Selbermach-Sonntag (15.3.09)

von Susanne

Guten Sonntag, allerseits. Hier ist wieder eine Menge Platz für eure Gedanken, Fragen, Links zu Texten – zu Gelesenem und Selbstverfasstem. Einfach her mit allem, was euch am Herzen liegt.

Schönen Sonntag!




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Eintrag geschrieben: Sonntag, 15. März 2009 um 9:23 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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35 Kommentare

  1. Miriam sagt:

    Spiegel Online:
    Schulen benachteiligen Jungen massiv
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,612997,00.html

    Okay, das wurde hier ja auch schon ausführlich diskutiert. Aber was ich in dem oben verlinkten Artikel überhaupt nicht verstehe: Wo genau liegt der Zusammenhang zwischen schulischer Diskriminierung von Jungen und fehlenden männlichen Rollenvorbildern in Bildungseinrichtungen? Sind das nicht 2 unabhängige Phänomene?
    Dass Jungen deutlich bessere Leistungen erbringen müssen als Mädchen um den gleichen schulischen Erfolg zu erzielen, kann ich mir schon irgendwie durch das wohl noch immer weit verbreitete typische Mädchen- bzw. Jungenverhalten erklären. Schule belohnt nun mal eher angepasstes Verhalten, was ja nun nach wie vor weiblich konnotiert ist (wobei die Pisa-Studie ja auch gezeigt hat, dass auch Migrantenkinder und Kinder aus der Unterschicht diskriminiert werden in der Schule, von daher ist es wohl vor allem das Verhalten, dass die Lehrperson aus ihrer eigenen sozialen Gruppe kennt, welches belohnt wird).
    Aber was würde es da den Jungen helfen, wenn sie männliche Rollenvorbilder hätten? Deshalb würden sie sich wahrscheinlich auch nicht mehr anpassen. Klar, ein Lehrer beurteilt wahrscheinlich männlich konnotiertes Verhalten nicht so negativ wie eine Lehrerin, aber das hat ja nichts mit Rollenvorbild zu tun, sondern mit der Zugehörigkeit der beurteilenden Person zu einer bestimmten sozialen Gruppe.

  2. Patrick sagt:

    Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass es sogar mal eine Untersuchung gab, nach der männliche Grundschullehrer sogar etwas stärker Mädchen bevorzugen – also gerade kein Verständnis für männliches Verhalten hatten, vielleicht nach dem Motto: „Ich hüpf hier ja auch nicht rum!“

    Ich hab was zum Schmunzeln gefunden: ein Spiderman-Comic, das zusammen mit Planned Parenthood rausgegeben wurde und in dem er einen Schurken bekämpft, der Frauen zu Hausfrauen-Gebärmaschinen machen will :-)

    http://andrewfarago.livejournal.com/16145.html

    und zum nicht-so-schmunzeln habe ich den Polizeibericht darüber, was Chris Brown mit Rihanna gemacht haben soll, übersetzt. Link gebe ich als meine „Webseite“ ein, also muss man wahrscheinlich auf meinen Namen klicken, um das zu lesen.

  3. Schnatterinchen sagt:

    „Dass Jungen deutlich bessere Leistungen erbringen müssen als Mädchen um den gleichen schulischen Erfolg zu erzielen, kann ich mir schon irgendwie durch das wohl noch immer weit verbreitete typische Mädchen- bzw. Jungenverhalten erklären.“

    Aber Miriam, was nützt einem das angepasste Mädchenverhalten, wenn es beispielsweise um eine Mathearbeit geht mit einer Notenverteilung nach Punkteintervallen geht? Den Lehrer oder die Lehrerin möchte ich sehen, der/die bei einer Mathearbeit mit der Höchstpunktzahl 50 einem Mädchen für 48 Punkte eine Eins und einem Jungen eine Zwei gibt.

    Und vor allem: Was ist mit den Eltern? Ich würde den LehrerInnen meiner Söhne aufs Dach steigen, wenn ich sowas mitbekäme! Und ich glaube, andere Eltern würden das Gleiche tun.

  4. Patrick sagt:

    Auch in Mathe gibt es mündliche Noten.

  5. Miriam sagt:

    In dem Spiegelartikel steht drin, dass Jungen ein höheres Pisa-Ergebnis erzielen mussten als Mädchen, um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen. Also genau das, weshalb du, Schnatterinchen, der Lehrerin aufs Dach steigen würdest.
    Vergleichst du tatsächlich die Mathearbeiten deiner Söhne mit denen ihrer Mitschülerinnen? Denn auch bei einer Mathearbeit kann man die Punkte so verteilen, dass bei vergleichbarer Leistung unterschiedliche Punktzahlen (also Noten) rauskommen. Mal zieht man für einen Folgefehler einen halben Punkt ab, mal einen ganzen. Das muss noch nicht mal bewusst geschehen. Aber ich habe mich auch schon dabei ertappt, schlecht leserliche Klausuren schlechter zu beurteilen als gut leserliche.

  6. Lena sagt:

    @Patrik das mag sein, aber in der Unterstufe zaehlt das so gut wie gar nicht. Nur wenn man nach den Schriftlichen Arbeiten zwischen zwei Noten steht, gibt die muendliche Note schon mal Ausschlag.
    Bei keinem meiner Nachhilfeschuelern ist das anders.

    Neben den hier genannten Gruenden, dass in der Schule vor allem „Angepasstes“ verhalten belohnt wird, werden auch in der Schule eher die „typischen“ Maedchenfaecher eher gefoedert. (wobei dieses „typisch“ wohl auch eine Frage der Sozialisation ist)
    Naturwissenschaften haben immer noch einen schlechten Ruf, ob in Physik eine 2 oder 4 auf dem Zeugnis steht ist dann doch den meisten egal.
    Informatik kann allerhoechstens in der Differenzierung anstatt einer Fremdsprache gewaehlt werden und hat dann den Ruf, das „Freak – Fach“ zu sein.

    Interessen auf dem Gebiet werden also durch die Schule nicht gefoedert. Maenner haben durch Sozialistation schon haufig spielerischen Kontakt zu solchen Dingen – Maedchen nicht.

    Die Schule unterstuezt nun genau dieses Verhalten…

  7. Miriam sagt:

    edit:

    Aber ich habe mich auch schon dabei ertappt, schlecht leserliche Klausuren schlechter zu beurteilen als gut leserliche.

    Nicht zwangsläufig schlechter beurteilt, aber strenger…

  8. jj sagt:

    „Schule belohnt nun mal eher angepasstes Verhalten“

    Und damit belohnt Schule das Gegenteil von dem, was gleichaltrige Mädchen/Frauen belohnen (sobald die von Interesse sind)…

  9. Miriam sagt:

    jj: Aber das erklärt ja wohl nicht so richtig, warum Jungs schon in der Grundschule schlechter abschneiden, oder?

  10. Ich denke schon, dass Jungs in der Schule besser aufpassen, wenn sie außerhalb der Schule gute männliche Vorbilder haben.
    Meine Forderung richtet sich da aber eher an die Väter und Onkel als an die Institution Schule. Natürlich wäre es wichtig, mehr Männer in Grundschulen und Kindergärten zu haben, aber ausreichen tut das mit Sicherheit nicht.

    Was mir vorschwebt sind Jungsfreizeiten. Organisiert von Vätern und interessierten jungen Männern, die deutlich jünger sind, als das typische Vaterwerdalter. Da würde ich dann so pfadfindermäßig Abenteuerwochenenden organisieren mit Lagerfeuer und Nachtwanderungen. Ich denke, dass es den Jungs im vor- und frühpupertären Alter ganz gut täte, wenn sie da nicht immer unter Beobachtung der Mädchen stünden. Wenn sie sich eben mal ausprobieren könnten, ohne Angst haben zu müssen, sich vor den Mädchen zu blamieren. Momentan können sie das eben am besten vor der Playstation.

    Aber das ist ja keine Sache des Feminismus, sondern Sache der Männer, der Väter und (Paten)onkel. Das einzige, was der Feminismus dafür tun kann, ist es nicht zu torpedieren. Aber ich denke, das wird kein Problem sein.

    Was ich auch wichtig fände sind Technik-AGs in Schulen. Das gab es zu meiner Schulzeit praktisch nicht. Nur ein Jahr lang eine Elektronik-AG. Was es eben gab, waren die üblichen Tanz-, Theater-, Schulgarten-AGs. Fand ich alles ziemlich langweilig. Bei so Technik-AGs würde ich aber die Mädchen ausdrücklich dabeihaben wollen.

  11. jj sagt:

    Miriam,

    „jj: Aber das erklärt ja wohl nicht so richtig, warum Jungs schon in der Grundschule schlechter abschneiden, oder?“

    Stimmt. Ist nur ein zusätzlicher Punkt, der Jungs das Leben in der Schule etwas schwerer macht.

    Stelle mir die Frage, inwieweit die gesellschaftliche Grundüberzeugung, daß Frauen an sich immer benachteiligt sind, hier vielleicht eine Rolle spielt, daß bewußt oder unterbewußt Mädchen besser in der Schule behandelt werden, um ihre vermeintlichen späteren Nachteile auszugleichen?

  12. @jj: Die frage nach der bewussten oder unbewussten Benachteiligung der Jungen in der Schule führt denke ich zu nichts. Sowas kann man eben weder beweisen noch widerlegen. Genauso wie die Frage, ob Frauen karrieretechnisch schlechter behandelt werden oder nicht. Und es wird immer wieder einzelne Lehrer geben, die Mädchen oder Jungen benachteiligen oder bevorteilen.

    Früher sagte man: „Man muss die Kinder von der Straße holen.“ Heute sage ich: „Man muss die Jungs von den Playstations wegholen.“ Und das könnte gelingen durch jungsspezifische Freizeitangebote und — ganz wichtig — präsentere Väter.

    Wenn die Jungs mehr Vorbilder hätten und zwar eben auch Vorbilder zum Anfassen, die direkte Rückmeldung geben, wären sie mit Sicherheit auch in der Schule motivierter. Wenn dann in der Schule noch experimentierende, erforschende Unterrichtsmethoden stärker betont würden, wäre da schon einiges getan.

  13. SoE sagt:

    Hanna Rosin hat mal geschaut, ob Muttermilch wirklich so viel besser ist als die Flasche und meint: Nein.

    http://www.theatlantic.com/doc/200904/case-against-breastfeeding

  14. Miriam sagt:

    @SoE: Das mit dem Stillen ist eine sehr zweischneidige Sache, wie ich finde. Auf der einen Seite macht das Gesetz über Werbung für Säuglingsanfangsernährung nichtstillenden Müttern in Deutschland ein schlechtes Gewissen, da die Hersteller von Babynahrung dazu verpflichtet sind, darauf hinzuweisen, dass Stillen das Beste für das Kind sei. Auf der anderen Seite könnte damit erreicht werden, dass Stillen in der Öffentlichkeit und im Berufsleben als selbstverständlich betrachtet wird.
    Mal ganz abgesehen von Entwicklungsländern, wo es meiner Meinung nach sehr fragwürdig ist, ob man dort Werbung für Säuglingsnahrung machen sollte.

  15. jj sagt:

    SoE,

    als Flaschenkind (aus gesundheitlichen Gründen) denke ich, daß ich zwar keine gesundheitlichen Defekte davongetragen habe – und Muttermilch chemisch vielleicht nicht mal das Beste ist, aber ich mir immer auch die Frage gestellt habe, inwieweit mein ursprünglich etwas problematisches Verhältnis zur menschlichen Körperlichkeit nicht auch davon geprägt war. Kann niemand wirklich sagen, aber ich denke, Stillen ist für ein Neugeborenes die beste Basisernährung, weil das von der Natur nun mal so vorgesehen ist. Und ja, das bedeutet auch, daß auch nach der Geburt eine besondere Verbindung zwische Mutter und Kind besteht, die ein Vater nicht haben kann.

  16. Schnatterinchen sagt:

    Miriam: „Vergleichst du tatsächlich die Mathearbeiten deiner Söhne mit denen ihrer Mitschülerinnen?“

    Nein, aber die Kinder in der Klasse vergleichen gelegentlich untereinander. Und wenn ich selber mal einen Blick auf eine Arbeit werfe, schaue ich mir schon an, ob mir die Bewertung irgendwie plausibel vorkommt. Außerdem bin ich bisher davon ausgegangen, dass es zum Berufsethos eines Lehrers gehört, dass er die Noten nicht würfelt. Vielleicht habe ich zu viel Vertrauen, aber ich kenne genügend Eltern, die sehr misstrauisch gegenüber Lehrerentscheidungen sind und alle naslang nachfragen, warum diese Note, warum jene Bewertung, warum hat die Freundin der Tochter aber einen Punkt mehr usw. Allein um sich solche Dinge vom Hals zu halten, müsste doch ein Lehrer schon um transparente Notenvergabe bemüht sein.

    Miriam: „In dem Spiegelartikel steht drin, dass Jungen ein höheres Pisa-Ergebnis erzielen mussten als Mädchen, um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen.“

    Hm, das ist ja gleich noch ein weiteres Problem. Auch etwas, was ich persönlich bisher vielleicht nicht ernst genug genommen habe, weil diese Empfehlungen hier in Rheinland-Pfalz nicht bindend sind.

    Es gibt Stimmen, die die PISA-Tests mit Intelligenz-Tests vergleichen. Dass hohe IQ-Ergebnisse sich nicht immer in entsprechend guten Schulnoten niederschlagen, ist, glaube ich, keine Neuigkeit. (Umgekehrt ist es eher nicht so, dass ein niedriger IQ für gute Schulnoten sorgt. Sehr gute Schüler sind also nicht immer hochbegabt, aber auf jeden Fall nicht dumm.)

    Vermutlich liegt hier ein Problem der ganzen Diskussion um unterschiedliche Noten für angeblich gleiche Kompetenzen: Die „Kompetenz-Konzepte“ von Lehrern einerseits und Bildungsforschern andererseits scheinen nicht die gleichen zu sein.

    Aber wahrscheinlich sollte ich erst die zugrundeliegende Studie lesen, bevor ich hier weiterspekuliere und den Selbermach-Sonntag zerfasere. Ich nehme an, es handelt sich um diese hier:

    http://www.bmbf.de/pub/Bildungsmisserfolg.pdf

  17. SoE sagt:

    @Miriam, jj:

    Die Propagierung „Muttermilch ist das beste was es gibt“, setzt all die Frauen unter Druck, die nicht stillen können, aus welchem Grund auch immer. Irgendwie wird da mal wieder ein Ideal aufgebaut, an dem Frauen immer mehr gemessen werden. Solche Idealisierungen finde ich einfach problematisch.

    Auf der einen Seite gibt es Krankenschwestern, die Babies entgegen den Wünschen der Mütter extra füttern. Auf der anderen Seite werden junge Mütter noch dumm angemacht, wenn das Stillen einfach nicht klappt. Beides kann es einfach nicht sein.

    Dann (und das war der Hauptpunkt des Artikels) sind die Vorteile von Muttermilch vielleicht genauso wenig belegbar, wie die häufigen „Männer sind so und Frauen anders“-Argumente. Die Autorin führt an, dass es häufig auch klare Klassenunterschiede gibt, wer stillt und wer nicht und damit auch weitere Unterschiede in medizinischer Versorgung und Erziehung einhergehen. Was mir schon ein mal früher aufgefallen ist, ist dass es meist nur um Muttermilch allgemein geht, diese tatsächlich aber nie gleich ist. Inhaltsstoffe, Farbe und sogar der Geschmack variieren stark je nach Ernährung der Mutter.

    Zum Thema Entwicklungsländer: Auf der einen Seite ist es schon ausbeuterisch, wenn Frauen für teures Geld etwas verkauft wird, was sie nicht brauchen. Auf der anderen Seite gibt es gerade dort auch viele Frauen, die arbeiten müssen, um ihre Familie zu ernähren und ihr Baby nicht immer mitnehmen können. HIV-Infizierte sollen ihre Babies nicht stillen, weil dabei die Gefahr der Ansteckung besteht. Und wenn die Mutter mangelernährt ist, wird das Baby auch mangelernährt, ein gravierendes Problem ist etwa Vitamin D-Mangel. Bei letzterem wäre natürlich eine ordentliche Ernährung von Mutter und Kind notwendig, bei den anderen Problemen hat Ersatznahrung seinen Platz.

    Am besten wäre es, wenn jede Mutter sich frei entscheiden kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Wenn sie weder dumm angeschaut wird, sobald sie ihr Kind im Café stillt, noch mit jedem Fläschchen automatisch als Rabenmutter abgestempelt wird. Aber weder das eine noch das andere scheinen wir im Moment leider zu erreichen.

  18. Ariane sagt:

    Eine Freundin hat vor etwas mehr als einem Jahr ein Kind bekommen, wollte es aber nicht stillen. Bekam Medikamente zum Abstillen und greift dann eben zur Flasche (toller Ausdruck :-)).
    In der Junge-Mütter-Runde wird sie immer darauf angesprochen. Eine Frau die nicht stillt, wird in erster Linie bemitleidet. Wenn sie aber verrät, sie stillt bewusst nicht, erntet sie Unverständnis. Dabei war es vor einigen Jahren noch unnormal zu stillen, also meine Mutter, obwohl sie alle Voraussetzung dafür hatte, stillte nicht, weil es eben damals in war, Stillen war altmodisch und höchstens etwas für Öko-Freaks. Ich finde es einfach traurig, wie der Zeitgeist Frauen vorschreiben will, ob sie stillen wollen oder nicht und ihr eigener Wille dabei auf der Strecke bleibt.

  19. Julia sagt:

    Schnell noch zum Wochenanfang: Offen lesbische Spielerin der südafrikanischen Frauenfußballmannschaft wurde vergewaltigt und ermordet – eine Vergewaltigung soll lesbische Frauen wieder „normal“ machen, das nennt sich dann „corrective rape“. Die meisten Täter werden nicht bestraft… Üble Geschichten:
    http://www.guardian.co.uk/world/2009/mar/12/eudy-simelane-corrective-rape-south-africa

  20. jj sagt:

    SoE,

    wenn eine Mutter nicht stillen kann (wie meine), dann kann sie halt nicht stillen. Aber wir sollten nicht vergessen, daß Menschen auch Säugetiere sind. Der Gattungsoberbegriff muß ja irgendwo herkommen… „Das Beste“ ist vielleicht die falsche Wertordnung: Besser wäre wohl „ein natürlicher Teil des menschlichen Lebens.“ Auch wenn wir uns in manchen Bereichen des Lebens über die „natürlichen“ Grenzen hinwegsetzen bedeutet das nicht, daß das überall sinnvoll ist. Es gibt sicher wichtigeres als das, aber ich denke, daß man – wo möglich – der natürlichen Methode den Vorrang lassen sollte.

  21. Miriam sagt:

    @ SoE: Ich habe gar keine so eindeutige Meinung zum Stillen, von daher kann ich den Absatz

    Am besten wäre es, wenn jede Mutter sich frei entscheiden kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Wenn sie weder dumm angeschaut wird, sobald sie ihr Kind im Café stillt, noch mit jedem Fläschchen automatisch als Rabenmutter abgestempelt wird. Aber weder das eine noch das andere scheinen wir im Moment leider zu erreichen.

    voll und ganz unterschreiben, sowas in der Art wollte ich mit meinem Kommentar auch ausdrücken.
    @jj: Ich bin auch nicht gestillt und habe/hatte überhaupt kein Problem mit Körperlichkeit. Auch mit einem Flaschenkind kann man beim Füttern einen sehr innigen nahen Körperkontakt pflegen…
    Was mich sogar fast wütend macht (soweit gehst du zum Glück nicht), wenn ein Mann behauptet, wie praktisch das Stillen doch sei, schließlich habe man immer das Futter für das Kind dabei und auch noch genau in der richtigen Temperatur. Dass es für eine bis dahin unabhängige Frau auch eine Belastung sein kann, wenn sie auf einmal 24 Stunden am Tag für einen anderen Menschen zur Verfügung stehen muss, scheint solchen Leuten nicht in den Sinn zu kommen.

  22. jj sagt:

    Miriam,

    „Dass es für eine bis dahin unabhängige Frau auch eine Belastung sein kann, wenn sie auf einmal 24 Stunden am Tag für einen anderen Menschen zur Verfügung stehen muss, scheint solchen Leuten nicht in den Sinn zu kommen.“

    ja sicher ist das eine Belastung. Aber das ist halt so mit Säuglingen. Man kann die 24 Stunden Abhängigkeit sicher mit Flaschen (auch mit Muttermilch) reduzieren, die ja auch der Vater verabreichen kann, aber sich darüber theoretisch zu beschweren, daß Mutterschaft auch eine Belastung ist… ernsthaft? Wer nicht will, muß ja nicht.

  23. Miriam sagt:

    jj: aber kann ein Mann, der NIE auch nur im entferntesten in die Verlegenheit kommen könnte, in diesem Ausmaß zur Verfügung stehen zu müssen (ich beziehe das jetzt nur auf den physischen Aspekt, nicht dass das hier wieder auf die finanzielle Versorgerrolle der Väter hingewiesen wird, ich akzeptiere, dass das durchaus eine Belastung für die Männer sein kann) wirklich beurteilen, wie praktisch es ist zu stillen? Alle Mütter, mit denen ich bisher gesprochen habe und auch meine eigene Erfahrung (soviel zum Thema „theoretisch beschweren“) sind, dass das Finden der Mutterrolle mit deutlich heftigeren inneren Kämpfen verbunden ist als sie den Eindruck bei ihrem Partner und dessen Finden der Vaterrolle hatten. Kann subjektiv sein, ganz klar.
    Es ging übrigens nicht darum, dass die Mutterschaft per se als Belastung empfunden wird (wobei ich der Meinung bin, dass Elternschaft durchaus von Zeit zu Zeit eine Belastung sein kann und darf!), sondern dass es belastend ist, wenn man die einzige Person ist, die dieses Kind füttern kann, was in der Realität bedeutet, u.U. alle 2 Stunden zur Verfügung zu stehen.
    Da ist es für einen Mann wirklich ein leichtes zu behaupten, wie praktisch das mit dem Stillen doch sei. Klar, er ist dann aus der ganzen Sache auch 100% fein raus…

  24. jj sagt:

    Miriam,

    ich habe nie behauptet, persönlich die Belastung nachempfinden zu können. Ich habe ja auch nie behauptet, daß Mutter- und Vaterrolle einfach austauschbar sind. Und ich glaube – wie ja schon gesagt -, daß man das Stillen durchaus mit Flasche – die kann ja auch Daddy geben – ergänzen kann, um die Abhängigkeit von der Mutter zu reduzieren. Ich sehe das nicht so als sich ausschließende Alternativen, wie es hier dargestellt wird. Nur denke ich, daß da, wo es möglich ist, die natürliche Variante den Vorrang behalten sollte. Und ich denke, daß sehen auch die meisten Mütter so, zumindest die, die ich kenne.

  25. Miriam sagt:

    Ich sehe das nicht so als sich ausschließende Alternativen

    Ist leider oft eben doch einander ausschließend. Säuglinge, die mit der Flasche (bei)gefüttert werden, haben oft nicht die richtige Technik drauf, an der Brust zu saugen. Es mag Fälle geben, da funktionierts, aber häufig ist es eben schon eine Entscheidung zwischen „ganz oder gar nicht“.

  26. jj sagt:

    Miriam,

    interessant, wußte ich nicht. Kann man die Plastiknippel der Biologie nicht so anpassen, daß die Flasche nicht zu ersten „Sozialisierungsschäden“ führt?

  27. Miriam sagt:

    jj, meine naive Erklärung dafür ist, dass das was mit dem Druckverlust in Rohrleitungen zu tun hat, je dünner und länger die Kapillare, desto höher der Druckverlust, desto stärker muss man also saugen. Es dürfte recht schwierig werden, die Sauger an den Flaschen so zu konstruieren, dass sie einen vergleichbaren Druckverlust haben und einfach zu sterilisieren sind…

  28. jj sagt:

    Miriam,

    hmm, ich bin jetzt kein Ingenieur, aber ziehen nicht z.B. Nasensprays auch durch ein Röhrchen vom Boden der Flasche?

  29. Miriam sagt:

    Und ich bin keine Medizinerin, von daher reine Spekualtion: Die Röhrchen im Nasenspray haben einen ziemlich großen Durchmesser verglichen mit Milchkanälen in der weiblichen Brust

  30. jj sagt:

    Miriam,

    interessant, vielleicht sollte ich mich mal mit den nicht-ästhetischen Aspekten der weiblichen Brust auseinandersetzen ;).

  31. Noomi sagt:

    Was mich mal interessieren würde (an all diejenigen, die die „natürliche Methode“ bevorzugt sehen wollen):
    Was genau ist mit den Ausdrücken „wo es möglich ist“ / „wenn die Gesundheit es zulässt“ etc. genau gemeint, bzw. ab wann ist es akzeptabel/verständlich, nicht zu stillen?

    Muss frau sich z.B. rechtfertigen, weil sie zwar keine drastischen gesundheitlichen Komplikationen durch das Stillen erleidet, aber durchaus körperliche Unanehmlichkeiten hat, oder weil sie z.B. mit Ihrem Partner lieber eine andere „Arbeitsteilung“ bevorzugen würde (er kümmert sich ums Baby, sie arbeitet so bald als möglich nach der Geburt wieder Vollzeit)?

    Ich denke nämlich, dass da gar kein Rechtfertigungsdruck entstehen sollte, sondern jeder einzelnen Mutter bzw. den Eltern die Entscheidung überlassen werden sollte. Genau wie bei der Geschichte mit der „Fremdbetreuung“ wird da aber gerne mal die Moralkeule „Rabenmutter“ hervorgeholt…

    P.S.: Bin ebenfalls Flaschenkind, und verspüre keinerlei Nachwirkungen. Im Gegenteil: Ich habe mich z.B. schon immer bester Abwehrkräfte erfreut, keinerlei Allergien und so…:-)

  32. illith sagt:

    Ich bin auch nicht gestillt und habe/hatte überhaupt kein Problem mit Körperlichkeit.

    ich schon – also zu beidem^^

    hmmm – ich mein, ich hätt irgendwo mal sone still-vorrichtung für väter im netz gesehen – also wie son fake-busen zum umhängen?! oder täuscht mich meine erinnerung (und meine wüste phantasie) da….? :D

  33. Matze sagt:

    illith: „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ hatt Robert de Niro mit so nem Ding.

    Habe ich gehört …

  34. Andrea sagt:

    Ich hoffe, Ihr rollt jetzt nicht allzu sehr mit den Augen, denn ich habe 4 Kinder, die ich alle gestillt habe.
    Stillen ist für mich nicht das „Beste“, die „ideale“ Ernährung oder ein „Wunderwerk der Natur“ und schon gar nicht ein „Opfer“, das ich meinen Kindern zuliebe gebracht habe. Stillen ist (bzw. war) für mich die normale, unserer Art entsprechende Ernährung und „Bemutterung“ meiner Kinder.
    Ich habe ganz stark empfunden, dass Schwangerschaft, Geburt und Stillen einen logischen Zyklus bilden (nicht nur auf der „Hormon-Ebene“). So wie ich meine Kinder selbstbestimmt (mit einer Hebamme zuhause) geboren habe, habe ich meine Kinder auch selbstbestimmt ernährt – ohne von Produkten der Industrie abhängig zu sein, von denen die Werbung mir suggerieren will, dass sie fast so gut oder noch besser sind als das, was ich meinen Kindern geben kann.