Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre
4. Juli 2011 von AdeleDie Frauenquote findet ja immer mehr AngängerInnen, wie es gerade so scheint. Auch meine Arbeitgeberin hat dieses Thema als etwas entdeckt, worüber man mal reden sollte und sich das Ziel gesteckt, bis 2015 30% Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen. Erreicht werden soll dieses Ziel mit mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, flexibleren Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätzen. Klingt erstmal toll und modern. Allerdings merkt man an den Maßnahmen sehr deutlich, wer sich das ausgedacht hat: weiße verheiratete Männer Mitte 50 mit durchschnittlich 2.1 Kindern, die davon ausgehen, dass Frauen diejenigen sind, die Familie und Beruf vereinbaren müssen.
(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Wegen der Wohnsitzproblematik blieb für uns letztendlich nur die Option „Betriebskindergarten“. Aber auch dort sind die Plätze heiß begehrt und es bedurfte eines Wutausbruchs im Büro meines Chefs und mehrerer emotional sehr aufgeladener Gespräche mit oberen Führungskräften, um nach einem Jahr Wartezeit nun endlich ab Sommer das Kind an meinem Arbeitsort in den Kindergarten schicken zu können und damit den Status „Wochenendmama zu beenden.
Jetzt haben diese Männer also erkannt, dass sie das Potential ihres Führungsnachwuchses nicht voll ausschöpfen, weil ein Teil des Potentials ganz offensichtlich nicht beachtet wird. Und woran liegt das? Daran, dass die weiblichen High Potentials mit Kindern Beruf und Familie vereinbaren müssen. Da helfen wir denen doch mal ein bisschen und spendieren denen Kindergärten, flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze. Nur: Die außertariflich Angestellten werden schon heute nicht nach Anwesenheitszeit bezahlt. Die somit bereits realisierten flexiblen Arbeitszeiten bedeuten in dem Zusammenhang hauptsächlich „Überstunden sind mit dem Lohn bereits abgegolten“. Und auch der Laptop, Zugang von einem externen Internetanschluss via VPN zum Firmennetzwerk und der Blackberry gehören zum Standard, so dass das Arbeiten von zu Hause aus bereits jetzt schon problemlos möglich ist. Diese vollmundig versprochenen Maßnahmen, größtenteils bereits etabliert, werden wahrscheinlich einfach nicht reichen, solange die männlichen Konkurrenten eben nicht das Problem haben, Karriere und Familie zu vereinbaren. (weiterlesen …)
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