Here she comes again

von Susanne

Eva Herman is back! Und mit ihr ein drittes Prinzip. Das „Eva-Prinzip“ und das „Prinzip Arche Noah“ hatten wir ja schon, jetzt geht’s um alles: „Das Überlebensprinzip. Warum wir die Schöpfung nicht täuschen können“ heißt Hermans neuestes Buch – ein 196 Seiten langes Interview zwischen ihr und Friedrich Hänssler, in dessen Verlag das Buch auch erscheint. Und zwar übermorgen, aber Auszüge erschienen bereits in der Bild-Zeitung.

Auch mit ihrem dritten Buch verleumdet Eva Herman ihren gesamten bisherigen Lebenslauf, plädiert für das Dasein als Mutter und Ehefrau, haut aber doch jährlich ein Buch raus und beschreibt darin jeweils (reuevoll?), wie sie früher Job und Familie verband. „Das Überlebensprinzip“ ist persönlicher als alle ihre Bücher davor, so erzählt sie beispielsweise über ihre Mutterschaft:

„Niemals werde ich den Tag vergessen, an dem die Omi des Kleinen freudig bei mir im Dienst anrief und stolz berichtete, dass mein Sohn seine ersten Schritte getan hatte. So sehr ich mich darüber auch freute, so tieftraurig war ich als Mutter: Ich war nicht dabei gewesen, als mein einziges Kind laufen lernte.“

Und über ihre eigene Mutter:

„Ich machte sie für einige Zeit meines Lebens verantwortlich, dass sie uns Kinder öfter vernachlässigte, weil sie in unserem Hotel hart arbeiten musste. Sie tat damals nur, was sie tun musste, und sie hatte oft ein schlechtes Gewissen dabei und vor allem Sehnsucht nach uns, doch hatte sie gar keine andere Wahl. Und sie ahnte auch nicht, wie sehr sie uns fehlte und dass wir manchmal wirklich außerordentlich unter der Trennung litten.“

Doch nicht nur der Muttermythos wird hier ein weiteres Mal beschworen, Eva Herman stellt nun all ihre Thesen noch deutlicher als zuvor in einen göttlichen Zusammenhang:

„Mein Mann ist mir eine große Hilfe. Er unterstützt mich, wo er nur kann. Und er selbst hat den Weg zu Gott ebenfalls gewählt. Wir können stundenlang durch die Natur laufen, am Wasser sitzen oder auf den Gipfel eines Berges wandern, um dort innezuhalten und zu beten.“

Und:

„Es gibt mehrere Ziele, die mich leiten. Das größte und wichtigste ist, Gottes Willen zu respektieren und seine Schöpfung zu lieben und zu achten. Das ist unsere grundsätzliche Aufgabe hier auf Erden.“

Abschließend verrät Eva Herman der Bild-Zeitung bzw. ihrem Interviewer noch, sie bete für Alice Schwarzer. Warum?

„Alice Schwarzer hatte, als zum ersten Mal öffentlich über meine Thesen diskutiert wurde, hinter meinem Rücken eine Denunziation im großen Stil losgetreten. (…) Seit einiger Zeit bete ich für Alice Schwarzer. Wer seinen Gegnern in Liebe begegnet, kann mit Hilfe des Himmels Gutes erreichen. Ich bete für ihre Erkenntnis.“

Na dann.




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Eintrag geschrieben: Samstag, 3. Mai 2008 um 13:24 Uhr unter Ideen - Theorien. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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14 Kommentare

  1. hn sagt:

    aha. Jetzt wird also neben der konservativ-rückwärtsgewandten auch noch die evangelikale Welle geritten? Hat die Erwähnung von „Schöpfung“ im Titel tiefere Bedeutung, springt sie evtl. auch noch auf den Intelligent-Design-Zug auf, der gerade durchs Dorf rollt?
    Wahrscheinlich sieht man sie auf ihren nächsten öffentlichen Auftritten mit Klebstreifen über dem Mund, Aufschrift „Mutter“ oder so…, möglichst sinnlos kopieren,…

  2. louise sagt:

    Oh mein Gott, kann es noch schlimmer kommen…
    *KOTZ*

  3. Was ich schlicht nicht verstehe ist, warum Feministen/Feministinnen aller Couleur und Lager sich über Eva Herman aufregen. Die ist doch für die Diskussion das Beste seit der Erfindung von geschnittenem Brot. Das Thema inkl. der Menge an veröffentlichten Büchern hätte ohne Eva H. doch niemals den gesellschaftlichen Stellenwert, den sie im Moment hat – Eva Herman hat für die öffentliche Diskussion um Geschlechterrollen wahrscheinlich mehr getan als Alice Schwarzer in den letzten 15 Jahren. Sie war allerdings nicht so besonders erfreut, als ich sie deswegen mal als „Meta-Feministin“ bezeichnet habe ;)

  4. Susanne sagt:

    Ich glaube, ich muss mich vor allem immer wieder darüber aufregen, dass ja alle naselang jemand vorbeigeschlendert kommt und sagt: „Sie hat ja nicht ganz unrecht.“ Und gerade nach der unsäglichen Kerner-Show haben ja viele viele viele Menschen plötzlich sowas wie Mitleid mit ihr. Und weiterhin keine Ahnung, was es zum Beispiel mit diesem Mutterding auf dich hat. Und Weisheiten à la „Die Mutter ist das Wichtigste für das Kind“ werden ja nicht nur von einer Randgruppe hergebetet. Sie ist da nur die prominenteste Vertreterin.

  5. Susanne,

    „Und Weisheiten à la “Die Mutter ist das Wichtigste für das Kind” werden ja nicht nur von einer Randgruppe hergebetet. Sie ist da nur die prominenteste Vertreterin.“

    Naja, viele Dinge werden von vielen Menschen erzählt. Und wenn man diskutiert, muß man auch damit rechnen, daß es Menschen gibt, die anderer Meinung sind – aber: wenn die Debatte etwas gezeigt hat, dann ist das aus meiner Sicht zum einen die nicht unwesentliche öffentliche Bestätigung dafür, daß Frau Herman eine klare Minderheitenposition vertritt und zum zweiten, daß die „Mutterdebatte“ in einem im wesentlichen faktenleeren ideologischen Diskursraum, und nicht selten einer Echokammer, geführt wird. Beides sind aus meiner Sicht Entwicklungen, für die alle, die an einem sinnvollen Diskurs interessiert sind, sich bei ihr bedanken sollten…

  6. bernd aus weil sagt:

    meine grosseltern haben auch immer diese „aber er hat doch die schönen autobahnen gebaut“-platte runtergeleiert. ich wundere mich nicht, dass leute die nicht nachdenken wollen alle möglichen, an sich gar nichts zu sache beitragenden argumente sammeln um vom eigenen fehlverhalten abzulenken und das der bislang angehimmelten „führer/innen“ zu verteidigen. gerade leute die so im rampenlicht stehen wie frau hermann, die sicher nur zufällig den selben vornamen wie frau braun trägt, sind als verführer natürlich besonders gefährlich. fakt ist, dass frau hermann den nationalsoziallismus verharmlost, dagegen sind alle anderen sprüche bezüglich kindererziehung, rolle der frau etc. nur inhaltsleeres gewäsch. wer immer darüber statt über ihre nazifreundlichkeit diskutiert relativiert die eigentliche gefährlichkeit solcher leute.

  7. […] Weiter: Zum ganzen Artikel […]

  8. Susanne sagt:

    @ Bernd: Mir geht es ja genau andersherum – ich finde es zu einfach, sie in eine braune Ecke zu stellen. Denn in der steht sie meines Erachtens nach wenn dann nicht bewusst. Herman engagiert sich ja auch für Projekte wie „Laut gegen Nazis“. Ich denke, hier schlägt viel eher Dummheit oder zumindest Unüberlegtheit zu.

    Das Problem sehe ich vielmehr darin, dass die Denke „Die Mutter wurde zu Hitlers Zeiten wenigstens noch mit Respekt behandelt“ offensichtlich auch mitten in der Gesellschaft anzutreffen ist.

  9. louise sagt:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/429/172916/

    „Die Männer vermissen das Weibliche in unserer Gesellschaft. Sie
    möchten Frauen haben, die ihrem Geschlecht entsprechend wirken, die
    weicher sind, verständnisvoller, und vor allem auch selbstloser.“(Eva Hermann)

    arme Eva…, ich kanns einfach nicht verstehen und ich werde so aggressiv wenn ich sowas lese.
    Hoffentlich verschont sie uns von weiteren reaktionären, frauenfeindlichen Büchern, die einen wirklich an die Decke gehen lassen…

  10. Susanne sagt:

    @ louise: Da bist du aber sehr optimistisch. Ich kann mir gut vorstellen, dass es ihr nicht reicht, die gleiche reaktionäre These auf drei Bücher auszuwälzen. Wenn schon, denn schon! Also eine Eva-Herman-Edition in 12 Bänden sollte da schon drin sein.

  11. Rabenmutter sagt:

    @Susanne: 12 Bände – das ist eine super Idee.
    Ich habe schon ein paar Titelvorschläge:

    4. Band – Das Paulus-Prinzip – wie man es schafft, seine eigene Katharsis meistbringend zu vermarkten
    5. Band – gemeinsam mit Christa Müller – Das Rockzipfel-Prinzip – was frau tun kann, damit die lieben Kleinen eine lange, ungestörte Kindheit haben
    6. Band – Das Selbstaufgabe-Prinzip – die Kinder werden größer, die Großeltern pflegebedürftig – wie schön, dass Mami in der freien Zeit, in der die Kinder unterwegs sind, was zu tun hat
    7. Band – Das Freiwilligen-Prinzip – wo wäre eine Gesellschaft ohne die vielen engagierten Freiwilligen? Als Mutter eines einzelnen Jugendlichen, die nicht in Lohn und Brot steht, hilft so was auch, damit frau die Decke nicht auf den Kopf fällt.

    tbc

  12. Petra sagt:

    Eva hat möglicherweise noch einen langen Weg der Persönlichkeitsentwicklung vor sich. Am Ende wird sie vielleicht doch begreifen, dass es Zeit wird, dass wir Frauen den weiblichen Aspekt in unsere Gesellschaft tragen müssen. Dass wir aufgefordert sind unser volles Potenzial überall dort zu leben, wo es notwendig ist: in Politik und Gesellschaft, in Firmen, in Klöster, in der Wissenschaft, in Beruf, Alltag, Familie. Gott hat die Frauen nicht erfunden, um brach zu liegen! So lange wir Frauen immernoch in unserer Intelligenz, unserem Können unterdrückt und benachteiligt werden, solange wir nicht in allem, was uns ausmacht wertgeschätzt werden, wird es keine gesamte soziale Gerechtigkeit geben.

  13. Laura sagt:

    Ich gebe zu, ich werde wütend, wenn ich den Namen „Eva Herman“ höre, aber ich versuche, die Wut zu unterdrücken.

    Tragisch finde ich, dass Eva ihre Prominenz dazu nutzt, ihre veralteten, religiösfanatischen und längst widerlegten Ansichten zu verbreiten. Aber dass sie damit wirklich Schaden anrichtet glaube ich nicht. Wer nicht schon immer dieser Meinung war, wird jetzt nicht dazu überlaufen, dazu ist Herman zu extrem.

    Und ich frage mich, wie sie zu so einem Denken kam (hat sie das mal erwähnt?). Wie kommt es, dass eine erfolgreiche Journalistin ernsthaft ein Buch schreiben kann, das anderen Frauen sagt: „Bleibt zuhause!“? Leicht schizophren mutet das ja schon an…

  14. Mario sagt:

    Hallo Ihr Lieben,

    entschuldigt bitte, Ihr regt Euch unter anderem in der TAZ auf http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/frau-schwarzer-und-der-sex/?src=SE&cHash=3afbec396d , dass Schwarzer Aussagen von Euch missbraucht hat um ihre PorNO Kampagne anzuleiern. Und Ihr mögt auch zurecht Teile von Hermans Aussagen kritisieren.

    ABER

    Es war dermassen offensichtlich, dass sie von den Medien mit der Nazi-Keule geschlachtet werden sollte, mit Johannis Baptist Kerner als willigem Helfer, weil sie der derzeitigen Familienpolitik (und der Wirtschaft) mit Thesen zu Familie, Werten etc. diametral engegensteht.

    Wer die Bücher liest (nicht unbedingt dieses, sondern die Vorgängerbücher) wird sehen, dass Sie in vielen Bereichen nicht nur recht hat, sondern auch und gerade die Wahlfreiheit und Möglichkeiten für alle (Mütter und Väter fordert). Denkt mal bitte darüber nach, was Ihr aus den Medien aufgeschnappt (auch zum lächerlichen „Autobahnthema“) und was ihr selbst recherchiert oder im Original gelesen habt. Dass sie gelegentlich auch Gott (aber ohne Nennung einer definierten Religion) annimmt und angibt, dass sollte man bitte nicht zum Vorwurf machen sondern einfach hinnehmen, wie auch heute jeder Minister bei der Vereidigung entscheiden kann welche Eidesformel er wählt. Das ist Privatsache. Sie redet von sich und gebietet dies nicht anderen.

    Man kann sich trefflich streiten über ihre Thesen und das ist auch gut so. Und wie andere hier schon kommentiert haben, hat sie vielleicht indirekt zur Gleichberechtigung mehr beigetragen als die, die es beruflich zu tun haben. Aber man sollte auch anerkennen, das diese Frau für Ihre Meinung einsteht, trotz aller Konsequenzen die es für sie bslang hatte. Denn wer bitteschön glaubt, dass ein paar verkaufte Bücher (temporär) mehr einbringen als ihr Job beim NDR (langfristig)? Und was andere ihr immer wieder vorwerfen, sie häte es selbst nicht gelebt, ist doch gerade das was sie auszeichnet. Sie sagt selbst, sie hätte lieber 4 Kinder mit einem Mann als 1 Kind nach 4 Ehen. Sucht mal einen Politiker mit solcher Offenheit.

    Auch die Frauenrechtlerinnen sollten insoweit offen ohne weitere Hetze mit Frau Herman umgehen. Denn wenn Menschen mit Rufmord überzogen werden, sollte das niemanden kalt lassen. Auch wenn man deren Meinung absoult nicht teilt.

    Dies schreibt übrigens ein kinderloser Ex-Ehemann ohne Konfession, dem es schlicht und ergreifend um Meinungsfreiheit und Fairness geht.