Einträge der Rubrik ‘Inspiration’


„vital signs“ – „Lebenszeichen“

4. Dezember 2015 von Hannah C.
Dieser Text ist Teil 24 von 34 der Serie Die Feministische Videothek

Bereits 1995 gab es den Film „vital signs“ („Lebenszeichen“), von David Mitchell & Sharon Snyder (deutsche Untertitel von Rebecca Maskos) , der sich mit der us-amerikanischen (weißen) Krüppelbewegung befasst und einen Diskurs nachzeichnet, der so lebendig und laut ist, wie er zu unterdrücken versucht wird.
Es sprechen bekannte Aktivist_innen wie Cheryl Marie Wade, Mary Duffy und Harlan Hahn und andere behinderte Menschen.

 

 


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Applaus für… Bewegungsarbeiterin Jamie Schearer

1. Dezember 2015 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 1 von 39 der Serie Applaus für

Schwarze Realitäten und Anti-Rassismus: Das ist das Thema der Bewegungsarbeiterin Jamie Schearer, die seit 2011 politisch aktiv ist. Warum ihr sie in ihrem Aktivismus unterstützen solltet, erzählt euch der nachstehende Beitrag in einer durch Jamie leicht veränderten Fassung des Ursprungsartikels der Bewegungsstiftung. Wir veröffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung.

Durch ihren Aktivismus versucht Jamie Shearer die strukurelle Dimension von Rassismus in unserer Gesellschaft als auch im europäischen Kontext sichtbar zumachen. Ihr Ziel ist es so den gesellschaftlichen Diskurs kritisch zu bereichern. Lange hat sie sich mit Vorurteilen und Diskriminierung abgefunden, später führt ihr Interesse an Politik und Vorbilder wie ihre Mutter zur Selbstermächtigung, aber auch außerhalb ihrer Familie findet sie starke Vorbilder wie Rosa Parks, Martin Luther King Jr., Kwame Nkrumah und Yaa Asantewaa. Beim Verband binationaler Familien hat sie sich für das Empowerment Schwarzer Kinder engagiert und erste Kontakte zu anderen Organisationen geknüpft.

jamie shearer

Mittlerweile ist die Politikwissenschaftlerin auf vielen Ebenen und in vielen Funktionen aktiv. Seit 2011 ist Jamie Mitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. und seit März 2014 auch Vorstandsmitglied. Sie arbeitet bei dem Projekt gegen Alltagsrassismus #SchauHin mit, hat im Februar 2014 das erste Netzwerktreffen von Interessenvertretungen Schwarzer Menschen in Europa organisiert und plant derzeit das zweite und ist Vorstandsmitglied des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus.

Jamies Ziel ist es, Rassismus sichtbar zu machen und Betroffene darin zu bestärken, für ihre Rechte zu kämpfen. Sie will, dass sich das gesellschaftliche Selbstbild in Deutschland ändert. Sie will, dass es selbstverständlich wird, dass Schwarze Menschen in Deutschland beheimatet sind. Sie will Gleichbehandlung und dass Schwarze Menschen genauso viel Vertrauen in den Staat und das System haben können wie weiß positionierte Personen.

Dass dies zurzeit nicht der Fall ist, zeigt das Beispiel Racial Profiling, ein Thema, zu dem Jamie seit Jahren Kampagnenarbeit macht. Gemeint ist damit das Handeln von Polizei- und Sicherheitsbehörden, das sich nicht auf Verdachtsmomente, sondern auf Kriterien wie vermeintliche Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit, Nationalität oder Religion stützt und dazu führt, dass Schwarze oder nicht-weiße Menschen in Bahnhöfen, Zügen, Flughäfen und Grenzregionen ständig von der Polizei kontrolliert werden. Nach Auffassung der Bundesregierung gibt es Racial Profiling in Deutschland nicht, weil diese Praxis ganz offensichtlich gegen den Gleichheitsgrundsatz und das Grundgesetz verstößt. Doch faktisch wird es von der Bundespolizei gezielt angewendet, mit der Begründung, dass sich so am besten illegalisierte Migration und Terrorismus bekämpfen lassen.

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Samstagabendbeat mit Carmel Zoum

21. November 2015 von Anna-Sarah


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Samstagabendbeat mit Coely

7. November 2015 von Anna-Sarah


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Wer war… Daisy Bates?

4. November 2015 von accalmie
Dieser Text ist Teil 50 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Daisy Lee Gatson Bates war eine US-amerikanische, Schwarze Journalistin und Bürger_innenrechtsaktivistin, die durch die „Central High School“-Krise in Little Rock, Arkansas, in den Jahren 1957 bis 1959 weltweit bekannt wurde. Als Präsidentin der Arkansas Conference of Branches der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), zu der sie 1952 gewählt wurde, war Bates eine der Initiator_innen des gerichtlichen Verfahrens Aaron v. Cooper, das die Desegregierung aller öffentlichen Bildungseinrichtungen in Arkansas sicherstellen sollte und letztlich 1959 vom obersten Verfassungsgericht der USA (Supreme Court of the United States) zugunsten der Schwarzen Kläger_innen entschieden wurde.

Im Zuge der Auseinandersetzung um die Desegregierung öffentlicher Schulen wurde der gewaltvolle Konflikt um die Zulassung von neun Schwarzen Schüler_innen zur Central High School in Arkansas‘ Haupstadt, Little Rock, zum berüchtigten Höhepunkt. Nachdem Arkansas‘ Gouverneur Orval Faubus die Schule mithilfe der Nationalgarde umstellte und später ein rassistischer Mob die Schwarzen Schüler_innen am Zutritt hinderte, stationierte US-Präsident Dwight D. Eisenhower schließlich Armee-Truppen in Little Rock, um den Schwarzen Schüler_innen – die „Little Rock Nine“: Ernest Green, Elizabeth Eckford, Jefferson Thomas, Terrence Roberts, Charlotta Walls, Minnijean Brown, Gloria Ray, Thelma Mothershed und Melba Patillo – den Zugang zur Schule zu ermöglichen.

Quelle: Wikipedia.

Daisy Bates kam ca. 1913 in  der kleinen Gemeinde Huttig zur Welt und wuchs bei Adoptiveltern auf. Im Alter von 15 Jahren lernte Bates ihren Ehemann L.C. (Lucius Christopher) Bates kennen und die beiden zogen nach Memphis, Tennessee, bevor sie neun Jahre später nach Arkansas zurückkehrten. In Little Rock gründeten die beiden die Wochenzeitung Arkansas State Press, die sich an eine Schwarze Leser_innenschaft wandte und für Schwarze Bürger_innenrechte einsetzte. Daisy Bates wurde Redaktionsmitglied.

Als Präsidentin der NAACP in Arkansas wurde Daisy Bates auch dadurch bekannt, dass sie in einer Anhörung von Aaron v. Cooper den weißen Anwalt Leon Cartlett, der die Segregationspolitik der Schulbehörde verteidigte, darauf hinwies, dass er sie höflich und nicht nur mit ihrem Vornamen anzusprechen habe. Daisy Bates koordinierte die Kampagne für die Little Rock Nine und fungierte sowohl als Ansprechpartnerin der Schüler_innen und ihrer Angehörigen als auch für Politiker_innen. Ihr Engagement für die Schüler_innen und deren Recht auf den Besuch nicht-segregierter Schulen wurde 1957 mit dem „Woman of the Year in Education“-Preis der Associated Press (AP) anerkannt. Daisy und L.C. Bates selbst mussten zwei Jahre später nach jahrelangen Drohungen, Angriffen und Boykotts ihre Zeitung Arkansas State Press aufgeben.

Bates war weiterhin die zentrale Figure in der Schwarzen Bürger_innenrechtsbewegung in Arkansas bis in die späten 1960er Jahre und eine der wenigen (der vielen) Schwarzen Aktivistinnen, die öffentlich Gehör und Anerkennung fanden. Daisy Bates war die einzige Frau, die beim „March on Washington“ im August 1963 auf dem Podium am Lincoln Memorial (als kurzfristige Vertretung für Myrlie Evers) eine Rede halten durfte, die den Aktivismus Schwarzer Frauen – unter anderem von Rosa Parks und Diane Nash – würdigte.

In den späten 1960ern und frühen 1970ern widemete sich Bates zunehmend der Armutsbekämpfung innerhalb von Schwarzen communities, unter anderem als Direktorin der Economic Opportunity Agency, und versuchte später erfolglos, die Arkansas State Press wiederzubeleben. Am vierten November 1999 verstarb Daisy Bates in Little Rock.

Zum Weiterlesen/-schauen:

Daisy Bates‘ Buch: The Long Shadow of Little Rock (Fayetteville: University of Arkansas Press, 2000).

PBS-Dokumentation: Daisy Bates: First Lady of Little Rock (2010).


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Samstagabendbeat mit Elliphant

31. Oktober 2015 von Anna-Sarah


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Schwarzer Frost – Roman

31. Juli 2015 von Gastautor_in

SchwarzRund schreibt schon ihr Leben lang, seit einem Jahr bloggt sie nun zu Mehrfachdiskriminierung und Eis-Essen. Ihre Novelle „Quasi“ kam vor einigen Monaten raus. Sie liebt es zu bloggen und Projekte so autark wie irgendmöglich umzusetzen, weil sie so Geschichten erzählen kann, die auch 1:1 bei dem_der Lesenden ankommen. Jetzt schreibt sie einen Roman: Schwarzer Frost. Die ersten Kapitel sind schon geschrieben, einen ersten Eindruck gab es in Videoform. Wir freuen uns, mit dieser Leseprobe hier einen weiteren Einblick in ihren queeren afropolitanen Roman geben zu können. Damit der Roman realisiert werden kann, braucht Schwarzrund finanzielle Unterstützung.

Schwarzer Frost – Roman

Manchmal wusste Tue nicht so recht ob die Routine des Bandlebens wirklich lebendiger war wie jene des Laden Alltags. Gerade wenn beides ineinander floß, erstickte die gleichzeitige Langeweile beide Tätigkeiten ihre Gedanken, beides führte zu belastender unkreativer Stille in ihren Gedanken. Beides war grauer Routinekleber, beides war Alltag.

Ihr Gesäßknochen drückten gegen das harte Sitzpolster des Barhockers, der Coffeeshop des Kreativ.Bürohauses roch nach alten Lilien und geschäumter Milch. Die Muskeln auf ihrer Stirn zogen sich schmerzhaft zusammen bei jedem Klingeln des Türmelders. Eine nicht enden wollende Anreihung gleich aussehender weißer Menschen betrat das Kaffee, die pragmatische Routine verhinderte jedes Denken.
„Hmmm“ sagte der weiße Mann vor ihr, studierte die Schilder hinter ihr, nutzte die Gelegenheit um die kleinen Löckchen zu betrachten die sich aus ihrer Kopfhaut heraus gekämpft hatten.

Sie schwieg. Nachdrücklicher wiederholte er „Hmm!“ und sah sie auffordernd an. Die Knochen schmerzten, ihre Genervtheit wandelte sich langsam zur Wut, ließ die Schale der lethargischen Langsamkeit fallen und brachte Kraft und Zorn zu ihr.“Einen Kaffee, vermute ich?“ Ihre Zunge war zu träge um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ihr Körper zu routiniert darin die Maske der Gelassenheit zu spielen. Er sah ihr in die Augen, teilnahmslos, sie fühlte sich wie ein Tier das von einem Zoo Besucher ohne großes Interesse angestarrt wurde, sich in ein Objekt verwandelte nur um im Strom der Eindrücke aus der Erinnerung des Betrachtenden zu verschwinden. Er starrte, hielt den Blick ohne jeden Anflug von Freundlichkeit und brummte ein langes, „Hm…“. Die Luft zog sich durch ihre Zahnlücke, eins. Die Luft entwich zwischen den Backenzähnen, zwei. Ihre Augen drehten zur Decke, drei. Weiteratmen: Luft. Blicken, Routine.

Sie griff seinen Kopf und schlug ihn in die Auslage, das Glas zersprang und seine Gehirnmasse sickerte in die vertrockneten Bagel.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sie sah ihn an. Entschieden sagte er: „Ich nehme einen Americano. Zum mitnehmen.“ Sie nickte, machte ihm einen Filterkaffee und kassierte einen Latte Macchiato. Das kleine Schildchen „zum halben Preis“ stellte sie in die Vitrine vor die Bagel und reinigte die Glasvitrine. Er verlies den Coffeeshop, die Stille ergriff erneut das leere Cafe. Statt des Gesichtes starrte nun das weiße Blatt sie an, ihr Stifte kreiste über den Zeilen. Sobald ein Wort ihr Gehirn streifte, schrieb sie es nieder, in unzusammenhängender Rheinfolge, in der Hoffnung Zeilen zu finden die später auf einer Gitarrenline zu Musik wurden.

Die Stunden sickerten durch Papier,
kaum Bezug zum Ort kaum Bezug zum hier,
Die Stunden sickerten durch mich-
und du trägst und du trägst und hörst mich nicht.
Die Anzeige blinkt es ist gleich viertel vor vier,
er notiert die Zeit, der nächste Zug fährt ein.
Der Weg, nur ein Bruchteil – Zahlenreihen!
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Samstagabendbeat mit Harriet Thugman aka Dirty Harriet aka Rah Diggah

25. Juli 2015 von Anna-Sarah

#Samstagabendklassikerin


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embracing self-destruction

24. Juli 2015 von Nadine

liebhaber_innen von zines werden vielleicht maranda elizabeth kennen. maranda schreibt seit vielen jahren das zine telegram. es ist ein personal zine, also ein zine, das eher tagebuch-charakter hat. ich hatte die ausgabe #35 in den händen. in #35 erzählt maranda von marandas letztem (dokumentierten) suizidversuch. maranda wird vor dem todeseintritt ins krankenhaus gebracht und überlebt. es ist nicht der erste suizidversuch von maranda und so dreht sich das zine um den wunsch zu sterben, vergleiche zwischen dem ersten und dem aktuellen suizidversuch, die reaktionen und umgänge des sozialen umfeldes mit der suizidalität von maranda, diverse psychiatrie-aufenthalte, gender-basierte gewalt, diagnosen, medikalisierung gegen psychische und körperliche beschwerden, eingeschliffene verhaltensmuster, die schwer bis unmöglich zu durchbrechen sind, immerwährendes scheitern (von unterstützung, von community, von konkreter ab_hilfe) und wie das alles wiederkehrend zum wunsch nach tod führt, zu verzweiflung, abgestumpftheit, zum verlust von freund_innenschaften und beziehungen.

„the worst part of surviving suicide is still wanting to die. the worst part is wishing i didn’t fuck it up. the worst part is feeling obligated to pretend to care about things when i don’t care at all. the worst part is wondering if the friends i’ve got left are fucking sick of it. the worst part is watching myself repeat patterns of shit i’ve been doing for a decade and feeling no motivation to stop or change. the worst part is knowing the changes i want to make but feeling incapable. the worst part is returning to real life and continuing all the habits that led me to a coma. the worst part is wanting to be alone but not being able to take care of myself.“

[der schlimmste teil am überleben von suizid ist, noch immer sterben zu wollen. der schlimmste teil ist der wunsch, nicht gescheitert zu sein damit. der schlimmste teil ist, sich verpflichtet zu fühlen, so zu tun als ob mensch sich um dinge sorgt, wenn mir im grunde alles egal ist. der schlimmste teil ist, sich zu fragen, ob die freund_innen, die ich noch habe, verdammt nochmal die schnauze voll haben. der schlimmste teil ist, mich selbst beim wiederholen von scheiß mustern zu beobachten, die ich seit einem jahrzehnt tue und keine motivation habe, damit aufzuhören oder sie zu verändern. der schlimmste teil ist zu wissen, welche veränderungen ich machen will, aber mich unfähig zu fühlen. der schlimmste teil ist die rückkehr ins richtige leben und mit all den gewohnheiten weiter zu machen, die mich ins koma geführt haben. der schlimmste teil ist der wunsch nach alleinsein, aber nicht in der lage zu sein, auf mich zu achten.]

das obenstehende zitat hat mich beim lesen sehr gerührt. nicht aus mitleid, sondern aus mitgefühl. ich kann sehr viel mit marandas gedanken anfangen: manchmal zu wissen, wo mensch hin will, oder was getan werden muss, damit … und doch nicht herauszukommen aus der situation, sich immer wieder in stimmungen und mustern zu halten, unbewusst und bewusst. wiederkehrende suizidgedanken oder -versuche zu haben (oder fantasien, sich selbst zu verletzen – körperlich und psychisch). in einem anderen teil des zines schreibt maranda darüber, dass maranda keine unterstützung und hilfe in marandas community findet, dennoch immer wieder zurückkehrt und auf’s neue enttäuscht wird. ich habe diesen abschnitt so gelesen, dass es nicht darum geht, anderen die schuld zu geben oder verantwortung für sich selbst an andere abzugeben, sondern eher um sich zu hause fühlen von gedanken, mustern und handlungen. sich nicht isoliert zu fühlen mit dem, wie mensch gerade ist und fühlt.

in meinem umfeld sprechen wir viel über diagnosen, psychotherapie, psychiatrie. die meisten menschen, die ich kenne, sind diagnostiziert, therapiert oder gerade in therapie, wiederum einige haben zeit in der psychiatrie verbracht, andere haben medikamente genommen, nehmen noch medikamente. viele behelfen sich außerdem mit diversen heilverfahren und unterstützungsangeboten, die nicht schulmedizinisch anerkannt oder von der krankenkasse bezahlt werden. und ja das tun auch die, die eigentlich nicht so viel geld für sowas übrig haben. manchmal, weil alles andere nicht geholfen hat oder weil mensch nicht will, dass therapie und/oder psychiatrie oder geschweige denn eine diagnose in der krankenakte auftaucht, die trotz schweigepflicht und datenschutz immer wieder ihren weg in andere akten findet, die selbstgewählte pläne für das eigene leben behindern können.

egal, ob ich mich mit menschen über all das austausche, die psychopathologisierung und den medizinischen komplex darum politisieren und kritisieren oder mit menschen, denen das nicht so wichtig ist: eher selten sprechen wir über scheitern. über nicht-anders-wollen. über aufgeben wollen. über muster, die, wie maranda schreibt, ständig wiederholt werden, obwohl mensch es besser weiß. über suizid und suizidgedanken. und über unsere eigene verrücktheit, die immer wieder zu situationen führt, in denen wir uns alleine und nicht wahrgenommen fühlen – selbst mit unseren engsten menschen.

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…und wieder Mal! Gedanken zum Umgang mit queer_feministischer Selbstorganisation und Kritik

30. Juni 2015 von Gastautor_in

In Bremen hat sich im Mai eine Gruppe zusammengefunden, die ein queer_feministisches HipHop-Festival auf die Beine stellen wollen. Soweit, so Yeah! Nachdem der Einladungstext zu einem ersten größeren Treffen auch auf der Facebookseite des FemRefs Bremen gepostet wurde, entbrannte dort eine unsägliche Debatte gegen die Festival-Gruppe und das FemRef. Der folgende Text ist die Antwort der Festival-Gruppe auf diese Ereignisse. Er wurde bereits am 7. Juni auf dem Blog feministhiphop2016.blogsport.de veröffentlicht.

Wir sind eine Gruppe von ca. 15 Menschen in Bremen, die gerade anfangen ein queer_feministisches HipHop-Festival zu organisieren. Für ein erstes Treffen haben wir einen Einladungstext verfasst um auch anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, in die Orga-Crew einzusteigen. Über einen Post dieses Textes auf Facebook gab es viel Empörung. Darauf wollen wir hier reagieren. Wir werden uns im Detail nicht an dieser Diskussion beteiligen, auf der Ebene, auf der diese bisher geführt wurde macht das für uns keinen Sinn. Wir wollen aber sehr wohl öffentlich machen, was gerade passiert und unsere politische Position dazu vertreten.

Im Einladungstext haben wir in einem Satz konkret Bezug auf die Zeckenrapgala genommen, die in Bremen am 11. April 2015 stattgefunden hat. Wir haben darin auch unsere Verärgerung über die von vielen als mackrig empfundene Bühnenpräsenz zum Ausdruck gebracht. Im gesamten Rest des Textes haben wir von unserer Idee geschrieben, ein queer_feministisches HipHop-Festival in Bremen zu organisieren.

Der Verlauf der Zeckenrapgala war für uns ein Anlass, um uns auszutauschen und unseren Ärger zu teilen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Gala-Abend war sicher nicht der schlimmste unseres Lebens. Die kritisierten Acts sicher nicht die einzigen Menschen, die sich in einer patriarchalen und sexistischen Gesellschaft mackrig verhalten. Sexismus und Mackrigkeit sind für uns, gerne auch zusammen mit anderem diskriminierenden Verhalten, alltägliche Erfahrungen, gegen die wir auch in anderen Zusammenhängen kämpfen. Die Zeckenrapgala war jedoch ein Kontext, von dem wir, aufgrund des formulierten queer_feministischen Anspruchs der Organisator_innen, aufgrund von Liedtexten und persönlichen Statements der Künstler_innen, anderes erwartet hätten. Dass Worte und Umsetzung für uns so weit auseinander lagen, ist Teil des Ärgers den wir haben. Es hat uns einfach gereicht.

Wir wissen alle, dass linke Szenen keine herrschaftsfreien Räume sind. Debatten und Auseinandersetzungen um Sexismus und Mackertum in den linken Zusammenhängen – konkret auch in der linken HipHop Szene – sind seit Jahren immer wieder in verschiedenen Varianten Thema! Wenn wir einen allgemeinen Aufruf dazu geschrieben hätten, hätten wir wahrscheinlich Beifall von allen Seiten bekommen. Für unseren Ärger gab es aber einen konkreten Anlass und den haben wir sichtbar gemacht. Damit waren konkrete Personen und konkrete Zusammenhänge angesprochen und auf einmal wurde aus einer berechtigten Kritik Denunziation und Verleumdung. Wir denken: Herrschaftliche Verhältnisse und Verhaltensweisen müssen benannt, kritisiert und verändert werden. Und das lassen wir uns nicht verbieten. Nicht in der Szene und nicht anderswo.

Auf der Facebookseite des FemRefs Bremen wurde der Einladungstext wenige Stunden nach dem Post heftig kommentiert. In diesen Kommentaren wird uns unter anderem Denunziation, Verleumdung, Spalterei, unsolidarisches Verhalten, Subjektivität und Sexismus gegenüber Männern* vorgeworfen. Darüber hinaus wurden von uns mehrfach Rechtfertigungen und Erklärungen gefordert, ohne dabei aber wirklich einen Raum für eine Diskussion auf Augenhöhe zu eröffnen. So wurde uns lang und breit erklärt welchen Feminismus wir denn vertreten, warum das scheiße ist und auf welche Art und Weise wir unsere Kritik hätten formulieren sollen, damit man uns ernst nehmen könnte.

Einige, aber nicht alle, die den Einladungstext in dieser Art und Weise kommentiert haben, waren an der Zeckenrapgala auf der Bühne oder als Veranstalter_innen beteiligt. Nicht alle haben das Gleiche geschrieben. Aber unter den verschiedenen Kommentator_innen wurde in bester Facebook-Manier eifrig geliked, auch von den Beteiligten der Gala und auch die übelsten Kommentare. Eine Distanzierung oder Positionierung aus den Reihen der Orga oder dem weiteren Umfeld der Zeckenrapgala gegenüber dieser Kommentierung hat bisher nicht öffentlich stattgefunden.

Einige Aspekte aus der Diskussion haben uns besonders geärgert, weil es dieselben Mechanismen sind, mit denen queere und feministische Politiken häufig abgewertet werden. So wurde uns mehrfach gesagt, dass wir diese mackrige Bühnenpräsenz nur subjektiv wahrgenommen hätten, dass Andere das ganz anders gesehen hätten u.ä.. Klar ist das eine subjektive Wahrnehmung, so wie die von allen Menschen. Offensichtlich fanden den Abend eben nicht alle großartig. Ist unsere Meinung deshalb weniger richtig oder wichtig? Muss man sie deshalb weniger ernst nehmen? Nein! Gerade Frauen* wird ihre Wahrnehmung von Sexismus und sexualisierter Gewalt unter dem Verweis ‚das ist ja alles nur subjektiv‘ und ’sei doch nicht so empfindlich‘ oft abgesprochen. Mit solchen Phrasen aufzufahren ist wirklich dreist.

Queere und Feministische Kritik wird oft nicht angenommen, sondern abgewehrt mit dem Versuch die Kritiker_innen klein zu machen oder zu diskreditieren. Das ist auch in den Kommentaren passiert: Dadurch, dass die Festival-Organisator_innen mit einem sinngemäßen ‚Das schafft ihr eh nicht‘ belächelt wurden oder mit der Frage „Wer wird denn jetzt noch dort auftreten wollen?“ gleich das ganze Festival als No-Go für linke HipHop-Künstler_innen erklärt wird. Gerade Menschen mit einem antisexistischen Anspruch sollten entsprechende Kritik ernst nehmen und gerade dann Support geben. In vielen Kommentaren ist das genaue Gegenteil passiert.

Wie in vielen gesellschaftlichen Debatten um queere und feministische Anliegen wurde auch uns Sexismus gegenüber Männern* vorgeworfen, verbunden mit der Forderung, dass Geschlecht doch keine Rolle spielen sollte – unter völliger Ausblendung gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Als Mann* zu leben und männlich sozialisiert zu sein ist nicht der Kritikpunkt. Normative Männlichkeit und Mackertum in den eigenen Strukturen und den Bühnenperformanzen aufrecht zu erhalten sehr wohl. Das macht sich für uns am Verhalten fest und an der wenigen Präsenz von FrauenLesbenInterTrans* und ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten und Erfahrungen auf der Bühne und in den Orgastrukturen.

Von Macht- und Unterdrückungsverhältnissen betroffenen Menschen wird oft alleine die Verantwortung für ihre Nicht-Repräsentation zugeschrieben. Auch in den Kommentaren fielen Sätze wie „weil in dieser Szene schlicht weg zu wenige Frauen (dann auch noch p.c.) aktiv sind“, oder „wir können auch nichts für die gegebenen Verhältnisse“.

Wir denken, dass es anders geht. Auch jetzt und heute. Wir haben keine Lust mehr zu warten. Wir wollen HipHop und sein politisches Potenzial feiern. Das politische Potential zeigt sich für uns darin, ob und in welchem Ausmaß die verschiedenen Lebensrealitäten und Erfahrungen von FrauenLesbenInterTrans* darin Platz finden. Wir haben uns entschieden in der Vorbereitung als FrauenLesbenInterTrans*-Gruppe zu arbeiten. Das schließt kritische Auseinandersetzungen und Kooperationen mit anderen Gruppen und Zusammenhängen überhaupt nicht aus. Wir wollen uns als Orga-Gruppe austauschen, auseinandersetzen, solidarisieren, gemeinsam Strukturen schaffen in denen FrauenLesbenInterTrans* vorkommen und präsent sind. Und wir wollen auf diese Art und Weise eine Bühne und einen politischen Raum gestalten, der den herrschenden Machtverhältnissen ein Stück weit etwas entgegensetzt. In dieser Gesellschaft und auch in der Szene in der wir uns bewegen. Das Festival soll eine Bühne sein für hoffentlich viele der tollen Künstler_innen, die es gibt und die wir kennen. Es soll auch ein Raum sein um sich auszuprobieren, sich kennenzulernen und auszutauschen. Nicht nur, aber gerade auch für FrauenLesbenInterTrans*.

Wir wollen uns nicht endlos an der Zeckenrapgala oder der Facebook-Debatte abarbeiten.
 Wir wollen unsere Energie und Zeit darauf verwenden, ein queer_feministisches Festival zu organisieren.
Und damit fangen wir jetzt an!
Um auf dem Laufenden zu bleiben, checkt gerne unseren Blog:
 feministhiphop2016.blogsport.de

Nachtrag: Seit der Veröffentlichung auf unserem Blog haben sowohl Radical Hype, die an dem  Zeckenrapgala-Abend in Bremen auf der Bühne standen, wie auch das politische Musiklabel Springstoff, die mit TickTickBoom als Organisator_innen der Gala eng verbunden sind, direkt Kontakt mit uns aufgenommen.

Discussion in progress…


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