Kurz notiert am Wochenende

von Katrin
Dieser Text ist Teil 41 von 358 der Serie Kurz notiert
Eine Woche hat zwar nur sieben Tage und eigentlich ist ja auch schon alles super und der Feminismus soll sich mal nicht beschweren… Aber es passiert eben doch immer eine Menge Berichtenswertes. Und was bislang noch nicht ausführlich besprochen ward, sei hier kurz notiert.

Da morgen der internationale Frauentag ist, hat sich die taz die Mühe einer Sonderbeilage zum Thema Frauen, Sexismus und Co. gemacht, die wirklich sehr lesenswert ist. Alle Artikel können auch online nachgelesen werden.

Germany’s Next Top-Model ist wieder in eine neue Runde gegangen und es gibt zwei interessante Artikel, die sich mit dem Problem Thema befassen: Einmal schreibt Barbara Schweizerhof für freitag.de ihre Gedanken dazu auf, warum der Niveauverlust Frauen zu Scharen vor den Fernseher ruft.

Der zweite Beitrag wurde auf sueddeutsche.de von Violetta Simon verfasst und beschäftigt sich mit der Generellen Frage, warum man sich Frauen, die sich für dumm verkaufen, noch reinziehen sollte. Sie fordert stattdessen „Germany’s Next Role Model“ (und ich überlege mir wirklich, mir meine Gedanken in Zukunft patentieren zu lassen – genau die gleiche Fernsehshow schwebte mir nämlich kürzlich auch vor. Frau Simon – vielleicht Lust das gemeinsam für Arte zu machen??)

Kann ein Opfer einer Vergewaltigung Mitschuld an seiner eigenen Vergewaltigung haben? – Sollte es vorher mit dem zukünftigen Täter Alkohol trinken, dann schon, meint das Saarländische Oberlandesgericht. Selten so eine groteske Rechtsverdrehung erlebt! Hier der Artikel der Saarbrücker Zeitung. (Danke an unsere Leserin Johanna für den Link!)

Richtig weird ist dieses Zeit-Interview mit Neil Gilbert, ein Professor für „Sozialfürsorge“ und Eva Hermans bester Mann. Er propagiert einen seltsamen Feminismus: Der Feminismus darf den Frauen nicht vorschreiben, Karriere machen zu  müssen. Aus Sicht der Sozialfürsorge sollten wir ihnen lieber vorschreiben, sich um ihre Kinder zu kümmern. – Ähm – wie wärs mal mit Selbstbestimmung?? Ach nee, das wäre ja langweilig.

Von Antje (danke schön!) wurde in einer Diskussion folgender interessanter taz-Artikel gepostet: Karriere bleibt Männersache.

(Nein, ich bekomme kein Geld von der taz, aber) Ich muss noch einmal einen sehr interessanten, beunruhigenden Artikel aus der taz verlinken: Pfarrerin Kathinka Kaden über die Evangelikalen, ihre einschüchternde Macht – auch in Deutschland und warum man beschimpft wird, wenn man Eva Herman kritisiert. Passt ganz gut zu meiner derzeitigen Sorge bezüglich dieser Religion.

Eine Horde „wenn mehr Frauen in der Wirtschaft wären, wäre die Krise nicht so schlimm“-Artikel überfluten die Medien. Hier zum Beispiel in Das Magazin. Wo Birgit Schmid fordert „Gebt das Geld in Frauenhand!“ Ein Dank an unsere Leserin aus der Schweiz, die ganz richtig fragt:

„Ich finde den Artikel interessant, musste aber auch etwas daran denken, dass hier wieder einmal irgendwelche Unterschiede im Denken an der Biologie festgemacht werden, wenn auch auf eher subtile Art. Muss das sein?“

Lisa Ortgies im Interview mit der Frankfurter Rundschau: „Dem Feminismus fehlt Sexappeal“ – ist das wirklich das, was dem Feminismus fehlt? Das Interview ist interessanter, als dieser reißerische Titel vermuten lassen könnte, und die Antwort auf die Frage: Was braucht der Neue Feminismus? lautet sicher nicht „Sexappeal“ – auch nicht aus Frau Ortgies‘ Sicht.

Und wie lebt es sich in einem Matriarchat? Wahnsinnig interessantes Buch – hier ein kurzer Artikel darüber. Mit Dank an unsere Leserin Antje (schon wieder. Ich würde sagen, Antje bekommt den Leserin-der-Woche-Orden).

Wie sieht eigentlich der Tag der „Börsen-Frau vom ZDF“, Valerie Haller, aus?  Wieder FR –  auch mal ganz spannend. Karriere und Kind (liebevoll, fürsorglich betreuen) – klar geht das! Warum immer wieder diese Frage über dem Kopf einer Mutter hängen muss – who knows…?




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Eintrag geschrieben: Samstag, 7. März 2009 um 14:08 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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15 Kommentare

  1. jj sagt:

    Hey, zum Thema Matriarchat – interessanter Artikel – solche Forschungsreisen sind halt aufgrund ihrer Projektionen und des axiomatisch sinnvollerweise anzunehmenden grundsätzlichen Unverständnisses der Kultur immer ein wenig problematisch, wie man ja auch an der ewigen Diskussion um Margaret Meads Bücher sieht, aber das Buch werde ich mir mal ansehen – zur Diskussion ein paar Zitate aus dem Artikel.

    Ich finde es besonders interessant, daß die männliche Konkurrenz untereinander vor allem über die offensichtliche Verfügbarkeit weiblicher Sexualität geregelt wird. Wo Sex nicht mehr knapp ist, gibt es auch keine Konkurrenz unter Männern – allerdings offenbar mit Konsequenzen für das gesellschaftliche Leben –

    Die Männer der Mosuo erscheinen in Ihrem Buch ziemlich kindisch. Sie lungern herum, spielen Karten oder Mahjong und trinken Bier …

    Und sie machen Musik! Sie haben keine Eigeninitiative, keine Persönlichkeit, sind antriebslos.

    Die Männer behaupten, sie schützen die Umwelt. Wie tun sie das?

    Indem sie nichts zu ihrer Zerstörung beitragen. Es gibt keine Industrialisierung, keine ausgeprägte Kultur … nur Gerede.

    Was wiederum die Frage aufwirft, inwieweit sich Konkurrenz unter Männern, Knappheit weiblicher Sexualität, und kulturelle und technologische Entwicklung (im klassischen Sinne) gegenseitig bedingen – ohne Bewertung hinsichtlich des „Glücklichmachfaktors“ einer Gesellschaft.

    Im Paradies der Frauenbewegung haben die Männer ein gutes Leben. Sie haben keine Verantwortung, sie werden versorgt wie Kinder, sie müssen nicht hart arbeiten.

    Und es stellt sich die Frage, ob das nicht eine notwendige Bedingung für die Aufhebung der männlichen Konkurrenz ist, denn wenn Männer irgendwie in die wirtschaftliche Sphäre eingebunden würden, würde sich vermutlich auch ihr Konkurrenzverhalten gesellschaftlich bemerkbar machen.

    Aber in der Nacht, beim Tanz, wenn sie sich dem Mann anbieten, ändern sie ihr Verhalten total. Das ist unglaublich. Sie flirten ganz altmodisch, senken unterwürfig den Blick. Sie passen ihr Verhalten der Situation der Verführung an. Am nächsten Morgen markieren sie wieder den Boss.

    Und das finde ich die interessanteste Beobachtung in diesem Zusammenhang, denn sie deutet an, daß sexuelle Dominanz selbst in einem Matriarchat von Männern erwartet wird, aber daß es durchaus möglich sein kann, andere Bereiche gesellschaftlichen Verhaltens von dieser Verhaltensbasis zu trennen.

    Spannend.

  2. maria sagt:

    Ich bin ehrlich gesagt durchaus der Meinung, dass Feminismus Frauen nicht vorschreiben darf, Karriere machen zu müssen. Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt und dementsprechend will ich mich ggf. auch selbst dafür entscheiden, ein paar Jahre mit meinen Kindern zu verbringen – ohne Zwang und ohne eine abwertende Einstellung mir gegenüber. Und ich möchte dafür ebenso viel Anerkennung wie für einen Job im Management! Feminismus sollt die Gesellschaft dahingehend beeinflussen, dass beide Arbeiten gewürdigt werden und sich nicht gegenseitig ausschließen (und das bei Frau und Mann, selbstverständlich). Selbstbestimmung kann ja schließlich nicht heißen, ich muss arbeiten (ganz davon abgesehen, dass ich auch Erziehung als durchaus arbeitsintensiv empfinde).

    Ich habe diese Woche eine TV-Diskussion über den Islam und seine Integration in Deutschland verfolgt. Und ganz heftig wurde -unter anderem von Katholiken- die Nicht-Gleichstellung der Frau im Islam kritisiert. Natürlich besteht da insbesondere bei Fundamentalisten ein gewaltiger Unterschied zur katholischen Kirche. Aber ich habe noch immer keine Pfarrerin/Bischöfin/Päpstin finden können. Wenn man auf andere mit dem Finger zeigt, deuten drei zurück… also lasst uns auch da unbedingt nochmal anfangen.

  3. illith sagt:

    pfarrerinnen und bischöfinnen gibt es doch…

  4. maria sagt:

    wie gesagt… bei den Katholiken hab ich pfarrerinnen und bischöfinnen noch nicht gesehn. aber falls du, illith, sag bescheid wo, das würde mich doch stark interessieren :D

  5. access denied sagt:

    Das Niveau der Zeit erschreckt mich schon: „Das entspricht aber nicht dem biologischen Plan.“
    Biologistischer Mist, der Kapitalismus als Naturgesetz ansieht
    Der halbherzige Antikapitalismus des Soziologen ist ebenfalls schwer erträglich, auch wenn es mich freut, dass endlich jm. mal zugibt, dass Arbeit schlichtweg nur Scheisse, Erpressung und Ausbeutung ist. Naja, Soziologen halt, so nah und doch so weit von der Erkenntnis

    Das mit dem Vergewaltigungsurteil, dass kommt davon, dass sich viele Richter aus den Burschenschaften rekrutieren

  6. Dores sagt:

    @access denied: Warum biologistischer Mist? Ganz im Gegenteil stellt sich diese Aussage doch gegen das Allheilmittel Kapitalismus.

    Alles in allem finde ich das Interview fast gelungen, der Gilbert ist doch FÜR eine Wahlfreiheit, aber eine echte.

  7. access denied sagt:

    Lol
    Biologistischer Mist, warum wohl?
    Ich heiss doch nichts gut, nur weil’s gegen Kapitalismus ist, im Gegenteil, verglichen mit „biologischen Plänen“ ist der Kapitalismus weitaus fortschrittlicher

  8. Schnatterinchen sagt:

    Dores, die Aussage „Das entspricht aber nicht dem biologischen Plan“ im Bezug auf menschliches Leben wäre beispielsweise dann kein biologistischer Mist, wenn sie sich auf jemanden bezöge, der sich überraschenderweise als unsterblich herausstellt.

    Aber angewandt auf „junge Mütter“, die, wie die Interviewerin Christine Brinck suggeriert, „derzeit wenige Optionen [haben], weil sie weiterhin dem männlichen Modell folgen müssen. Und das bedeutet, fortwährend auf dem Weg durch die Arbeitswelt nach oben zu streben – ganztags“, entspricht das dem Differenzierungsvermögen derjenigen, die alle Biologie als Biologismus verteufeln – nur inhaltlich unter umgekehrten Vorzeichen.

  9. Katrin sagt:

    Geringe Risikobereitschaft von Frauen im Vergleich zu Männern ist anerzogen:
    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ratgeber/top_themen/1685560_Frauen-vs.-Maenner-Geringe-Risikobereitschaft-ist-anerzogen.html
    hätten wir auch das geklärt.

  10. Erna sagt:

    @ klingt ganz gut…nur um das wirklich so eindeutig sagen zu können bräuchte man schon den vollständigen artikel. wer weiß schon wie groß die gruppen waren.. könnte ja im prinzip auch zufall sein.
    es ist immer schwierig solche aussagen aufgrund von ner halben seite artikel und einer studie zu treffen.

  11. Erna sagt:

    EDIT @ katrin natürlich

  12. Miriam sagt:

    @ erna:

    http://ftp.iza.org/dp4026.pdf

    http://ftp.iza.org/dp4027.pdf

    Ich hab noch nicht reingeschaut, aber da findest du den Volltext der Studie

  13. flawed sagt:

    Vielleicht bin ich ja naiv, aber ich nehm bei wissenschaftlichen Studien einfach mal an, dass die Autoren wissen, was ein Signifikanztest ist.

    Die beiden Studien findet man übrigens hier:

    http://www.iza.org/en/webcontent/news/izadp4026-4027?noAutoMenu=true&print=true
    anscheinend nicht peer-reviewed.

    Ich habe mir aber nicht die Mühe gemacht, nachzusehen, was in den Studiun nun wirklich zum Thema Signifikanz steht, noch kann ich das Studiendesign beurteilen.

  14. Miriam sagt:

    anscheinend nicht peer-reviewed.

    Naja, sie sind ja auch als discussion papers erschienen

  15. Dores sagt:

    @access denied: Natürlich nicht, aber DU schriebst „Biologistischer Mist, der Kapitalismus als Naturgesetz ansieht“ … lol.

    Ich verstehe unter biologischem Plan eher so etwas wie den Fakt, dass eine Mutter eine gewisse Zeit mit ihrem Kind verbringen muss, um ihrem Kind notwendige Nähe, Geborgenheit usw zu geben.
    Oder was denkt ihr war damit nun wirklich gemeint?