Frauenpower macht Machos sauer

von Katrin

Warum schickt der Typ jetzt einen Porno? Wieso redet der nur über Geschlechtsorgane, wenn es doch hier um Gleichberechtigung geht? Habt ihr euch das schon einmal gefragt? Warum gehen viele Maskulisten in ihren Foren und anderswo oft gleich auf die „Ficken!“-Ebene, wenn sie sich mit Feministinnen auseinander setzen?

Sexuelle Beschimpfungen von starken Frauen, insbesondere von Frauen, die sich für Geschlechterdemokratie einsetzen, sind ein Phänomen, das nicht erst im Internet-Zeitalter auftrat. Schon die Feministinnen der 2. Welle durften sich von Männern anhören, dass sie einfach mal wieder richtig Sex haben müssten, dann wären sie auch nicht so ätzend.

Jüngste Auslassungen von vermutlich Männern in verschiedenen Internetforen fügen sich in dieses uralte Muster. Endlich könnte es eine Antwort geben, warum diese Männer so reagieren:

„Männer, die sich in irgend einer Weise in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen, reagieren darauf in einer sexualisierten Weise.“

sagt Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke hier in seiner samstäglichen Erklärungs-Kolumne bei Radio 1 (MP3; unbedingt bis zum Ende hören, da es dort interessant wird)

So hätten „Machos“, die unter wissenschaftlichen Bedingungen mit vermeintlichen Frauen  gechattet hatten, die ihnen Sachen schrieben, welche ihre Männlichkeit angriffen, mit dem Schicken von Pornos reagiert.

Also Ladies, wenn euch mal wieder Typen sexualisiert beleidigen oder Pornos schicken, dann immer daran denken: Offenbar stellt eure Frauenpower eine Gefahr für ihr männliches Selbstbewusstsein dar. Ooooch.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 13. Oktober 2010 um 9:30 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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18 Kommentare

  1. mh sagt:

    ähm… ja, weswegen denn sonst?

    mfg
    mh

  2. Verena sagt:

    Und ich komme auf günstigem Wege zu neuen Pornos – toll ;)

  3. Jacqueline sagt:

    Danke ihr Lieben, ich hab’s verpasst und jetzt nachgehört!

    „Gefühlt“ war es schon klar! Aber schön, wenn es ein so prominenter MANN auch noch wissenschaftlich bestätigt.
    Radioeins ist eben DER SENDERin ;o)

  4. Nadine sagt:

    interessant fand ich ja die Aussage, dass Männer, egal ob in ihrer Männlichkeit herabgesetzt oder der große Player, in gleicher Anzahl fremdgehen.

  5. mh sagt:

    passt für mich durchaus zusammen. wobei der auslöser für das fremdgehen der von frauen abhängigen männer dann zu dieser anderen studie passt, dernach frauen ihre schlechter verdienenden männer gerne mal verachten und die scheidungsrate da höher ist .. da gibt es soviel zu kompensieren … und hinter all dem steht noch die frage, ob männer die mehr zeit haben nicht generell mehr und eher fremd gehen, zumal in dieser konstellation die frau dann vermutlich (!) ein geringer sexualbedürfnis haben könnte.

    bei den großen playern geht es um machtausbünung. aber da war sexualität doch schon immer der beste weg… die, die da komplexe haben, führen dann krieg. ;)

    mfg
    mh

  6. Thomas sagt:

    „Warum gehen viele Maskulisten in ihren Foren und anderswo oft gleich auf die “Ficken!”-Ebene..“

    Am leidvollsten ist für mich jedesmal das hilflose Argument, wenn ich lesen muß, „die Frauen“ wollen ja angeblich starke-Alpha-Männer. Dieses Argument taucht immer wieder auf und hängt mir mittlerweile zum Halse raus.

    “Männer, die sich in irgend einer Weise in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen, reagieren darauf in einer sexualisierten Weise.”

    Genauso sehe ich das auch. Insbesondere Männer, die sich ihrer Männlichkeit extrem unsicher sind, reagieren äußerst sensibel auf jede Art von vermeintlicher phantasierter Massen-Misandrie.

    Und die Reaktion, sexualisiert die weiblichen Argumente abwerten zu wollen, wenn diese Sorte Mann nicht weiter weiß, finde ich klein und erbärmlich.

  7. Dulcinator von Toboso sagt:

    “Männer, die sich in irgend einer Weise in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen, reagieren darauf in einer sexualisierten Weise.”

    Also wenn obige Aussage stimmt, und viele der Emanzen schon erlebt haben, daß Männer in der Kommunikation mit ihnen sofort auf die „Ficken-Ebene“ wechseln, dann kann das für mich im logischen Schluß nur folgendes bedeuten: sobald Emanzen Männern verbal gegenübertreten, fangen sie sofort an, sie herabzusetzen/zu demütigen/zu beleidigen.

    FAlls es euch nämlich nicht aufgefallen ist, der obige Satz über das, was Männer tun, beschreibt eine REAKTION. Und zwar auf etwas, was Frauen VORHER tun.

    Vielleicht mal das eigene Verhalten überdenken, ihr Alphas. ;)

  8. GwenDragon sagt:

    Unwichtige Frauen bekommen erst gar keine Pornos.

  9. mh sagt:

    der tote punkt an deiner argumentation ist, dass beleidigung eine frage der wahrnehmung ist. so im sinne des interviews.

    widerspruch generell, empfindet mancher ja schon als „unerhört“.

    mfg
    mh

  10. Maren sagt:

    Demütigt oder beleidigt man einen Mann, indem man seine Argumentation widerlegt?
    Das hieße ja, das man niemals anderer Meinung sein dürfte, bzw das zumindest nicht ausdrücken dürfte.
    Wäre natürlich einfacher für Männer, geb ich zu, aber ist doch wohl für die meisten Frauen dann doch keine Option. :)

  11. onyx sagt:

    „Offenbar stellt eure Frauenpower eine Gefahr für ihr männliches Selbstbewusstsein dar.“

    Das ist keineswegs eine neue Erkenntnis. Das wußte schon Simone de Beauvoir: „Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.“

    Eines meiner Lieblingszitate, weils einfach so passend ist ;-)

    @ Maren
    „Das hieße ja, das man niemals anderer Meinung sein dürfte, bzw das zumindest nicht ausdrücken dürfte.“

    Damit hast du das simpel gestrickte Gedankenbild des gewöhnlichen Forenmaskulisten ziemlich exakt widergegeben. ;-)

  12. Hannes sagt:

    In der Studie reagierten Männer darauf, dass Sie „beleidigt wurden oder in ihrer Männlichkeit herabgesetzt“. Hat nichts damit zu tun, durch Argumentation widerlegt zu werden.

  13. bumsfallera sagt:

    Demütigt oder beleidigt man einen Mann, indem man seine Argumentation widerlegt?

    ja. und das gilt keineswegs nur für männer.

  14. Thomas sagt:

    „Demütigt oder beleidigt man einen Mann, indem man seine Argumentation widerlegt?“

    Männer, die eine sehr fragile und unsichere, schwächliche Männlichkeit haben – JA!
    Maskus stehen für dieses Phänomen repräsentativ Modell.

  15. Maren sagt:

    Ja, ist mir auch schon aufgefallen.
    Die Porno-Schiene hab ich bisher selten erlebt, habe allerdings auch nur in diversen Foren das Vergnügen gehabt. :)

    Da kann man dann ausserdem noch 2 weitere Reaktionen beobachten:
    1. Die Reaktion ála „She´s a witch! Burn her!“ (das sind dann die richtig von Hass zerfressenen)
    2. Das Wiederholen desselben Arguments wieder und wieder und wieder…. (so nach dem Motto, „Ok Mädchen, haste jetzt nich verstanden, sonst würdste ja zustimmen, aber Papa erklärt dir das“ :))

  16. Thomas sagt:

    Ich möchte in diesem Zusammenhang noch auf ein paar parallele Auffälligkeiten aufmerksam machen.

    „Also Ladies, wenn euch mal wieder Typen sexualisiert beleidigen oder Pornos schicken, dann immer daran denken: Offenbar stellt eure Frauenpower eine Gefahr für ihr männliches Selbstbewusstsein dar.“

    http://activedutypatriot.blogspot.com/

    Eine Frau in der US-Army, Seargeant Selena Coppa :

    http://www.ivaw.org/selena-coppa

    http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3202300,00.html

    Sie berichtet über Vorkommnisse, wenn „Frauen in vermeintliche Männerdomänen eindringen“ :

    „Seit Beginn des war on terror wurden von den 200.000 im Irak und Afghanistan eingesetzten Soldatinnen fast drei Viertel sexuell belästigt und beinahe ein Drittel vergewaltigt. Schon 1995 hatten bei Umfragen 55 % der US-Soldatinnen angegeben, mind. einmal sexuell belästigt wordem zu sein, bei den Männern waren es „nur“ 14 % (Matthias Krause, „Das Leid der Soldatinnen“, Tagesspiegel 03.06.2008, http://www.tagesspiegel.de/politik/international/das-leid-der-soldatinnen/1247160.html).
    Sie erzählt von einer Soldatin, die im Irak aus Flüssigkeitsmangel gestorben sei, weil sie sich aus Angst vor Vergewaltigungen nachts nicht zum Wassertrinken in die Sanitärabteilung getraut habe. Eine andere sei von einer Gruppe Männer vergewaltigt worden, wg. angeblichen Alkoholmißbrauchs sei aber sie selbst, nicht ihre Peiniger, verurteilt worden. All das werde verheimlicht, sagt Coppa.
    …1991 waren Pilotinnen, Soldatinnen und weibliche Gäste beim offiziellen Jahrestreffen der Marinefliegervereinigung Tailhook in einem Hilton Hotel einem wahren Spießrutenlauf ausgesetzt. Betrunkene Piloten trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Women are property“, sahen Pornovideos (da haben wir es wieder!), lauerten an engen Hoteldurchgängen Frauen auf und rissen ihnen die Kleider vom Leib. Ganz offensichtlich versuchte die männliche Flieger“elite“damit ihre Kolleginnen zu degradieren und ihren eigenen militärischen Status zu erhalten, den sie durch die Aufnahme von Frauen bedroht sahen.“

    (Quelle : Heldendämmerung, Ute Scheub, S.134)

    Mein Kommentar : s. S. 94, Prof. Hollstein, Geschlechterdemokratie, „Die Angst der Männer vor der Weiblichkeit und „Männliche Identität“, Dammasch, zum Thema „Femiphobie“.

    Für mich ein typischer Indikator dichotomer geschlechterhierarchischer Gesellschaften mit leicht bedrohbarer Abgrenzungs-Männlichkeit (Stichwort : Patriarchat).

    Wer seine fragile männliche Identität immer wieder stabilisieren muß, ist sehr leicht identitätsgefährdet, was sich in genau diesen Phänomenen sexualisierter Abwertung äußert.

  17. Kratzbürste sagt:

    “Männer, die sich in irgend einer Weise in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen, reagieren darauf in einer sexualisierten Weise.”

    Das erscheint mir jetzt nicht so als bahnbrechende Erkenntnis – und außerdem ist es doch auch ein bisschen eindimensional – was bedeutet es denn „sich in der Männlichkeit herabgesetzt zu fühlen“? und was sind das für „Männer“?

  18. […] Grund dafür habe ich bereits vor einem guten Jahr im Radio erklärt bekommen: „Männer, die sich in irgend einer Weise in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen, reagieren […]