Archiv für ‘Working Girl’

Babyboom im Kanzleramt

Wednesday, July 2nd, 2008 von Susanne

Gestern blieb ich bei einem wirklich interessanten, kleinen Bericht in der Süddeutschen Zeitung hängen, der mit den Worten überschrieben war:

Das Kanzleramt erlebt seit Angela Merkels Regierungsantritt einen Babyboom.

Die Erklärung dieses Phänomens:

Angela Merkel, die Regierungschefin, erlebte pünktlich zum Regierungswechsel, wie zwei ihrer wichtigsten Mitstreiterinnen kurz hintereinander schwanger wurden. Das war nicht nur eine große Überraschung, ein Helau und Sich-Freuen. Für Merkel wie für die beiden Vertrauten - die derzeitige Staatsministerin Hildegard Müller und Merkels Sprecherin Eva Christiansen - stellte sich schnell die Frage, ob sie weiter zusammenarbeiten wollten.

Die Antwort fiel bei allen drei gleich aus: Selbstverständlich. Die Kanzlerin konnte also gar nicht anders als sich drum zu kümmern und für die nötigen Rahmenbedingungen zu sorgen. Merkel war kaum im Amt, schon wurde dort über Teilzeitmöglichkeiten, Kinderbetreuung und Eltern-Kind-Zimmer nicht mehr nur geplaudert, sondern verhandelt und entschieden.

Und seitdem, seit November 2005 wurden 48 Kinder geboren, die Kanzleramtsmitarbeiter und -mitarbeiterinnen als Eltern haben. Zwischen 2002 und 2005 gab es nur 19 Mal Nachwuchs.

So wird’s gemacht!

(Foto von sueddeutsche.de geliehen) 

Frauen & Technik

Wednesday, June 18th, 2008 von Susanne

Gestern haben Bundesbildungsministerin Annette Schavan und 40 Spitzenverbände und Unternehmen einen Pakt geschlossen: einen Pakt für mehr junge Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Erklärtes Ziel von Wirtschaft und Wissenschaft ist es, Fachkräftemangel vorzubeugen. Das Programm nennt sich MINT - die Buchstaben stehen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

Was vor allem der Wirtschaft nutzen soll, bringt auch für Frauen angenehmenNebeneffekte mit sich: Je mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, desto blasser dürften einige Geschlecherklischees werden, zum Beispiel der beliebte Ausruf”Frauen und Technik!”. Außerdem erhalten Frauen so leichter Zugang zu gutbezahlten Branchen.

Females in Front

Thursday, June 12th, 2008 von Anna

Innerhalb der nächsten 12 Monate werden vier Stellen frei. Und zwar bei der EU, es handelt sich um so genannte “Top-Jobs”, Spitzenämter.

Mindestens einer davon soll an eine Frau gehen.
So fordert es die die noch recht frische (Unterschriften-)Kampagne Females in Front, die von der dänischen Europaabgeordneten Christel Schaldemose ins Leben gerufen wurde.

“Es gibt 250 Millionen Frauen in Europa – da sollte es nicht zu schwierig sein, geeignete Kandidatinnen unter ihnen zu finden.”

Das Ziel sind 1 Million Unterschriften.

Also dann mal los!

Fast ein Viertel weniger - für die Familie

Monday, June 9th, 2008 von Barbara

Die EU-Kommission sorgt für Fakten: Im Schnitt werden Frauen in Deutschland um 22 Prozent schlechter bezahlt als Männer, sagte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla in einem Interview mit der Welt. Und weiter:

“In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen um rund 22 Prozent unter dem der Männer. Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen.”

Das liegt keinesfalls an ihrer Qualifikation:

“Obwohl die Frauen in der EU besser ausgebildet sind als Männer, sind sie schlechter bezahlt, ihre beruflichen Karrieren sind kürzer und verlaufen langsamer.”

Der Grund für die ungleiche Bezahlung ist nicht überraschend: Viele Frauen arbeiten Teilzeit, was ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt schmälert. Und warum machen sie das? Wegen der Familie.

“Elternschaft senkt die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft, die von Männern dagegen überhaupt nicht - das ist nicht länger akzeptabel.”

Perfektionismus

Tuesday, May 27th, 2008 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 2 von 3 der Serie Der Kommentar

In der Serie “Der Kommentar” veröffentlichen wir eure Gedanken zu einem Thema eurer Wahl. Heute schreibt Ina darüber, was sie an der Berichterstattung über Frauen ärgert:

Als interessierter Mensch und als Feministin freue ich mich jedes Mal, wenn ich in einer Zeitung einen Artikel über eine herausragende Frau lese, deren Besonderheit weder in ihrem Aussehen liegt, noch in der Tatsache, dass sie jemand Berühmtes geheiratet hat.

So auch, als ich den Artikel über Ute Frevert las, der vor Kurzem in der Zeit erschien. Ute Frevert ist eine Ausnahme-Frau, keine Frage: Mit 16 Jahren Abitur gemacht und anschließend eine wissenschaftliche Karriere als Historikerin in Deutschland und Yale. Ein Vorbild für junge Frauen, zumal sie es auch noch geschafft hat, Kinder zu bekommen und außerdem eine ist, die sich auch intensiv mit Geschlechtergeschichte beschäftigt.

Ein Artikel, der mich eigentlich freuen sollte, den ich genießen sollte. Pustekuchen!

Erst mal wird sie in einem Steckbrief vorgestellt als „Der Mensch“ Ute Frevert und dann „seine Idee“. Ich weiß, dass es in diesem Fall eine Frage des grammatischen Geschlechtes ist, aber dass ihre Idee als „seine Idee“ vorgestellt wurde, stieß mir unangenehm auf. Nun gut, darüber lese ich hinweg.

Im tatsächlichen Artikel fand ich dann einen Abschnitt, der mich noch wütender machte. Darin ließ sich die Autorin über das Outfit der Historikerin aus, und nach der detaillierten Beschreibung der Kleidung lässt sie sich auch noch dazu hinab zu behaupten, Frevert könne auch für ihre eigene Tochter gehalten werden. Dass der Abschnitt über ihr Äußeres wegen des danebenstehenden Fotos irgendwie überflüssig ist, ist nur ein Teil dessen, was mich so wütend macht.

Der eigentliche Grund meiner Wut ist folgender: Warum muss eine Frau, die einen tollen Job macht, auch noch perfekt und jugendlich aussehen? Warum kann man nicht einfach darüber schreiben, wie sie ihre Arbeit macht? Über die Inhalte schreiben, die ihr wichtig sind?
Ich kann mich nicht an einen Artikel über einen Forscher oder Politiker erinnern, in dem sein Aussehen und seine Kleidung auch nur erwähnt wurden. Bei Männern reicht es scheinbar, über ihre inhaltliche Kompetenz und die Erfüllung ihrer Aufgaben zu schreiben. Warum wird uns Frauen suggeriert, wir müssten alles sein: rundum perfekt, gut aussehend, Mutter, Karrierefrau?

Ein Mann kann menschlich ein Arschloch sein, fünf Mal geschieden und schlecht angezogen - entdeckt er ein neues Element, wird trotzdem nur darüber geschrieben. Bei Frauen ist das nicht so. Da spielt immer gleich alles eine Rolle. Also, wieso kann man nicht einfach über eine Forscherin schreiben, indem man die Person Ute Frevert vorstellt, ihre Idee und den beinahe seitenfüllenden Artikel dann über ihre Gefühlsforschung (die übrigens, Überraschung!, doch nicht „Frauensache“ ist sondern „wie fast alles, meist Männersache gewesen“ ist, so ein Originalzitat aus dem Artikel) und ihre vielen Bücher?

Und was ich mich auch frage: Gibt es wirklich immer noch das Vorurteil, dass kluge Frauen nicht gut aussehen können? Und warum spielt das Aussehen überhaupt eine Rolle?

INA

Dir brennt auch ein Thema auf den Nägeln? Schreib einen Kommentar an: mannschaftspost(at)web.de

“Das ganze Mann-Frau-Denken aufgeben”

Monday, May 26th, 2008 von Susanne

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Spengler sagt in einem sehr interessanten Interview mit der Süddeutschen Zeitung, Frauen seien in Sachen Karriere immer noch zu wenig ehrgeizig und müssten selbstbewusster werden. Und auch unser Frauen- und Männerbild müssten wir überdenken:

Spengler: Das Klischee hält sich hartnäckig, dass Frauen zu schwach oder zu zickig für Führungspositionen seien. Zudem wird oft behauptet, Frauen müssten ihre nicht vorhandene Männlichkeit durch übertriebene Härte kompensieren. Diese Stereotypen müssen wir aufgeben. Dazu müssen wir die männlichen Entscheider in diesem Thema ausbilden.

(…)

SZ: Frauen tun sich ab einer bestimmten Position schwer, spezielle Förderangebote anzunehmen, um nicht hilfsbedürftig zu erscheinen. Mit Recht?

Spengler: Das ist falscher Stolz am falschen Platz. Noch besser wäre es, wenn wir das ganze Mann-Frau-Denken aufgeben würden. Es ist doch bestürzend, dass im Handwörterbuch des Personalwesens unter dem Stichwort “Besondere Arbeitnehmergruppen” immer noch Frauen genannt werden. Solange das in unseren Köpfen drin ist, erreichen wir nichts.

Die neuen Paare

Wednesday, May 14th, 2008 von Susanne

Heute Morgen stellte Familienministerin Ursula von der Leyen eine Studie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft vor. Diese hat gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung 25 Paaremit Kindern ausführlich interviewt, bei denen beide Elternteile beruflich erfolgreich sind. Parallel dazu wurden über 1.000 Paare per Telefon befragt. Titel der Studie: “Kinder und Karrieren: Die neuen Paare.”

Und darum geht es den Forschern:

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie Doppelkarrierepaare mit Kindern die erfolgreiche Vereinbarung ihrer Karrieren mit Kindern bewältigen, welche Erfolgsstrategien sie entwickelt haben und auf welche Widerstände sie gestoßen sind. Auf der Grundlage der Ergebnisse wurden Handlungsempfehlungen für Politik, Unternehmen und Paare entwickelt.

Die gesamte Studie erscheint im Verlag der Bertelsmann Stiftung: “Kinder und Karrieren: Die neuen Paare” von Kathrin Walther und Helga Lukoschat.

Nachtrag:
Online wurden jetzt die wichtigsten Punkte veröffentlicht. Die da sind:

  • Doppelkarrierepaare mit Kindern sind Multiplikatoren für eine familienfreundliche Unternehmenskultur. 75 Prozent der weiblichen und 79 Prozent der männlichen Führungskräfte sagen, dass ihr Verständnis für Kolleginnen und Kollegen mit Familie gewachsen ist.
  • Wichtige Voraussetzung für eine gelungene Vereinbarkeit sind familien-freundliche Arbeitsbedingungen.
  • Eine ausgewogene Aufteilung familienbezogener Tätigkeiten führt zu mehr Zufriedenheit. 76 Prozent der Befragten streben eine gleiche Rollenverteilung unter den Partnern an.
  • Die Organisation der Kinderbetreuung und das Management des Haushalts werden als größte Herausforderungen gesehen.

Arbeit in Zukunft: Digital. Flexibel. Individuell.

Monday, May 12th, 2008 von Susanne

Zeit Online und Tagesspiegel.de berichten über die Empfehlung von Bevölkerungsexperten, wie die Mittelschicht zu “retten” sei und beziehen sich dabei auf die Studie der Deutschen Bank:

Mehr Frauen - auch Mütter - müssten in anspruchsvollere Berufe gelangen. Die Gestaltung der Arbeitsplätze, Karrierechancen und Bezahlung müssten dies unterstützen. (…) Das Schlüsselwort der Zukunft lautet “Projektwirtschaft”. Neue, flexible Formen der Zusammenarbeit, digital unterstützte Arbeitsplätze, mehr Teilzeitarbeit, ein gleitender Wechsel zwischen Beruf und Privatleben werden vor allem den Interessen berufstätiger Frauen entgegenkommen.

Spannend an dieser Veröffentlichung ist vor allem (abgesehen davon, dass sich die Daten nicht so grauenvoll naiv lesen wie in der Originalstudie), dass hier mal das klassische Modell eines erfolgreichen Berufslebens beiseite gelassen wird. Sonst ist das ja die Grundlage jeglicher Diskussionen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Einstieg in den Beruf mit Mitte, Ende Zwanzig, dann die Karriereleiter Schritt für Schritt hoch und zwischendurch Kinder kriegen und aus dem Karrierezug aussteigen oder eben auf Kinder verzichten.

Tatsächlich zeichnet sich ja aber schon heute in unserer Generation ab, dass Karrieren nicht mehr so linear verlaufen werden und dass wir auch etwas ganz anderes unter “Karriere” verstehen: mehr Selbstverwirklichung von eigenen Ideen, weniger Maloche für ein Großunternehmen. Und das ist nicht nur bei den Frauen so, sondern auch unter Männern ändert sich der Karrierebegriff. Profitieren wird davon vor allem das Familienleben.

Hurra, die Chefs finden Elternzeit super!

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne

Mensch, momentan jagen sich die guten Nachrichten aus der Wirtschaft ja beinahe täglich. Gerade noch sagte uns eine Untersuchung der Deutschen Bank die rosigste aller rosigen Zukünfte voraus, jetzt legt Familienministerin Ursula von der Leyen nach und verkündet:

“Elterngeld in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft voll akzeptiert” - Allensbach-Umfrage belegt große Unterstützung der Personalverantwortlichen für Männer, die Vätermonate und Elternzeit nehmen

Die Kurzzusammenfassung liest sich dann so:

  • Mehr als 80 Prozent der Personalverantwortlichen halten das Elterngeld für eine gute Sache - vor seiner Einführung im Jahr 2006 waren es 61 Prozent.
  • 61 Prozent befürworten die Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Väter - gegenüber 48 Prozent vor zwei Jahren. 65 Prozent bewerten die Verringerung der Arbeitszeit durch Väter positiv - gegenüber 59 Prozent vor zwei Jahren.
  • 71 Prozent sind davon überzeugt, dass sie eine Mitverantwortung haben, ihren Beschäftigten die Entscheidung für Kinder zu erleichtern.
  • In rund 40 Prozent der Betriebe, in denen Mitarbeiter nach Einführung des Elterngeldes Vater geworden sind, haben Väter ihre Berufstätigkeit unterbrochen. 37 Prozent der Unternehmensverantwortlichen erwarten, dass in Zukunft mehr Männer Elternzeit beanspruchen.

Sowas nannte der Soziologe Ulrich Beck mal sehr schön “verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre”.

Wie Frauen in Zukunft arbeiten

Monday, May 5th, 2008 von Susanne

Die Deutsche Bank hat eine große Studie veröffentlicht, mit Prognosen für die weibliche Zukunft im Berufsleben: Sie verdienen im Jahr 2020 mehr Geld, besetzen Spitzenjobs, können Familie und Beruf perfekt vereinbaren. Das Interessante an der Studie: Der Prognose zufolge kommt der Wandel fast von alleine.

Gründe für diesen Optimismus sind laut Studie:

  • Demografischer Wandel: Weil immer mehr Arbeitskräfte benötigt werden, können die Unternehmen gar nicht anders, als verstärkt auf Frauen zu setzen.
  • Virtuelle Vernetzung: Wissensbasierte Tätigkeiten werden immer häufiger in Projektarbeit erledigt. Dies führt zur Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle.
  • Soft Skills: Soziale Kompetenzen wie Kooperation und Kreativität gewinnen an Bedeutung.
  • Mentalitätswandel: Über die Jahre hinweg wird es immer normaler, dass Männer ihre Kinder betreuen - und Frauen in Spitzenpositionen arbeiten.

In acht Punkte zusammengefasst, würden wir im Jahr 2020 so leben:

  • Beruf und Familie lassen sich besser miteinander vereinbaren.
  • Mehr Frauen, vor allem Mütter, sind berufstätig.
  • Männer und Frauen teilen bezahlte und unbezahlte Arbeit gleichmäßiger untereinander auf.
  • Die Telearbeit zuhause boomt. Die Unternehmen sparen dadurch Kosten, zum Beispiel bei der Büromiete.
  • Die Geburtenrate steigt.
  • Frauen studieren zunehmend naturwissenschaftliche und technische Fächer.
  • Die Reallöhne von Frauen nähern sich denen der Männer an.
  • Der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht sich.

Na dann.