„Truppenbild mit [sexuell belästigter] Dame“ – Gorch Fock Teil 3

15. Februar 2011 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 16 von 26 der Serie Der Kommentar

Vor etwa zwei Wochen beklagte sich die Stammbesetzung des Ausbildungsschiffes Gorch Fock in einem offenen Brief an Verteidigungsminister zu Guttenberg über den mangelnden Rückhalt, den sie angeblich in der Bundeswehr erfahre. Nach dem Tod von zwei Kadettinnen auf dem Schiff waren Vorwürfe von Misshandlung und sexueller Belästigung gegen die Ausbildungsoffiziere laut geworden. Als Reaktion hatte zu Guttenberg den Kommandanten der Gorch Fock suspendiert, das Schiff ist nach Deutschland zurück beordert worden. Laut Medienberichten will der Verteidigungsminister als Zeichen des guten Willens das Schiff demnächst besuchen.
Nele Moehlmann studiert an der Universität Mainz und arbeitet gerade an ihrer Magistra­arbeit zum Thema “Gender Aspekte von politischer Militär­dienst­ver­weigerung.” Sie kommentiert den Brief der Besatzung.

Der Brief der Stammbesatzung der Gorch Fock befasst sich unter einer Zwischenüberschrift auch mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung von Soldatinnen an Bord – und weist diese entschieden zurück. Dieser Reflex entspricht zweier Bilder; dem der Gesellschaft „an sich“ und dem der Institution Militär. „Nur Sprüche“ seien es gewesen, dazu noch „lapidar geäußerte“ und selbstverständlich gab es hier auch sofort Maßregelungen, verspricht der Brief, „nämlich eine Musterung mit deutlichen Worten des Kommandanten an die Soldaten“, so der militärische Fachjargon, der den ganzen Brief durchzieht. Zu keiner Zeit hätte es im Übrigen verbale oder körperliche Übergriffe gegen Soldaten gegeben – und das ist nicht witzig, dass hier die nur die männliche Form benutzt wird, das ist tragisch (auch wenn es sicherlich auch Sinn machte, sich mehr mit Homophobie im Militär-Kontext zu beschäftigen, so ist das im Brief an dieser Stelle wohl nicht so gemeint…). Doch es passt so gut ins Bild eines Militärs, das sich eben auch in Deutschland erst vor elf Jahren – und auf Druck – für Frauen geöffnet hat (Kreil-Entscheidung des EuGH am 11.1.2000). So schnell ist nun mal kein gesellschaftlicher Prozess, dass das tradierte Bild des kämpfenden männlichen Soldaten einfach verschwindet. Eine maskulin geprägte Institution wie das Militär hatte (ihrer Meinung und auch der der sogenannten Mehrheitsgesellschaft nach) gute rationale Argumente, als Männerbund zu fungieren. Diesen Argumenten andere, bessere, vor allem aber faire gegenüber zu stellen, braucht leider Zeit. Aber auch Einsicht – an Land und auch an Bord, wie sich an diesem Fall wieder zeigt.

Übrigens:
Die Bundeswehr selbst hat 2008 eine Studie veröffentlicht zur Integration von Frauen, „Truppenbild mit Dame“, heißt der meines Erachtens an sich schon problematische Titel. Der Bericht kommt jedenfalls zu dem Ergebnis, dass die Integration noch längst nicht abgeschlossen sei, dass es z.B. vielen Männer schwerfiele, Soldatinnen überhaupt als gleichwertig zu akzeptieren. Und dann berichten auch prompt 58,2 % der befragten Frauen von sexistischen Bemerkungen (S.76), um nur ein Beispiel zu nennen. Was vor allem auffällt ist, dass es bei allen Fragen zu diesem Komplex einen hohen Anteil auch von Frauen, aber vor allem von Männern gibt, die nicht etwa „mir nicht bekannt“ ankreuzten, sondern das sehr viel entschiedenere „nein“, womit sie das Phänomen sexuelle Belästigung an sich per se ausschlossen. Wahrnehmung und Realität liegen hier – wie so oft in Fällen von Diskriminierung – weit voneinander entfernt.

Links:

Den Bericht „Truppenbild mit Dame“ findet ihr hier
Die taz zum Thema
Der offene Brief der Gorch Fock Stammbesatzung


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Antworten von Tittenmutter an Bitterfotze

8. Februar 2011 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 15 von 26 der Serie Der Kommentar

Dr. Kirsten ArmbrusterIn diesem Essay schreibt Dr. Kirsten Armbruster der Schwedin Maria Sveland zu ihrem Bestseller „Bitterfotze“, der 2009 in Deutschland erschien. Dr. Kirsten Armbruster, geb. 1956 in Dortmund, aufgewachsen in Ägypten und in Fürstenfeldbruck hat Agrarwissenschaften studiert und promovert. Mit ihrem Verlag edition.courage veröffentlicht die vierfache Mutter ihre Denkansätze in Büchern, Artikel und Vorträgen. Ihr aktuelles Buch „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ ist 2010 erschienen.

Liebe Bitterfotze,

wie gut verstehe ich deine Bitterfotzigkeit. Dieses diffuse Gefühl, als Mutter im Patriarchat, die Arschkarte gezogen zu haben. Und wie genial die Wahl des Begriffs Bitterfotzigkeit, um eben dieses Gefühl auszudrücken! Hier im katholisch-konservativen Bayern, wo die Bedingungen für Mütter besonders zum Himmel schreien, hat Bitterfotze noch dazu eine wunderbare Mehrdeutigkeit, denn Fotze ist nicht nur ein anderes vulgäres Wort für Möse. „Halt´dei Fotzen“! heißt auch „Halt den Mund“, im Sinne von „Halt dein Maul!“ Und das Wort Fotze, existiert im Bayerischen noch in einer weiteren Wortkombination: „Du kriegst glei´ a Fotz´n“ bedeutet „Du kriegst gleich eine Ohrfeige“. So bedeutet Bitterfotzigkeit also: Wenn du als Mutter, dein Maul aufmachst, um bittere Wahrheiten auszusprechen, die aber im Patriarchat niemand hören will, kriegst du eine auf´s Maul.
Mütter, die unsichtbare Macht hinter allem Leben! Denn kommt durch unsere Fotze nicht das neue Leben in die Welt und nähren wir mit unseren Titten nicht eben dieses neue Leben? Diese Diskrepanz zwischen der wahren Lebensmacht von Müttern und ihrer gleichzeitigen Machtlosigkeit im Patriarchat, das ist das, was uns zu Recht bitter macht! Müssen wir also zu vulgären Ausdrücken greifen, um auf unseren Zorn, unsere Wut aufmerksam zu machen? Sei´s drum, benutzen wir ruhig die vulgäre Sprache unserer Zeit, denn letztendlich ist alles Muttersprache!

Mütter und Macht, scheint das nicht ein Widerspruch an sich? Ach wie gut, dass keine weiß, dass Macht ursprünglich ein altes Wort für Scheide, also Fotze ist. Wir kennen diese alte Bedeutung kaum mehr, und nur noch indirekt begegnen wir sprachlich dieser uralten Müttermacht, nämlich in dem Wort Gemächte für das männliche Glied. Das Gemächte ist grammatikalisch, das, was gemacht worden ist. Es hat als Partizip Perfekt eine passive Bedeutung. Das Gemächte ist folglich das, was von der Macht, der Fotze, gemacht worden ist, und hier können wir die alte Lebensmacht der Mütter aus vorpatriarchalen Zeiten noch deutlich spüren.
Macht in unserer Gesellschaft ist allgemein verbunden mit Ansehen, Position und Geld, und all dies haben Männer. Macht im Patriarchat ist männlich! Und die Mütter haben tatsächlich nichts von alle dem, kein Ansehen, keine Position und vor allem kein Geld. Mütter arbeiten rund um die Uhr, ohne Feierabend, ohne Wochenende, ohne Urlaub, aber ihre Arbeit ist unsichtbar. Das Patriarchat behauptet, dass die Caring-Arbeit von Müttern gar keine richtige Arbeit ist, und deshalb wird diese Arbeit in der patriarchalen Logik auch nicht bezahlt. Jede Hausfrau hat diese patriarchale Kröte geschluckt und antwortet brav, wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt: „Ich arbeite nicht“!

Mütter haben im Patriarchat kein Geld, und die stark gestiegene Kinderarmut der letzten Jahre ist weniger eine Kinderarmut, sondern vor allem eine Mütterarmut. Kein Geld zu bekommen für die Mütterarbeit, bedeutet im Alter, in der Folge, kaum eine Rente zu bekommen, obwohl es ja gerade die Mütter sind, die durch ihre Mütterarbeit die Generationenrente der Jungen für die Alten ermöglichen. Und was ist mit dem Ansehen von Müttern im Patriarchat? Sie gelten als nicht arbeitende und damit im heutigen geldwerten Kapitalismus – der Caringkomponenten als unwert erachtet – nichts nutze, überflüssige Wesen. Denn ansehen wollen wir die Arbeit von Müttern keinesfalls! Würden wir diese Arbeit ansehen und in geldwerte Leistung umrechnen, kämen nämlich schwindelerregende Zahlen heraus. Im BIP, in der die Summe der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft zusammengefasst wird, taucht diese Caring-Arbeit deshalb auch vorsichtshalber nicht auf.

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Fair gehandelt?

26. Mai 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 14 von 26 der Serie Der Kommentar

Susanne Schäfer studiert an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master Politikwissenschaft. Im Rahmen ihres Studiums hat sie sich mit den Genderaspekten im fairen Handel beschäftigt.

Der Konsum von fair gehandelten Produkten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Rund 270 Millionen Euro (PDF) gaben die Deutschen 2009 für Kaffee, Bananen, Schokolade oder Kleidung mit dem blau-grünen Siegel aus; das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Verein TransFair e.V. Ende April in Bonn bekannt gab. Wem nützt der faire Handel – nur unserem Gewissen oder auch den Frauen in Entwicklungsländern?

Durch die Globalisierung wurden zahlreiche Arbeitsschritte in Entwicklungsländern verlagert. Positiv daran ist, dass dort viele Frauen in den vergangenen Jahren eine Arbeit erhalten haben. In der Bekleidungsindustrie in Honduras arbeiten 65 Prozent Frauen, in Kambodscha sind es sogar 90 Prozent (PDF). Diese Jobs sind jedoch oft prekär, denn die Frauen müssen Überstunden leisten und es gibt weder Mutterschutz noch andere soziale Absicherung. So leiden sie eher unter ihrer Arbeit, als dass sie davon profitieren.

Frauen in Entwicklungsländern haben die unsichersten Jobs, sie sind die ersten, die entlassen werden, ihre Arbeitnehmerrechte und ihre Ausbildung sind schlecht, wie Bethan Emmett 2009 für die Nichtregierungsorganisation Oxfam untersucht hat. Wenn der Arbeitsplatz unsicher ist, sind Frauen ein leichtes Opfer: Viele berichten von sexueller Belästigung (PDF). Der Kostendruck den die Supermarktketten und Konsument_innen in den Industriestaaten auf die Zulieferer_innen ausüben, wird von diesen auf die Produzent_innen und Arbeiter_innen verlagert. „Workers in every country studied reported extreme pressure to work harder, faster and longer“, schreibt Kate Raworth (PDF) für Oxfam.

Wer als Europäer_in Produkte mit dem Fairtrade-Siegel kauft, der kauft auch ein Gefühl von „Ich rette die Welt“ und will die gerade beschriebenen, schlechten Bedingungen verbessern. Wie sieht es tatsächlich auf den Kakao- oder Bananenplantagen aus, wo für Gepa, El Puente und Co. produziert wird? Geht es den Frauen dort besser als anderswo? Aus zwei Gründen lässt sich diese Frage mit einem Ja beantworten. (weiterlesen …)


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Wangechi Mutus „warrior girls“ erobern Berlin

4. Mai 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 13 von 26 der Serie Der Kommentar

Charlott Schönwetter ist Studentin der Soziologie und Afrikawissenschaften an der Humboldt Universität Berlin und schreibt auf ihrem Blog Afrika Wissen Schaft wissenschaftliche Essays und Hausarbeiten rund um Afrika, Asien, Soziologie und Gender.

Wenn ich an „Mainstream“-Kunstausstellungen denke (hier meine ich Ausstellungen, die nicht aus einem explizit feministischen Kontext entstanden sind), sehe ich vor meinem inneren Auge vor allem Kunst weißer Männer. Nach diesen ersten Erscheinungen muss ich unvermeidlich an das berühmte Plakat der Guerrilla Girls denken, welches fragt: Do women have to be naked to get into the Met. Museum? Unter dem Bild steht erklärend: Less than 5% oft the artists in the Modern Art sections are women, but 85% oft the nudes are female. (“Müssen Frauen nackt sein, um ins Met. Museum reinzukommen? Weniger als 5% der Künstler_innen im Bereich der Modernen Kunst sind Frauen, aber 85% der Nackten sind weiblich”).
Umso mehr freue ich mich, dass am 30. April in Berlin die Ausstellung “My Dirty Little Heaven” von Wangechi Mutu eröffnet wurde – eine Künstlerin, die bereits in San Francisco Museum of Modern Art, im Londoner Tate Modern und im Pariser Centre Pompidou ausgestellt hat.

Wangechi Mutu wurde 1972 in Nairobi geboren. Seit Mitte der 1990er lebt und wirkt sie in New York. Dort hat sie 1996 einen Bacholer of Fine Arts an der Cooper Union und 2000 einen Master of Fine Arts in Yale gemacht. Zuvor studierte Mutu auch Anthropologie. Die Einflüsse dieses Studiums kann man in den meisten ihrer Werke bewundern, denn diese fußen in einer sehr genauen Analyse, wie schwarze Frauenkörper im europäisch-nordamerikanischen Diskurs dargestellt und Bilder von diesen Körpern konsumiert werden. Mutu betrachtet die Widersprüche in den Darstellungen von bestimmten weiblichen und kulturellen Identitäten. Mit ihren Werken zu jenen Identitäten bringt auch Mutu als weibliche Künstlerin nackte Frauen in die Museen der Welt. Ihre verstörenden Bilder aber zeigen nackte Frauenkörper, um zum Nachdenken über Darstellungen von Schwarzen Frauen anzuregen. Obwohl sie eigentlich aus der Bildhauerei kommt, hat sie sich nach dem Studium der Collagen-Technik zugewandt. So kombiniert sie Fotos aus der National Geographic und Vogue gepaart mit Tinte, Farbe, Glitzer zu ihren ambivalenten „warrior girls“, wie sie sie nennt. In diesen Bildern treffen die beiden typischen Stereotypen – „wilde/edle Eingeborene“ und hypersexualisiertes Pin-Up –, die Mutu kritisiert und hinterfragt, direkt aufeinander. Eines ihrer Anliegen ist es außerdem gegen das weitverbreitete Afrika-Bild anzukämpfen, welches Afrika als archaischen Ort imaginiert.

In dem Film der Art Gallery of Ontario über und mit Wangechi Mutu sieht man, wie ihre Collagen entstehen, aber auch wie sie Kunstinstallationen vorbereitet. Sie erzählt in einer angenehm einfachen und direkten Art und Weise über ihre Intentionen.

Einen Teil ihrer Kunst kann man anlässlich ihres Gewinns des „Artist of the Year“ der Deutschen Bank nun bis zum 13.06. im Deutschen Guggenheim Berlin sehen.


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Das Väterbild ist negativ geprägt

30. November 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 12 von 26 der Serie Der Kommentar

Wir haben gefragt, was sich Väter von der neuen Ministerin Köhler wünschen würden. Und unser Leser Freundchen – Vollzeiternährer, aber auch Vollzeitvater – hat geantwortet:

Ich versuche es mal vorsichtig zu formulieren. Ich finde, dass das Väterbild seitens der Politik, aber auch der Gesellschaft entschieden negativ geprägt ist.
Das fängt mit kleinen Eskapaden (alle selbst erlebt) an, dass man als Mann mit Kind dumm angemacht wird, wenn man es wagt sich auf einen “Mutter-Kind”-Parkplatz zu stellen (ihr kennt die Symbolik Frau und Kind). Auch wenn es für mich zu spät ist zum jetztigen Zeitpunkt, wünsche ich mir Wickeltische. Das mag für viele ziemlich doof klingen, aber ich fands zum Kotzen, mein Kind jedesmal erst ins Damenklo zu hieven. Mir persönlich hat es nichts ausgemacht, aber die nervtötenden Kommentare und Blicke einiger Damen (selbst im Indoorspielplatz) gingen mir auf den Keks.

Ich fands richtig schlimm bei jeder Handlung, jeder Bewegung gefühlt fünf Frauen zu haben, die mich mit Argusaugen überwachten. Ich wurde selbst schon angemacht weil ich mein Kind mit der Hand im Schritt trug, es war damals nicht mal ein Jahr. Aber medial und gesellschaftlich hatte ich ab und an das Gefühl, als Vater ist man quasi schon dem “Kinderschänder” gleichgestellt. Und solang ist es nicht her, im meinem Fall gerade mal 3 Jahre.

Ein weiterer Wunsch wäre eine adäquate Vater-Kind – Förderungen mit angemessenen Spielangeboten, Krabbelgruppen etc. Nichts hat mich mehr genervt zwischen den Muttis zu sitzen und das ständige “Mein Kind kann schon….” *kotz*

Und ich möchte, dass die Leistung eines Ernährers/Ernährerin nicht runtergerechnet wird. Es gibt nichts schlimmeres für einen Menschen, auf der einen Seite den wirtschaftlichen Zwang zu haben, auf der anderen Seite die kontraproduktive Haltung des Partners/Partnerin, dass man zuviel Zeit auf Arbeit verbringt. Es ist leider teilweise nicht anders lösbar. Teilzeitjobs sind in vielen Berufen schlichtweg unmöglich. Ich hatte nun viel Kontakt zu Vollzeitmamas und die Beschwerden waren teilweise stark konstruiert. Eine Mutter hat einen 24h-Job, das ist reine Verklärung… da frag ich mich, wieso Mamas so viel im Internet korrespondieren (einschlägige Foren sind mir bekannt), wenn sie keine Zeit haben.

Und ich möchte, dass die “heilige Kuh” Mutter (als Rolle) endlich geschlachtet wird. Die nahezu einseitige Ausrichtung der Politik auf Frau, Mutter, Tochter in vielen Bereichen ist kontraproduktiv. Väter und/oder Männer (deckt sich ja ab und an *g*) tauchen in vielen Studien quasi nur “nebenbei” auf. Sie sind nicht mehr als einen Nebensatz wert. In Zeiten wo man versucht, die Männer zu mobilisieren (und Frau v.d.L hat das sicherlich NICHT geschafft) auch Väter zu werden, muss man auf sie eingehen.

Ich möchte außerdem das unabhängige Studien über Veränderungen im Scheidungs-, Sorgerechts-, Umgangsrecht durchgeführt werden. Danach sehen wir an der Stelle weiter.

Und das wichtigste: Ich finde es zwingend notwendig, dass Frauen und Männer bzw. Mütter und Väter zusammenarbeiten und nicht gegeneinander. Das meine ich vorallem in der Schaffung bzw. Abänderung von (neuen) Rechten.


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Frauenunterdrückung in Europa nicht dulden

9. Oktober 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 11 von 26 der Serie Der Kommentar

Ein Beitrag zur Debatte über ein Verbot der Burka in Europa von unserer Leserin Jeezal*.

Burkaträgerinnen in Afghanistan (Steve Evans über wikimedia commons)

Als Afghanin, die die weibliche Unterdrückung, ein Mix aus chauvinistisch geprägtem Kultur-Traditions-Religions-Mix, seit ihrer Geburt kennt, reagiere ich auf Kopftuch und Burka relativ heftig. Rein emotional, nicht aus Vernunftgründen. Zu oft habe ich fadenscheinige Gründe von Männern aus dem orientalisch-islamischen Raum zum Thema Frauenunterdrückung in ihren mannigfaltigen Formen anhören müssen – grinsend und sich Ihres Machismus‘ sehr bewusst sowie der Ungerechtigkeit dahinter.

Ich habe einige Zeit lang in Afghanistan gearbeitet, wo viele selbst noch in Kabul Burka trugen und natürlich fragte ich neugierig, denn ich hatte nicht mal Lust, ein Kopftuch zu tragen. Ich habe stets 2 Antworten gehört: Entweder „meine Familie will es so“ oder „ich fühle mich sicherer in der Burka“. Sicher vor Blicken und Beleidigungen von Männern. Ich selber habe häufig ein Kopftuch auf dem Kopf gehabt um nicht von den Männern auf der Straße für eine „Hure“ gehalten zu werden und um nicht ständig irgendwelchen Obszönitäten ausgeliefert zu sein. Denn das sind die beiden Frauenbilder, die die meisten moslemischen/ orientalischen Männer kennen: Entweder Du folgst den strengen Regeln, bleibst zuhause, bist brav, nicht zu fordernd, redest nicht zu viel und lässt Dich brav verheiraten oder Du bist ein Mädchen von der Straße (das heißt Du verlässt das Haus, selbst wenn es nicht dringend notwendig ist) und schon bist Du eine Frau 2.Klasse – denn wer weiß, was Du da draußen machst.

Hingegen nutzen die Männer (Jungs), die sämtliche Freiheiten haben, diese auch in vollen Zügen aus. Für sie gilt nur ein islamisches Gesetz: kein Schweinefleisch. Alles andere der westlichen Kultur ist erlaubt!

Ich kenne aus persönlichen Kontakten keine Burkaträgerinnen in Europa, nur Kopftuchträgerinnen, die mir gesagt haben, sie tragen ihr Kopftuch aus tiefer religiöser Überzeugung. Das ist ein Argument, welches für mich schwer verdaulich ist, dennoch kann ich es und vor allem will und muss ich es tolerieren. Aber, was könnte wohl der Grund dafür sein, dass jemand freiwillig in Europa eine Burka trägt? Es gibt keinen Grund dafür: Es ist weder religiös vorgeschrieben, noch ist man irgendeiner Gefahr ausgesetzt, wenn man keine Burka trägt. Ich kann mir nur einen Grund vorstellen: Zwang von der Familie.

Ich habe einmal eine Burka für ein paar Minuten getragen und tatsächlich konnte ich mich kaum fortbewegen, da mein Gesichtsfeld enorm eingeschränkt war – ganz abgesehen von dem Gefühl in einem Käfig zu sein und mich absichtlich weitaus hilfloser gemacht zu haben. Ich finde, dass der Vergleich mit genitaler Verstümmelung überhaupt nicht hinkt. Es ist nur ein anderes Gesicht des gleichen Prinzips. Und warum tun Frauen es sich gegenseitig an? Mütter und Schwestern Ihren Töchtern? Das habe ich schon viele Afghaninnen gefragt. Insbesondere, wenn es um Zwangsverheiratung geht. Antworten: Tradition, Gewohnheit, was man mir angetan hat, tue ich nun auch anderen an.

Die Männer antworten meistens ähnlich, aber hinzukommt der wunderbare, abstrakte Ehrbegriff. Aber der Hauptgrund ist meines Erachtens fehlende, mangelnde Bildung bis meistens Analphabetismus. Ich denke, dass wir in Europa mittelalterliches Gedankengut und Handelsweisen nur bedingt tolerieren müssen, sollten. Egal wie oft uns vielleicht Analphabeten, egal aus welchem Land und welcher Religion erzählen wollen, dass die Erde eine Scheibe ist, sollten wir nicht aus übetriebener Toleranz zustimmen. Sondern aufklären. All das Gute, das in Europa erreicht worden ist sollten wir weitergeben an die Menschen, die in Europa leben (damit meine ich nicht, in irgendein afghanisches Dorf gehen und denen was von Aufklärung erzählen).

Meiner Meinung nach sollte man Frauenunterdrückung in Europa nicht erlauben – das wäre übertriebene „Toleranz“. Ich denke, damit macht man sich eher schuldig nichts getan zu haben im Angesicht von evidenter Unterdrückung und ihren Folgen. Ich sehe das Verbot der Burka eher als Schutzmaßnahme an. Und diese Frauen benötigen Schutz, denn sie selber werden nicht auf die Idee kommen für Ihre Rechte einzustehen – aus vielerlei Gründen.

(Dieser Kommentar erschien ursprünglich als Beitrag zur Diskussion „Burka weg oder Geld weg“)

*der Name wurde von uns geändert


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Das bedingungslose Grundeinkommen: Chancen und Risiken aus feministischer Sicht

6. Oktober 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 10 von 26 der Serie Der Kommentar

Christine Görn studiert an der Humboldt Universität in Berlin Musikwissenschaften, Medienwissenschaften und Gender Studies und beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema Bedingungsloses Grundeinkommen. Hier diskutiert sie die möglichen Chancen und Risiken des Konzepts aus feministischer Sicht.

Was geschieht mit der Gesellschaft und den in ihr lebenden Menschen, wenn jede und jeder ohne Bedingung ein Existenz sicherndes Einkommen erhält? Welche Möglichkeiten eröffnen sich für feministische Anliegen und wo sollte das Konzept kritisch hinterfragt werden?

In Zeiten unsicherer Beschäftigungsverhältnisse, Lohndumping, Sozialabbau und Wirtschaftskrise haben sich über die Parteien und politischen Lager hinweg Einzelpersonen und Verbände Gedanken darüber gemacht, wie die herrschenden Produktionsverhältnisse in unserer Gesellschaft anders organisiert werden können. Das Netzwerk Grundeinkommen diskutiert bundesweit über eine bedingungslose Existenzsicherung, genauso wie attac, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Auch innerhalb der Parteien – vom thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU), über Teile der Grünen, der Linken und der SPD – wird das Konzept, wenn auch mit äußerst unterschiedlichen Modell- und Finanzierungsvorschlägen, unterstützt.

Das parteiunabhängige Netzwerk Grundeinkommen hat sich bei seiner Gründung auf vier Kriterien geeinigt, welche das Bedingungslose Grundeinkommen als eben solches kennzeichnen: Existenz und Mindestteilhabe sichernd, individueller Rechtsanspruch, keine Bedürftigkeitsprüfung und kein Zwang zur Arbeit.

Die Idee dahinter ist, die gegenwärtigen ökonomischen Verhältnisse kritisch zu beleuchten und sich folgende Fragen zu stellen: Kann das viel propagierte Ziel der Vollbeschäftigung für alle erreicht werden? Ist es erstrebenswert vierzig oder mehr Stunden in der Woche bis ins hohe Alter zu arbeiten? Und warum wird als Arbeit nur die anerkannt, welche im Marktzusammenhang geleistet und folglich entlohnt wird? Wo bleibt die ehrenamtliche, politische, kulturelle und soziale Arbeit? Und warum wird  gerade die schlecht oder nicht bezahlte Arbeit meist von Frauen geleistet?

Die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug fordert in ihrem Buch Die Vier-in-einem- Perspektive Politik von Frauen für eine neue Linke” einen Bruch mit der Vorstellung von Vollerwerbszeit und arbeitet ein vierteiliges, emanzipatorisches Lebenskonzept“ heraus, welches folgende Tätigkeitsfelder beschreibt: Erwerbsarbeit, Fürsorge- bzw. Reproduktionsarbeit, Arbeit an der Gesellschaft und kulturelle Arbeit. Frauen und Männer sollen neben der Arbeit auf dem Markt auch die Möglichkeit bekommen, sorgende Tätigkeiten für andere und sich selbst zu verrichten, ihren eigenen Interessen beispielsweise im Bereich Kunst, Musik oder Sport nachzugehen, sich politisch zu engagieren und aktiv an der Gestaltung der Demokratie teilzunehmen. Dieses Konzept könnte durch die Einführung eines  bedingungslosen Grundeinkommens gefördert werden. (Siehe auch „Demokratiepauschale statt Abhängigkeit von Gnade“ von Katja Kipping)

Doch das Hinterfragen des Arbeitsbegriffs ist nur ein Aspekt von vielen: es geht darum die Menschen von der Angst vor Armut zu befreien und sie bei Lohnverhandlungen mit ArbeitgeberInnen ansatzweise auf gleiche Augenhöhe zu bringen, denn: wer keine Existenzangst hat und keine Stigmatisierung aufgrund des Bezugs von Sozialleistungen fürchtet, der oder die muss auch keine unterbezahlte und teilweise entwürdigende Arbeit annehmen. Männer und Frauen scheinen die freie Wahl zu bekommen, ob und wie sie arbeiten und sie können eigenständig, ohne Abhängigkeit vom Partner oder der Partnerin, ihre Existenz sichern. Da das Grundeinkommen ausgezahlt wird, egal mit wem und wie vielen das  Leben und/oder die Wohnung geteilt wird, besteht die Chance, alle Daseinsmodelle auf politischer Ebene gleich zu behandeln.

Doch aus feministischer Perspektive wird auch Kritik laut. So beschäftigt sich  Susanne Worschech in der Broschüre Soziale Sicherheit neu denken. Bedingungsloses Grundeinkommen und bedarfsorientierte Grundsicherung aus feministischer Sicht (pdf) mit den Chancen und Risiken des Konzepts für feministische Anliegen und beanstandet, dass die vorhandenen Modelle nicht bis unzureichend gender-relevante Aspekte einbeziehen. Eine Auseinandersetzung mit der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und gesellschaftlichen Rollenbildern findet nicht statt und auch Aussagen der Grünen, dass „die Familienarbeit aufgewertet“ würde, stellt die traditionelle Rollenteilung nicht in Frage. Besteht die Gefahr, dass das Bedingungslose Grundeinkommen zur „Herdprämie“ für Frauen wird, traditionelle Rollenmuster verstärkt und Frauen vom Arbeitsmarkt verdrängt werden? Findet möglicherweise ein Transfer öffentlicher Leistungen und Güter in die Privatsphäre statt? Anja Kümmel beschreibt in ihrem Artikel Fuck the factory, love the family“ aus der Jungle World die Gefahr einer Rückbesinnung auf „das traute Familienglück als Gegenentwurf zur »kalten Arbeitswelt« und betont, dass das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens den Bereich der Produktion kritisiert, jedoch die Reproduktionsverhältnisse unangetastet lässt.

Auch die Berliner Gesprächsrunde „Philosophisches Quartett zum Grundeinkommen“ setzt sich mit dieser kritischen Perspektive auseinander. Dieses wird ab Okober jeden zweiten Donnerstag im Monat von 19.30 Uhr bis 21.00 Uhr in der Fehre6 (Fehrberlliner Straße 6, 10119 Berlin) stattfinden. Die Frage am kommenden Donnerstag, den 8. Oktober um 19.30 wird lauten: „Müßige Männer, fleißige Frauen – verfestigt das Grundeinkommen die Geschlechterungleichheit?“ Mit dabei sind: Dorothee Schulte-Basta und Robert Ulmer vom Netzwerk Grundeinkommen, die Schriftstellerin Katrin Heinau und die Soziologin Irene Pimminger.

Kommt vorbei und diskutiert mit!


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Das Ideal der rosanen Toleranz – Frauenfeindlichkeit unter Schwulen

15. September 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 9 von 26 der Serie Der Kommentar

Ein Gastkommentar von Stephan Siepe

“Schwule sind grundsätzlich tolerant!”, “Schwule sind aufgrund ihrer eigenen persönlichen Erfahrung für das Thema Diskriminierung sensibilisiert und verhalten sich auch dementsprechend respektvoll.”. Dieses sind Annahmen die von vielen innerhalb der schwulen Community geteilt werden. Aber werden Menschen bloß aufgrund ihrer schwulen Identität automatisch toleranter? Natürlich nicht!

Die Mehrheit der Schwulen definiert sich noch nicht einmal alleinig über ihre sexuelle Orientierung. Schwule (so wie alle Menschen) haben eine vielschichtige Identität, sie können SPD- oder CDU-Wähler, Handwerker oder Lehrer, arm oder reich, tolerant oder diskriminierend sein. Dies alles sind Charakteristika, die eine Identität aus machen. Schwule sind keine einheitliche Gruppe. Zu sagen Schwule seien generell dies oder das ist daher schon einmal im Ansatz sehr fragwürdig.

Dann eröffnet sich die Frage, warum sind ausgerechnet Schwule besonders tolerant? Es ist relativ selten der Fall, dass Gruppen, die selbst von enormer Diskriminierung betroffen sind, durch ihre erfahrene Diskriminierung allgemein toleranter und respektvoller im Umgang mit anderen Gruppen werden. Eher im Gegenteil, prinzipiell gilt: Anfeindungen führen nur zu mehr Anfeindungen, Gewalt schürt nur noch mehr Gewalt. Wenn beispielsweise ein Schwuler auf der Straße von einem Russen homophob beleidigt wird, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass der Schwule Vorurteile gegenüber Russ_innen aufbaut. Ebenso wenn eine Griechin auf der Straße von einer Italienerin rassistisch beleidigt wird, steigert dies die Wahrscheinlichkeit, dass die Griechin Vorurteile gegenüber Italiener_innen aufbaut. Weshalb sollte die schwule Minderheit hierbei anders sein, als andere Minderheiten. Weshalb sollten sie toleranter werden, dadurch, dass sie selbst diskriminiert werden?

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Kann eine Feministin die Grünen wählen?

11. September 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 8 von 26 der Serie Der Kommentar

Die Journalistin und Feministin Antje Schrupp kommentiert die Wahlwerbung der Grünen. Dieser Text ist bereits auf antjeschrupp.com erschienen.

Früher konnte sie es mal, jedenfalls recht gut. Keine andere Partei hatte so viele unterschiedliche, eigensinnige und teilweise auch skurrile Frauen in ihren Reihen wie die Grünen. Grüne Frauen waren dafür bekannt, dass sie sich nicht scheuen, Meinungen zu vertreten, die völlig ab vom Mainstream liegen. Es waren spitze Rhetorikerinnen darunter. Pulloverstrickende Müslis. Ganz Junge und ganz Alte. Dicke. Esos. Emanzen. Muttis. Was auch immer, jedenfalls: viele verschiedene feministische Fraktionen, die sich gegenseitig zuweilen mit großer Verve bekämpften, was manchmal peinlich, häufig aber sehr interessant war. Selten hatte der Begriff der „sexuellen Differenz“ so bunte Blüten hervorgebracht, wie bei den Grünen.

Tempi passati? An die relativ stromlinienförmige „Professionalität“ heutiger Grünen-Politikerinnen hat man sich ja inzwischen schon gewöhnt. Wie sehr aber die eigenwillige „Politik der grünen Frauen“ inzwischen im gleichgestellten Meer „grüner Frauenpolitik“ untergegangen ist, ist mir erst beim Anblick dieses „Frauen nach oben“- Wahlplakates aufgegangen.

Frauen2

Frauen1

„Frauen nach oben“ – das ist ja wirklich eine absurde Forderung. Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, dass sie explizit die Verabschiedung jeglichen Wunsches nach gesellschaftlicher Veränderung beinhaltet. Denn wer selbst nach oben will, hat ja offensichtlich gegen die Existenz dieses „oben“ nichts einzuwenden, sondern zollt ihm im Gegenteil ein Höchstmaß an Anerkennung.

Aber das ist nur das Offensichtliche. Jedes Mal, wenn ich an diesem Plakat vorbeikomme, frage ich mich, wer hier überhaupt zu mir spricht. Männer, die mir galant die Hand hinhalten, um mir an die Fleischtöpfe ihrer Macht zu helfen? Gruseliger Gedanke. Oder sind es Frauen, die diese Forderung erheben? Dann wäre der Feminismus vollends auf Lobbyismus zusammengeschmolzen und auf die banale Forderung des „Wir auch“.

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Weil ich mein Brautkleid unter der Dusche trage!

20. Juli 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 7 von 26 der Serie Der Kommentar

Blöde Fragen muss sich unsere Userin Hanna von einer Shampoo-Produktlinie stellen lassen. Aber sie nimmt es mit Humor:

Schönes Frauenhaar ist purer Sex und die Grundvoraussetzung für Erfolg in der Liebe. Schließlich verschaffte schon Rapunzel mit ihrem Haar dem Traumprinzen Zugang zu ihrem Turmzimmer. Und die Lorelei bezirzte vorbeifahrende Seemänner mit Kamm und Bürste. Ähnlich sieht es wohl auch Herbal Essences, die Haarpflegemarke, bei der es immer schon um mehr als bloß schöne Haare ging. Wahrscheinlich stöhnten deshalb ihre Werbefrauen bis vor kurzem noch orgastisch während des Haarwaschens. Aber 20 Jahre nach “Harry und Sally” zieht das wohl nicht mehr und eine frische Werbestrategie musste her.

Alt versus Neu

Alt versus Neu

In England hat Herbal Essences deshalb die Gelegenheit genutzt, Fragen in einem Spiel auf den Shampooetiketten zu beantworten, die uns Haarhygiene-verrückten Frauen schon lange auf der Kopfhaut brannten. Hier ein Beispiel:

Herbalhead Games Frage: How much older is the average groom than the average bride?

Herbalhead Games Frage: How much older is the average groom than the average bride?

Von der entsprechenden Haarspülung erfahre ich, dass es 5,3 Jahre sind und außerdem noch, dass sich Frauen angeblich öfter die Hände waschen als Männer. Von anderen Produkten der Linie lerne ich, dass sich 15 Prozent aller Frauen am Valentinstag selbst Blumen schicken, oder dass der größte geschliffene Diamant der Welt der „Stern von Afrika“ ist. Für mich als haarpflegebewusste Frau ist das super interessant, denn etwas diamantenes wird mir ja hoffentlich bald ein schmucker Jüngling um den Hals hängen, bevor er mich in Las Vegas ehelicht. Immerhin tun dies laut der Pflegeserie “Dangerously straight” mehr als 300 Paare täglich.

Und um kein Klischee auszulassen, behandelt die Shampooreihe “Break’s over” ein weiteres “richtiges” Frauenthema mit der Frage: “How much are the world’s most expensive shoes worth?”

Sollte ich aber nun doch keinen 5,3 Jahre älteren Bräutigam finden, der in Las Vegas mit ungewaschenen Händen um die meine anhält – keine Sorge – Herbal Essences hat noch mehr für mich im Petto, denn:

Everything from the bottle to what’s inside is transforming so it’s only right that the advertising reflects and celebrates this. Herbal Essences has created a campaign that gives the audience a fabulous experience and keeps the humour that is so loved and appreciated. But Herbal has grown up and therefore the sense of humour reflects this and in the new campaign the jokes move on from one-off gags to smart wit.

Zur Kampagne gehören auch Videos mit personalisierten Nachrichten von “Traummännern”, die Frau an die beste Freundin oder sich selbst verschicken lassen kann. Was ich natürlich tue. Ich entscheide mich für den New Yorker Künstler Pablo, der mir folgende E-Mail schickt:

Dear Hanna,
I’ve never done anything like this before, but I just had to get in touch with you. I saw you recently but was too shy to introduce myself. To be honest, ever since then I can’t stop thinking about you.
I know this must seem crazy. Will you at least visit my microsite? I’ve left a message there just for you. Here’s my microsite: …

Na also! Die Lorelei-Nummer funktioniert also doch: Er hat mich bemerkt und ich musste ihn nicht mal selbst ansprechen. Nun muss ich nichts weiter tun, als mein Haar mit Herbal Essences zu stärken, so dass ich es dann für meinen New Yorker Traumprinzen, der mich irgendwo gesehen hat (nur wohl nicht in NY, denn da war ich noch nie), herunter lassen kann. Dann erhalte ich noch eine Mail von Pablo, in der er mir mitteilt, er wolle nicht meine Freundin, sondern mich – dass ich meine Daten doppelt eingetragen habe, merkt der virtuelle Pablo natürlich nicht. Dazu noch einem Link zu fast dem gleichen Video. Ähm, Danke Pablo…


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