Der Hass eines Vaters

von Meredith

For Abdel-Qader Ali there is only one regret: that he did not kill his daughter at birth. ‚If I had realised then what she would become, I would have killed her the instant her mother delivered her,‘ he said with no trace of remorse.

Das steht im Observer. Der Iraker hatte vor zwei Wochen seine 17-jährige Tochter, eine Studentin namens Rand, tot geschlagen und gewürgt, weil sie sich in einen britischen Soldaten verguckt hatte. Die beiden hatten sich bei einer Hilfsorganisation kennengelernt. Doch Rand hatte kaum Kontakt zum dem Mann, sondern nur ein paar Mal mit ihm gesprochen. Bei Teenagern reicht so eine „Beziehung“ ja gerne aus, um sie intensiv ins Schwärmen zu bringen. Rand war zum ersten mal verknallt und das führte sie in den Tod.
Als ihr Vater sie öffentlich mit dem Briten sprechen sah, stürzte er sich auf sie, warf sie zu Boden und stieg ihr auf die Gurgel.

Als ihre vollkommen schockierte Mutter Rands Brüder zu Hilfe rief, eilten die herbei – und begannen ebenfalls auf Rand einzutreten.

Abdel-Quader und seine Söhne sind auf freiem Fuß. Als seine Frau ihm ankündigte, ihn zu verlassen, brach er ihr den Arm. Das Schlimmste, was Abdel-Quader passiert ist: dass er von seinem Job beurlaubt ist.

In dem Observer-Interview brüstet er sich mit seiner Tat und sagt, er würde immer wieder so handeln und er sei froh, keine Tochter mehr zu haben.

Liebe Leser, wer kennt sich mit diesem Thema aus? Was kann man tun, um solche Fälle zu verhindern und/oder Rands Mutter zu helfen?




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Eintrag geschrieben: Freitag, 16. Mai 2008 um 11:21 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. Viktoria sagt:

    Hi Meredith,

    ich habe eine totale Gänsehaut bekommen, als ich das gerade gelesen habe. Es macht mich so wütend und ist einfach nur… es ist so ein unglaubliches Gefühl der Hilfslosigkeit und der Wut, die mich überkommt, wenn ich mit solchen Nachrichten konfrontiert werde. Und mit der Tatsache, dass das bei weitem kein Einzelfall ist!

    Was man da tun kann? Das ist eine gute Frage und sie ist nicht leicht zu beantworten. Ich kenne mich mit der Rechtslage im Irak genau so wenig wie in anderen arabischen Ländern, überhaupt nicht aus. Aber wie man alleine schon solchen Meldungen entnehmen kann, ist diese alles andere als rosig, um es milde auszudrücken. Über rechtlichen Wege ist dort also nichts zu machen, solange sich die Gesetzeslage in solchen Ländern nicht ändert.

    Und für eine Änderung der Gesetzeslage ist eine Änderung im gesamten Denken der Menschen erforderlich. Das können wir von unserem überheblichen westlichen Standpunkt so sehen, vor allem aber auch als selbstverständlich empfinden, denn wir sind mit Menschenrechten, mit der Überzeugung davon, dass alle Menschen gleich sind, aufgewachsen, sind in diesem Sinne erzogen und sozialisiert worden. Das ist im Irak nicht der Normalfall. Nein, Frauen und Männer werden alles andere als gleichwertig angesehen.

    Somit muss sich das Denken, das Bewusstsein der Männer und der Frauen ändern. Frauen müssen ein Selbstbewusstsein entwickeln, dass solch einen Umgang nicht als selbstverständlich, nicht als rechtens und schon garnicht als angemessen betrachtet. Und wie man dieses Selbstbewusstsein entwickeln, stärken kann – da hab ich leider keinen Masterplan für.

    Deine Viktoria

  2. @Viktoria: Ich kenne mich mit der Rechtslage im Irak genau so wenig wie in anderen arabischen Ländern, überhaupt nicht aus.

    Vor der US-Invasion war die Gleichheit der Frau verfassungsrechtlich gewährleistet, und auch weitergehend verwirklicht, als in den anderen arabischen Ländern (auch wenn man nur diejenigen zählt, die sich überhaupt drum bemühen). Frauen waren in den meisten Berufen gut vertreten, studierten, hatten Zugang zum öffentlichen Dienst, usw.

    Ehe und Familie waren zivilrechtlich geregelt (Das irakische BGB wurde in Anlehnung an das französische Code Civil entworfen). Auch hier genossen die Irakerinnen weitgehende Gleichheit. Für eine evtl. Erwerbstätigkeit (die vielerorts eher die Regel war) konnten sie sich selbständig entscheiden, also ohne vorab die Einwilligung des Ehemannes einzuholen. Die meisten Paare lernten sich am Arbeitsplatz kennen. Auch die Möglichkeit, einen Scheidungsantrag einzureichen, stand ihnen offen. Eine Kopftuchpflicht bestand nicht. Ihnen stand frei, sich nach traditioneller oder auch nach westlicher Art anzuziehen.

    Der Angriff auf den Irak war zugleich ein Angriff auf die Irakerinnen. Eine der ersten Erlässe des von der Besatzung geschaffenen und gelenkten „Governing Council“ unterwarf das Familienrecht der Scharia, was eine erhebliche Schlechterstellung der Frau zur Folge hatte.

    Als über die sog. neue irakische Verfassung beraten wurde, wurden die Frauenverbände von der Beratung ausgeschlossen. Ihre Abwesenheit ist auch am Wortlaut der Verfassung zu erkennen. Jetzt sind Mann und Frau gleichgestellt „soweit dies nicht mit dem Scharia-Recht unvereinbar ist.“

    Viele Irakerinnen veloren kurz nach dem US-Einmarsch den Job, weil ihre Arbeitgeber dem Druck der von den USA mitfinanzierten und -bewaffneten fundamentalistischen Milizen nachgaben. Studentinnen sind zunehmend den Schikanen der Fundamentalisten ausgesetzt, wenn sie sich überhaupt noch in die Uni trauen.

    Jetzt sehen sich die Irakerinnen gleich zwei Bedrohungen ausgesetzt. Wenn sie sich überhaupt auf die Straße trauen, laufen sie die Gefahr, von den Besatzungstruppen belästigt oder gar vergewaltigt zu werden, oder von irgendwelchen Fundamentalisten tätlich angegriffen oder ermordet zu werden, weil sie sich irgendwie „falsch“ benehmen.

    Empfehlenswert in dieser Hinsicht ist das Blog einer anonymen irakischen EDVlerin:

    http://riverbendblog.blogspot.com

  3. Viktoria sagt:

    Hallo Élise,

    ich danke Dir für Deine äußerst interessanten Schilderungen – da habe ich wieder was dazu gelernt. :-) Ich wusste echt nicht, dass es damals so gut um sie stand. Aber Kriege zerstören nunmal einiges. Es ist zum k*****.

  4. @Ich wusste echt nicht, dass es damals so gut um sie stand.

    Die Berichterstattung ist nicht gerade lobenswert, wenn’s um die Vorkriegszustände im Irak geht. Allenfalls hört man was von der Zeit der Sanktionen. Aber von den Lebensstandards vor 1991 oder der Lage der Irakerinnen vor der Invasion ist kaum was zu hören.

    Wir sollen wohl denken, Irak sei gleich Afghanistan. Dabei ist im Irak eine moderne, hochentwickelte Gesellschaft zerstampft worden.

  5. LaLaura sagt:

    In Hamburg (meine Wahlheimat…) wurde eine 16-Jährige von ihrem eigenen Bruder erstochen, weil er ihren Lebensstil „mißbilligte“.
    Ich möchte heulen vor Wut. So etwas darf einfach nicht passieren!

    Wir müssen es schaffen, solchen Männern unmißverständlich klar zu machen, dass niemand, absolut niemand und erst recht nicht sie das Recht haben über das Leben eines anderen Menschen zu urteilen! Und erst Recht nicht, Leben zu nehmen…

  6. Laura sagt:

    Mir fällt auch nur ein, die nationale Frauenrechtsorganisation zu unterstützen (sowas gibts ja in den meisten arabischen Ländern), im Falle des Irak wäre das „The Organisation of Women’s Freedom in Iraq (OWFI)“ http://www.equalityiniraq.com/english.htm

    Und vielleicht nochmal mit einem Brief an die eigene Regierung darauf hinweisen, dass in der momentanen Situation (weibliche) Flüchtlinge aus dem Irak doch bitte nicht abgewiesen werden sollen (zumindest in der Schweiz werden irakische Flüchtlinge wieder nach Hause geschickt).

  7. […] ein paar Wochen haben wir hier auf den Fall des irakischen Mädchens Rand hingewiesen. Sie war im Mai von ihrem eigenen Vater […]