In fremden Händen

von Katrin

Körper und Sexualität von Frauen werden nicht nur von religiösen Fundamentalisten kontrolliert. Schon der ganz „normale“ westliche Alltag übt subtil Macht aus.

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

Vor einigen Wochen lernte ich durch eine AWID-Studie über religiöse Fundamentalismen und ihre Auswirkungen auf FrauenrechtlerInnen in der ganzen Welt, dass ein Hauptaspekt der verschiedenen Fundamentalismen die Kontrolle der Sexualität und der Körper von Frauen ist (ich hatte berichtet). Doch bei näherer Betrachtung ist diese Kontrolle ein weltweites, religionsunabhängiges Phänomen. Natürlich kommen uns die Verbote von Abtreibung und Verhütung, die Gebote von Enthaltsamkeit vor und Sexpflicht in der Ehe nicht sonderlich „westlich-modern“ vor, erst recht nicht säkular – da muss man nur einen Blick in die französische Debatte um die Burka werfen.

Stichwort Intimbehaarung

Auch mir schien das Phänomen zunächst ein rein religiöses zu sein. Bis ich auf eine sehr lange und anstrengende Debatte um Intimbehaarung im Blog von Feministing.com stieß und auch in unserem eigenen Blog dieses Thema diskutiert wurde. Denn scheinbar fließen auch in die kapitalistisch-konsumorientierte Welt der „sexuellen Befreiung“ Kontrollmechanismen über weibliche Körper ein – oder wie könnte anders ein Intim-Enthaarungsdogma und das Zunehmen von Intim-Schönheits-OPs erklärt werden? Momentan findet auf subtilem Wege eine Normierung des Intimbereichs von Mädchen und Frauen statt. Zu große Schamlippen? Zu viele struppige Haare? Eine „unpassende“ Vulva? Weg damit – her mit der Designer-Muschi.

„Aber die Frauen tun das doch freiwillig!“ – lautet ein häufiges Argument. Doch wie viel Freiwilligkeit ist wirklich vorhanden, wenn ein Mann den Sex mit einer intimbehaarten Frau ablehnt und diese sich dann rasiert? Oder wenn 13-Jährige im Schwimmbad wegen aus dem Badeanzug hervorlugenden Schamhärchen ausgelacht werden? Wenn Frauen, an deren Beinen sich Haare befinden, abschätzig betrachtet werden? Ist das keine Kontrolle? Die Medien reproduzieren diese Delegitimierung durch Meldungen wie „Unrasierte Frauen haben weniger Sex-Chancen“ und „Die Schamhaare zu rasieren gehört zum modischen Diktat, dem sich inzwischen eine Mehrheit unterwirft.“ Mache ich das nicht, bin ich also schon eine Minderheit (was nicht stimmt, denn mit meinen 26 Jahren gehöre ich – Göttin sei Dank – zur behaarten Generation).

Stichwort Enthaltsamkeit

Ein weiteres Thema ist das des „Sex oder nicht Sex“. Denn viele Frauen machen hier mal mehr mal weniger drastisch die Erfahrung, dass ihnen die Kontrolle über ihren eigenen Körper und ob dieser Sex hat, oder nicht, abgesprochen wird. Vergewaltigungen sind die kriminelle Form – psychischer Druck und beharrlicher Widerstand gegen Abwehr sind die vielleicht viel häufigere. Eine Bloggerin der jetzt.de-Community schildert vier Situationen aus ihrem Leben, in der Männer Grenzen nicht akzeptierten und die Kontrolle an sich reißen wollten. Tatsächlich ist das Thema „wer kontrolliert den Sex“, also wer hat die dominante Rolle, noch sehr aktuell. Viele Männer sehen sich auf natürliche Weise in der Rolle, eine Frau verführen und rumkriegen zu müssen (und viele Frauen erwarten das so). Das kann auch schon mal ein bisschen anstrengend sein, weil sie sich „anstellt“ oder „rumzickt“. Der Tiefpunkt meiner sexuellen Erfahrung mit Männern war ungelogen ein „frigide Kuh“. Natürlich kann und sollte sich jede Frau entscheiden, so einen Tölpel vor die Tür zu setzen. Keine Frau unterliegt einer Pflicht zum Sex – wie das in Afghanistan der Fall ist. Dennoch sehen viele Männer die Frauen in der Pflicht – sei es nun, weil man das in einer „normalen“ Beziehung „so macht“, oder weil eine imaginäre „Schwelle“ bei einem Date überschritten worden ist, ab der „man das so macht“.

Zuletzt das Thema Enthaltsamkeits-Gebot: Die Autorin von „Bitterfotze“, Maria Sveland (ich berichtete), lässt ihre Protagonistin die Erfahrung machen, dass Mädchen im Teenager-Alter, die ebenso selbstbewusst ihre Sexualität entdecken möchten, wie Jungen, als Hure abgestempelt werden. Auch die Autorinnen von „Wir Alphamädchen“ greifen diese Double Standards auf: Sexuell „wilde“ Mädchen haben schnell eine schlechten Ruf und gelten als minderwertig. Ihnen wird suggeriert, dass sie immer auf den „Richtigen“ warten sollten, dass sie „sparsam“ mit ihrem „wertvollem Gut“ umgehen sollten etc. Als ich mit 14 Jahren auf einer Party zwei Stunden lang knutschend mit einem Austausch-Schüler aus Frankreich auf dem Boden herumlag galt ich in meiner Parallelklasse auch als „Schlampe“ – so berichtete mir mein späterer Freund, der in dieselbe ging. Sexuelles Herumprobieren gehörte sehr bald nicht mehr zu den Dingen die ich – wie noch mit 14 Jahren – in der Öffentlichkeit ‚wagte‘.

Stichwort „Pillendogma“

Last but not least: Die Verhütungsfrage. Stichwort „Pillendogma“. Ich und viele andere Frauen, die ich in Diskussionen und Foren kennenlernte, wurden aufs schärfste von unseren Frauenärzten entmündigt. Als ich vor einigen Jahren merkte, dass Hormone mir nicht gut tun, ging ich vertrauensselig zu meinem Freund dem Frauenarzt. Ich klagte ihm mein Leid und wollte von ihm Informationen über die „Natürliche Familienplanung“ (NFP) bekommen – denn ich wusste ja noch nichts darüber. Trotz expliziter Aufforderung, mir darüber etwas zu erzählen, weigerte er sich und sagte nur: „Wenn Sie schwanger werden wollen, können Sie das machen.“ Das Ende vom Lied war das Verschreiben einer neuen Pillen-Sorte und: „Sie werden sehen, dass es Ihnen bald wieder besser gehen wird. Die Pille ist einfach die einzige sichere Methode zur Verhütung, die ich Ihnen anbieten kann. Machen Sie es gut.“ Die Pille ist das Beste, was es gibt. Ganz einfach, ganz toll. Und Nebenwirkungen? Was, wenn die Pille mich zu einem Hormon-Mutanten macht? – Nein, das gibt es nicht. Dass die Pille als Allround-Talent verkauft werden soll, das hat auch Sarah Haskins stutzig gemacht.

Leider ist die Pille nicht nur für Frauenärzte eine Selbstverständlichkeit, sondern auch für die männlichen Sexpartner vieler Frauen. Kondome? Och nee – Verhütung wird mit dem „weniger Gefühl“-Argument ganz einfach ihr zugeschoben. Wozu sich mit den Lümmeltüten abquälen, wenn es doch die Super-Pille gibt? Und nein: „ich habe ganz sicher kein AIDS“ aber wer fragt seinen Sexualpartner schon nach Chlamydien, Syphilis, Tripper, Pilzinfektionen oder Herpes? Das Pillendogma ist auch nur eine besondere Form der gesellschaftlichen Kontrolle eines Frauenkörpers – sozusagen die Kontrolle der Kontrolle.

Nein – Frauen werden nicht nur in religiösen oder gar fundamentalistisch religiösen Kontexten mit der Kontrolle ihrer Körper und Sexualität konfrontiert. Vielleicht subtiler, vermeintlich „freiwilliger“ und durch kulturelle Normen geprägt findet die Fremdkontrolle auch hier statt und Frauen haben weiterhin gute Gründe, „zickig“ und wütend darüber zu sein.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne auf Freitag.de)




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 21. Juli 2009 um 10:51 Uhr unter Gewalt, Körper, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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43 Kommentare

  1. steve, the pirate sagt:

    Das mit dem „Pillendogma“ kenne ich: Im Internet habe ich mich allgemein mit dem Thema Verhütung beschäftigt. Da meine Schwestern beide die Pille nicht vertragen war ich von Anfang an ein wenig skeptisch eingestellt. Als ich dann in diversen Foren von so wunderbaren Sachen wie „Libidoverlust“ (ich nehme doch ncihts zur Verhütung, damit ich dann keinen Lust mehr auf Sex habe, grrrr!!!) las war die Pille keine Option mehr für mich. Zum Schluss habe ich mich für die Kupferspirale entschieden, wobei mein Feund natürlich die Hälfte gezahlt hat. Früher hieß es ja, dass man Frauen, die noch nicht geboren hat keine Spirale einsetzt, was aber mittlerweile überholt ist. Dann habe ich mich auf die Suche nach einem kompetenten Frauenarzt gemacht, der mir so etwas einsetzt. Tja, das war nicht einfach. Die meisten wollten mir auf Teufel komm raus die Pille aufschwatzen. Eine Frauenärtzin meinte, dass ich ja unbedingt die Pille brauche um meinen Zyklus zu regulieren, weil meine Periode meist 30 Tage dauert anstatt 28 Tage. Ja ne, is klar, regulieren indem man Eisprung etc. ganz ausschaltet??

    Ich möchte niemanden die Pille schlecht reden. Wer sie verträgt und sich bewußt ist, was man da schluckt- dann ist ja alles super. Allerdings werden leider von den Frauenärzten die Nebenwirkungen nicht ernst genommen. Schließlich ist die Pille ein Medikament das stark in den Körper eingreift und kein Smartie.

  2. steve, the pirate sagt:

    … äh ich meinte natürlich mein Zyklus dauert 30 Tage und nicht meine Periode. :)

  3. ÄrztinohneGrenzen sagt:

    Meine Güte, was kennt ihr nur für Männer?!?

  4. :Ludwig sagt:

    Hmnja, als schwesterloser Vater einer Tochter hatte ich kaum Gelegenheit, auf ihre Entdeckung der eigenen Sexualität vorbereitet zu sein. So spielten dann zwischen Vater und Tochter einige Dinge ’ne Rolle, die hier geschildert werden. Dass ich Sorge hatte, dass man sie im Dorf, ließ ich sie doch frei aufwachsen, für billig halten könnte und leicht zu haben – und so kommunizierte ich ihr meine Sorgen, Ergebnis: ffft. Staunte, dass sie begann, sich den blonden Flaum von den Beinen zu rasieren. Und ZACK passierte auch, was ich befürchtete, zahlreiche hirnlose Testosteronzen belagerten sie, das wilde Mädchen, die gestern noch lieber auf Bäume kletterte als vorm Spiegel zu stehen.

    Da mischte sich ins Gefühl des „Abschieds von der Mädchentochter“ Wehmut, dass das prägende Umfeld doch stärker ist und vereinnahmen, „haben will“, was man stark machen wollte.

    Dennoch Schmunzeln: Die „wilden Mädchen“ dieses Beitrages werden sicherlich kaum zugleich auch die beinhaarten desselbigen gewesen sein. Auch wilde Mädchen, nicht alle, werden sich die Beine und Achseln rasieren und ihren eigenen, nicht unbedingt mehr Spaß haben als die, die meinen, man könne sich befreien, indem man die Haare an den Beinen wachsen lässt. Befreiung fängt im Kopf an. Dieser Artikel hier trägt dazu bei.

  5. jemandnichtweibliches sagt:

    Kurioserweise hatte ich mit meiner letzten Freundin eine gegenteilige Erfahrung. Sie fand das Kondom störend, weil es quasi den ablauf stört… aber ich werd nur mit kondom mit frauen schlafen, da mir mal eine vorgemacht hat, sie wär von mir schwanger (erst sagt sie, sie nimmt die pille, dann das, dann war es doch gelogen, dass sie schwanger ist, hatte schwere psychische Probleme…)

    Ich kenne durchaus auch einige Mädchen, bzw. jetzt Frauen, die sich diesem ganzen Zeug nicht unterwerfen.

    Und zum rasieren: an armen oder beinen wärs mir ja egal. aber bei männern wie frauen ist das beim oralsex einfach nicht so schön, wenn da „ein wald“ ist, gegen ein bisschen was sagt vermutlich ja keiner was.

    Wenn Wald, dann halt kein Oralsex, von mir aus auch beiderseitig nicht…

    Und nicht alle Männer sind böse testosterongesteuerte Monster :)

    Gruss,
    Ein geneigter Leser :)

  6. Eva sagt:

    ^^ das wird im Artikel ja auch gar nicht vermittelt, dass alle Männer „testosterongesteuerte Monster“ wären, sondern dass bezgl. der Entdeckung/dem Experimentieren mit Sexualität Mädchen und Burschen von der Gesellschaft verschiedene Standards bzwl Erwartungen vermittelt werden (Mädchen sollen „sich für den Richtigen aufheben“ und Burschen sollten „möglichst viele Erfahrungen machen“). Das spiegelt sich eben dann im Verhalten nieder und wenn z.B. ein Mädchen sich gegenteilig verhält als erwartet, dann wird sie gleich als „Schlampe“ (oder ähnliches) beschimpft (wie die Autorin im Artikel schildert).

  7. Peter sagt:

    Ich finde es ja schade, dass solche Betrachtungen und Analysen immer auf halbem Wege stehenbleiben. Sobald es zur Frage kommt, WER und WIE solche Kontrollmechanismen funktionieren, liest man zwischen den wenigen Worten nur noch ein dumpfes leises „böses Patriarchat“, „böse Männer“ und dann nichts mehr. Wahrscheinlich, weil den Autorinnen selber bewußt ist, das dies letztlich nur plumpe Verantwortungsverschiebungen sind.

    Normative soziale Zwänge kommen sehr vielschichtig daher. Welche Sanktionen werden bei Verstößen angewendet und vor allem durch wen? Welche Ausweichmöglichkeiten gibt es konkret?

    Der Junge, der keinen Sex mit dem intimbehaarten Mädchen möchte, ist eher ein Mythos. Kein Junge baggert den ganzen Abend herum, um dann kurz vor dem Ziel wegen sowas unverrichteter Dinge nach Hause zu gehen.

    Wer nennt ein knutschendes Mädchen Schlampe? Jungs oder andere Mädchen? Und welche Auswirkung hat das in der sozialen Gruppe?

    Warum beklagen sich Frauen einerseits über offensives Balzverhalten von Männern (inklusive der damit zwangsläufig vorkommenden Grenzüberschreitungen) sind aber selber nicht bereit ihr eigenes Balzverhalten zu ändern? Schüchterne Jungs ohne dumme Anbaggersprüche und Gockelgehabe gibts wie Sand am Meer, nur werden die von Frauen schlicht nicht als potentielle Sexualpartner angesehen, sondern einfach nur als Neutrums.

  8. Matze sagt:

    „Schüchterne Jungs ohne dumme Anbaggersprüche und Gockelgehabe gibts wie Sand am Meer, nur werden die von Frauen schlicht nicht als potentielle Sexualpartner angesehen, sondern einfach nur als Neutrums.“

    Das ist dann wohl das Stichwort, um Nice Guys(TM) zu erwähnen.

  9. Katharina sagt:

    Hallo Peter,

    die bösen Männer hast du dir selbst reininterpretiert. Ich habe da nichts gesehen. Der soziale Druck kommt, wie du ja schon andeutest, ganz sicher auch von Frauen. Das einzige, was ich ‚den Männern‘, also den meisten konkreten männlichen Wesen meiner Bekanntschaft, vorwerfe, ist Desinteresse. Desinteresse an dem ganzen Geschlechterproblem. Eine unreflektierte ‚ist doch alles prima‘-Haltung, oder ein ’stellt euch nicht so an, seid doch froh, ihr habt doch nur Vorteile‘.

    (Da du dich in diesem Blog rumtreibst, nehme ich mal an, dass man dir das nicht vorwerfen kann.)

    Ach so: schüchterne Jungs werden nicht als potenzielle Sexualpartner gesehen – nein, echt nicht? Ich fand die Baggertypen immer abstoßend.

  10. miri sagt:

    Ein seht guter und wichtiger Artikel von Kathrin, der vieles auf den Punkt bringt! Wir nehmen die vielfältigen Mechanismen und Regularien die in der westlichen Welt auf den weiblichen Körper einwirken ja oft gar nicht mehr wahr, so sehr haben wir sie verinnerlicht.

    Mir erscheint außerdem wichtig, sich nochmal klarzumachen dass an der Kontrolle der Körper kräftig verdient wird: Der (weibliche, aber nicht nur) Körper und seine Perfektionierung ist ein MARKT.
    Die Pharmaindustrie verdient an der Pille sicher mehr als an Kondomen, wenn ich Frauen einrede sie müssten sich am ganzen Körper enthaaren und bräuchten außerdem für jede noch so klitzekleine Körperstelle eine Extra Creme plus ein Extra Gel plus ein Extra fluid, spray, whatever, dann kann ich damit eine ganze Menge verdienen, wenn alle Frauen einem irrealen Körper/Schönheits/Jugendideal hinterherrennen verdienen die Fitnessstudios, die Diätindustrie, wenn Frauen den Glauben verinnerlicht haben den allgemein gültigen Standards nicht zu entsprechen, werden sie immer viel Geld ausgeben um dem hinterzujagen – und weil das per se eine zum Scheitern verurteilte Jagd ist, wird diese Geldquelle auch nie versiegen. Und an Schönheits OPs verdient sich eben richtig gut!
    Ich reite auf diesem Punkt der Verwertbarkeit weiblicher Minderwertigkeitskomplexe so rum, weil ich finde dass es auch enorm helfen kann, sich das mal in seinem ganzen Ausmass klar zumachen um die ganzen Mechanismus auch in ihrer Lächerlichkeit zu entlarven.

    In puncto Pillenzwang gebe ich der Autorin absolut recht:
    Es wird viel zu wenig über die Nebenwirkungen aufgeklärt, z.B. die Gefahren die sich aus der Kombination Rauchen/Pille ergeben. Ausserdem ist auch die Pille nur bedingt sicher, sie lässt sich vergessen und bei Brechen oder Durchfall denkt kaum eine Frau dran dass die Pille dann nicht mehr wirkt.
    Außer der Enthaltsamkeit gibt es keine 100 pro wirkungsvolle Verhütung, machen wir uns nix vor :-)
    Zwar sind meine Erfahrungen mit Männern und ihrer Haltung zur Verhütung größtenteils sehr positiv, über Kondome hat sich noch nie einer beschwert, manche bestanden sogar von anfang an selbst darauf. Warum unnötige Risiken eingehen?, – aber trotzdem musste ich oft feststellen, dass sich die meisten Männer oft erschreckend wenig von sich aus Gedanken machen… sie sind einsichtig wenn man mit ihnen spricht, oft aber sehr erstaunt mit KOmmentaren wie „also so hab ich das ja noch nie gesehen, echt, Du fühlst Dich beeinflusst wenn Du Hormone nehmen müsstest?“
    Zweimal aber war auch ich sprachlos: Bei meinem ersten Freund, er 18, ich 16, übte SEINE Mutter massiven Druck auf mich aus, die Pille zu nehmen (nachdem sie vorher in einer Art Kreuzverhör aus mir herausgepresst hatte dass ich das eben nicht tat) andernfalls wollte sie ihrem Sohn den Umgang mit mir verbieten. Zum Glück hat sich mein Freund, der auf meiner Seite stand, ihr widersetzt und meine eigene Mutter respektierte meine Entscheidung vollständig.
    Später dann hatte ich einen Freund, der es ok fand, dass ich die Pille nicht nahm und wir mit Kondom verhüteten. Einmal aber mussten wir befürchten dass etwas schiefgelaufen sein könnte, meine Periode blieb aus. In Gesprächen stellte sich dann heraus, dass meine Freund davon ausgegangen war dass ich selbstverständlich in einem solchen Fall abtreiben würde, Begründung: weil ich ja die Pille nicht nehme, ist doch klar. HÄ??? Ich finde ein RECHT auf Abtreibung wichtig, aber es geht dabei doch um das Recht auf eigene Entscheidung über den eigenen Körper, und ich hätte NICHT abtreiben wollen. (Zum Glück war es Fehlalarm, wir trennten uns danach).

    Schwangerschaft, Verhütung… ist eben alles Frauensache. Was mich in diesem Zusammenhang zum Beispiel auch wirklich furchbar aufregt ist dass Frauen höhere Krankenkassenbeiträge zahlen als Männer, Argument: die mögliche Schwangerschaft… (und die höhere Lebenserwartung)!!! ebenso wie ich der Meinung bin, dass Paare sich die Kosten für die Verhütung am besten teilen sollten, finde ich, es ist Zeit darüber zu diskutieren ob es eigentlich gerechtfertigt ist, dass die Kosten von Schwangerschaft Geburt etc – auch Abtreibung! – ausschliesslich den Frauen und ihrer KV zu Lasten gelegt werden, die das mit höheren Beiträgen büßen (obwohl sie im Schnitt über 20 Prozent weniger verdienen als Männer…) oder ob sich da nicht solidarischere Modelle finden liessen! Das Geburtsrisiko tragen Frauen alleine, als wären die Männer an der ganzen Sache unbeteiligt!!!!

    Vielleicht kann man mir hier Widersprüchlichkeit vorwerfen, aber dazu stehe ich: Ich bin für mehr Geschlechtersolidarität und gemeinsame Verantwortung in Sexualität Verhütung Abtreibung Elternschaft, dass kann aber nicht bedeuten dass nicht die Grenzen respektiert werden, letztendlich die Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper selbst behalten zu wollen: Ich finde es wichtig, die Meingung meines Partners
    zu kennen, zu berücksichtigen, darüber zu sprechen, entscheidungen gemeinsam zu treffen – aber ich kann mir nicht aufzwingen lassen die Pille zu nehmen, ein Kind gegen meinen Willen auszutragen oder auch gegen meinen Willen abzutreiben.

    Zur Doppelmoral: Ja, da müssen Frauen mit sehr verschiedenen von außen an sie gestellten Ansprüchen klarkommen: Sexy sein ist Zwang,
    viel Sex haben eigentlich auch, sonst ist man die zitierte „frigide Kuh“ die sich ziert, spassfrei und lustfeindlich ist, aber WENN man den Sex hat, ist man das „abgeleckte Butterbrot“ das keiner haben will oder der „Briefkasten“ in dessen Schlitz jeder sein Päckchen stecken darf, die Schlampe, die billig zu haben ist, sich verschenkt hat….
    In meiner Mädchenclique ( so mit 15, 16) hatten dann aber doch diejenigen das größte Ansehen die die meisten Erfahrungen hatten, ich glaube sogar, bei einigen von uns war es durchaus ein Motiv diese Erfahrungen nicht zuletzt deswegen berhaupt erst zu machen, um dann in der Gruppe mithalten zu können, gut dazustehen… gar nicht sooo viel anders als bei den Jungs… „Schlampen“ waren nur diejenigen Mädchen aus anderen Cliquen…*kopfschüttel*

    Abschliessend nochmal Danke an Kathrin. Ich ernte in Gesprächen derart viel Unverständnis, wenn ich laut darüber nachdenke dass z.B.
    Beinerasieren irgendwie auch eine Art gesellschaftlicher Zwang für Frauen ist u.ä. dass ich mich immer freue wenn ich lese, dass ich nicht die einzige bin die auf solche Gedanken kommt….

  11. steve, the pirate sagt:

    @Peter: Das mit den netten Typen, die (angeblich) keine abbekommen wurde auch hier im Blog schon des öfteren diskutiert. Da musst du einfach mal bei den entsperchenden artikeln ein wenig stöbern.

    @miri: sehr gutes Statement.

    Zum Thema Pille: Wenn man sich auch noch überlegt, dass ja die meisten Mädels schon mit 14 oder 15 anfagen die Pille zu nehmen und gar nicht wissen, wie es ist hormonfrei zu leben – das ist dann doch irgendwie gruselig.

  12. kousheru sagt:

    so sehr ich dir auch mit den einzelnen punkten rechtgebe, es war unnötig, das ganze mit dem islam in verbindung zu bringen.
    die erfahrenen sanktionen beim ausbrechen aus diesen normen/regeln sind ja wohl grundverschieden.
    hier wird man wenigstens nicht gesteinigt, wenn man als teenie rumknutscht.

  13. Helga sagt:

    @Peter: Wer und wie die Kontrollmechanismen funktionieren? Patriarchat ist das Stichwort und damit der Sexismus, der überall ist. Von Männern, von Frauen ausgeübt, in den Medien, überall. Und nicht leicht wahrzunehmen. Normative Zwänge, auf allen Seiten.

    „Wer nennt ein knutschendes Mädchen Schlampe? Jungs oder andere Mädchen? Und welche Auswirkung hat das in der sozialen Gruppe?“ Jungs und Mädchen. Auswirkungen: Dumme Sprüche von allen Seiten, schlechte Anbaggerversuche, „nun hab Dich nicht so, mit xy hast Du doch auch rumgemacht“

    Internalisierter Sexismus. Wir alle kennen nur diese ungerechte Welt, wir sind damit aufgewachsen. Und auch wenn es uns stinkt und wir alles besser machen wollen und uns aus diesen Zwängen berfeien wollen: Es ist sehr hart, nicht immer mal wieder hineinzu fallen. Eben weil es hinter jeder Ecke wieder losgeht. Deswegen ist es so wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, sein Umfeld darauf aufmerksam zu machen, wenn jemand etwas sexistisches getan hat. Um die Ärzte zu zitieren:

    „Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur Deine Schuld wenn sie so bleibt.“

    Zum Thema Kontrollmechanismen empfehle ich Dir noch folgenden Post:
    http://finallyfeminism101.wordpress.com/2007/10/20/internalized-sexism/

  14. jj sagt:

    Katrin,

    ich denke, man sollte an dieser Stelle auch erwähnen, daß der eigentliche Grund für die vermeintliche Notwendigkeit, weibliche Sexualität zu kontrollieren, in der vermeintlichen soziopathie männlicher Sexualität liegt, die immer wieder angenommen wird. Das ist in konservativen religiösen Systemen wie manchen islamischen Kulturen der Fall, das war lange Zeit die unausgesprochene Annahme im „Westen“ und das *IST* auch – und gerade – ein Argument, das von Feministinnen argumentativ gehegt wird, auch wenn sie immer wieder das Gegenteil behaupten.

    Aber hier wird’s ein wenig problematisch:

    „Doch wie viel Freiwilligkeit ist wirklich vorhanden, wenn ein Mann den Sex mit einer intimbehaarten Frau ablehnt und diese sich dann rasiert?“

    Wieviel „Freiwilligkeit“ ist denn vorhanden, wenn ich ins Fitnessstudio gehe und Crunches fürs Sixpack mache und Hanteln für den optimalen Volumenindex stemme, weil ich denke, daß ich damit bessere Chancen bei Frauen habe. Wenn ich den Eindruck hätte, daß Bierbäuche besonders gut ankommen, dann hätte ich einen. Letztlich sind wohl weder Haare noch Bierbauch ein Grund, wenn’s mal nicht klappt, aber darauf ankommen lassen will man/frau es dann eben doch nicht. Dafür gibt’s von mir kein Mitleid, dafür schwitze ich zuviel für meinen Bauch.

    „(und viele Frauen erwarten das so). Das kann auch schon mal ein bisschen anstrengend sein, weil sie sich “anstellt” oder “rumzickt”.“

    Warum die Klammern? Und die Sache mit dem „Anstellen“ oder „Rumzicken“? Klar können das Spielchen sein. Aber ich spiele da nicht mit. Ich nehme Frauen beim Wort, ob sie das so gewollt haben oder nicht. Wenn sie es nicht so gewollt haben und es mir als Schwäche auslegen, war es vermutlich ohnehin besser, daß es nicht geklappt hat, und wenn sie es nicht so gewollt haben, dann wird es dieses „Kommunikationsproblem“ vermutlich nicht mehr geben.

    Katharina,

    „Ach so: schüchterne Jungs werden nicht als potenzielle Sexualpartner gesehen – nein, echt nicht? Ich fand die Baggertypen immer abstoßend.“

    Ich denke, daß die Wahrnehmung dieser Thematik sehr unterschiedlich ist – nur kurz, um das Thema nicht schon wieder aufzumachen.

  15. ff sagt:

    das mit der pille stimmt absolut!
    mir wollen auch ständig alle leute weismachen ich solle sie nehmen, auch meine frauenärztin vor ein paar jahren („dann sind auch Ihre Pickel gleich weg“) hallo?! es gibt nun mal dinge die zur pubertät gehören und man muss nicht alles sofort „wegmachen“ und schon gar nicht mit der chemiekeule
    ich fänd es äußerst komisch meinen hormonhaushalt derart durcheinander zu bringen
    dennoch sollte jede frau das recht haben so zu verhüten
    schlimm ist, dass viele mädchen die pille schon nehmen bevor sich ihr zyklus überhaupt eingespielt hat
    wie soll der körper da noch klarkommen…
    und die nebenwirkungen, die gar nicht mal so gering sein müssen, werden ignoriert oder als unwichtig abgetan
    ich habe nie vorgehabt die pille zu nehmen und lasse mir das auch nicht vorschreiben
    wenn man soweit ist das kondom wegzulassen kann man sich auch um natürliche verhütung kümmern…

  16. ivar sagt:

    Knallersatz meiner (ehemaligen) Gyn:
    „Diese ganzen Nebenwirkungen, die Sie da schildern, die gibt es gar nicht“ (nee, stehen ja nur in der Packungsbeilage, und noch ca. 20 mehr…). „Das ist dann eher ein Zeichen dafür, dass Sie nicht ganz reif dafür sind.“ (Ich war 27 Jahre alt…).
    (Offtopic: Die gleiche Ärztin tadelte übrigens kürzlich ein befreundetes Ehepaar schärfstens, weil beide beim Anblick der ersten Ultraschallbilder des ersten Kindes relativ sachlich blieben, anstatt in das ärztliche „Ah“ und „Oh“ und „Wie süüß“ einzustimmen. Soviel zum Thema Deutungsansprüche und so, ganz generell…)

  17. stadtpiratin sagt:

    die pille. interessante diskussion, ich nehme sie und habe mittlerweile schon mehrere präparate durch – nachdem ich den frauenarzt gewechselt habe. die erfahrung mit „dem besten freund frauenarzt“ haben ich selbst und viele meiner freundinnen auch bereits machen müssen, bei mir lief es ungefähr so ab:
    ich habe über ein halbes jahr mein pillenpräparat nicht gut vertragen und bin 3 mal bei meiner (dachte ich emanzipierten, bisschen öko-angehauchten) frauenärztin gewesen, um mich mit ihr zu beratschlagen, das ergebnis war jedes mal: „och das ist doch normal, haben sie stress?“ „wie sie haben keinen stress, sie haben bestimmt stress. das geht wieder vorbei“
    mein aktueller frauenarzt hat mir dann erstmal ein neues, angeblich besser verträgliches präparat verschrieben – bis jetzt funktionierts.
    und warum nehme ich die pille? ich habe bei männern glücklicherweise persönlich noch nie die erfahrung gemacht, dass sie mit kondom nicht wollten. seit ich aber in einer langen und guten und andauernden beziehung stecke, fand ich die pille irgendwann persönlich die bequemere und (noch, bis ich 20 werde) günstigere verhütungsmaßnahme; ich hab mich selbst dazu entschieden. und ab meinem nächsten geburtstag wird sich mein freund selbstverständlich finanziell beteiligen, denn verhütung ist schließlich eine gemeinsame angelegenheit – worauf ich großen wert lege.
    insgesamt finde ich es problematisch, wenn sich junge mädchen mit 13, 14 die pille mal verschreiben lassen, weil sie glauben, dies tun zu müssen. viele meiner pubertären mitstreiterinnen fanden sich beim pille-schlucken damals auch wahnsinnig erwachsen und ich musste oft genug erklären, warum ich sie nicht nehme: soviel zur westlichen sexualitäts-kontrolle.
    insgesamt ist das hier ein toller artikel, der eine wichtige problematik behandelt, nur habe ich einen einwand: bequemlichkeit und oralsex sind zwei der gründe, warum man eben nicht die kontrolle über den eigenen körper an männer abgibt, sondern sich bewusst selbst entscheidet – fernab von irgendwelchen gesellschaftlichen normen. dennoch sollte man genau dies tun, sich selbst entscheiden, bevor man unhinterfragt an seinem körper herumfuhrwerkt.

  18. Peter sagt:

    @ Katharina

    Das Du Baggertypen nervig fandest glaube ich dir gerne. Nur: Die hatten und haben den Erfolg, während die schüchternen Jungs ein keusches Mönchsleben führen „dürfen“, bis sie sich aufraffen und nach ihren Möglichkeiten in den „Baggermodus“ schalten ;-)

    Das ist tatsächlich einer der Mechanismen, der sich so selbst reproduziert.

    @ Helga

    Interessanter Link. Das sich äussere Strukturen irgendwann auch mal internalisieren („steter Tropfen höhlt den Stein“) ist naheliegend. Wenn man annimmt, das sich diese äusseren Strukturen alleine aus der Wechselwirkung mit den internalisierten Denkmustern erhalten, dann könnte man diesen Kreis durchbrechen.

    Wenn allerdings die externen Machtstrukturen aus anderen Quellen gespeist werden, dann ist die Internalisierung nur eine (vermutlich vernünftige) Reaktion und jegliche Änderungsversuche zum Scheitern verurteilt.

  19. leonie sagt:

    Ich finde es ein wichtiges Thema, kann gar nicht oft genug angesprochenen werden. Ich denke es ist wirklich an der Zeit jungen Mädchen endlich zu lernen „wie “ man richtig und selbstbewusste Sexualität lebt, satt wie man dies möglichst vermeidet.

  20. illith sagt:

    schöner artikel. besonders, weil er sich mit den themenkreisen befasst, denen mein primäres interesse gilt und nicht „nur“ abtreibungsdebatte, kinder+karriere und ungleiche löhne (nicht dass das keine wichtigen themen wären).^^
    mehr davon! :)

  21. steve, the pirate sagt:

    @stadtpiratin: Da kenne ich auch von früher, dass die Mädels, die mit 14/15 die Pille genommen haben dann sich furchtbar erwachsen gefühlt haben.

    Das Kondom ist ja auch leider als extrem unsicher verschriehen.

  22. heidrun sagt:

    @peter:
    „@ Katharina

    Das Du Baggertypen nervig fandest glaube ich dir gerne. Nur: Die hatten und haben den Erfolg, während die schüchternen Jungs ein keusches Mönchsleben führen “dürfen”, bis sie sich aufraffen und nach ihren Möglichkeiten in den “Baggermodus” schalten ;-)

    Das ist tatsächlich einer der Mechanismen, der sich so selbst reproduziert.“

    erstens übertreibst du hier deutlich, denn ich kenne einige schüchtere jungs, die gar nicht mal so erfolglos bei frauen sind.
    und zweitens: die frauen, die immer nur still in der ecke sitzen, kommen auch nicht so berauschend viel besser beim anderen geschlecht an als die entsprechenden männer.
    der von dir so bezeichnete „baggermodus“ kann ja viele spielarten haben… ich persönlich fahre z.b. relativ wenig darauf ab, wenn ein typ versucht, alle anderen typen aus meinem umfeld wegzudrängen (beliebte strategie…bei frauen heisst das direkt „stutenbissigkeit“…) und kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass selbst die sexuell selbstbewussteste frau sich dinger leistet, wie ich sie von manchen männern erlebt habe, z.b. der beschissene spruch „du bist doch viel zu schön, um dich mit diesem typen abzugeben“ (dumm, wenn „dieser typ“ einer der besten freunde ist, der lediglich aufgrund von psychopharmaka ein kleines gewichtsproblem bekommen hat), oder ein latent aggressives erstaunen, wenn ich nicht sofort mit einem typen mitgehe, dessen blick ich den ganzen abend ausgewichen (!) bin. so ein ego muss man erstmal haben :) das sind extremfälle, ich weiss. aber schon allein die erzählungen von typen nach dem besuch einer schwulenparty („wie die mich alle angeguckt haben!“) zeigen deutlich, dass viele männer nicht die geringste ahnung haben, was eine durchschnittlich attraktive frau an einem abend so alles erlebt….

    aber zurück zum thema: danke für den artikel! du sprichst dinge an, die ich auch schon lange beobachte und mit sorge sehe ich, wie „emanzipation“ schon in unserer generation (bin 30) teilweise als problem von gestern angesehen wird und sich wieder in rollenklischees gemütlich gemacht wird.

  23. jj sagt:

    heidrun,

    „zeigen deutlich, dass viele männer nicht die geringste ahnung haben, was eine durchschnittlich attraktive frau an einem abend so alles erlebt….“

    gilt halt auch anders herum. Wäre, glaube ich, genauso heilsam, wenn eine „durchschnittlich attraktive Frau“ mal einen Abend Approach Anxiety und die durchschnittliche Portion Ablehnung erfahren dürfte, die die meisten Männer eben mehr schlecht als Recht mit schlechten Sprüchen überkompensieren.

  24. heidrun sagt:

    noch mehr OT…
    hm, also ich als „durchschnittlich attraktive frau“ :) erlebe es eher, dass ich den ersten schritt mache und den typen anquatsche, weil er sich nicht traut. (bin damit aber zugegebenermaßen auch wohl eher eine ausnahme. lustigerweise gibt es viele typen, die sich das zwar angeblich wünschen, aber letztendlich extrem verunsichert davon sind, wenn man das rollenspiel etwas umkehrt, beispielsweise mit zum drink einladen, sex vorschlagen, etc.) mag aber auch daran liegen, dass ich eher nicht auf die männer stehe, die alles anquatschen, was brüste hat.
    jedenfalls geht das auch manchmal schief, ja. das gespräch versiegt, der typ wollte eigentlich an meine freundin ran, etc etc. such is life. das ist für mich aber kein gesprächsstoff für wochen, wie der besagte besuch auf der schwulenparty es offenbar für viele männer ist (neulich habe ich mich köstlich über einen freund amüsiert, der meinte, es würden ihn sogar manchmal schwule mit blicken anflirten, obwohl sie hand in hand mit ihrem freund gingen – you tell me!).
    oder sind die ablehnenden frauen wirklich so schlimm? ich und die meisten meiner freundinnen werden eigentlich erst wirklich unfreundlich, wenn die anmache einfach zu blöd ist respektive das ego offensichtlich zu aufgeblasen (siehe beispiele oben).
    ich glaube, den „einen Abend Approach Anxiety und die durchschnittliche Portion Ablehnung“ könnte ich insofern ganz gut wegstecken. genauso gut eben wie das, womit ich beim ausgehen so konfrontiert werde.
    aber den mythos, dass alle schwulen so wesentlich aufdringlicher anbaggern würden als heteros, halte ich für einen vor allem hetero-männlichen.

  25. access denied sagt:

    „gilt halt auch anders herum.“

    Lol alter, in jedem Post, leg doch mal eine andere Platte auf. Dein wahnhafter Drang, zu beweisen, dass auch Männer ungerecht behandelt werden können, scheint sich zu einer handfesten Manie zu entwickeln.

    „aber den mythos, dass alle schwulen so wesentlich aufdringlicher anbaggern würden als heteros, halte ich für einen vor allem hetero-männlichen.“
    Jo, seh ich auch so, ich find nicht, dass Schwule in der Regel aggressiv baggern, kommt teilweise auf’s Alter an, aber in der Regel nicht. Wobei ich irgendwie Zielgruppe für Männer zwischen 40 und 50 bin, naja. Irgendwie haben viele, die sonst eher tolerant sind, da echte Probleme mit. Obwohl, neulich war einer schon aggro, der war richtig sauer, muha, ich hab gar nicht gerafft, dass der was von mir will. Raff ich nie, nur Männer kommen dann zum Punkt, Frauen sind meist so furchtbar subtil und man weiss nie, woran man ist, aber man mag sie auch, möchte sie aber nicht bedrängen und man will sich ja auch selbst nicht verletzbar machen.

  26. Matze sagt:

    Frauen sind meist so furchtbar subtil und man weiss nie, woran man ist

    Gender-Klischee!

  27. heidrun sagt:

    „Frauen sind meist so furchtbar subtil und man weiss nie, woran man ist “
    in der tat klischee.
    und meine erfahrung ging häufig genug dahin, dass es einige männer doch sehr irrtiert, wenn man sie denn wissen lässt, woran sie sind. vielen scheint ihre vorstellung, alle frauen würden sie direkt heiraten wollen, so liebgewonnen, dass sie sie selbst angesichts sehr klarer äusserungen des wunsches nach einer affäre (und mehr nicht) nicht fallen lassen mögen („du, ich kann aber grad nichts festes…“ & ähnliche sprüche, auch wenn niemand nach etwas „festem“ gefragt hat).
    oder man wird eben als schlampe angesehen (womit wir wieder beim artikel wären). die klassisch „männlichen“ kommunikationsweisen, von weiblicher seite angewendet, stoßen eben oft auf irritation und ablehnung.

  28. access denied sagt:

    „Gender-Klischee!“
    Nö. Empirie (oder anders gesagt, such Dir ne bessere Möglichkeit, mich argumentativ zu entkräften, wirst nur keine finden)

    „und meine erfahrung ging häufig genug dahin, dass es einige männer doch sehr irrtiert, wenn man sie denn wissen lässt, woran sie sind.“

    Da wäre ich vermutlich auch erstmal irritiert, aufgrund des Seltenheitswertes, dagegen hätte ich allerdings nichts. Wobei ich schon eher dem klassischen „kennenlernen und dann sehen wir mal, ob wir uns vertragen“ zugeneigt bin :). Aber das kommt wohl auf Prioritäten an.

    „oder man wird eben als schlampe angesehen“

    Ja das ist leider wahr und viele checken noch nichtmal, wie bigott das ist. Naja, falls ich mal ein Kind habe und das benutzt das Wort Schlampe, gibts erstmal ein Text. Gilt auch für F***e, Hure, Nutte, F**kloch usw. Sowas kotzt mich an.

  29. Matze sagt:

    “Gender-Klischee!”

    Nö. Empirie

    LOL!

  30. heidrun sagt:

    „such Dir ne bessere Möglichkeit, mich argumentativ zu entkräften, wirst nur keine finden“
    das ist bei deiner fundierten und stichhaltigen argumentationsweise natürlich auch ne echte herausforderung :)

  31. access denied sagt:

    „das ist bei deiner fundierten und stichhaltigen argumentationsweise natürlich auch ne echte herausforderung :)“

    Man sollte Ironie vielleicht nicht mit einem Smiley abschliessen. Wobei sie sonst durchaus gelungen ist-to be continued
    Insgesamt ist die Diskussion dieses Themas natürlich stark von subjektiven Fakten bestimmt. Wenn Du allerdings Matzes Argumente im allgmeinen betrachtest, wirst Du schon verstehen was ich meine.

  32. chrisi sagt:

    ich kann dem „sex wird von männern kontrolliert“ und „wilde frauen sind gleich huren“ leider so nicht zustimmen… vllt. war das nur in meinem umfeld/meiner gegend so, aber auch bei uns (und damit meine ich nicht nur „meine“ „clique“) galten männer irgendwann als verbraucht.
    ich hingegen habe mir oft genommen, worauf ich lust hatte – und im urlaub war das gut und gerne mal jeden abend jemand anderes… ich bekam aber nie das problem als „schlampe“ oder ähnliches abgestempelt zu werden… der unterschied dazu ist vor allem der (so scheint es mir zumindest), dass sogenannte „schlampen“ sich abschleppen lassen und „wilde frauen/mädels“ (aktiv) abschleppen… ich denke nicht mal, dass der männergedanke „schlampe“ hierbei nur auf das rein sexuelle hindeutet, sondern auch, dass sich eine frau selber schnell unter ihrem wert hergeben kann/gibt…

  33. jj sagt:

    heidrun,

    „ich glaube, den “einen Abend Approach Anxiety und die durchschnittliche Portion Ablehnung” könnte ich insofern ganz gut wegstecken. genauso gut eben wie das, womit ich beim ausgehen so konfrontiert werde.“

    das war (irgendwie) mein Punkt. Wir (Frauen und Männer) mögen an unterschiedlichen Dingen zu knabbern haben, aber es ist nicht fair eines als problematischer darzustellen als das andere.

    „und meine erfahrung ging häufig genug dahin, dass es einige männer doch sehr irrtiert, wenn man sie denn wissen lässt, woran sie sind.“

    Glaube ich Dir aufs Wort, liegt aber wohl vor allem an der Ungewohntheit. Machen halt so wenige Frauen, daher ist es auch noch so einfach mit dem slut-shaming. Es gibt wenige Dinge, die mich an männlichem Verhalten so sehr stören.

    „die klassisch “männlichen” kommunikationsweisen, von weiblicher seite angewendet, stoßen eben oft auf irritation und ablehnung.“

    Genauso ja auch andersherum – ich denke, da kommt es auf die richtige Mischung an. Eine bisexuelle Bekannte hat mir erzählt, daß sie bei Frauen viel aggressiver vorgeht als bei Männern, weil das sonst „nie was würde“.

  34. […] Körper und Sexualität von Frauen werden nicht nur von religiösen Fundamentalisten kontrolliert. Schon der ganz “normale” westliche Alltag übt subtil Macht aus. (mehr bei Mädchenmannschaft) […]

  35. Matze sagt:

    Genauso ja auch andersherum

    Stichwort für access denied.

  36. deleted mind sagt:

    chrisis Worte in Gottes Ohr- zum Glück gibt es auch noch wirklich selbstbewusste, emanzipierte Frauen, die sich einfach das nehmen- sehr schön ausgedrückt übrigens- was ihnen gefällt.

  37. steve, the pirate sagt:

    aus http://www.zeit.de/online/2009/30/smart-sex?page=all

    „Frauen haben auch Lust zu haben. Jahrzehntelang wurde sie ihnen ausgetrieben, man wollte doch kein Flittchen sein! Jetzt haben die Frauen sich endlich sexuell befreit und können sich nehmen, was und vor allem wen sie wollen. Also los!

    So eindeutig und plump wird uns das selbstverständlich nicht eingeredet. All die unterschwelligen Vorschriften kommen dezent mit Schleifchen verpackt als Tipps rüber: So machen Sie Ihr Sexleben noch spannender! So bringen Sie Ihren Mann um den Verstand! Wer sagt da schon Nein? Außerdem muss man die Erotik doch immer wieder auffrischen, nicht wahr? Sonst sucht sie sich einen Neuen. Sonst geht er fremd.“

    Ich finde den Zeit-Text ganz interressant. Es geht zwar um den heutigen Leistungsdruck im Bett aber eben auch um die Erwartungen an Frauen im Bett.

    Auch diesen Absatz fand ich sehr schön:
    „Vermutlich ist es ein ganz schönes Stück Arbeit, all diese sanfte, unauffällige Gehirnwäsche wieder rückgängig zu machen. Sich als sexuell aufgeschlossene Frau zu fühlen und sich trotzdem einzugestehen, dass man One-Night-Stands unbefriedigend findet.“

    Schließlich ist mittlerweile „prüde“ ja fast ein genauso schlimmes Schimpfwort wie „Schlampe“. Hat Frau sehr viel anonymen Sex ist sie bei vielen eine Schlampe, lehnt sie so etwas ab, dann ist sie asexuell und prüde

  38. heidrun sagt:

    @jj:
    „das war (irgendwie) mein Punkt. Wir (Frauen und Männer) mögen an unterschiedlichen Dingen zu knabbern haben, aber es ist nicht fair eines als problematischer darzustellen als das andere.“
    hab ich ja auch nicht. jeder hat sein bündel zu tragen :) ich habe lediglich extremfälle dargestellt.
    und mich darüber gewundert, warum heteromänner durchschnittliches anbaggerverhalten seitens schwuler so bemerkenswert finden.
    ich bin überhaupt immer wieder überrascht, wie viele offenbar mit starren schablonen im kopf durchs nachtleben rennen. das klingt ja auch hier in der diskussion an, das und das sei so „ungewohnt“ etc.
    es wird viel geklagt über diese klischees, aber dennoch wird deren erfüllung immer wieder erwartet.
    das finde ich ungeheuer anstrengend. ich für meinen teil habe es als recht schwierig erlebt, mit männern unkomplizierte affären auf die reihe zu kriegen, obwohl das doch so oft als wunschtraum geäussert wird. einer frau, die sagt, sie hätte gerne eine affäre, würde sich aber nicht verlieben, wird offenbar selten über den weg getraut, warum auch immer. manchmal geht meine vermutung in richtung angst vor kontrollverlust. zu viel unabhängigkeit seitens der frau scheint angst zu machen.

  39. steve, the pirate sagt:

    @heidrun: Ich muss sagen, dass eigentlich alle meiner männlichen freunde eine feste Beziehung haben/haben wollen.
    Einer hat auch tatsächlich mal von einer Frau, an der er eigentlich interessiert war, angeboten bekomme, dass sie eine reine Sexbeziehung eingehen sollten. Das hat er aber dann abgelehnt, da er eine feste Beziehung mit ihr wollte und ihm eine reine Affäre nicht genug gewesen wäre.

  40. sabine sagt:

    toller artikel!
    und dem pillendogma kann ich nur zustimmen- meine frauenärtztin wusste einfach gar nix über die natürliche familienplanung und schlussendlich habe ich mich über das dazugehörige buch selbst informiert. und ich kann nur sagen, dass ich mich viel besser und auch freier fühle, seit ich nach diesem prinzip verhüte.

  41. jj sagt:

    heidrun,

    „es wird viel geklagt über diese klischees, aber dennoch wird deren erfüllung immer wieder erwartet.“

    so ist das halt mit Klischees. Die Sache mit dem Kontrollverlust ist aus meiner Sicht nicht ganz falsch. Aber ich glaube, es ist eher so, daß man(n) weibliche emotionale Bindung als Ausgleich für ihre Macht bei der vorherigen sexuellen Auswahl ansieht. Wenn das bei ihr auch noch wegfällt, hat man(n) ist man ihr am Ende (wenn man sich dann auch noch verlieben sollte) hilflos ausgeliefert. Ob man das Kontrollverlust nennen kann, sei dahingestellt, aber ich denke schon, daß es mit der Angst damit zu tun haben kann, überhaupt keinen Einfluß auf die Entwicklung der Beziehung nehmen zu können. Interessantes Phänomen, auf jeden Fall.

  42. illith sagt:

    ich hab da ähnliche erfahrungen wie steve und heidrun gemacht. in JEDE meiner bisherigen beziehungen bin ich hineingeraten, weil ich eigentlich nur ein bisschen spaß etc wollte (oder halt wenigstens offene beziehung), sich die typen aber hals über kopf verliebt haben und auf exklusiv-zweier-beziehung bestanden haben.

    ich hab dazu ja die tauziehen-theorie aufgestellt^^:
    jedeR der beiden beteiligten bei so einer 2er-konstellation hat das ende eines taus in der hand (oder ner stange, sonst kommt der vergleich nicht ganz hin^^°). wenn jetzt eineR der beiden anfängt zu ziehen, greift die andere person aus reflex fester zu und versucht, in die entgegengesetzte richtung zu ziehen. die beiden richtungen wären in dem fall beziehung/monogamie auf der einen seite, unabhängigkeit/offene beziehung/affäre auf der anderen.
    durch unsere geschlechtsspezif. sozialisation gehen wir (also der großteil der leute) davon aus, dass frauen immer in richtung romantische liebesbeziehung ziehen und männer in richtung unverbindlicher schneller sex. aus o.g. reflex wird dann quasi automatisch „aus prinzip“ in die jeweilige richtung gezogen, ohne nachzuspüren/denken, was man eigentlich selber wirklich will. (plumpes bsp.: junge macht körperliche annäherungsversuche, mädchen denkt „oh nein, der will mich wie alle jungs nur flach legen“ und obwohl sie vlt eigentlich auch lust auf körperliches hätte, blockt sie ab). also wenn sich jemand beständig bedrängt fühlt (ob das nun der tatsache entspricht oder nicht), seis zu beziehung oder sex, befindet man sich schnell automatisch in der defensive.
    WENN jetzt aber eine der beiden parteien bei dem tauziehen nicht mitspielt und nicht weiter in die vorgesehene richtung zerrt, das tau einfach fallen lässt oder sogar in die entgegensetzte richtung schiebt, kommt es auf der anderen seite erstmal zu irritationen. und der reflex geht in die gegenrichtung. (bsp: mädchen will aktiv unverbindlichen sex, junge, der da ansonsten gar nichts gegen hätte denkt „ey moment mal! vlt will ich ja gar nicht direkt wieder abgeschoben werden?! ich mag sie doch eigentlich ganz gern…“)

    kann mir irgendwer halbwegs folgen? in meinem kopf hört sich das völlig plausibel an, hab nur das dumpfe gefühl, das hier nicht optimal ausformulieren zu können xD

  43. uzvuhjvjh sagt:

    vielen dank für diesen artikel. einige der hier aufgelisteten dinge sehe ich ganz genauso, deshalb rasiere ich mir weder beine noch intimbereich, die pille lehne ich ab. ich bin der meinung jeder frau und auch jeder mann hat das recht über seinen eigenen körper zu bestimmen wie sie bzw er das möchte ohne sich unter druck gesetzt zu fühlen , was aber leider oft ist. die menschen denken einfach immer in schudladen und niemand darf ein individuum sein. ich bin eine frau, die sich bis auf das rasieren sehr feminin gibt, sich aber von keinem mann was sagen lässt, auch nicht wie oft ich sex haben soll, oder dass ich die pille zu nehmen habe. ich habe auch nicht gern sex. wenn man also all diese punkte zusammensetzt bekommt man einen menschen, den es laut gesellschaft eigentlich gar nicht geben darf, nämlich ein wirkliches individuum, welches frei denkt. aber es ist ein harter kampf, jeden tag…