Homophobie im Fußball: Lesben sind langweilig

von Nicole

Am 4. Mai wird im Roten Rathaus in Berlin die Ausstellung „Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport“ eröffnet. Zu sehen und zu lesen gibt es dort unter anderem Porträts lesbischer und schwuler Sportler/innen. Die Ausstellung wird von der EGLSF, der European Gay and Lesbian Sports Federation, präsentiert, Eröffnungsgäste sind DFB-Präsident Theo Zwanziger und der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit.

Im Fußball hat sich viel bewegt beim Thema Homosexualität. Bei zahlreichen Vereine gibt es mittlerweile schwullesbische Fanklubs, die Wörter „schwul“ und „lesbisch“ werden auch von Funktionären offen ausgesprochen, der DFB sponsert CSD-Paradewagen und es finden an verschiedenen Orten Aktionsabende gegen Homophobie statt. Einen offen schwulen Profifußballer gibt es zwar noch immer nicht, aber klar ist: Das einstige Tabuthema, das allenfalls für Spekulationen an Stammtischen und in Gay-Foren taugte, ist keins mehr. Immerhin ist es sogar bis in die Talkrunde „hart, aber fair“ vorgedrungen. Dort diskutierten vor einigen Wochen fünf in der Sache mehr oder minder kompetente Männer mit Moderator Frank Plasberg.

Nur Männer? Und das, wo doch alle Fußballerinnen eh Lesben sind? Dieses gängige Vorurteil ist schließlich die Ergänzung zum Diktum „Schwule können nicht kicken“. Dabei wartet auch der Frauenfußball noch auf ein Coming-out. Das ändert aber nichts daran, dass Homosexualität und Homophobie vor allem am Beispiel Männerfußball verhandelt werden. Tanja Walther-Ahrens, aktiv bei der EGLSF und selbst ehemalige Bundesligaspielerin bei Turbine Potsdam, meint: „Lesben tauchen in der Debatte wenig auf und wenn, werden sie gerne als die meckernden, schlechtgelaunten Mannweiber dargestellt. Was ja Unsinn ist, siehe Anne Will, Hella von Sinnen oder Amélie Mauresmo. Leider lässt sich in der Reihe keine aktive Fußballnationalspielerin nennen, weil die, genau wie ihre männlichen Kollegen, Angst vor einem Outing haben. Da es aber um Frauenfußball geht, ist das medial nicht so spannend.“

Nun kann es natürlich nicht das Ziel sein, sich für Fußballerinnen und andere Sportlerinnen eine ähnlich lückenlose mediale Überwachung des Privatlebens zu wünschen, wie sie männliche Profis ertragen. Aber genaues Hinsehen, wenn es darum geht, Strukturen von Diskriminierung und Geschlechterstereotype zu benennen und zu analysieren, ist auf jeden Fall gefragt. Dazu noch einmal Tanja Walther-Ahrens: „Was ich auch immer wichtig finde zu erwähnen – nicht nur lesbische Frauen können Fußball spielen, es gibt auch eine ganze Menge heterosexuelle Fußballerinnen.“

Die Ausstellung „Gegen die Regeln“ ist bis zum 24. Mai in Berlin zu sehen, sie wird dann Ende Juli in Köln zu den Gay Games gezeigt und kann für weitere Stationen kostenlos ausgeliehen werden.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 28. April 2010 um 10:03 Uhr unter Terminkalender. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Ist das mit den Lesben und Schwulen nicht auch noch das typische Klischee – Frauen können nicht kicken, und Schwule sind weibisch, dafür sind Lesben eben männlich und können darum auch fußballern?

  2. Sonja sagt:

    Dass es keine lesbischen Spielerinnen gibt, die tatsächlich out sind, hat mich jetzt grade schwer überrascht! Meines (anekdotischen, nicht mehr ganz aktuellen) Wissens gibt es tatsächlich ziemlich viele lesbische Fußballerinnen, und ich dachte immer, das ist auch in den oberen Klassen kein Thema mehr… schade, dass dem anscheinend nicht so ist.

  3. @patrick
    das ist auf jeden fall ein klischee … welches ich sofort widerlegen kann: ich kann überhaupt nicht fußballspielen (ich fahr auch kein motorrad; hm, vielleicht bin ich ja gar nicht lesbisch?!?) … mein bruder (hetero) wiederum hat meines wissens noch nie wirklich fußball gespielt.

    ich erhoffe mir ja von der WM 2011 einen schub in richtung „mediale präsenz“ von „frauen“fußball. aber der schub in richtung „sichtbarkeit von lesben (und schwulen) im sport/fußball“ … hm, da muss der DFB noch mehr ran.

  4. Cookie sagt:

    Naja, es gibt schon geoutete Profi-Fußballerinnen. Wenn das auch eher nicht freiwillig geschah…. http://www.bild.de/BTO/sport/aktuell/2006/02/10/fach-liebes-dreieck-bizarr/fach-liebes-dreieck-bizarr.html

  5. thinkpunk sagt:

    Mal abgesehen von dieser elendigen BILD-Geschichte, gibt es durchaus selbständig geoutete Fußballnationalspielerinnen. Nur nicht in Deutschland. Victoria Svensson (inzwischen nicht mehr aktiv), Jessica Landström bei den Schwedinnen und Tasha Kai im US-Team zum Beispiel. Warum das in Deutschland nicht möglich oder erwünscht ist, versteh ich auch nicht ganz. Ich kann mir nur vorstellen, dass hierzulande die Übermacht des (Männer-)Fußballs und auch der Wunsch der Frauen an diesem Mainstream teilzuhaben so groß sind, dass einfach alles was geht imitiert wird, darunter auch die Tabuisierung von Homosexualität. „Lesben sind langweilig“ wurde quasi als Erfolgsstrategie ausgemacht und mit „fußballspielende Frauen sind unspektakulär“ verwurschtet, so dass jetzt manchmal Fußballspielerinnen in den Medien ein paar Sätze über ihren alltäglichen Sport sagen dürfen und das Fernsehen dann Homestories mit den girly girls im Team dreht, um die schöne (oder gar schönste) Seite von 20ELF zu zeigen. Am Ende hält es einfach niemand für eine gute Idee, ihren Kopf aus der pferdeschwanztragenden heteronormierten Masse rauszustrecken.

    In der Diskussion kommt oft der Einwand, dass es doch völlig unerheblich sein sollte, welche sexuelle Orientierung eine hat und es doch gut sei, wenn darüber nicht ständig verhandelt würde, sonden der Fußball im Mittelpunkt steht. Das ist ja ein legitimer Standpunkt und die Öffentlichkeit hat sicher auch kein Recht ein Coming Out zu erwarten. Deswegen wäre es für mich aber umso positiver, wenn sich aus freien Stücken mal jemand hinstellt. Nicht weil es erwartet wird oder irgendjemandes Business ist, sondern aus dem Bewusstsein heraus, dass man_frau_sonstiges als Sportler_in und v.a. Nationalspieler_in in einer besonderen Position ist. Und aus dem Selbstbewusstsein heraus, dass diese Position dafür genutzt werden kann und darf, die Öffentlichkeit ein bisschen diverser zu machen und das Bild von dem, wer okay und erfolgreich sein kann, zu erweitern.

    Ich finde es nicht so dringend wie Tanja Walther, die Existenz heterosexueller Fußballerinnen zu betonen. Die anekdotische Evidenz sagt, dass es genug junge Spielerinnen gibt, die jahre- und jahrzehntelang im Verein gespielt haben, ohne dass sie sich besonders mit dem Lesben-Klischee auseinander setzen mussten. Ich fände es cooler, den behauptete Mainstream von Homosexualität im Frauenfußball erstmal offensiv und positiv zu besetzen. Ich glaube zwar nicht, dass der zahlenmäßig der Realität entspricht, aber schon die Idee eines Feldes, in dem „Homo“ die Grundannahme ist und das sich trotzdem so in die (mediale) Öffentlichkeit schiebt, find ich grandios. So viel queeres Potenzial..