Mehr Power!

von Anna

Heute müsst Ihr leider auf Umzugskartons Platz nehmen, um mit mir einen Kaffee zu trinken. Viel Zeit habe ich leider auch nicht, gleich bauen wir endlich mal die Kleiderschränke auf.

Aus gegebenem Anlass soll es also heute ums Heimwerkern gehen.

Bei mir war das so:
Wenn es bei uns zu Hause etwas Handwerkliches zu tun gab, um Beispiel bohren oder tapezieren, dann machte das der Vater meiner Mutter. Als ältestes Enkekind war ich die, die Opa bei diesen Arbeiten half. Natürlich auch dann, wenn in der Wohnung meiner Großeltern, wo wir oft waren, etwas anfiel. Und auch wenn ich nie selber Löcher bohrte, wusste ich doch genau, wo die Bohrmaschine stand und wie man sie benutzt. Was ein Dübel ist und dass es verschiedene Bohrer gibt. Auch im Werkzeugkasten meines Großvaters kannte (und kenne) ich mich bestens aus. Etwas daraus entwenden und dann nicht mehr (an den richtigen Platz) zurück legen, war eine der schlimmeren Sünden im Hause von Oma und Opa.

Als ich irgendwann weit weg von daheim in meiner ersten WG wohnte, beherrschte ich bestimmt nicht jede handwerkliche Tätigkeit. Aber ich hatte keinerlei Hemmungen, Dinge zu versuchen, mir Lösungen zu überlegen. Mangelnde Kraft kann man zum Glück (leider nicht immer, so die bittere Einsicht) mit Geschick und dem richtigen Werkzeug wieder wett machen. Eine meiner ersten Anschaffungen war also ein Werkzeugkoffer, der die wichtigsten Utensilien beinhaltete, inklusive Bohrmaschine. Denn ein Haushalt ohne Bohrmaschine, das gab es in meiner Vorstellung nicht. Umso erstaunter war ich, als Freunde sich meine ausleihen wollten, weil sie selber keine besaßen.

Und ich staunte noch mehr, denn die Selbstverständlichkeit, mit der ich mit Hammer, Dübel und auch Streichutensilien hantierte, sah ich kaum bei den Frauen in meinem neuen Umfeld.
Eine besondere Herausforderung stellten unsere neuen Altbauwände dar. An einer Stelle steinhart, an der nächsten auf einmal ein Riesenloch und rieselnder Sand. Also telefonierte ich mit zu Hause und besuchte einen Baumarkt, auch eine Altbauwand musste doch zu knacken sein!

Wütend wurde ich, als eine meiner Mitbewohnerinnen mir ernsthaft erklären wollte, „dass Männer das eben besser können“. „Und was sollen wir jetzt machen? Warten, bis eine von uns mal wieder einen Kerl anschleppt und so lange die Lebensmittel auf den Boden legen?“ fauchte ich und ließ sie samt unserem zukünftigen Küchenregal stehen. Angebracht habe ich es später am Tag mit meiner handwerklich ebenfalls nicht völlig unbeleckten anderen Mitbewohnerin.

Heute habe ich „einen Kerl“. Und ich habe gelernt, handwerkliches auch mal aus der Hand zu geben, mir helfen zu lassen. Einfach war das nicht immer. Aber manche Sachen gehen zu zweit oder mit mehr Kraft und/oder Körpergröße eben doch besser.

Trotzdem mache ich weiterhin alleine meine verstopften Abflüsse auf. Mit meiner eigenen Rohrzange. Er hätte auch gar keine.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 8. Juli 2008 um 17:12 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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13 Kommentare

  1. Anaj sagt:

    Das finde ich gut! Ich mache das auch so, seit ich ausgezogen bin, ich packe alles selbst an. Ich finde das sollte das selbstverständlichste für Männer UND Frauen sein seine Sachen in die Hand zu nehmen und zu reparieren, anbringen etc. statt nach jemanden anderen zu rufen, der es vielleicht sowieso nicht besser kann. Das meiste lernt man nicht beim Zugucken, sondern beim ausprobieren. Leider ist mein Mann da etwas beratungsresistent, immer wenn etwas kaputt ist ruft er die starke Frau, statt selber anzupacken. Muss ich ihm noch ausreden.

  2. Goofos sagt:

    „Trotzdem mache ich weiterhin alleine meine verstopften Abflüsse auf. Mit meiner eigenen Rohrzange. Er hätte auch gar keine.“

    Brauch ich auch nicht, muss man doch nicht auf machen. :P

  3. A.M. sagt:

    Wer’s sieht, machts weg. Wer’s alleine nicht kann, macht’s im Team. Wieder so ein Pseudoproblem… Schwierigkeiten sind allerdings vorprogrammiert, wenn man mit „dem Kerl“ zusammenzieht und ihn anfaucht: „Lass meine Abflüsse in Ruhe!“

  4. Thomas sagt:

    Die Einstellung finde ich gut. Einfach Machen statt darüber Lamentieren. Learning by doing. Ist auch meine Einstellung. So kann ich Knöpfe annähen, meine Tochter betreuen (wenn sie mir nicht auf der Nase rumtanzt), Kochen etc.

    Mich hat es vor Jahren bei einem Freizeit-Stammtisch mal gestört (wo ich erst zwei-/dreimal dabei war) wenn auffordernd gefragt wurde „Die Männer hier könnten mir beim Umzug helfen“. Bei langjährigen Freunden ja gerne, aber Leute die man zweimal gesehen hat?

    Ich hab die Sache dann so beantwortet wie ich sie sehe und wie ich „Freizeitgestaltung“ am Wochenende definiere, da waren die Betreffenden dann etwas pikiert.

    Haben manche Frauen oben beschriebene Einstellung wie am Stammtisch ist`s Manchen nicht recht. Machen sie es dann selbst (ich kannte mal eine Bikerin die hat ihr Motorrad selbst fertiggemacht, Auspuff geschweißt etc., fand ich gut!) dann ist das doch in Ordnung, oder?

  5. hrispm sagt:

    finde ich sehr gelungen. aus diesem grund weigere ich mich, das fahrrad meiner freundin zu reparieren oder meine zerstörte hose von ihr nähen zu lassen.

  6. Cher sagt:

    oO Wenn sie das Fahrrad nicht reparieren kann, du es aber kannst wieso hilfst du ihr dann nicht?
    Oder zeig ihr wenigstens was sie machen muss.
    Das ist doch genauso bescheuert wie die Stammtisch-ich-brauch-mal-starke-Männer Ansage.

    Ach hoffentlich gibts bald Rohrzängchen in pink mit Glitzer.

  7. Johannes sagt:

    @Cher: Ihr beim Reparieren des Fahrades zu helfen ist etwas anderes als es für sie zu tun.

  8. Cher sagt:

    Das weiß ich ja, wenn dann da aber steht das sie im Gegenzug die kaputte Hose auch nicht nähen soll find ich das blöd. Das klingt für mich jetzt auch nicht so als würde sie sagen „ich bin eine Frau ich kann mein Fahrrad nicht reparieren“ sondern nach krampfhaftem muss was geschlechteruntypisches machen, darf nicht sexistisch wirken.
    Vllt. bild ich mir das aber auch nur ein. :)

  9. Thomas sagt:

    Die letzten 30 Jahre ist bei vielen Frauen und Männern die Zeit nach vorne gegangen.

    Daher ist der Status die Frau deren Wagen liegengeblieben ist lässt sich das Rad am Auto wechseln m.E. nicht mehr up-to-date. Viele Männer würden es auch nicht unbedingt mehr so bedingungslos machen wie viele Frauen die Abhängigkeit von männlicher Hilfeleistung nicht mehr bedingungslos in Anspruch nehmen würden.

    Viele solche Dinge lassen sich denke ich mit etwas Taktgefühl und menschlicher Vernunft angemessenem im Alltag regeln.

    Wenn sich Geben und Nehmen irgendwie die Waage hält, jeder rollenklischeefrei einfach mal anpackt und macht, fühlt sich niemand ausgenutzt.

    Denkt Thomas

  10. hrispm sagt:

    hilfe zur selbsthilfe! was nützt mir meine genähte hose, wenn sie in wenigen monaten wieder kaputt geht und ich es nicht alleine hinbekomme. was nützt meiner freundin das reparierte rad, wenn sie irgendwann mit dem speichenbruch in der pampa steht. abgesehen davon hasse ich fahrrad-reparieren wie der teufel das weihwasser, ein altes kindheitstrauma.

    “ krampfhaftem muss was geschlechteruntypisches machen, darf nicht sexistisch wirken.“

    der verdacht drängt sich natürlich auf. aber ich repariere meinen nachbarn auch nicht das fahrrad, sondern würde danebenstehend altkluge tips geben, hihi. also die hilfe zur selbsthilfe ist für mich generell vom geschlecht gelöst.
    dennoch steckt in dem vorwurf natürlich was wahres. das permanente bemühtsein um eine „neue männlichkeit“, um abkehr von geschlechter-stereotypen kann sicher leicht auf stammtisch-niveau enden. aber das ist doch letztlich – und das ist der hauptunterschied in meinen augen – von der reflektion abhängig, mit der das passiert.

  11. profin sagt:

    Danke für beides.
    Sowohl das „Ich kann’s selber und das macht mir Spaß“
    als auch die Gelassenheit, es jemand anderen machen zu lassen.

    Ohne letzteres wird es nämlich ein verkrampftes „etwas beweisen müssen“. Als Do-it-yourself-Mensch, der immer viel hat kämpfen müssen, freue ich mich sehr, diese Gelassenheit in den letzten 10 Jahren gelernt zu haben.

    Ebenso freut mich, dass meine letzten fünf Mitbewohnerinnen nach dem Zusammenleben Lampen montieren, Strom prüfen, Löcher bohren besser konnten als bei Einzug. Es gibt nämlich immer noch genügend Eltern, die ihren Töchtern solch grundlegende Fähigkeiten nicht beibringen.

    Und – last but not least – Schleppen, besonders von großen Lasten wie bei Umzügen habe ich von einer 1,55cm großen chilenischen Theatertechnikerin gelernt. Sie hat Bühnenwände und Klaviere geschleppt, dank exzellenter Techni

  12. sam sagt:

    ach ja, das kommt mir so bekannt vor (inklusive der bröseligen altbauwände…hölle!). für mich gab es seit meinem auszug von zuhause eine bohrmaschine und einen werkzeugkasten zu weihnachten / zum geburtstag, und ich kann mir ein leben ohne seitdem nicht mehr vorstellen.

    ich finde es auch immer wieder frustrierend zu sehen, wie sogar noch 30jährige frauen beim umzug ihren papi herholen, um regalbretter aufzuhängen. so viel ehrgeiz muss man doch haben, es zumindest zu versuchen… bei vielen männern (jungs) ist es aber eh genau gleich, sei es beim heimwerken oder bei frauentypischen sachen wie kochen, nähen etc. ist wahrscheinlich ein grundsätzliches bedürfnis, einfach andere machen zu lassen und es selbst bequem zu haben.

    wobei bei manchen sachen (lampen an altbaudecken aufhängen) dann eben doch meine – männlichen – 2-meter-freunde ranmüssen.

    ich viel blabla hier, aber zusammenfassend danke für den beitrag!

  13. cher sagt:

    @ hrispm
    Puh, dann hab ich zuviel hineininterpretiert in deinen Text :) Sorry

    Was mich aber auch stört sind Leute die einem Sachen aus der Hand nehmen wollen mit der Begründung „Du kannst das doch bestimmt nicht, du bist ja ein Mädchen7Junge“. Da frag ich mich was in deren Kopf vorgeht, Hilfsbereitschaft wohl kaum shcließlich kriegt man immernoch nen Spruch gedrückt.
    Grrr!
    Wenn ich mich nutzlos fühlen will stell ich mich in den Eingangsbereich der Notaufnahme, danke.