Einträge mit dem Tag ‘Berlinale’


Barrierearmer Aktivismus, rechte Propaganda zu sexualisierter Gewalt und ein African Feminist Internet – kurz verlinkt

16. Februar 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 340 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Noch bis Sonntag läuft mit der Berlinale eines der weltweit größten Filmfestivals. Der Tagesspiegel hat zu diesem Anlass unterschiedlichste Zahlen zu Geschlecht in der Filmwelt zusammengetragen und ausgewertet: Wie viele Frauen studieren Regie? Wessen Fime bekommen wieviel Förderung? Werden mehr Filme von Männern oder Frauen in Zeitungen besprochen? Wie werden Neben- und Hintergrundsrollen besetzt? (Wie diese Beispielfragen bereits deutlich machen, bleiben die Zahlen (und auch die Analysen) aber klar in der Zweigeschlechtlichkeit verankert und weitere Differenzkategorien bleiben unbeachtet.)

Der Fall Gina-Lisa ist abgeschlossen – aber Fragen bleiben„, schreibt Sylvia Margret Steinitz beim Stern.

In der Silvesternacht soll in Frankfurt ein „Sex-Mob“ agiert haben – doch diese medial weit verbreitete Geschichte ist nur eines: eine Lüge. AfD Wahrheiten schreibt über die und Verbreitung des Gerüchts/ der Propaganda. der Notwendigkeit von Faktenchecks und Geduld bei Medien-Konsument_innen.

Erinnerung: Noch bis zum 1. März 2017 können Anträge mit Ideen und Pläne für Projekte bei filia.die frauenstiftung eingereicht werden. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Mädchen und junge Fauen frei von Gewalt leben und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden können. Unterstützt werden Projekte mit bis zu 5.000€. Die eingegangenen Anträge werden von den Mädchen und jungen Frauen des Mädchenbeirats gelesen und diskutiert.

pro familia Berlin sucht zum 01. Mai 2017 (die Stelle ist bis zum 30.04.2019 befristet) eine Fachliche Koordinator_in für 20 Wochenstunden für das neue Projekt „Fachinformations- und
Vernetzungsstellen für die qualifizierte Hilfe und Unterstützung von schwangeren, geflüchteten Frauen“.

englischsprachige Links

Romantic Love is Killing Us: Who Takes Care of Us When We Are Single?„, fragt Caleb Luna.

Sechs behinderte Aktivist_innen sprechen bei Autostraddle über die Themen, die sie gerade bewegen, aktivistische Erfahrungen und der Umgang mit Barrieren beim Aktivismus. Außerdem findet sich unter dem Artikel eine Accessible Resistance Resource List.

Irene Kagoya präsentiert bei GenderIT ihre Vorstellungen von einem African Feminist Internet.

„You have a right to exist safely in digital spaces.“, heißt es im DIY guide to feminist cybersecurity, wo es ausführliche Anleitungen und Erklärungen rund um technische Schutzoptionen geht.

Termine in Berlin, Bern, Köln, Stuttgart, Wien

17. Februar in Berlin: Fachgespräch: „Wer hat Angst vor Geschlechterforschung? Strategien für ein Forschungsfeld unter Druck„. Anmeldung bis zum 14.02. über die Webseite.

21. bis 25. Februar in Stuttgart: meccanica feminale findet statt mit einer ganzen Reihe von Kursen, einige gehen einen Tage, andere eine halbe Woche.

4. März in Köln: Ab jetzt ist eine Anmeldung möglich: #body*talk. Rollenbilder, Schönheitsdiktate und Empowerment im Netz.

4. März in Wien: Podiumsdiskussion – Zum Stand feministischer Kämpfe mit Mädchenmannschaftsbeteiligung. (FB-Link)

9. bis 11. März in Bern: CKSTER-Festival zum Thema Gender Hacking.

11. März in Berlin: 7. Barcamp Frauen. Infos findet Ihr hier.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Rache an den Jägern und bräsigen Männlichkeitsvorstellungen – Ein blutig-feministisches Märchen

14. Februar 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 27 von 27 der Serie Die Feministische Videothek

Immer wieder hallen Schüsse durch den Wald. Aufgescheuchtes Wild rennt zwischen Bäumen durch die hügelige Landschaft: Rehe, Dachse, Wildschweine, Füchse. Die Tiere – mal aufgeschreckt, mal unheimlich starrend, mal gequält, mal in sich ruhend, mal korpulierend – sind fast so wichtige Darsteller_innen wie die ihnen an die Seite gestellten Menschen in Agnieszka Hollands aktuellem Film Pokot (Spoor), der derzeitig auf der Berlinale im Wettbewerb läuft.

In diesem Film, der sich als eine Mischung aus Krimi, Thriller, Märchen und hintersinnige Komödie darstellt, lebt die eigensinnige Duszejko (herausragend gespielt von Agnieszka Mandat), pensionierte Brückenbauingenieurin, die nun Englischunterricht in einer Schule gibt, in einem kleinen Ort im polnisch-tschechischen Grenzgebiet. Die Kinder lieben sie, ansonsten eckt die passionierte Tierschützerin und Astrologie-Überzeugte in dem von Jagd und Kirche dominierten Ort an. Duszejko, die es hasst bei ihrem Vornamen genannt zu werden, scheint ihre engsten Vertrauten in ihren beiden Hündinnen zu haben und gerade diese sind plötzlich verschwunden und tauchen nie wieder auf. Einige Zeit später entdecken Duszejko und Matoga, einer der wenigen (menschlichen) Freund_innen, die Duszejko hat, dass ein Nachbar tot ist. Wiederholt hatte zuvor Duszejko versucht gerade diesen Nachbarn wegen Wilderei anzuzeigen. Sein Tod ist der erste in einer Reihe von gewaltvollen Toden. Die (ausschließlich männlichen) Toten eint, dass sie passionierte Jäger waren und dass sie herausragende Stellungen in der Gemeinschaft inne hatten. An den Tatorten finden sich Tierspuren. Duszejko stellt die These auf: Hier rächt sich endlich das Tierreich!

So leicht wäre es gewesen, einen Film zu drehen, in dem das Publikum über Duszejko lacht. Doch stattdessen stellt sich der Film ganz auf die Seite seiner Protagonistin. Nicht sie scheint seltsam, sondern ihr jagdbesessenes Umfeld, in dem der Kinderchor in der Kirche über erlegte Rehe singt. Die jagenden Männer sind häufig korrupt und auch in andere Gewaltformen verstrickt, vom Polizeichef, über den Bürgermeister hin zum Fuchsfarm-Besitzer, der in seinem Haus zu dem ein illegales Casino und Bordell führt. Wenn der Dorf-Pfarrer Duszejko einen Vortrag hält, dass Gott den Menschen eben über Tiere gestellt habe, geht die Kamera ganz nah heran bis nur noch sein Mund die Leinwand füllt.

Duszejko ist nicht die einzige Figur, die sich nicht einpasst in diese kleine Welt: Eine junge Frau, die sie nur „Gute Nachrichten“ nennt, arbeitet für den Pelz-Produzenten, dies aber nur notgedrungen. Sie kann den Ort nicht verlassen, da sie um das Sorgerecht für ihren kleinen Bruder kämpft, der aus dem gewaltvollen Elternhaus in Kinderheim gebracht wurde. Matoga, der gute Freund, der vielleicht auch mehr für Duszejko empfindet, muss mit einer ganzen Reihe von Verlusten und einer komplizierten Familiengeschichte umgehen. Auch im Gefängnis hat er mal gesessen. Und dann sind da noch der tschechische Insektenforscher, der eine Sommeraffaire mit Duszejko eingeht und ein junger Mann, Dyzio, der für die Stadt arbeitet, aber Angst hat seinen Job zu verlieren, wenn bekannt wird, dass er mit regelmäßigen Krampfanfällen lebt.

(Ab hier Spoiler)

Prokot ist nicht nur in beeindruckenden Bildern gefilmt, sondern zeigt Außenseiter, die die Normen patriarchaler, *istischer Ordnungen in Frage stellen. Duszejko ist nicht nur Vegetarierin und eine ältere Frau mit Agency, sie wird auch als begehrenswert dargestellt, hat Sex hat und weiß es durchaus für sich auszunutzen, dass sie als die alte, schrullige Frau wegkategorisiert wird. Matoga passt auf der Oberfläche sehr viel besser in dieses Dorf, doch wenn er zwischen all den anderen Jägern in seiner bunten Kochschürze steht und später Duszejko auf einen Kostümball begleitet – er als Rotkäppchen, sie als Wolf, wird die starre, toxische Maskulinität der meisten anderen anwesenden Männer im Kontrast noch deutlicher. Das – häufig vollkommen sinnlose – Töten der Tiere und die Zerstörung der Umwelt inszeniert Holland nicht ausschließlich als eine Kritik an diesen konkreten Phänomenen, sondern lässt es darüberhinaus metonymisch einstehen für einen gesellschaftlichen Umgang mit dem vermeintlich Schwächeren und Anderen. Immer wieder wird deutlich, dass die im Ort von den Männern glorifizierte Jagd nur ein Teil der erdrückenden Gewalt ist.

Wenn Duszejko im Wolfskostüm zur Party fährt – ihr Wagen voller verdächtiger Dinge, bestätigt sich ein Verdacht, der sich nach und nach im Film einschleicht: Die Mörderin ist im Wolfspelz unterwegs, aber ganz und gar menschlich. Zu dieser Erkenntnis kommen nicht nur die Zuschauer_innen, sondern auch Matoga, „Gute Nachrichten“ und Dyzio. Die drei konfrontieren Duszejko just in dem Moment, in dem der (feministisch-traditionell auch als phallisch gelesen) Kirchturm brennt und die Polizei auf dem Weg zu ihrem Haus ist.

Und warum wird der Film auch als Märchen beschrieben? Sicher wegen der Stimmung, doch auch das Ende ist märchenhaft, denn weder lassen ihre Freund_innen Duszejko hängen noch wird sie von der Polizei überführt. Stattdessen gelingt ihr Dank die abenteuerliche Flucht aus dem Dorf und am Ende, da steht die Utopie. Im Haus des Insektenforschers (der den Ort vor allen anderen verlassen hatte, da seine Forschungen beendet waren) kommen sie alle am Mittagstisch im sonnendurchfluteten Esszimmer zusammen: Duszejko, der Forscher, Magota, „Gute Nachrichten“, ihr kleiner Bruder und Dyzio. Aufgetischt wird vegetarisch. Magota dekoriert den Tisch mit Kräutern und Blüten. Denn auch wenn Duszejko immer wieder im Film vorgeworfen wird, dass sie Tiere über die Menschen stelle, so ist es doch diese Wahlfamilie, die sich um ihren vielschichten Widerstand herum gebildet hat.

Agnieszka Hollands Film ist nicht ohne seine Schwächen, so werden Dyzios Anfälle voyeuristisch, dramatisch inszeniert. Doch Holland erzählt, auf Grundlage des Romans „Der Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk, eine Revanche-Geschichte mit romantischem Happy-End. Und manchmal braucht es vielleicht genau das.


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Film-Empfehlungen – Garantiert ohne Oscargewinner

23. Februar 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 17 von 27 der Serie Die Feministische Videothek

Heute Nacht wurden die Oscars verliehen. Und auch wenn es in den letzten Jahren immer viele Gründe zur Beschwerde gab, dieses Jahr wurde schon allein bei den Nominierungen (negativ) aufgetrumpft:

  1. Es wurden ausschließlich weiße Schauspieler_innen in allen Kategorien nominiert. (Für alle, die Zahlen mögen: 20 von 20!)
  2. Ausschließlich Männer wurden als beste Regisseure und Drehbuchautoren nominiert.
  3. Und das, obwohl es beispielweise Ava DuVernay mit „Selma“ gegeben hatte – ein Film, der überhaupt einfach missachtet wurde. Dazu möchte ich auch noch an den Colorlines Artikel „Academy Voter Offended by Selma Cast Wearing ‘I Can’t Breathe’ Tees“ erinnern, oder Flavorwires Zusammenstellung „Whitesplaining ‘Selma‘: A Hall of Shame„.

Wer trotz alledem noch etwas zu den diesjährigen Oscars lesen möchte, empfehle ich den Liveblog bei Autostraddle nachzulesen (vor allem auch wegen der GIFs!) und Stacy L. Browns Artikel bei BitchThe Oscars Needs to Solve its Diversity Issues—Or Become Irrelevant„. (Nachtrag: Außerdem lesenswert Shakesvilles Zusammenfassung des Abends inklusive einer kritischen Analyse von Patricia Arquettes Aussagen.)

Und für all jene, die gern Filme gucken möchten, die nicht die immer gleichen Geschichten über die immer gleichen Figuren ansehen möchten, habe ich noch kurze Filmbesprechungen (Achtung, eventuell Inhalts-Spoiler) rückblickend auf die Berlinale. Dyke Hard hatte Hengameh hier bereits besprochen. Drei weitere Filme, nach denen es sich lohnt Ausschau zu halten:

Body von Małgorzata Szumowska

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Berlinale 2015: Traut dem Hype, schaut euch „Dyke Hard“ an!

6. Februar 2015 von Hengameh
Dieser Text ist Teil 16 von 27 der Serie Die Feministische Videothek

Bitte Anderssons Musical-Film Dyke Hard wird dieses Jahr auf der Berlinale gezeigt. Hier findet ihr die Termine auf dem Festival-Spielplan und hier ist die Film-Homepage.

Die Lesben Peggy, Scotty, Bandito und Riff gehören in der Schule nicht gerade zur High Society, sondern sind sie eher – jede auf ihre eigene Art – klassische Außenseiter_innen. Es gibt eine Alternative zum Aushalten der Tyrannei ihrer Mitschüler_innen: Sie starten eine Rockband und ermächtigen sich als Gruppe lesbischer Freund_innen.
Kaum erobert ihre Band Dyke Hard die Charts, schon lässt der Erfolg wieder nach. Der bestimmerischen Frontperson Riff reicht es nicht, als One-Hit-Wonder zu gelten – und überhaupt findet sie ihre Band-Kolleg_innen ziemlich inkompetent. Wohl oder übel trennt sie sich von ihnen und beschließt, die Szene solo zu erobern.

Dyke Hard lassen sich von dieser Trennung nicht erschüttern, sondern sehen in ihr die Chance, endlich hierarchieflach zu arbeiten und ein angenehmes Klima innerhalb der Band zu schaffen. Ihren Neustart möchten sie auf dem bevorstehenden Bandcontest in der Großstadt feiern. Doch diesen Wettbewerb möchte auch Riff für die eigene Karriere nutzen. Mit Hilfe der geheimnisvollen Moira will sie ihre Konkurrenz ausschalten und ihren Ego-Trip weiterfahren. Der Weg in die Großstadt ist in vieler Hinsicht das Ziel: Dyke Hard lernen durch diese Umstände die charismatische Thai-Boxerin Dawn kennen, die für einen anderen Wettbewerb in dieselbe Richtung muss. Auf diesem gemeinsamen Road-Abendteur begegnen ihnen zahlreiche Kuriositäten, ein Geisterhaus, Cyborgs, Ninjas und letztlich auch ein fester Kitt für ihre Freund_innenschaft.

In Schwedens aktivistischer Tradition queerer Musicals dominiert zwar die Camp-Ästhetik den Film, doch auch Elemente aus den Bereichen Horror, Action, Sci-Fi und Rock’n’Roll-Kultur bereichern dieses Mosaik.  Viele Darsteller_innen sind szeneintern sehr bekannt, Lina Kurttila (stellt Riff dar) ist das Gesicht aus dem Youtube-Video „Top 60 Swedish Lesbian Ghetto names„, welches trotz rassistischer Problematik vom Titel bis zur Umsetzung eine sehr hohe Popularität hat. (Es ist sehr schade, ihre Videos könnten sehr witzig sein, wenn sie sich nicht dieses Ghetto-Entitlement geben würde.) Insgesamt gibt es in der Besetzung viele Persons of Color, Schwarze Personen und Trans*personen, unter den Hauptfiguren ist die dicke Person sogar die mit den meisten Flirts und Groupies. (Und es ist traurig, dass ich das als positive Seite hervorheben muss.)

Witzig, spannend, explizit, überspitzt kitschig_geschmacklos und *dykelicious* ist das Musical einmalig und im Kontext der ernsten, artsyfartsy Berlinale eine selbstironische Erfrischung.


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Berlinale 2015: Doku-Empfehlungen

3. Februar 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 15 von 27 der Serie Die Feministische Videothek

Gestern habe ich bereits eine Reihe von langen und kurzen Spielfilmen vorgestellt, die auf der Berlinale laufen, heute wende ich meinen Blick den Dokus zu:

dokumentarische Form

Feelings Are Facts: The Life of Yvonne Rainer
USA 2015, 83 Min
Yvonne Rainer ist heute 80 Jahre alt und immer noch als Choreographin aktiv. In den 60er Jahren hat sie mit ihren Inszenierungen Vorstellungen von Tanz revolutioniert, in dem sie Alltagsbewegungen sezierte und neu_inszenierte. Mit ihrem Film MURDER and murder (1996) über ein lesbisches Paar, wo eine der Frauen an Krebs erkrankt, gewann sie 1997 auf der Berlinale den Teddy Award. Der Dokumentarfilm von Jack Walsh zeichnet nun Rainers bisheriges Leben und Schaffen durch Filmausschnitten, Archivaufnahmen, Neuinterpretationen ihrer Choreographien und Interviews nach.

Hotline
Israel / Frankreich 2015, 100 Min
Filmemacherin Silvina Landsmann, die auch Dokumentarfilm an der Kinemathek von Tel Aviv unterrichtet, folgt in ihrem aktuellen Film Aktivistinnen, die in Tel Aviv Geflüchtete (vor allem aus Sudan und Eritrea) unterstützen. Landsmann zeigt, wie die Geflüchteten und Aktivistinnen zwischen rassistischen Resentiments, Gesetzgebungen, in Ämtern, in Gerichten und an anderen Orten agieren und für Aufenthaltsrechte kämpfen.

Je suis Annemarie Schwarzenbach
Frankreich 2015, 85 Min
Annemarie Schwarzenbach (1908-1942) war eine Schweizer Schrifstellerin, Fotografin und Journalistin. Bekannt und in Erinnerung ist sie für die unterschiedlichsten Dinge geblieben: Ihre fiktiven und dokumentarischen Texte, ihre Freund_innenschaft mit Klaus und Erika Mann, ihre Autoreise nach und durch Afghanistan Ende der 1930er, ihr als androgyn gelabeltes Auftreten, ihre Fotografien, die den Aufstieg des Faschismus in Europa dokumentierten, oder aber auch ihr Drogenkonsum. Véronique Aubouy lässt in ihrem Film eine Reihe junger Schauspieler_innen sich Schwarzenbach annähern und erstellt so ein Kaleidoskop, in welchen die verschiedenen Facetten eingefangen und variert werden.

Misfits
Dänemark / Schweden 2015, 74 Min
Tulsa, Oklahoma, ist eine Stadt um so bezeichneten „Bible Belt“. Filmemacher Jannik Splidsboel begleitet vom einzigen LGBT-Jugendzentrum ausgehend drei Jugendliche, ihren Alltag, ihr Lieben, Konfrontrationen mit den engen, hetero_cis_sexistischen gesellschaftlichen Grenzen, aber auch Zusammenhalt.

What Happened, Miss Simone?
USA 2015, 102 Min
Liz Garbus, die mit ihrem Dokumentarfilm The Farm (1998) für den Oscar nominiert war, über die große Musikerin und Aktivistin Nina Simone vor. Der Film arbeitet eher traditionell mit Archivmaterial und Interviewsequenzen, z.B. mit Simones Tochter. Dabei werden die verschiedenen Lebensphasen betrachtet, Höhen und Tiefen, musikalische Errungenschaften und politisches Engagement finden Platz.


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Berlinale 2015: Spielfilm-Empfehlungen

2. Februar 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 14 von 27 der Serie Die Feministische Videothek

Diese Woche startet die 65. Berlinale. Vom 05. bis 15. Februar werden rund 400 Filme gezeigt, wovon viele erstmals (oder zu mindestens erstmals in Europa) dem Kinopublikum präsentiert werden. Seit letzter Woche ist endlich das Programm online. Leider ist auch bei perfektem Zeitmanagement und unendlichen Geldressourcen der Besuch aller Filme unmöglich, darum habe ich mich durch die Angebote geklickt und einige Filme zusammengetragen, die interessant klingen/ aussehen. Eine lustige Gemeinsamkeit einer Reihe der Filme: 17-jährige Protagonistinnen.

Spielfilme (lang)

Body
Polen 2015, 90 Min
Der Film von Małgorzata Szumowska, die das Drehbuch schrieb (mit Michał Engler) und Regie führte, erzählt die Geschichte von Olga (Justyna Suwała) und Anna (Maja Ostaszewska), die beide auf unterschiedliche Weise Umgänge mit Trauer suchen. Im Zentrum steht dabei der Körper – wie der Filmtitel erahnen lässt, aber auch Reflektionen zu Esoterik, Glauben und all den komplexen Umgangsstrategien.

Chaiki
Russische Föderation 2015, 87 Min
Chaiki ist das Langspielfilm-Debut der Filmemacherin Ella Manzheeva, die vor zwei Jahren Teil des Berlinale TalentCampus gewesen ist. Der Film dreht sich um Elza (Evgeniya Mandzhieva), eine junge Frau in einer kleinen Stadt in Kalmückien am Kaspischen Meer, die vor allem raus möchte, sich aber auch nicht traut. Als ihr Mann vom illegalen Fischfang nicht zurückkehrt, lotet sie erneut ihre Wünsche und Möglichkeiten aus.

Dyke Hard
Schweden 2014, 94 Min
Bei der Berlinale laufen nicht nur bitterernste Filme, sondern beispielsweise auch das Examensprojekt Dyke Hard der Regisseurin, Comiczeichnerin und Illustratorin Bitte Andersson. Die Band Dyke Hard feiert in diesem Film erst ihren ersten großen Erfolg, um dann gleich auseinanderzubrechen. Doch dann hören sie von der großen „Battle of the Bands“, begeben sich auf einen Roadtrip, treffen auf Geisterhäuser, Todestrakt, Omas mit Agenda, Ninjas und Cyborgs, quasi alle Elemente die bei einem Filmplot-Brainstorming so fallen. Das könnte auf jeden Fall einen riesigen Spaß ergeben.

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Konservativer Kuchen, empowernde Musik, obdachlose Familien – die Blogschau

24. Februar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 238 von 295 der Serie Die Blogschau

Du brauchst keine Vagina um eine Frau zu sein – das Mem zum teilen und verbreiten gibt es bei Trouble X. Als Bonus dazu wichtige Links zu (sexualisierter) Gewalt und One Billion Rising.

Keine Ausreden mehr von wegen „wir wollten ja, aber wir kannten keine_n“: das Bündnis Mind The Trap hat eine Liste von Wissenschaftler_innen und Kulturschaffenden zu den Themen Migration, Ableismus, Rassismus, Postkolonialität und Repräsentation.

„Und während garstige, engstirnige Konservative ihren ollen Kuchen verteidigen, essen wir™ Torte“ – Teariffic will gar nix abhaben von normativen Trockengebäck.

Jayrôme hat eine tolle Playlist mit empowernden Songs von Trans* und genderqueer Musiker_innen zusammengestellt – genau genommen schon zwei.

Danger! Bananas stellt vor und empfiehlt: das soeben veröffentlichte Dossier „Asian Germany“ von der Heinrich-Böll-Stiftung.

„Der „Defekt“, wenn es ihn denn gibt, ist auf Seiten desjenigen, der das öffentliche Verbreiten seiner Angst als vermeintliche Stärke tarnt, und unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung Hass und Verachtung predigt.“ – Sandra Charlotte reichert über Heterosexismus und sein mediales Schaulaufen.

Über (mangelnden) Mutter- und Kinderschutz für obdachlose Familien berichtet Hinz & Kunzt – zwar mit ein paar problematischen Abgrenzungen, aber ein wichtiges Thema.

Die Inititative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt fragt: Wie kümmern wir uns eigentlich um sexualisierte Gewalt – individuell, gesellschaftlich und juristisch?

Anders deutsch hat in verschiedenen Blogbeirägen eine Menge Filmrezensionen zur Berlinale geschrieben.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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PETA, VIVA und Swingerclubs: die Blogschau

25. Februar 2012 von Anna
Dieser Text ist Teil 152 von 295 der Serie Die Blogschau

Babykram & Kinderkacke erklärt uns, wie wir über die Organisation „Adopt a revolution“ Revolutions_patinnen für die Aktivist_innen des Syrischen Frühlings werden können (der im Text verlinkte Beitrag aus der ZDF Mediathek ist dort anscheinend leider nicht mehr verfügbar geht wieder).

Theoriehappen gefällig? autotrans* & w.i.r. schreibt über Gewalt durch Sprache und „Verbindungen von Rassismus und Transphobie in LSBTI- Zusammenhängen“.

Ich kann mich denkwerkstatt nur aus vollstem Herzen anschließen: Bitte alle die Golden Girls schauen!

feministisches Bild aus Bügelperlen

Puzzlestücke zeigt, was Bügelperlen auch können

Afrikawissenschaft schreibt über die Dokumentation „Audre Lorde – The Berlin Years 1984 to 1992“, der dieses Jahr bei der Berlinale gezeigt wurde.

Nochmal Berlinale: Ingeborg Boxhammer berichtet in einem Gastbeitrag bei l-talk über die Filme, die sie gesehen hat.

Lena Schimmel analysiert die Frauenfeindlichkeit im neuen PETA Werbespot.

Die 2. Riot Grrrl Compilation zum freien Download verfügbar! Bitte einmal hier entlang.

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ heißt ein „Lightfaden“, der in Zusammenarbeit mit dem Genderkompetenzzentrum entstanden ist. In diesem werden unter anderem folgende Fragen geklärt: „Wie werden Diversitäten und Machtverschränkungen im Bild hergestellt? Warum ist eine Strichfigur automatisch ein Strichmännchen?“ Mehr erfahren und den Comic bestellen könnt ihr bei 123comics

„“Schwul” ist keine Beleidigung und sollte als solche auch nicht verwendet werden“, so das Statement vom Musiksender VIVA, nachdem dieser auf der zugehörigen facebook Fanpage hunderte entsprechender Kommentare gelöscht hat. Alexander von Beyme meint „Bravo, Viva“.

Katrin Schuster schreibt auf VOCER anlässlich des Falles eines Münchner Ehepaares, das in einer Sendung über Swingerclubs unverpixelt gezeigt wurde über die im Fernsehen allgegenwärtigen Kuppeleiformate und Sex-„Dokumentationen“.

Die Gitarre als Phallussymbol? Jap! Beweisfotos gibt’s bei ProChange.

milenskaya schreibt über eine etwas seltsame Printkampagne („get noticed“) und Postfeminismus. Wie das zusammenhängt erfahrt ihr hier.

Termine haben wir wie immer nach dem Klick gesammelt: (mehr …)


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Ein queer-feministisches Teeniemagazin, ACTA und Karneval – die Blogschau

18. Februar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 151 von 295 der Serie Die Blogschau

I Heart Digital Life schreibt über ACTA und die Netzbewegung.

Die Danger Bananas geben Karnevalist_innen und deren Gag-Schreiber_innen eine Anleitung an die Hand.

I do give a damn kritisiert den offensiven Sexismus bei der Tierrechtsorganisation Peta.

Blica mault über die PR-Schreiberei in der Bloglandschaft.

Bühnenwatch berichtet von ihrer Intervention gegen rassistische Blackface-Praxis an deutschen Theaterbühnen.

Anders Deutsch stellt Berlinale-Filme vor, die sich mit der Ägyptischen Revolution befassen.

Auf journalizzm.net gibt es Interview über geschlechtergerechte Sprache.

Hurra, ein neues Blog hat das Licht der Welt erblickt. queer_sehen setzt sich mit queeren Identitäten im US-amerikanischen Fernsehen auseinander.

High On Clichés macht ihrem Namen alle Ehre und räumt mit Klischees über Feminist_innen auf.

Das Ich im Social Web – eine argwöhnische Betrachtung des Digital-Klons und die Überlegung: „Wie werde ich die Alte wieder los?“, nachzulesen auf Philibuster.

Mehrere linksradikale Bündnisse und Gruppen haben sich zusammengeschlossen und einen Reader begleitend zu den Aufmärschen von Nazis und Abtreibungsgegner_innen in Münster in diesem Jahr herausgegeben.

Termine, Call for Papers, Promotionsstipendien und mehr nach dem Klick (mehr …)


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Berlinale, Burka und das Zölibat: Die Blogschau

5. Februar 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 98 von 295 der Serie Die Blogschau

Ninia LaGrande schreibt an Frau Merkel: „Es ist einfach schade, wenn eine Frau die Chance hat, was Großes zu ändern und diese Chance nicht nutzt. Sie sind die Bundeskanzlerin. Sie müssen doch am besten wissen, wie viel schwerer es für Sie als für Männer war, an die Spitze zu kommen.“

Wo wir gerade bei Briefen sind: Bei Claudia Neusüß gibt es einen offenen Brief von verschiedenen Wissenschaftler_innen an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zu lesen. Sie fragen nach, warum unter den 17 Sachverständigen der im Dezember beschlossenen Enquete-Kommission keine einzige Frau zu finden ist.

Betty Friedan hätte am 4. Februar Geburtstag gehabt (Rosa Parks übrigens auch). Aviva-Berlin und auch dieStandard poträtieren Friedan.

Außerdem bei dieStandard zu lesen: „Wo Männer von Männern erzählen“. Es geht um … richtig, Wikipedia.

„schnelle akademische Bildung für zwischendurch“ gibts bei der Denkwerstatt. Und zwar in Form eines Videobeitrags von Donna Haraway, aufgenommen an einer Schweizer Privatuniversität.

Noch mehr akademisches lesen wir bei gender:queer: „Weg mit dem Queer-Ding! Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik“.

Luise Pusch schreibt bei fembio über bzw gegen so genannte „korrigierende Vergewaltigungen“.

blogabsatz hat den Film „we want Sex“ gesehen und wagt angeregt dadurch schon mal einen Ausblick auf den kommenden Equal Pay Day.

„Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass der Operationszwang zum Erlangen einer Personenstandsänderung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.“ Warum diese eigentlich gute Nachricht einen ziemlichen Beigeschmack hat beschreibt Bad hair days.

Sina hat die Serie „Secret Diary of a Call Girl“ gesehen und fragt sich, wie berechtigt die teilweise heftige Kritik daran wirklich ist.

Vom Honig beschäftigt sich mit der Debatte um das Zölibat: „Die Forderung nach der Abschaffung des Zölibats, die jetzt aus dem konservativen Lager kommt, ist höchstens ein Modernisierungsanstrich, um den Kahn noch eine Weile über Wasser zu halten.“

anders deutsch ist die seltsame Bebilderung bei Berichten über das Burkaverbot (nicht nur) in Hessen aufgefallen.

Gabriele Scholz ist Gastbloggerin drüben bei den Missys und wird die Berlinale (am 10.02. gehts los) aus weiblicher Sicht begleiten und kommentieren. Ihr Einstand macht Lust auf mehr!

Antje Schrupp hat über das neue Buch von Bascha Mika (Titel: „Die Feigheit der Frauen“) gelesen und denkt wie gewohnt ein großes Stück über den gewohnten Tellerrand hinaus.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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