Einträge von Meredith


Schlecker, die Frauen und die FDP: Eure Freiheit ist unsere Armut

29. März 2012 von Meredith

Als heute Abend klar wurde, dass es für die Beschäftigten von Schlecker keine Transfergesellschaft geben wird, sondern nur die Arbeitsagenturen, die dann Tausende von schlecht ausgebildeten Frauen zu irgendwelchen staatlich subventionierten Maßnahmen verdonnern dürfen, als klar wurde, dass sich eine winzige Partei (hallo FDP, vier Prozent bundesweit) durchsetzen konnte gegen alles, was gerecht oder wenigstens menschlich wäre, eine Partei, die sich ehrlich gesagt sonst kaum noch durchsetzen kann, ist eines klar geworden: Frauen sind in diesem Land immer noch weniger wert, und je ärmer sie sind, je sozial prekärer ihre Lage, desto egaler sind sie der regierenden Koalition. Und Frauenleben müssen in diesem Land offenbar dafür herhalten, dass Politiker ihre Prinzipientreue demonstrieren dürfen. Billig genug sind sie.

Wir haben es bei der Diskussion um die Rente gesehen, in der deutlich wurde, dass Tausenden von Frauen die Altersarmut droht und diese Bundesregierung keinerlei Interesse daran hat, das zu ändern. Und jetzt Schlecker: Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Die FDP hat in diesem Land nur noch etwas zu melden, weil niemand Lust auf Neuwahlen hat. Die FDP hat sich weder in der Eurofrage durchsetzen können, noch in sonst irgendwelchen kostenspieligen Rettungsmaßnahmen, die in den letzten drei Jahren von der Bundesregierung ausgegangen sind. Wenn aber ein paar tausend Frauen gerettet werden sollen, die ohnehin von ihrem Arbeitgeber systematisch ausgebeutet wurden, dann darf sich diese kleine Scheißegalpartei auf einmal durchsetzen.

Die Frage, ob Deutschland eine Parteienlandschaft ohne Liberalismus verträgt, wird ja zur Zeit oft diskutiert. Mich interessiert gerade, wieviel Menschenfeindlichkeit in einer Parteienlandschaft ungestört zu Hause sein darf. Aber solange es nur Frauenfeindlichkeit ist, bleibt die Demokratie ja offenbar entspannt.


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Gebt uns eure Worte zum Sonntag

10. April 2011 von Meredith

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenHabt ihr auch das Gefühl, dass die Zeit so schnell vergeht? Kaum zu glauben, dass schon wieder Sonntag ist. Das stört aber momentan auch gar nicht, denn das heißt, dass der Frühling bald so richtig da ist. Was blüht in euren geistigen Landschaften? Was fandet ihr sexy, schön, klug, ärgerlich, dumm? Was habt ihr diese Woche in feministischer und geschlechterkritischer Hinsicht so gedacht, diskutiert, gebloggt? Und gibt es irgendwelche Blogs, die wir unbedingt kennen sollten? Erzählt und verlinkt es uns, wie immer, in den Kommentaren.


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Homophobe Prenzlberg-Papis, Bierpopos und World of Warcraft

9. April 2011 von Meredith
Dieser Text ist Teil 102 von 253 der Serie Die Blogschau

Dass der Feminismus an allem möglichen Schuld ist, hören wir ja dauernd, so oft, dass die Mädchenmannschaft kurz nach ihrer Gründung dafür extra eine Rubrik eingerichtet hat. Antje Schrupp nimmt in einem klugen Text die Schuld für alle Folgen, auch die negativen, der Frauenbewegung dankend an:

Hinter der defensiven Haltung, die bestreitet, dass der Feminismus irgendwelche problematischen oder zumindest klärungsbedürftigen Nebeneffekte hat, steckt, so glaube ich, eine falsche Vorstellung. Und zwar die, dass sich die Frauen einfach so als Gleiche in die Welt der Männer integrieren ließen und ansonsten alles beim Alten bleiben könnte. Ziemlich oft wird so über die Emanzipation der Frauen gesprochen: Als wären wir damals bei der Erfindung von Gleichheit und Demokratie quasi „vergessen“ worden, und jetzt, wo das aufgefallen ist, werden wir eben gleichgestellt und damit hat es sich. So als wäre die Freiheit der Frauen bloß eine kleine Fußnote der Geschichte, die das Große und Ganze nicht weiter betrifft.

Sehr lesens- und bedenkenswert.

Die Denkwerkstatt verlinkt auf ein Interview mit Jackson Katz (University of Massachussets). Der US-amerikanische Politikwissenschaftler ist einer der bekanntesten männlichen Anti-Sexismus-Aktivisten in den USA (apropos: gute Frage eigentlich – wen würde man denn in Deutschland als führenden männlichen Anti-Sexismus-Aktivisten bezeichnen? Ich glaube fast da wäre ein Posten frei!) und konzentriert sich nach eigener Aussage auf die Art und Weise, wie Männer in der Öffentlichkeit gegendert werden. Im Interview spricht er zur Rolle von “Männlichkeit” im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Und noch ein guter Tip aus der Denkwerkstatt: Wie kommt es, dass kleine Jungs immer als weniger reif als ihre Altersgenossinnen bezeichnet werden? Die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Jösting hat einen Aufsatz darüber geschrieben, dass Mädchen schon viel früher in Beziehungen zu Jungs eingeführt werden, also früher trainieren, die “Beziehungsarbeit” zu leisten, die auch im Erwachsenenalter von ihnen erwartet wird. Kleine Jungs blieben dagegen länger in geschlechtshomogenen Gruppen, und übten nicht Beziehungen sondern Dominanzstrukturen. Ich bin nicht ganz sicher, wie das funktioniert, rein rechnerisch, aber das kann man vielleicht bei Jösting selbst nachlesen.

Der Prenzlauer-Berg-Papa-Blogger Markus auf Nusenblaten fragt sich, voll selbstironisch, ob er spießig sei, weil er seinen kleinen Söhnen gerne verbieten würde, im Rock in die Kita zu gehen. Adrian Lang beantwortet ihm die Frage mit klaren Worten. Danke dafür.

Ich mag kein Mathe und auch keine Rechenspiele mit Toten. Dieser kurze Post bei Karnele zu Morden an Homosexuellen und Frauen ist aber ein paar Gedanken wert.

Sportfreundin: Mrs. Mop schwärmt für Basketballtalent Indi.

Franzi erzählt von den vielen ersten Malen einer jungen Mutter.

Ninia la Grande hat sich bei Astra über deren als Anzeige getarnte Aufforderung zur sexuellen Belästigung unter Alkoholeinfluss beschwert. Zurück kam, wie sie berichtet, nur eine lauwarme “Aber wir meinen das doch nur satirisch und auch gar nicht herabwürdigend”-Mail. Vielleicht dann doch ein Fall für den Werberat.

Für die Identifizierung sexistischer FilmeAls Indikator für die Präsenz von Frauen in einem Film wurde der Bechdel-Test entwickelt. Wie der geht und vier andere Videos von der tollen popkulturellen Plattform “Feminist Frequency” hat das Blog Fernseher Kaputt ausgewählt.

Wow, ich wusste gar nicht, dass es jetzt ein “Magazin für studierende Arbeiterkinder” gibt. Ich finde das gut, und gut, weil sehr sachlich, finde ich auch das Posting von Andreas Kempter über die “Titelgeschichte” des Parteiorgans der Piraten, der Kompass. Darin geht es um “Wie wir Jungs benachteiligen”,verfasst ist der Text wohl von der Mann AG der Partei, eine nachweislich anti-feministische und maskulistische Gruppe. Andreas Kempter fragt deswegen einfach mal die Piraten:

Also, liebe Piraten und Piratinnen, überlegt euch bitte, ob die Männer AG wirklich gut bei euch aufgehoben ist, oder ob die Gruppe sich nicht eher bei den Positionen von Kristina Schröder wiederfindet und nur ausnutzt, dass ihr eine junge kleine internetaffine Partei mit Männerüberhang seid.

Erfahrungen von Transgendern mit ihren Ehepartner_innen und Familien gibt eine Gastbeitrag auf Michaelas Blog wieder.

Auf dem Missy Blog läuft derzeit eine ganz interessante Serie unter dem Titel “Team Videospiele”. Hier geht es um Frauen in der World of Warcraft, die dort offenbar einen besonderen Stellenwert genießen.

Arme Frauen in Wien müssen zwar für Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich nicht selbst aufkommen, bezahlen aber mit ihrer Anonymität, berichtet die Standard. Denn die Krankenhäuser machen die Prozedur so kompliziert wie möglich, um weniger Patientinnen aufnehmen zu müssen.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Wenn ein Mädchen vergewaltigt wird, muss man ja wohl fragen dürfen, ob das Kind sich sexy kleidete

9. März 2011 von Meredith

Heulen und kotzen und irgendwas kaputt hauen und denjenigen ins Gesicht schreien, die sich einmal alle zehn Jahre mit der Situation von Frauen weltweit beschäftigen, weil mal wieder der 8. März war – das möchte ich, wenn ich Artikel wie diesen hier lese, aus der New York Times von gestern.

Es geht darin um einen Vorfall in einer texanischen Kleinstadt. Ein elfjähriges Mädchen wurde dort in einem abgelegenen Trailer von einer großen Gruppe junger Männer offenbar stundenlang sexuell misshandelt. Die Täter machten – logo – Videoaufnahmen mit ihren Handys und zeigten diese dann wiederum an der örtlichen Schule jedem, der sie sehen wollte. So kam es auch, dass der Vorfall aufflog: Eine Fünftklässlerin erzählte ihrer Lehrerin, was sie gesehen hatte.

Und als wäre die Gewalt und die Demütigung, die dieses junge Mädchen erfahren musste, nicht grässlich genug, dürfen wir in dem Artikel nachlesen, wessen Schuld das Ganze ist:

Residents in the neighborhood where the abandoned trailer stands — known as the Quarters — said the victim had been visiting various friends there for months. They said she dressed older than her age, wearing makeup and fashions more appropriate to a woman in her 20s. She would hang out with teenage boys at a playground, some said.

“Where was her mother? What was her mother thinking?” said Ms. Harrison, one of a handful of neighbors who would speak on the record. “How can you have an 11-year-old child missing down in the Quarters?

Übersetzt: Anwohner in der Nachbarschaft, wo der Wohnwagen steht – als “The Quarters” bekannt – sagten, dass Opfer habe hier seit Monaten verschiedene Freunde besucht. Sie sagten, dass sie sich älter als ihr Alter gekleidet habe, Schminke getragen und Moden, die einer 20-jährigen eher angemessen gewesen seien. Manche sagten, sie habe mit Teenagerjungs am Spielplatz abgehangen.

 

“Wo war ihre Mutter? Was hat ihre Mutter gedacht?”, sagte Ms. Harrison, eine von wenigen Nachbarn, die eine öffentlich zu dem Fall Stellung nehmen wollten. “Wie kann man eine Elfjährige in den Quarters vermissen gehen lassen?”

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Macht es selbst!

20. Februar 2011 von Meredith

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenDer Frühling kommt bald, das ist sicher. Genauso sicher, wie dass heute Sonntag ist. Und das bedeutet: selber machen. In Hamburg will der Senat wissen, wen das Volk am liebsten mag. Wir wollen von euch wissen, was euch diese Woche interessiert hat, außer dem falschen Dr. Guttenberg. Habt ihr was Gutes oder Ärgerliches gelesen, habt ihr irgendetwas geschrieben, das die Welt lesen sollte? Legt los und genießt den Tag, sagt eure Mädchenmannschaft!


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Bravo, Girl?! Star-Schnitten, Frauenfeindlichkeit für Mädchen und ein Schuss Quote

18. Februar 2011 von Meredith
Dieser Text ist Teil 99 von 253 der Serie Die Blogschau

Was in der letzten Woche so gebloggt wurde:

Nina La Grande schreibt eine grandiose und verstörende Kritik des gedruckten Stück Übels, das sich “Bravo Girl” nennt. Kostprobe:

Mir wird erklärt, wann man zu dick oder zu dünn ist. Wann Jungs mich für einen Nerd halten oder denken, dass ich unsexy bin. Ich habe nichts dagegen, pubertierenden Mädels ein paar Lebenstipps mit auf den Weg zu geben. Aber dieser Artikel zeigt den Leserinnen, dass sie eben sexy zu sein haben. Auch wenn die Bravo Girl schreibt, dass Mädchen nicht megaschlank sein müssen. Sie könnten auch mit einer tollen Art, einem “Mega-Klamottenstil” (aber nicht zu knallig oder düster…) oder einer sexy Stimme anziehend wirken. Trotzdem müssen die Mädels irgendwie sexy sein!

Das Missy Blog hat einen Nachbericht zu einem Hacking-Workshop für Frauen auf der Transmediale in Berlin, was beim Lesen selbst in meinen eher technikunfähigen Ladyfingern den starken Wunsch erzeugt, an Elektronik herum zu basteln.

Die Missy Berlinale-Bloggerin Gaby schreibt unter anderem über den neuen Film von der stets toll angezogenen und immer intelligenten Mirandy July, “The Future”.

Nochmal Missy, die Neue: Mrs. Pepstein spricht mit Chris Köver über die neue Ausgabe.

In der Schweiz sollen Prostituierte ihre Bezahlung bald einklagen können, schreibt Sina. Das ist gut, weniger gut finde ich ihren Nebensatz über die Schweizer Bundesrichterinnen, die solche Regelungen bisher abgelehnt hätten, weil sie angeblich “insgeheim von Missgunst getrieben werden..”

Seit ÜBER EINEM JAHR ist die syrische Bloggerin Tal al-Mallouhi schon inhaftiert. Fest genommen wurde sie wegen “Spionage”, schreibt Opalkatze, auch ihr Computer wurde beschlagnahmt. Nun soll sie weiter fünf Jahre in Haft bleiben. Ihr Blog beschäftigte sich mit Menschenrechtsfragen, insbesondere der Situation der Palästinenser.

Diese intelligente Gedanken zum Thema “Warum wir nicht aufhören dürfen, über die Quote zu reden”, sind ein Balsam auf der Seele all derjenigen, die mittlerweile echt keinen Bock mehr auf die Diskussion haben. Aufgeschrieben hat sie Andrea Günter.

Cora Stephan ist gegen die Quote und schlägt etwas vor, das ihrer Meinung nach besser funktionieren sollte: Frauen sollen in jungen Jahren ruhig weniger arbeiten und Kinder bekommen. Sie haben nämlich andere Prioritäten. Die Lösung für Cora Stephan lautet: Männer sollen ruhig die Chefposten übernehmen, aber mit 50 in Rente gehen. dafür machen frauen eben erst ab Vierzig Karriere. Da schwingt jemand aber fröhlich die Flagge für die Geschlechterdifferenz..

Ui, groovy! Das Blog Spielfeldschnitte hat eine Playlist für die Frauen WM zusammen gestellt.

Eingetragene Partnerschaften FTW! Sowohl die anglikanische Kirche, als auch Facebook führen diesen Beziehungsstatus bei sich ein, kann man auf queernews nachlesen.

Antje Schrupp bloggt über den Krawattenstreit im Bundestag.

leonie kommentiert auf dem Mädchenblog die Bemühungen des US-amerikanischen Repräsentantenhauses, die Gesundheit von Frauen in Gefahr zu bringen und wünscht “weiterhin fröhliches Menstruieren”, auch beim Sex. Wie das besser geht, könnt ihr hier nachlesen.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Tödlicher Sexismus auf der Gorch Fock

28. Januar 2011 von Meredith

Kurz nachdem die Soldatin Sarah Seele bei einem Klettermanöver von der Takelage des männlichen Marineausbildungsschiffes Gorch Fock zu Tode stürzte, feierte die Besatzung angeblich eine Party. War nämlich Karneval. Diese Meldung macht jetzt schon seit ein paar Tagen ihre Runden durch die Medien, der Stern hat nun einen Ausbilder zu den Vorwürfen befragt. Sven K. bestreitet, dass es sich bei den Feierlichkeiten um eine Party handelte, denn:

Wir haben nicht nackt auf den Tischen getanzt, wie es üblich ist, wenn wir eine Party feiern. Es war definitiv keine Party.

Schön, dass Sven K. offenbar in so eine launige Stimmung gekommen ist, als er sich an die Nicht-Party, sechs Tage nach dem Tod der Soldatin, erinnerte.
Vielleicht ist das Zitat auch zusammengekürzt, wer weiß. Aber auch andere Aussagen aus dem Interview zeigen, dass bei der Besatzung der Gorch Fock offenbar eine anti-empathische, frauenfeindliche und gleichzeitig hypersexualisierte Grundgesinnung herrschte:

Wir sind sechs Wochen an Bord, davon vier auf See. 20 bis 30 Frauen bei 150 Männern, da ist es normal, dass es zu sexuellen Spannungen kommt”, sagt Marinesoldat Sven K. Zu sexuellen Übergriffen könne es aber eigentlich nicht kommen, das sei kaum machbar. Auf dem 90 Meter langen Schiff seien 220 Leute an Bord – da bekomme jeder alles mit.

Äh, “machbar”? Fragt sich nur, ob sich bei so viel Normalität und so wenig Privatsphäre irgendjemand gegen sexuelle Übergriffe geschützt fühlen kann.

Mehr noch: Die kleine Minderheit der Frauen auf dem Schiff war dort offensichtlich nicht willkommen.

Sven K. gibt zu bedenken, dass es bis vor 20 Jahren noch keine Frauen auf deutschen Marineschiffen gab. “Seefahrt ist nicht für Frauen gemacht, sie haben nicht die physische und psychische Stärke, um so lange auf See zu bleiben.” Es gäbe zwar Ausnahmen, aber man höre ja nicht von ungefähr, dass sich Anwärterinnen vor Überanstrengung in den Schlaf geweint haben. “Frauen müssen dieselbe Leistung bringen wie jeder Mann, sonst brauchen sie sich nicht bei der Marine zu melden.”

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was für ein Klima an einem Ort herrscht, wo die Führungsriege einer ganzen Gruppe gegenüber eine solche Verachtung entgegen bringt. Dass auf irgendwelche Bedürfnisse oder Schwächen eingegangen würde, war hier nicht zu erwarten, schließlich:

Wir sind nicht das Müttergenesungswerk.

Deutlicher kann man es nicht sagen: Die Gorch Fock ist ein zutiefst menschen- und frauenfeindlicher Ausbildungsplatz. Und die pure Anwesenheit von Frauen scheint diesen Zustand noch verstärkt zu haben.

Geschenkt, dass ein rauer Umgangston im Militär normal ist – normal ist übrigens nicht immer gut. Geschenkt auch, dass keine der Frauen auf dem Schiff dazu gezwungen wurde, sich in der Marine ausbilden zu lassen. Doch die Hartherzigkeit, das gefühls- und schwächefeindliche Menschenbild das hier deutlich wird, lässt schaudern, von den dümmlich-ekligen Einschätzungen der “Frauen” an sich mal ganz abgesehen.

Es wird, aus den Ereignissen und den Aussagen, immer offensichtlicher: Die Gorch Fock war bislang ein Ort, an dem Frauen nicht willkommen waren. Als junge Frau – und vermutlich auch als junger Mann, der nicht nackt auf Tischen tanzen mag – begab man sich dort nicht unter ein faires Kommando, man begab sich in eine Zone, die psychisch und physisch lebensgefährlich war. Wo Schlafentzug als Routinestrafmittel eingesetzt wurde. Wo Männer unter sich sein wollten und sich gegen die ungeliebte Modernisierung ihrer Welt mit ihren Kruppstahlklischees und drakonischem Verhalten wehrte. Wenn sie schon Frauen an Bord akzeptieren mussten, dann würden sie ihnen eben das Leben so schwer wie möglich waren. So klingt das jedenfalls.

Es gibt eine grundsätzliche Sache: Einiges deutet daraufhin, dass sich in Deutschland derzeit ein Normalisierungsprozess vollzieht, was die Bundeswehr und deren Ort in der Gesellschaft betrifft. Der politische Wille dazu ist unbestreitbar, die Entscheidungen der letzten Jahre, aber auch die Diskussion darüber, ob das was in Afghanistan passiert jetzt Krieg ist oder nicht und selbst die Personalie Guttenberg (der schnieke Minister, der darauf angesetzt ist, den militärischen Diskurs zu verändern) sind eindeutige Signale.
Schon lange gab es in Deutschland keinen prominenten Vorfall, der so deutlich zeigte, welche grausamen, tödlichen Folgen strukturelle Frauenfeindlichkeit haben kann. Die Marine hat ihn nun geliefert. Das bedeutet für alle, denen die zivile Gesellschaft wichtig ist, die keine Rückschritte wünschen und Wert auf Menschlichkeit legen, dass wir aufmerksam bleiben müssen.
Es ist nicht harmlos, wenn jemand sagt: Frauen haben nicht die Stärke für diese und jene Aufgabe, also werden wir ihnen zeigen, wie wir sie mürbe und klein machen. Hier gilt auch kein “Das ist nunmal so beim Militär”. Nein, das Militär ist eine Institution, die der Zivilgesellschaft untersteht. Es ist eine Einrichtung, in der Menschen tätig sind und diese Menschen verdienen eine Mentalität, die den menschlichen Umgang, auch mit Schwächen, für selbstverständlich hält.

Danke an Leserin Laura für den Hinweis!


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FJ Wagner und die Gorch Fock: Frauen, die auf Männerschiffen sterben, sind laut BILD-Zeitung selbst schuld

26. Januar 2011 von Meredith

Die Eltern der Soldatinnen Sarah S., die von ihrem Kommandanten einen verantwortungslosen Kletterbefehl erhielt und in den Tod stürzte, und von Jenny Böken, die unter bislang ungeklärten Umständen vor zwei Jahren über Bord ging, werden sich bei BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner bedanken. Laut seiner neusten Post, mit dem Titel “Liebe Gorch Fock 2″, ist nämlich die Ursache dieser schrecklichen und verstörenden Vorgänge nicht, dass auf diesem Schulschiff junge Soldatinn_en von – ich sag es nochmal – verantwortungslosen Ausbilder_innen extremen Risiken ausgesetzt wurden. Ist ja auch wurst, dass alles, was man über die Gorch Fock weiß, darauf hindeutet, dass hier wirklich allen Kadetten unabhängig vom Geschlecht die Hölle zur See bereitet wurde. Nein, nein, der Grund ist: Jenny Böken und Sarah S. hatten von Anfang an nichts auf der Gorch Fock zu suchen. Die ist nämlich ein “Männerschiff”. Das erkennt man, laut Wagner, an ihrem Namen. Und Frauen, die sich auf Männerschiffen aufhalten, mag Wagner nicht:

Ich mag keine Frauen als Soldatinnen, ich mag keine Frau, die schießt, ich mag mir keine Frau vorstellen, die aus 40 Metern herunterstürzt.

Deshalb ist für den alten Mann mit dem ungebremsten Laberfluss gar nicht die entscheidende Frage, warum Jenny Böken und Sarah S. sterben mussten. Nein:

Die wichtigste Frage ist, ob Frauen in diese Männerwelt passen.

Denn was Franz Josef Wagner mag, ist ganz einfach und total ungefährlich:

Die Frau, die ich mag, ist eine Frau, die ein Baby, eine Hoffnung, eine Zukunft hat.

Lieber Franz Josef Wagner,

ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Dafür, dass Sie ganz offen ausgesprochen haben, wer in Ihren Augen und den Augen Ihrer Leserschaft als Frau ein lebenswertes Leben hat. Danke, dass Sie zeigen, dass Frauen Ihrer Meinung nichts wert sind, wenn sie keine Hoffnung haben, oder keine Babys. Und auch dafür, dass es Ihnen offenbar völlig egal ist, was mit den jungen Männern auf der Gorch Fock geschah. Dass es nämlich Ihrer Ansicht kein Problem ist, wenn ein Mann schießt oder aus 40 Metern hinunterstürzt. Dafür sind Männer Ihrer Meinung nach gemacht. Wir sehen es deutlich: Je normaler das Militär in Deutschland wird, desto normaler wird der alte Chauvinismus. Er ist 1945 offenbar nicht ausgestorben.

Sie sind nicht nur ein unverbesserlicher Misogynist, Herr Wagner. Das wäre ja keine Neuigkeit und auch nichts, über das sich irgendjemand noch aufregen könnte. Sie sind ein Menschenfeind, ein Menschenverächter. Und egal, wie menschenverachtend sich Ihr Arbeitgeber, die BILD-Zeitung seit ihrer Gründung immer und immer wieder geäußert und verhalten hat – es ist ein Skandal und eine Schande, dass solche Texte erscheinen dürfen, in einer Zeitung die sich gerade in diesem Fall als großes Aufklärungsorgan geriert.

Diesmal ganz ohne Grüße,
Meredith Haaf

Weil ich keinen Bock habe, auf die Seite der BILD-Zeitung zu verlinken: Man findet die Kolumne in der Rubrik “News”. Weitere Post an Herrn Wagner: fjwagner@bild.de. In der Kontakt-Rubrik kann man auch an die Redaktion schreiben.


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Komm, Quote! Sogar von der Leyen findet Deutschlands Unternehmen langsam peinlich

19. Januar 2011 von Meredith

Wenn es um die wirtschaftliche und berufliche Gleichstellung von Frauen geht, ist Deutschland ein vor Trägheit und Selbstmitleid triefendes Häuflein Elend, das seit Jahren nicht von der Stelle kommt. Das hat Barbara zuletzt beschrieben und das hat jetzt wieder eine Studie des DIW gezeigt: Die Aufsichtsräte Vorstände der 100 wichtigsten Unternehmen dieses Landes können einen Frauenanteil von peinlichen 2, 2 Prozent vorweisen. In den 200 größten Konzernen sind es insgesamt gerade mal 3, 2 Prozent.

Daran haben auch alle gut gemeinten Selbstverpflichtungen nichts geändert: Vor zehn Jahren haben Unternehmen einen Pakt mit der Bundesregierung beschlossen, das eklatante Missverhältnis der Geschlechter einzuebnen. Seitdem ist wenig bis nichts geschehen, denn, das darf man nicht vergessen. Deutschland ist nicht nur traurig, es hat auch die Hosen voll vor der großen, bösen und natürlich immer inkompetenten Quotenfrau. Immerhin raffte sich im letzten Wahlkampf die SPD auf, eine Quote für Aufsichtsräte einzufordern, aber wie wir alle wissen, hat am Ende doch die “Lass die Wirtschaft es selbst regeln”-Koalition die Wahl gewonnen.

Jetzt kommt die Nachricht, dass sich bald trotzdem etwas tun könnte. Die Rächerin der so genannten modernen Frau, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in der neuesten Ausgabe des Manager-Magazins etwas für ihre Partei ganz Unerhörtes getan: Sie hat der Wirtschaft g-e-d-r-o-h-t. Die solle entweder in den nächsten fünf Jahren ihrer eigenen Selbstverpflichtung Folge leisten. Oder es gibt eben doch ein Gesetz. Der Wechsel im Ton könnte auch mit dem Druck, den die EU-Kommission langsam auf das größte MItgliedsland mit den schlechten Gleichberechtigungszahlen macht, zusammen hängen. Vielleicht hat Frau von der Leyen aber auch die Schnauze voll von “Es gibt einfach keine guten Frauen” und “Die Frauen wollen diese Jobs nicht” und anderen Lippenbekenntnissen. Zeit wäre es auf jeden Fall, auch wenn eine Maßnahme, die der so genannten Wirtschaft irgendetwas vorschreibt, mit der FDP wahrscheinlich sowieso nicht zu machen ist.


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Dieses Hygieneprodukt hält besser dicht als Wikileaks

17. Dezember 2010 von Meredith

Kurze Lachpause zum Thema Wikileaks, präsentiert von einem Bindenhersteller aus Pakistan:
Werbeschild in Karachi - Links eine weiße Binde mit Flügeln vor rotem Grund und der Schrift: WikiLeaks - rechts weißer Hintergrund und rote Schrift: Butterfly Doesn't

Das sieht man jetzt angeblich überall in Karachi.
Bei BoingBoing gibt es auch eine Erklärung, die sie von dem Blog Kabobfest haben:

Pakistan’s been a major player in the whole Cablegate fiasco. From the U.S being terrified of nuclear weapons falling into the hands of extremists to false leaks, heavily anti-Indian and conspiratorial, being spread throughout the country vis a vis some of the most respected newspapers in the region.

Thus, it’s only natural and appropriate that Pakistanis would try to have some fun with this.

Update: Übersetzt heißt das etwa: Pakistan gehört zu den Hauptprotagonisten des ganzen Fiaskos um den Außenministeriumsskandal. Das geht von der Furcht der USA davor, dass Waffen in die Hände von Extremisten fallen könnten, über falsche Leaks, die von den seriösesten Zeitungen des Landes verbreitet werden und extrem anti-indisch und verschwörungstheoretisch sind.
Somit ist ist nur natürlich und angemessen, dass die Pakistaner versuchen, mit der ganzen Sache ein bisschen Spaß zu haben.

Bild via BoingBoing.net


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