Schlimmer wohnen mit Kolonialrassismus

von Anna-Sarah

Möbel Roller hatte letzte Woche mal wieder ganz entzückende Deko im Angebot: Die „Afrika-Lady“, eine Kunststofffigur „in verschiedenen Ausführungen“. So eine Schwarze Frau aus Plastik, die trägt, was „die Afrikanerin“ halt angeblich so trägt (farbenfrohe Tracht am Leib und irgendwas anderes buntes auf dem Kopf), verleiht auch dem biedersten deutschen Wohnzimmer das richtige „exotische“ Flair, oder wie?  Komisch, der Bedarf für Europa-Ladies auf dem Sideboard scheint begrenzt zu sein. Was die wohl mit sich herum tragen würde – Aktentasche? Alditüte?  Fail der Woche, Firma Roller!




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Eintrag geschrieben: Samstag, 10. September 2011 um 15:00 Uhr unter Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. Dani sagt:

    Ich habe gestern noch eine Diskussion darüber geführt, dass viele die (deutsche) Schrecklichkeit der Kolonialvergangenheit vergessen, verdrängen, oder sie ihnen überhaupt nicht bewusst ist. In der Schule haben wir z.B. nur zwei Stunden im Geschichtsunterricht darüber gesprochen. Der zweite Weltkrieg kam dafür jedes Jahr mehrere Stunden dran.
    Vielen schein gar nicht bewusst zu sein, was sie sich da als „Deko“ ins Wohnzimmer stellen und das macht es irgendwie noch schlimmer.

  2. mettskillz sagt:

    Was stellen sich denn viele ins Wohnzimmer? In meinen Augen ziemlich geschmacklosen Kitsch. Aber für viele ist das vermutlich die einzige Möglichkeit etwas exotisches in die eigenen vier Wände zu bekommen. Es kann sich ja nicht jeder einen 8-wöchigen Backpacking-Trip durchs kambodschanische Hinterland reisen und sich dort mit Buddah-Stauen eindecken, die er sich dann ins Wohnzimmer stellt.

  3. Helga sagt:

    @mettskillz Es ist ein Problem, wenn Menschen sich Dinge nicht leisten können. Es ist aber etwas ganz anderes, unbedingt etwas „exotisches“ zu wollen und dabei dann die schlimmsten rassistischen Stereotype wie eben „Afrika-Ladies“ mitzunehmen. Egal ob es dann 3.99 oder 399 Euro kostet.

  4. Anna-Sarah sagt:

    @mettskillz: Gutwillig, wie ich bin, unterstelle ich mal, dass dein Kommentar irgendwie „satirisch“ gemeint ist. Falls das stimmt, mach das nächstes Mal bitte deutlicher – und stell dich drauf ein, dass möglicherweise nicht alle diese Art von Satire vorbehaltlos schätzen. Danke.

  5. mettskillz sagt:

    @Helga: davon abgesehen, dass ich die beworbenen Figuren reichlich geschmacklos finde und der Name „Afrika-Lady“ ziemlicher Unfug ist. Wenn sich jemand gerne eine solche Figur in sein Zimmer stellen mag – wo liegt das Problem? Irgendwie muss die Figur ja gestaltet sein. Und das sie damit nicht jede einzelne Frau des Kontinents abdeckt dürfte ja wohl klar sein.

  6. Helga sagt:

    @mettskillz: Nicht nur der Name, die ganze Figur ist ein Problem. Weil sie Stereotypen und Vorurteile bestätigt, weil das „in einen Topf werfen“ Afrikas ein Problem ist. Für weitere Auseinandersetzungen mit der Frage empfehle ich http://www.amptoons.com/blog/files/mcintosh.html und http://jezebel.com/5839414/makeup-artist-inspired-by-an-african-face

  7. Anna-Sarah sagt:

    @mettskillz:

    Wenn sich jemand gerne eine solche Figur in sein Zimmer stellen mag – wo liegt das Problem?

    Was Helga sagt. Weiße Menschen sollten angesichts ihrer Geschichte und angesichts nach wie vor bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse (zur Erinnerung: Schwarzen werden oftmals bestimmte Stereotype, Rollen, Vorurteile zugewiesen, sie werden exotisiert und nicht selten offen rassistisch diskriminiert), tunlichst davon absehen, nicht-weiße Menschen als Dekorationsgegenstände zu behandeln, auch in Form von mehr oder weniger lebensecht anmutenden „Nachbildungen“. Wenn ein hiesiger Möbelladen Dekorationsgegenstände, die stereotype Vorstellungen über „die Afrikanerin“ verkörpern, für die weißdeutsche Mehrheitsgesellschaft anbietet, und die sich sowas trotz der deutschen Kolonialvergangenheit und o.g. Gegenwart ganz unbekümmert ins Wohnzimmer stellen mag oder sich zumindest nichts dabei denkt, wenn Leute das tun mögen, sehe ich darin ein Problem, das weit über persönliche Geschmackfragen hinausgeht.