Neu im Kino: „Auf den zweiten Blick“

von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 26 der Serie Die Feministische Videothek

Auf den zweiten Blick“ ist ein Film über zwei sehende und vier sehbehinderte Menschen im Großstadtmoloch Berlin, die auf unterschiedlichste Weise Zuneigung füreinander entwickeln. Das Regiedebüt der Autorin und Produzentin des Films Sheri Hagen erhielt keinen einzigen Cent Förderung, umso glücklicher können wir uns schätzen, dass das Projekt trotzdem realisiert wurde und gerade in Deutschland in einigen Kinos anläuft. (Ich hoffe, dass weitere Städte dazukommen.)

Ich besuchte die Premiere in Berlin und war sehr beeindruckt, da der Film auf mehreren Ebenen mit Seh- und Hörgewohnheiten im deutschen Film bricht. So besteht die Mehrheit der Besetzung aus Schwarzen Schauspieler_innen, die – welch eine Seltenheit in der weiß-deutschen Filmlandschaft – spannende, komplexe Charaktäre jenseits von stereotypen Rollen spielen. Auch die Tatsache, dass der Film die Geschichten von sehbehinderten bzw. blinden Menschen in den Vordergrund rückt, ist eine Rarität im Kino. Ein weiterer Bruch mit der Norm: Nicht alle Paare begehren hetero. Es gibt also doch noch Filme, die unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden! Ich mochte die einzelnen, auf sehr schöne Weise miteinander verwobenen Geschichten, die erzählt werden, die verschiedenen Stimmungen des Films und die Filmmusik.

Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass der Film eine Audiodeskription anbietet, also eine akustische Erläuterung der Darsteller_innen, Mimik, Gestik, Kameraführungen und Schauplätze, um Menschen mit Sehbehinderungen die Möglichkeit zu geben, den Filminhalten zu folgen, auch wenn sie die Bilder nicht oder nur schwer erkennen können. Soweit ich weiß, wird die Audiodeskription nicht bei allen Vorführungen genutzt, kann aber vorher erfragt werden. Die Audiodeskription selbst hat bei der Berliner Premiere Kritik bekommen, weil diese mit der dargestellten Normalität des Films bricht: während die Hautfarbe von Schwarzen Schauspieler_innen stets explizit benannt wurde, wurden die weißen Schauspieler_innen lediglich anhand von Merkmalen wie Haarfarbe oder Größe beschrieben.

Insgesamt lege ich „Auf den zweiten Blick“ trotzdem allen ans Herz, die schon lange auf einen Film warten, der (Liebes-)Geschichten ohne viel Kitsch (na gut: ein bisschen Kitsch) erzählt, gespielt von tollen Schauspieler_innen mit komplexen Rollen, die in deutschen Filmproduktionen kaum Hauptrollen bekommen.

Wer die Realisierung der Doppel-CD ‚Auf den zweiten Blick‘ (Hörfilm und Filmmusik) unterstützen möchte, kann auf startnext.de etwas spenden. Mehr Infos über den Film findet ihr auf der Homepage und auf Facebook. Infos über die Arbeit von Sheri Hagen gibt es ebenfalls auf Facebook.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 18. Oktober 2013 um 10:26 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. n_ik_las sagt:

    Der Film sieht wirklich vielversprechend aus. Interessant finde ich, dass der verlinkte Trailer eher komödiantisch ist, während ein anderer Trailer wesentlich trauriger aufgemacht ist. Momentan läuft er zwar (scheinbar) nicht in Berlin, aber wenn er wieder guckt, werde ich ihn mir auf jeden Fall angucken. Vielen Dank für die Empfehlung :=)

  2. […] Magda war auf der Premiere des Films “Auf den zweiten Blick”, einem Film über zwei sehende und vier sehbehinderte Menschen im Großstadtmoloch Berlin. Wie ihr der Film gefallen hat lest ihr hier. […]