Programmieren ist Frauensache

von Helga

Welche Hürden genau die neue Frauenministerin Kristina Köhler den Studentinnen technischer Fächer aus dem Weg räumen will, hat sie nicht gesagt. Dass die 50%-Frauenanteil immer so utopisch klingen hängt sicher noch am alten Vorurteil „Frauen und Technik”. Dass es sich dabei um ein Vorurteil handelt, beweist ein ums andere Mal der Blick in andere Länder.

In Malaysia etwa hält man Programmieren für Frauensache – „ richtige Männer” dort arbeiten im Freien und nicht vor einem Bildschirm. Frauen dagegen sollten möglichst in Gebäuden arbeiten. Bereits der Umgang mit Elektronik war in Frauenhänden, so dass die heutigen Informatik-Studentinnen weibliche Vorbilder haben. Inzwischen stellen sie über die Hälfte der Beschäftigten und auch in den höheren Managementstufen sind sie immer häufiger zu finden. Mehr dazu in den Gender News der Standford University.

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten sieht man die Möglichkeit „in sauberen Bürogebäuden als Frau zu arbeiten” als einen Grund, warum Informatik besonders für Frauen geeignet sei. Besonders in der Verwaltung und in Banken sind IT-Projektleiterinnen auf dem Vormarsch und bereits an den Universitäten schreiben sich mehr Frauen für entsprechende Studiengänge ein, so ITP.net.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 9. März 2010 um 10:23 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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22 Kommentare

  1. […] Fortschritt in Sachen Frauenrechte. Wo diese beiden Länder allerdings die Nase vorn haben, ist beim Frauenanteil in der IT, wie ich heute von der Mädchenmannschaft erfuhr. Interessant. Merken & […]

  2. steve, the pirate sagt:

    Danke für den Artikel!!
    Den werde ich mal ein paar Leuten schicken, die mir immer mit Biologismus begründen wollen, warum Frauen von Natur aus mit Technik anfangen können.

  3. steve, the pirate sagt:

    … äh … es heißt natürlich:
    ..warum Frauen von Natur aus NICHTS mit Technik anfangen können.

  4. James T. Kirk sagt:

    Nach Deiner Logik wäre es also sinnvoll, wenn in Malaysia oder anderswo der Frauenanteil in IT-Berufen sinkt, beispielsweise auf 20% und der Männeranteil steigt.

    Sehe ich das richtig?

  5. quwert sagt:

    @James T. Kirk
    Woraus leitest du das bitte ab??

  6. James T. Kirk sagt:

    @quwert

    Ich leite dies aus den Aussagen von Helga ab. Wenn der Frauenanteil in Deutschland oder Europa IT-mäßig steigen soll, was sich übrigens sachlich nicht begründen läßt, nur mal so nebenbei, dann ist es doch logisch, daß er in anderen Ländern sinken soll.

    Wie kommst Du überhaupt auf diese Frage?

    Ich möchte hier noch mal diskret darauf hinweisen, daß Gleichberechtigung eine Gleichheit der Möglichkeiten ist und nicht bedeutet, daß wir zwanghaft nach Geschlechtern gleichverteilt sein müssen.

    Liebe Helga, könntest Du darauf mal eingehen?

    Ich würde gerne mal wissen, wie Du es begründest, daß es „gut“ ist, wenn der Frauenanteil in IT-Berufen steigt. Ich wüßte nicht, wie man das seriös begründen kann.

  7. Helga sagt:

    @James T. Kirk: Ich sage hier nicht, dass irgendwas geändert werden muss. Es geht darum, dass das Klischee, Informatik sei nichts für Frauen nichts weiter ist als ein Klischee.

  8. quwert sagt:

    Für mich sagt Helgas Artikel lediglich aus, dass Beispiele zeigen, dass die Berufswahl stark von gesellschaftlichen Rollenmodellen geprägt ist und Frauen halt nicht „von Natur aus“ weniger für IT-Berufe geeignet sind.
    Und ich wünsche mir eine Gesellschaft ohne „Frauen-“ oder „Männerberufe“ in der Frauen und Männer ihre Berufswahl frei von Rollenvorgaben treffen können.
    Und weil es ein Zeichen dafür wäre, dass diese Rollenvorgaben verschwinden, finde ich es gut, wenn der Frauenanteil in IT-Berufen in Deutschland steigt.
    Daraus folgt nicht, dass er in Malaysia auf 20% sinken soll!
    Aber wenn es ein Zeichen für das Auflösen von Geschlechterklischees („auch Männer könen programmieren ;) “ ) in Malaysia wäre, wenn der Anteil der männlichen Programmierer dort auf ungefähr 50% steigen würde, fände ich das durchaus wünschenswert.

  9. Frank sagt:

    Welche bahnbrechenden IT- Innovationen kommen aus Malaysia oder den VA? Was haben höhere Managementstufen mit Programmierung zu tun?

    Da würde mich doch mal eine andere Frage interessieren: Schweden ist bemerkenswert innovativ auf dem IT Meter, gleichzeitig ist es eines der feministischten Länder der Welt. Wie ist den dort das Verhältnis m/w bei den Programmierern? (nicht im Management!)

  10. bloghouse sagt:

    ein m/w verhältnis kann man nicht ursächlich mit innovation verknüpfen. das ist kaffeesatzleserei, denn die innovationen in einer branche oder einem land sind multikausal.

  11. James T. Kirk sagt:

    Ich habe Eure Antworten gelesen.

    Könnt Ihr denn belegen, daß es ein „Klischee“ gibt, daß Frauen nicht Programmieren können oder weniger für IT-Berufe geeignet sind?

    Könnt Ihr belegen, dass die Berufswahl stark von gesellschaftlichen Rollenmodellen geprägt ist?

    Dies mag ja in arabisch-muslimischen Ländern vielleicht der Fall sein. Vielleicht sinkt der Frauenanteil dort in IT-Berufen, wenn diese und andere Regionen das westliche Kulturniveau erreicht haben.

    @quwert:

    Und ich wünsche mir eine Gesellschaft ohne “Frauen-” oder “Männerberufe” in der Frauen und Männer ihre Berufswahl frei von Rollenvorgaben treffen können.

    Kannst Du denn belegen, daß Männer und Frauen ihre Berufswahl nicht frei von Rollenvorgaben treffen können?

  12. quwert sagt:

    @Kirk. Natürlich kann ich das belegen. Ganz einfach. Frag z.B. eine X-beliebige Physikstudentin mit welchem Gesichtsausdruck die allermeisten Menschen reagieren, wenn sie erfahren, dass frau Physik studiert.
    Oder auch noch konkreter meine Erfahrungen im Elektronikpraktikum: Gleich am ersten Tag musste ich mir anhören, von dem ansonsten netten Laborleiter, dass die Frauen in der Gruppe bitte keine Angst vor Elektronik haben sollen und dass Männer das ja viel mehr Dinge ausprobieren und deshalb meist besser mit dem Praktikum zurechtkommen und das es deshalb günstiger wäre wenn die Frauen als Versuchspartner einen Mann nehmen!!!
    Ich konnte mein Studienfach also nicht frei von Rollenvorgaben wählen.
    Und ich bin nicht die Einzige.

  13. Toller Junge sagt:

    > Und ich wünsche mir eine Gesellschaft ohne “Frauen-” oder “Männerberufe” in der Frauen und Männer ihre Berufswahl frei von Rollenvorgaben treffen können.

    Fürwahr ein frommer wunsch. Stünde dem nicht das problem der sexuellen selektion entgehen.

  14. Toller Junge sagt:

    @topic:

    Das phänomen ist bekannt.
    In ländern wie Pakistan, Bangladesh, Singapur, und ja Malaysia, aber auch osteuropa, ist der anteil weiblicher ingenieure, physikerinnen, programiererinnen höher als in der westlichen welt.

    Gelten diese länder als bastionen der emanzipation? Wohl eher nicht.

    Ich gehe davon aus dass die berufswahl in den westlichen nationen EHER dem persönlichen neigung entspricht als in Bangladesh. Mit anderen worten, auch die frauen in Bangladesh würden, wenn sie freier von wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen sachzwängen wären, NICHT programmiererinnen werden wollen.

    Je mehr mit steigendem wohlstand die berufswahl der frauen der persönlichen neigung folgen kann, desto mehr werden sich auch gegen die technischen berufe entscheiden da bin ich mir ganz sicher.

  15. illith sagt:

    wegen ihrer biologisch gegebenen anti-technik-disposition?

  16. steve, the pirate sagt:

    @Toller Junge: In Indien ist es z.B. so, dass ein Physikstudium im Gegensatz zu einem Ingenieursstudiengang wenig
    gesellschaftliche Prestige hat und deswegen das dann auch viele Frauen studieren.

    Lies dir mal das Blog von side-glance durch. Das erklärt vieles.

  17. Toller Junge sagt:

    frauen kontrollieren die berufswahl der männer durch ihre sexuelle selektion.
    so waht?

  18. quwert sagt:

    @Toller Junge

    „frauen kontrollieren die berufswahl der männer durch ihre sexuelle selektion.
    so waht?“

    Hoppla: Es ging hier eigenlich um die Berufswahl von FRAUEN.

    Und obwohl es offtopic ist: ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Freund nicht Informatik studiert, weil er geglaubt hat damit bei Frauen besonders gut zu landen :D

  19. 10ada01 sagt:

    ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie oft ich schon gehört hab das frauen dies und jenes nicht mögen, hab trotzdem gerne lego technik gebaut, mathe war mein lieblings fach und heute studier ich informatik, aber es ist manchmal verdammt schwer sich selber treu zu bleiben, weil man sich manchmal einfach dumme fragen und sexistische witze zu ersparen will, .

  20. manuela sagt:

    @Kirk „Kannst Du denn belegen, daß Männer und Frauen ihre Berufswahl nicht frei von Rollenvorgaben treffen können?“
    Das gleiche, wenn nicht sogar in verstärkter Form, hat man ja auch bei Männern… Du wirst nicht bestreiten wollen, dass ein Mann, der Kindergärtner, Krankenpfleger oder Friseur wird, sich im Laufe seiner Karriere nicht jeder Menge Klischees stellen muss. Wer in dieses Klischee nicht passt oder nicht damit assoziiert werden möchte, überlegt es sich sicherlich 2x, ob er diesen Beruf ergreift. Und klar, da spielen auch Aspekte der „sexuellen Selektion“, die @toller junge angesprochen hat, eine Rolle. Um das ganz ketzerisch zu sagen: so lange Frauen sich bei der Partnerwahl „nach oben“ orientieren, drängen sie ja Männer geradezu in die Prestige-trächtigen Berufe (welche auch immer das im derzeitigen Zeitgeist sind). Ich denke, bei dieser Diskussion müssen wir uns mit allen Rollenbildern und ihren Konsequenzen in unseren Köpfen beschäftigen – deswegen finde ich auch nicht, dass man Kommentare bzgl männlicher Berufswahl sofort als offtopic abtun sollte…

  21. Mondfee sagt:

    @manuela:
    „Um das ganz ketzerisch zu sagen: so lange Frauen sich bei der Partnerwahl “nach oben” orientieren, drängen sie ja Männer geradezu in die Prestige-trächtigen Berufe (welche auch immer das im derzeitigen Zeitgeist sind).“

    Gilt das dann auch andersum?

  22. manuela sagt:

    @mondfee ich glaube, dass Frauen in diesem Punkt schon ausschlaggebender sind; sprich, der Wunsch von Frauen, einen ihnen in Bezug auf Intellekt und Erfolg mindestens ebenbürtigen Partner zu finden, wesentlich dominanter ist, als die Angst von Männern vor erfolgreichen, klugen Frauen.