Die türkische Abtreibungsdebatte und lesbische Schundliteratur – kurz verlinkt

von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 165 von 358 der Serie Kurz notiert

Der Frage, warum Kinder und Karriere immer noch so unvereinbar sind, hat sich Anne-Marie Slaughter für The Atlantic angenommen. Deutlich weniger gut ist das Titelbild dazu – Jessica Valenti hat die üblichen „trauriges weißes Kind mit überforderter Karrieremutter“-Bilder gesammelt.

Gruselalarm bei Sat.1: „Auf Brautschau im Ausland“ erfüllt so ziemlich jedes eklige sexistische und rassistische Klischee. Sogar bei Spiegel Online ist man entsetzt.

Apropos Rassismus. Anti-rassistische Kampagnen haben nicht das Ziel, dass weiße Menschen sich schuldig fühlen, betont xojane. Es geht darum, den existenten Rassismus aufzuzeigen, sich dessen bewußt zu werden und etwas dagegen zu tun.

Dazu hat auch Jay Smooth mal wieder ein exzellentes Video.

In der Türkei tobte in der letzten Zeit eine Debatte um das Abtreibungs­recht. Ministerpräsident Erdoğan wollte die Frist halbieren, hat nach dem massiven Protest von Frauenrechtler_innen aber die Pläne wieder begraben, berichtet dieStandard.at. Um Moral und Religion ging es in der Debatte dabei nicht, kommen­tiert Die Presse, sondern um die Kontrolle weiblicher Körper. Die kommt immer noch an anderer Stelle, so sollen Kaiserschnitte reguliert und auf „notwendige medizinische Fälle“ beschränkt werden.

Bis vor kurzem galt häusliche Gewalt noch als „Privatsache“. Diese Einstellung ändert sich zum Glück gerade, auch durch das Gewalt­schutz­gesetz. Die Berliner Zeitung berichtet über die Lage in Berlin, wo es immerhin 16.000 Fälle jährlich gibt. Was leider nicht ganz deutlich wird: Das Gesetz gilt auch für gleich­ge­schlecht­liche Paare und weitere häusliche Gemein­schaften, unabhängig vom Geschlecht der Zusammen­wohnenden.

Lesbische Pulp Fiction (also „Schund­literatur“ der 30er bis 50er Jahre) hat Retronaut zusammengetragen.

Die feministische Weltherrschaft, oder zumindest die Medienherrschaft, hatte das Manager Magazin vor kurzem in deutschen Vorstandsetagen ausgemacht. Schlechte Recherche meint dagegen der Verein Pro Quote und hält Zahlen dagegen. Also öfters 0 Prozent Frauenanteil, berichtet Meedia. Not-so-fun-fact: Alle der Vorzeigemedienlenkerinnen sind Töchter oder Ehefrauen von Medienmännern.

Seit diesem Jahr sind nicht nur eingetragene Lebens­partnerschaften sondern auch gleich­geschlechtliche Ehen im US-Bundesstaat Washington legal – so dass Mary Cheney endlich ihre Partnerin heiraten konnte. Dabei war auch ihr Vater Dick Cheney, der als Vize­präsident noch auf dem Verbot solcher Ehen bestanden hatte, so web.de.

Ein Buchtipp vom Nordic Africa Institute ist „Sexuality and Gender Politics in Mozambique“. Die post-kolonialistische Politik in Mosambik berücksichtige vor allem den patrilinear, also an der väterlichen Abstammung orientiert-lebenden Bevölkerungsteil – an den rund 40 Prozent der Bevölkerung in matrilinearen Familien gehe dies aber weitestgehend vorbei.

Erst noch eine gute Nachricht: Der rote Equal Pay Day-Beutel ist wieder erhältlich!

Und nach dem Klick die Termine.

Es sind noch Plätze frei bei der Frauensommerakademie der Rosa Luxemburg Stiftung in der AWO-Akademie Marktbreit vom 5. bis 8. Juli 2012, bei der Magda einen Workshop zu „Sicher, Sichtbar und Aktiv(ismus) im Internet*z“ geben wird.

In Bremen beginnt am Freitag, den 29. Juni das quite queer lab.

Und Rubinia djanes feiert morgen am 28. Juni den 10. Geburtstag in Basel!

Am Samstag gibt es in Frankfurt eine Podiumsdiskussion zum Thema racial profiling.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 27. Juni 2012 um 15:15 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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9 Kommentare

  1. Eule sagt:

    Zum Kontext der Cheney-Hochzeit ist ein kurzer Kommentar von Andrew Sullivan glaube ich hilfreich:

    When Mary married Heather

  2. Alreech sagt:

    Dick Cheney vertritt hier einen klassischen Republikanischen Ansatz nach dem das Eherecht Sache der Bundesstaaten und nicht die des Bundes ist.

    Hat er denn als Vizepräsident die Meinung vertreten das der Bund das Recht hat, den Bundesstaaten Vorschriften über das Eherecht machen zu dürfen ?
    Würde eigentlich nicht wirklich zu einem Republikaner passen.

    Zitat:
    “People ought to be free to enter into any kind of union they wish, any kind of arrangement they wish,” he added.

    “I do believe, historically, the way marriage has been regulated is at a state level. It’s always been a state issue, and I think that’s the way it ought to be handled today.”

    Quelle:
    http://www.pinknews.co.uk/2009/06/02/dick-cheney-speaks-out-in-favour-of-gay-marriage/

  3. Angelika sagt:

    Ach um Himmels willen, kann man sich über diese Brautschau-Sendung beschweren? Gibt es sowas Ähnliches wie den Werberat für solche Formate? Das ist doch menschenverachtend.

  4. Alreech sagt:

    Sich über Fernsehsendungen zu beschweren ist sinnlos.
    Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde in der Sendung Panorama 2007 behauptet das es beim Videospiel GTA San Andreas darum geht möglichst viele Frauen zu Vergewaltigen.

    Um für diesen Beitrag die passenden Bilder zu erzeugen hat Panorama Videos aus der „Hot Coffee“ Modifikation für GTA San Andreas gezeigt und mit dem Titel „Rape Me“ von Nirvana unterlegt.
    Die „Hot Coffee“ Modifikation wurde von Fans erstellt und ist kein offizieller Bestandteil des Spiels. Auch geht es in dieser Modifikation nicht darum Frauen zu vergewaltigen.
    Ebenso ist der Musiktitel „Rape Me“ von Nirvana weder im Orginalspiel noch in der Modifikation enthalten.

    Beschwerden über diese offensichtliche Fabrikation einer Lüge führten zu keinerlei Konsequenzen.
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/medienkritik/fernsehen/panorama/

  5. Samia sagt:

    @Alreech

    1. Null Zusammenhang mit dem Artikel – oder wer lügt hier?
    2. Der Hot Coffee Mod wurde nicht von Fans erstellt, sondern von Rockstar. Die Fans mussten sich nur reinhacken.

  6. Samia sagt:

    Ach so, jetzt versteh ich den Zusammenhang doch. Trotzdem – sowas nennt man „anecdotal evidence“ und lässt sich schon mit einem einzigen Gegenbeispiel widerlegen.

  7. […] Die türkische Abtreibungsdebatte und lesbische Schundliteratur: kurz verlinkt Why women still can’t have it all Sad white babies with mean feminist mommies Um Mißverständnisse zu vermeiden: “identifizieren” kann sowohl bedeuten “es bestimmt meine Identität, ich *bin* mein Job” als auch “ich stehe hinter dem, was ich mache, ich kann es ethisch und moralisch vollständig verantworten”. Ich will das letztere. ↩ […]

  8. kübra sagt:

    Zu dem Thema schrieb ich vor einigen Wochen auch was bei der Zeit! :) http://www.zeit.de/2012/24/Tuerkei

  9. Hab noch einen Termin für Frankfurt:

    Lesung am 07.07.12 um 19:00 Uhr im LSKH.
    Sushila Mesquita stellt ihr Buch BAN MARRIAGE vor.