dabei wird Sex nach einem »Nein« der Frau, selbst wenn sie es im letzten Moment ausgesprochen hat, vor Gericht immer als Vergewaltigung gewertet.

Ein „Nein“ reicht leider auch in Deutschland noch lange nicht aus, immer wieder müssen Opfer erklären, warum sie sich nicht stärker gewehrt haben.

Insgesamt wiederholt der Artikel ein Muster, das in Konsensdebatten immer wieder zu beobachten ist: Zwar sind die meisten Menschen (auch Männer!) in der Lage, über Sex subtil zu kommunizieren. Sobald das Wort „Vergewaltigung“ fällt, werden wieder „eindeutige“ Signale eingefordert. Wenn wir ernsthaft über „das Grauzonen-Problem“, Grenzverletzungen und sexuelel Gewalt reden wollen, müssen wir weiter denken!


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Was mir bleibt: die Definitionsmacht

20. Oktober 2011 von Helga

Reden wir über Definitionsmacht. Ein Konzept, das von Feministinnen maßgeblich geprägt wurde. Es bedeutet, dass die Opfer und Betroffenen von sexualisierter, transphober, homophober, behindertenfeindlicher oder rassistischer Gewalt das Recht haben, die Gewalt als solche zu benennen. Es steht den ansonsten herrschenden Relativierungsversuchen und dem Rechtfertigungsdruck gegenüber.

Vor einiger Zeit geriet ich auf Twitter durch ein Missverständnis in einen mächtigen Shitstorm. Neben allgemeinen Vergewaltigungsandrohungen gegenüber Fe­mi­nis­tinnen wurden dabei ganz speziell auf mich bezogene Szenarien entworfen. Wie ich zu vergewaltigen sei und warum das gerechtfertigt sei. Daneben eine Reihe an Be­leidigungen, die sich schon fast harmlos gegenüber der sexualisierten Gewalt ausnehmen.

Diese Sprüche wurden von der Urheberin als total normal angesehen, von diversen Leuten wurde sie für ihren Humor verteidigt und die Provokation sogar gelobt.

Dabei finde ich ich die ganze Geschichte nicht witzig, mich ekelt die Verachtung an, die Respektlosigkeit gegenüber meinem Körper, meinem Recht auf Selbst­be­stimmung und körperlicher Unversehrtheit. Vermutlich waren die Aussagen sogar straf­bar (sie sind inzwischen gelöscht, aber an anderer Stelle dokumentiert.)

Und ich wehre mich gegen jeden Versuch, mir jetzt noch meine Meinung ab­zu­sprechen, mir eine andere vorschreiben zu wollen und mir als Betroffener die Definitions­macht wegzunehmen. Ich wehre mich gegen jeden Versuch, die Vorgänge zu relativieren und über Rechtfertigungen zu spekulieren. Ich wehre mich auch gegen Überlegungen, welche Auswirkungen solche Vor­gänge auf Ver­ge­wal­ti­gungs­opfer haben. Das alles ist völlig irrelevant!

Es ging um mich, meine Person, meinen Körper und ich sage: Sexualisierte Gewalt und Aufrufe dazu sind das Letzte und genau das ist passiert. Es sind Versuche mich einzuschüchtern und mich fremd zu bestimmen. Das zu benennen und mich dagegen zu wehren, ist meine Definitionsmacht. Wer sie nicht anerkennt, hält die perfiden Systeme von Unterdrückung, Einschüchterung und Verharmlosung von Gewalt am Leben.

Dieser Text erschien gestern abend zuerst auf Drop the thought.


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Der volle Terminkalender im Oktober

6. Oktober 2010 von Magda

In Berlin läuft im Schwulen Museum vom 5. Oktober bis 22. November täglich (außer Dienstag) die Ausstellung gender_gap.

Vom 8. bis 10. Oktober veranstalten die Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) den WorkshopHomophobie, Devianz und weibliche Homosexualität im Nationalsozialismus. Geschichte und Gedenken“.

Zur Deckung der Kosten für die Trans*tagung 2010 findet am 9. Oktober die Benefizparty „Boobs, Brain & Bollox“ in Berlin statt.

Das Antisexistische Aktionsbündnis München lädt am 12. Oktober im Münchner Kafe Marat zum Workshop „Definitionsmacht und Zustimmungskonzept“ ein.

Vom 12. bis 17. Oktober findet wieder das Bremer Queerfilmfestival im Kino 46 statt. Dort werden neue Filme von lesbischen, schwulen und trans* Filmemacher_innen gezeigt.

Am 16. Oktober findet ab 21h ein Solikonzert für die Aktivist_innen gegen den “1000 Kreuze Marsch” mit Sookee (feminist hiphop) und Krikela (accoustic/folk/lyric) in der Baracke in Münster statt. Eintritt 4-7 Euro.

Am 19. Oktober könnt ihr in Bremen der Veranstaltung “Hoffnungslos Feministisch? 3.0″ (PDF) lauschen – eine Lesung und Diskussion mit Frigga Haug (via femrefbremen).

Dr. Ilse Kokula, Pionierin der Lesbenbewegung und der Lesbenforschung, gibt am 22. Oktober in Berlin eine von der Heinrich Böll Stiftung initiierte Veranstaltung zum Thema “Zeitzeuginnen der Berliner Lesben-/ Frauenbewegung im Dialog der Generationen“. Eintritt: frei.

Vom 28. bis zum 30. Oktober findet in Berlin der von der Bundeszentrale für Politische Bildung initiierte Kongress “Das Flexible Geschlecht” zu Gender in Krisenzeiten in der globalen Ökononmie statt. Unter anderen mit dabei: Susan Pinker, Sonja Eismann, Hilal Sezgin und Heide Oestreich.

Das Berliner Pornfilmfestival feiert in diesem Jahr sein 5jähriges Bestehen und zeigt vom 28. bis 31. Oktober im Kino Moviemento erneut ein vielfältiges Programm rund um Erotik und Sexualität.

Am 30. Oktober findet das Barcamp Frauen in Berlin statt. Die Themenwahl könnt ihr im Barcamp Forum selbst festlegen!

Ebenfalls am 30. Oktober gibt es unter dem Motto “My Body My Choice” die Gegendemonstration zum “1000 Kreuze Marsch” in München.

Wir haben eine Veranstaltung in deiner Nähe vergessen? Schreib uns unter post[at]maedchenmannschaft.net oder poste sie hier in die Kommentare.


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Fleißige Ladies im Web: Die Blogschau

2. Oktober 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 58 von 259 der Serie Die Blogschau

Anne Roth twitterte Anfang der Woche, dass die Heinrich Böll-Stiftung zur “gänzlich frauenfreien Netzpolitikveranstaltung” lädt. Ein paar Tage später konnte man doch ein paar Frauen unter den Referent_innen finden. Anne Roth resümiert in einem späteren Blogartikel:

Natürlich gibt es ausreichend Frauen, die zu den Themen etwas sagen können. Sicher weniger als Männer, aber auf jeden Fall genug, um so ein Tagesseminar zu füllen. Falls doch mal eine Lücke entsteht, gibt es diese praktische Website: geekspeakr.com.

Der Mädchenblog hat einen grandiosen Buchtipp – Girls to The Front - über die Riot Grrrl Bewegung, empfohlen von den Musikerinnen von Le Tigre Kathleen Hanna und Johanna Fateman.

Onyx schreibt auf Gedankensalat über unhinterfragte Sexismen.

Auf Don’t you Believe the Hype gibt es eine Zusammenfassung der Broschüre “Starke Frauen, schwerer Weg” über die Benachteiligung muslimischer Frauen in der Gesellschaft, herausgegeben vom Interkulturellen Rat in Deutschland.

Gwen Dragon macht sich auf Biblio Draconis über den so genannten gender gap – dem Unterstrich_i - Gedanken und befindet, dass das Binnen-I besser sei.

Auf DieStandard.at gibt es einen kritischen Gastbeitrag von Marina Rauchenbacher zur Frida Kahlo-Ausstellung im Wiener Bank Austria Kunstforum.

Die Stadtpiratin schreibt in ihrem Artikel “Hand aufs Herz, Lady” über Alice Schwarzer, Post-Feminismus und eine neue Weiblichkeit. Mehr zu Schwarzer und ihrem neuen Buch gibt es auf dem Theorieblog.

Zur Zeit findet die Young Media Summit in Kairo statt

Was bedeutet Bloggen in Deutschland, was in der arabischen Welt? Was können Blogger zum interkulturellen Dialog beitragen? Gibt es Gleichberechtigung beim Zugang zum Netz zwischen Männern und Frauen? 18 Blogger aus Deutschland und arabischen Ländern werden vom 2. bis 4. Oktober beim Young Media Summit 2010 in Kairo Antworten auf diese Fragen suchen.

Mit dabei sind Fräulein Tessa (flannel apparel), Annina Luzie Schmid (Girls Can Blog) und Julia Seeliger (Zeitrafferin).

Termine nach dem Sprung (mehr …)

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Frauen aus aller Welt, Definitionsmacht und die Verhütungsspritze

24. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 57 von 251 der Serie Kurz notiert

Insgesamt 16 Geheimdienste gibt es in den USA und seit kurzem das erste Mal eine Direktorin, berichtete dieStandard.at. Letitia Long führt nun die „National Geospatial-Intelligence Agency” (NGA), die es erst seit 1996 gibt und, wie der Name vermuten lässt, auf drei-dimensionale Landkarten spezialisiert ist.

In der Jungle World geht es in einem ausführlichen Dossier um Feminismus und Definitionsmacht. Statt Opfern einen Ausweg aufzuzeigen, werde ihnen eine neue Ideologie übergestülpt, die Sexismus als unüberwindbar ansieht, Frauen als überemotional hinstellt und Begriffe wie Gewalt entleert. Fazit: Letzlich sei Definitionsmacht frauenverachtend und anti-feministisch.

Auf Fotos werden saudische Frauen oft stereotyp dargestellt, deswegen fotografiert Madawi Balghunaim lieber selbst. Ihre Aufnahmen und die anderer saudi-arabischer Fotografinnen zeigt die BBC in einer Bildergalerie.

Auch die ZEIT stellt Frauen vor, die Klischees sprengen. Es geht um „die großen Damen der Autogeschichte”.

Speziell um Feministinnen ging es beim Observer. Sieben Aktivistinnen aus aller Welt erzählen, warum der Kampf für Gleichberechtigung noch nicht gewonnen ist und welche speziellen Probleme sie gerade angehen.

Vergangene Woche war die Latina Week of Action for Reproductive Justice, die die besondere Perspektive von Latinas auf Verhütung und Fortpflanzungsdebatten in den Vordergrund rückte. Akimbo stellte daher verschiedene lateinamerikanische Gruppen und ihre derzeitigen Aktivitäten vor.


Über Girls Can Blog die Mama Grizzlies, die sich gegen Sarah Palin wehren.

Wie bereits berichtet, wird in Münster an der Verhütungsspritze für den Mann gearbeitet. Sie hat es inzwischen in die letzte Phase der klinischen Prüfung geschafft. Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Spritze sogar mehr Sicherheit bieten wird als die Pille. Die Testphase wird laut Ärztezeitung 2012 abgeschlossen werden.

In Indonesien gibt es nach heftigen Beschwerden über sexuelle Belästigungen nun spezielle Frauenwagons in Zügen, berichtet die BBC. Das zugrunde liegende Problem, der mangelnde Respekt vor Frauen, ist damit natürlich noch nicht gelöst, kritisieren Aktivist_innen.

Nach dem Klick dann noch die Termine (mehr …)


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