4 Wege, Frauen und Technik zusammen zu bringen

von Helga

Nachdem Clay Shirky bereits vor einiger Zeit riet, Frauen sollten einfach ihr gutes Benehmen über Bord schmeißen, um erfolgreich zu sein, beschwerte sich nun Michael Arrington von TechCrunch. Auf der hauseigenen Konferenz „TechCrunch Disrupt” liegt der Referentinnenanteil bei gerade einmal 10%, das Problem seien aber die Frauen, die einfach nicht wollten und er hätte es satt, dafür verantwortlich gemacht zu werden.

Doch müssen wirklich nur die Frauen etwas tun und sich im schlimmsten Fall noch zu Arschlöchern wandeln? Nein. Auf GeekFeminism wurden daher andere, geprüfte Strategien gesammelt, um Frauen für Technik zu begeistern oder sie angemessen einzubinden.

1. Talente finden und fördern
Kommentatorin lala berichtet aus ihrer High School. Für den Besuch des Mathe-Leistungskurses ist dort die erfolgreiche Teilnahme an einem schwierigen Mathe-Test notwendig. Solange dieser freiwillig angeboten wurde, versuchten sich ausschließlich Schüler daran, so dass der Kurs auch rein männlich besetzt war. Daher wurde die Teilnahme am Test obligatorisch und allen, die ihn bestanden hatten, der Mathe-Leistungskurs angeboten. Inzwischen ist der Kurs zur Hälfte oder leicht darüber mit Schülerinnen besetzt.

2. Hindernisse aus dem Weg räumen
Um sich in einer „Matheliga” zu verbessern rekrutierte das Team, von dem Helen Huntingdon erzählt, explizit Frauen. Alle vorgebrachten Argumente gegen die Teilnahme kamen auf eine Liste und wurden abgearbeitet. Kinderbetreuung, Fahrgelegenheiten und Einführungsveranstaltungen kamen dabei heraus, die alle bereit gestellt wurden. Der Erfolg? Die Hälfte der 20 erfolgreichsten Teammitglieder sind Frauen und eine deutliche Verbesserung in der Liga.

3. Eine offene Atmosphäre schaffen
Um für das Ohio LinuxFest mehr Referentinnen zu rekrutieren, schrieben die Veranstalter_innen verschiedene Gruppen an, in denen sich Frauen mit Linux beschäftigen. Dabei gingen sie auch mögliche Probleme für Erstreferentinnen, Umgang mit dem Publikum und mangelndes Selbstvertrauen in die eigene Komptenz an. Statt nicht einmal 10% lag der Anteil anschließend bei fast 40% Referentinnen. Für eine unbelastete Atmosphäre sind die Referent_innen ferner angehalten, in den Präsentationen auf unangebrachte „Auflockerungen” zu verzichten.

4. Immer weiter suchen
Ob Mann oder Frau – oft genug werden immer wieder die gleichen Leute eingeladen. Die gewünschte Referentin hat keine Zeit? Aber vielleicht ein paar Empfehlungen, wer ebenfalls interessiert sein könnte. Und dann weiter schauen: Auf geekspeakr.com finden sich auch deutsch-sprachige Expertinnen und unter den Haecksen, SheGeeks, TechNixen, Webgrrls oder Frauen*ImNet ist sicher auch noch die eine oder andere dabei.

Also liebe Kommentator_innen, welche Strategien habt ihr eingesetzt, um Mädchen für Technik zu begeistern oder die Repräsentanz von Frauen zu verbessern? Gibt es noch andere Gruppen, die angesprochen werden können, etwa von Physikerinnen oder Biologinnen? Und was hat leider gar nicht funktioniert?




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Eintrag geschrieben: Montag, 13. September 2010 um 10:46 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben!

    Hat zwar nichts mit Technik zu tun, aber das Beispiel mit dem Mathe-Test zeigt für mich deutlich, wo oftmals ein Problem liegt. Dass der Kurs nun mit dem verpflichtenden Test zur Hälfte mit Mädchen belegt ist, vorher garnicht zeigt ja deutlich, dass es weder an mangelnden Fähigkeiten noch an mangelndem Interesse lag, dass die Mädels nicht in den LK gingen, sondern am Test – und wohlmöglich der Angst, an diesem zu scheitern. Es gibt ja zahlreiche Studien dazu, dass Mädchen zu einer geringeren Selbsteinschätzung der Leistung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich neigen. Ein Problem, was oftmals sozialisationsbegründet ist und auch in den Schulen gefördert wird, wenn vielleicht auch unterbewusst.

    Jedenfalls denke ich, dass es ja auch nicht das Ziel sein kann, Mädchen zu helfen, indem man sie quasi zu einem Test zwingt, damit sie sich der Herausforderung stellen müssen und zugelassen werden. Das ist ja in gewisser Weise auch bevormundend, auch wenn es so gesehen hilft, aber es ist eben doch eine Krücke.

  2. Peanut sagt:

    Mein Feedreader hat mir gestern Nacht noch das Projekt Ubuntu-Frauen [1] (oder hier direkt bei der deutschen Ubuntu-Community [2]) geliefert, welches sich zum Ziel gesetzt hat mehr Frauen für Ubuntu/Linux und FOSS zu begeistern. Im Artikel finden sich noch weitere Links zu Projekten rund um andere Linux-Distributionen und verwandte Bereiche/Projekte.

    [1] http://www.helena-morzuch.de/blog-item/items/ubuntu-frauen.html
    [2] http://ikhaya.ubuntuusers.de/2010/09/12/ubuntu-und-frauen/

  3. Mutzel sagt:

    Ich hab mal ein A6-Flugblatt gesehen, auf dem in einem kurzen Text erklärt wurde, dass Frauen bei Computerthemen oft nicht für voll genommen werden, Dinge schlechter erklärt, das Keyboard aus der Hand gerissen werden und dass ein anderer Umgang nötig ist. Wenn sowas auf Veranstaltungen oder an PC-Pools ausliegt, sensibilisiert das erstens und gibt zweitens Mut, solches Verhalten anzusprechen wenn es auftritt.

  4. Jens sagt:

    Ich bin weder Pirat noch in irgendeiner anderen politischen Gruppierung und mache ganz andere Dinge. Ich stieß auf diesen Blogeintrag und muß mich dennoch sehr wundern.

    “Solange dieser freiwillig angeboten wurde, versuchten sich ausschließlich Schüler daran, so dass der Kurs auch rein männlich besetzt war.”

    Das ist doch ein Ende der Diskussion oder nicht? Gleiches Recht für alle und jeden. Wenn eine Person teilnehmen will, kann er / sie das, wenn nicht, dann eben nicht. Wozu braucht es eine fragwürdige “positive” Diskriminierung?

  5. Helga sagt:

    @Jens: Wenn wir die Frage, warum das problematisch ist, aufzeigen sollen, empfehle ich Dir, mehr als diesen einen Blogpost hier zu lesen, sondern regelmäßig reinzuschauen. Oder Dich über die Bedeutung von Stereotypen, Klischees etc. zu informieren. Es gibt viele Studien, die beweisen, dass Klischees Menschen erst dazu bringen, sich in einer bestimmten Weise zu verhalten, sich zum Beispiel als Mädchen von Technik fern zu halten. Das ist kein gleiches Recht für alle, das sind keine gleichen Vorraussetzungen, das sind Diskriminierungen!