Archiv für November 2009


Das Väterbild ist negativ geprägt

30. November 2009 von Gastautor_in

Wir haben gefragt, was sich Väter von der neuen Ministerin Köhler wünschen würden. Und unser Leser Freundchen – Vollzeiternährer, aber auch Vollzeitvater – hat geantwortet:

Ich versuche es mal vorsichtig zu formulieren. Ich finde, dass das Väterbild seitens der Politik, aber auch der Gesellschaft entschieden negativ geprägt ist.
Das fängt mit kleinen Eskapaden (alle selbst erlebt) an, dass man als Mann mit Kind dumm angemacht wird, wenn man es wagt sich auf einen “Mutter-Kind”-Parkplatz zu stellen (ihr kennt die Symbolik Frau und Kind). Auch wenn es für mich zu spät ist zum jetztigen Zeitpunkt, wünsche ich mir Wickeltische. Das mag für viele ziemlich doof klingen, aber ich fands zum Kotzen, mein Kind jedesmal erst ins Damenklo zu hieven. Mir persönlich hat es nichts ausgemacht, aber die nervtötenden Kommentare und Blicke einiger Damen (selbst im Indoorspielplatz) gingen mir auf den Keks.

Ich fands richtig schlimm bei jeder Handlung, jeder Bewegung gefühlt fünf Frauen zu haben, die mich mit Argusaugen überwachten. Ich wurde selbst schon angemacht weil ich mein Kind mit der Hand im Schritt trug, es war damals nicht mal ein Jahr. Aber medial und gesellschaftlich hatte ich ab und an das Gefühl, als Vater ist man quasi schon dem “Kinderschänder” gleichgestellt. Und solang ist es nicht her, im meinem Fall gerade mal 3 Jahre.

Ein weiterer Wunsch wäre eine adäquate Vater-Kind – Förderungen mit angemessenen Spielangeboten, Krabbelgruppen etc. Nichts hat mich mehr genervt zwischen den Muttis zu sitzen und das ständige “Mein Kind kann schon….” *kotz*

Und ich möchte, dass die Leistung eines Ernährers/Ernährerin nicht runtergerechnet wird. Es gibt nichts schlimmeres für einen Menschen, auf der einen Seite den wirtschaftlichen Zwang zu haben, auf der anderen Seite die kontraproduktive Haltung des Partners/Partnerin, dass man zuviel Zeit auf Arbeit verbringt. Es ist leider teilweise nicht anders lösbar. Teilzeitjobs sind in vielen Berufen schlichtweg unmöglich. Ich hatte nun viel Kontakt zu Vollzeitmamas und die Beschwerden waren teilweise stark konstruiert. Eine Mutter hat einen 24h-Job, das ist reine Verklärung… da frag ich mich, wieso Mamas so viel im Internet korrespondieren (einschlägige Foren sind mir bekannt), wenn sie keine Zeit haben.

Und ich möchte, dass die “heilige Kuh” Mutter (als Rolle) endlich geschlachtet wird. Die nahezu einseitige Ausrichtung der Politik auf Frau, Mutter, Tochter in vielen Bereichen ist kontraproduktiv. Väter und/oder Männer (deckt sich ja ab und an *g*) tauchen in vielen Studien quasi nur “nebenbei” auf. Sie sind nicht mehr als einen Nebensatz wert. In Zeiten wo man versucht, die Männer zu mobilisieren (und Frau v.d.L hat das sicherlich NICHT geschafft) auch Väter zu werden, muss man auf sie eingehen.

Ich möchte außerdem das unabhängige Studien über Veränderungen im Scheidungs-, Sorgerechts-, Umgangsrecht durchgeführt werden. Danach sehen wir an der Stelle weiter.

Und das wichtigste: Ich finde es zwingend notwendig, dass Frauen und Männer bzw. Mütter und Väter zusammenarbeiten und nicht gegeneinander. Das meine ich vorallem in der Schaffung bzw. Abänderung von (neuen) Rechten.


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Warum studieren Frauen MINT-Fächer?

30. November 2009 von Helga

Die netten Kollegen können es nicht sein… So veröffentlichte Heise.de gerade die neuen Studienanfängerzahlen. Danach steigen die Neueinschreibungen in Fächer wie Informatik oder Bauingenieurwesen bei den weiblichen Studienanfängern stärker als bei den männlichen. Doch keine gute Nachricht ohne Schattenseite: Natürlich ist der Blick ins Heise-Forum immer ein Wagnis, dennoch sind der Frauenhass und die Vorurteile zu diesem Beitrag wirklich umwerfend.

  • Quotenmuschis – … Geht hochschlafen jetzt auch in der Uni?
  • Frauen = Geschlechtsorgan. Und Sex haben wir nur, um was zu erreichen…

  • Mann-Weiber wäre der bessere Ausdruck – Attraktive Studentinnen studieren doch Kunstgeschichte oder BWL.
  • Wer Ingenieurin wird, *muss* scheiße aussehen. Das zu beurteilen ist natürlich nicht nur Recht sondern sogar Pflicht diverser Männer dieser Welt, sie warnen damit nur die anderen:

  • 10% aller Informatikerinnen – sind weiblich
  • Ist das eigentlich legal, all seine Kommilitoninnen auf ihr Geschlecht testen zu lassen?

  • Das wird zu einer Absenkung des NIveaus [sic!] führen
  • Äh ja. Der nächste Kommentator geht immerhin davon aus, dass die Studentinnen den Abschluß machen und einen Job bekommen:

  • Na toll, noch mehr zusätzliche Arbeit… – wenn ich auch noch die Arbeit der neuen Kollegin in Zukunft übernehmen muss.
  • Das sieht nicht jeder so positiv:

  • Arbeiten diese Frauen denn auch im Beruf? – Ich kenne viele Frauen mit tollen Studienabschlüssen. Leider arbeiten nur die wenigsten in einem entsprechenden Beruf – primär infolge Familie.
  • Ja, warum die dann wohl alle zu Hause bleiben? Dank Ehegattensplitting und demnächst noch Herdprämie lohnt sich das Arbeiten gar nicht. Und mein persönlicher Favorit (sagt mir bitte, dass ich den Sarkamussmiley übersehen habe):

  • Frauen gehören ins Bett, an den Herd oder in den Kreißsaal !!! -> …Ausserdem sollte man in Deutschland für ALLE Frauen die Burka gesetzlich vorschreiben.

Immerhin gab es einige kritische Stimmen, die das “Machogelaber” kritisierten und es war Freitag, ein spezieller Tag im Heiseforum. Trotzdem sollte man sich nicht wundern, wenn nur wenige Frauen den Weg in die MINT-Fächer wagen. Zum Schluß noch die Antwort auf eine Frage, die hier bereits mehrfach für Diskussionen sorgte:

Die Arbeitslosenquote von Ingenieurinnen, die in den letzten Jahren immer um die 20 Prozent lag, liegt 2008 nur noch bei 6,8 Prozent.


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Tagung in Berlin: Frauenaufbruch ’89

30. November 2009 von Magda

Am 06.12. findet in der Volksbühne Berlin, Grüner Salon, eine Tagung zum Thema Frauenaufbruch ’89: Was wir wollten – Was wir wurden statt, in der zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls der feministische Aufbruch während und unmittelbar nach der Wende und die Gründung des Unabhängigen Frauenverbands (UFV) diskutiert wird. Auf Salon 21 heißt es:

Als Anfang Dezember 1989 auf einen spontanen Aufruf hin 1200 Frauen aus allen Regionen der DDR im großen Theatersaal der Berliner Volksbühne zusammentrafen, markierte dies den Beginn einer erstmals in diesem Ausmaß öffentlich werdenden unabhängigen Frauenbewegung in der DDR, deren Wurzeln in die 1980er Jahre zurückreichten. Frauen aus unabhängigen Frauen- und Lesbengruppen, Kirchenfrauen, kritische Wissenschaftlerinnen, Reformerinnen aus der SED – Frauen aus den unterschiedlichsten Kreisen und Glaubensrichtungen traten aus ihren bislang verborgenen und voneinander getrennten Gruppen und Zirkeln heraus und diskutierten erstmals gemeinsam über den Zustand und die Zukunft ihres Landes.

Zum 20-jährigen Jubiläum dieses Ereignisses hält die Tagung Rückschau auf die enthusiastischen Zeiten des Aufbruchs und fragt gleichzeitig nach der Ambivalenz seines Erbes. Hat ein in der DDR gewachsener Emanzipationsvorsprung von Ostfrauen die Bundesrepublik verändert und wie ist es heute um die Geschlechterarrangements in diesem Land bestellt?

Plakat des Unabhängigen Frauenverbandes der DDR, 1990. © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Plakat des Unabhängigen Frauenverbandes der DDR, 1990. © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Unter anderem mit dabei sind Irene Dölling, Bärbel Klässner, Ina Merkel, Hildegard Maria Nickel, Walfriede Schmitt, Christina Thürmer-Rohr und Suse Jank & Band (poetischer Ostrock).

Um Anmeldung wird gebeten.

PS: Auf weltonline.de schrieb Judith Luig einen interessanten Kommentar zum “Mythos Ostfrau”.


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Selbermach-Sonntag (29.11.09)

29. November 2009 von Anna

Selbermachsonntag Es ist Sonntag und deswegen seid jetzt ihr dran! Was ist euch diese Woche aufgefallen, was wir übersehen haben? Verlinkt und diskutiert es in den Kommentaren!

Schönen Sonntag!


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Nutzlose Männer, Brüste, Multitasking und Kristina Köhler

28. November 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 21 von 262 der Serie Die Blogschau

Willkommen zur Blogschau in dieser Woche!

Medienelite hatte einen Artikel über Vergewaltigung und Vergewaltiger geschrieben. Und macht sich nun sehr lesenswerte Gedanken über die Kommentare unter diesem.

Ach ja, der Herr Schirrmacher. Der hat in seinem neuen Buch mal wieder einen neuen Schuldigen wahrscheinlich so ziemlich alles ausgemacht. Wen? Klar, das Internet. Magda (nee, nicht unsere) bloggt bei freitag.de darüber.

Tessa schreibt bei flannel apparel über Brüste. Und Modefotos. Aber nicht nur.

„Berufstätige Mütter sind sich ihrer Meinung nach in der Regel vor allem in einer Sache einig: Ihre Partner bringen sich im Haushalt zu wenig ein. […] Berufstätige Mütter bemühen den Mythos vom „nutzlosen Mann“, um sich selbst weiblicher zu fühlen.“ – Wer sagt denn sowas!? Der Väterblog. Dieser schreibt über eine Studie, über die ursprünglich im Guardian berichtet wurde (Übersetzung hier): „Der Mythos vom nutzlosen Mann“.

Antje Schrupp macht sich Gedanken über eine Studie des Sinus-Institutes über „Frauen in Führungspositionen“ und verweist dabei auch auf Interviews/Artikel zum Thema.

Ab Montag haben wir eine neue Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Über die weiß man noch nicht allzu viel. Allerdings kann man auf ihrer Website folgenden Satz lesen: „Gerade als Christdemokratin freue ich mich über schwule und lesbische Paare, die in einer Lebenspartnerschaft dauerhaft füreinander Verantwortung tragen wollen. Hier werden konservative Werte gelebt!“ Was Samstag ist ein guter Tag immerhin zu vorsichtigem Optimusmus veranlasst.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Richard und Sarah haben uns auf einen Artikel bei Spiegel Online hingewiesen, in dem aus Köhlers Abizeitung zitiert wird (Dankeschön an dieser Stelle für den Hinweis). Dort hieß es, sie wolle die erste Frau sein, „die Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, ohne dass irgendein Teil darunter leidet und ohne jemals zur Feministin zu werden“. Ob man jemand wirklich zum Vorwurf machen kann, was in einer Abizeitung steht, ist in meinen Augen allerdings fraglich. Vom heute journal darauf angesprochen antwortete sie, dass sie weite Teile des Feminismus als konstruierten Kampf von Männern gegen Frauen wahrnehme und diesen ablehne: „Männer und Frauen müssen an einem Strang ziehen“. Das ganze Interview kann man sich in der ZDF-Mediathek ansehen.

Was wäre eine Blogschau ohne den Mädchenblog? Dieser hat mich auf den Bericht über einen Vortrag des Tübinger Professors Thomas Junker gestoßen, in dem dieser unter anderem sagte: „Die Behauptung, Homosexualität sei widernatürlich, widerspricht biologischen Erkenntnissen.“ – Huch! Was da wohl die Partei von Frau Köhler zu sagen wird?

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Wie kriegt man Frauen rum…?

28. November 2009 von Magda

Ganz klar: mit einem kleinen, glitzernden Diamanten!

Werbetafel in Ontario, Kanada

Werbetafel in Ontario, Kanada: "Ein kleiner Zauber kann so einiges bewirken."

Würg.

via sociological images.


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Eine Woche voller News

27. November 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 13 von 256 der Serie Kurz notiert

Schon wieder Wochenende. Und wieder ist vieles im Netz passiert:

Verhindern anonyme Geburten die Tötung ungewollter Kinder? Eine ellenlange Debatte ließe sich über diese Frage ausbreiten. Der Ethikrat scheint nicht überzeugt zu sein und empfiehlt daher, Babyklappen wieder abzuschaffen, wie die Netzzeitung berichtet.

Vielleicht habt auch ihr diese Woche einen Fernsehbericht über Sarah Palins neueste Tour durch Amerika gesehen: Stets ihren behinderten Sohn hyperaktiv seine Ärmchen wedelnd in die Kamera zeigend? – nein? Nicht schlimm – im Guardian hat Jessica Valenti das Come-Back der Hockeymom für euch zusammengefasst.

“Nothing tastes as good, as skinny feels,” so lautet – nach eigenen Angaben – das Motto von Model Kate Moss. Auf Feministing kann Jessica dazu nur zu Protokoll geben:

“For the record, here are some things that taste better than skinny (or any weight) feels: Lasagna, cheesecake, nachos, fresh guacamole, grilled cheese, hot chocolate on a cold day, peanut butter, mashed potatoes, mozzarella, oh my god now I’m really hungry. Gotta go eat.”

Oho – das Bundesverfassungsgericht meldet sich wieder einmal in Sachen “Ehe” zu Wort: vielleicht könnte es nötig sein, das Ehegattensplitting endlich auch für homosexuelle Paare zuzulassen. Spiegel Online schreibt dazu:

“Wenn auch Paare, die in der Regel keine Kinder aufziehen, in den Genuss einer Leistung kommen, die immer noch als ein Segen für die Familien gilt, dann könnte das der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das Gewähren von Steuervorteilen auch für homosexuelle “Ehe”-Paare könnte zugleich das Ende dieser Privilegien einläuten.”

“Ups, I did it… “ – tja: Bei Britney Spears und Madonna standen die Leute drauf, als sie sich bei den MTV Music Awards küssten. Und wer nicht drauf stand, der wäre trotzdem nicht auf die Idee gekommen, die beiden von irgend etwas auszuladen. Anders erging es Adam Lambert: Er simulierte (!) Oralsex mit und küsste seine Bandmitglieder. Also lud ihn ein TV-Sender aus, wie ebenfalls auf Spiegel Online zu lesen ist. Könnte etwas mit der sexuellen Orientierung des Sängers zu tun haben.

Dabei ist Homosexualität etwas ganz Natürliches, wie uns auch ein Professor der Geschichte der Biowissenschaften erklärt, und zwar auf den Seiten des Humanistischen Pressedienstes. Mehr noch: Homo- und Bisexualität sind sogar evolutionär äußerst wichtig.

http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,663266,00.html#ref=rss

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EVP will sexuelle Gewalt nicht bestrafen

27. November 2009 von Franziska

Bild: Cédric Puisney (über wikimedia commons)

Anlässlich des 10.  Internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen haben wir am Mittwoch, 25. November, im Europaparlament (EP) über eine Entschließung zum Thema Gewalt gegen Frauen abgestimmt. Das Verhalten der Europäischen Volkspartei (EVP) hat mich dabei entsetzt:

Die EVP hat im EP dagegen gekämpft, dass in allen Mitgliedstaaten sexuelle Gewalt und die Vergewaltigung von Frauen in der Ehe und in informellen Partnerschaften und/oder durch männliche Verwandte als eine Straftat anerkannt wird. Sie sprach sich auch dagegen aus, eine eindeutige Rechtsgrundlage für ein umfassendes Rechtsinstrument zur Bekämpfung aller Formen von Gewalt gegen Frauen in Europa zu schaffen.

Was muss das für ein anachronistisches Frauen und Familienbild sein, dass zu solch einem Verhalten führt? Zum Glueck konnte die EVP sich mit dieser Position nicht durchsetzen – aber ihr Signal an Frauen in Europa ist beschämend.


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Im Dezember in Bochum

27. November 2009 von Helga

Vom 2. bis 10. Dezember veranstalten das Autonome FrauenLesbenreferat und das Referat für Grund- und Freiheitsrechte des AStA Bochum die Vortragsreihe “Geschlecht und Gesellschaft”. Die Themen reichen von der Heteronormativität in Star Trek über Queer Theory bis zu verschiedenen Intersektionalitätsansätzen.
Hier gibt’s die Termine und weitere Informationen.


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Den eigenen Frieden verteidigen

25. November 2009 von Katrin

Eine alte Frage in Sachen Geschlechtergerechtigkeit stellt sich neu: Diskriminiert die einseitige Wehrpflicht Männer? Wenn ja, wollen wir mehr Frauen in der Bundeswehr?

(C) Frl. Zucker – fraeuleinzucker.blogspot.com/

Frauen gelten im Vergleich zu Männern gemeinhin als friedfertiger und weniger aggressiv. Manche besonders biologistisch orientierten Menschen ziehen als Begründung dieser scheinbaren Tatsache das Testosteron heran. Aber auch einige Vertreterinnen der sogenannten Neuen Frauenbewegung haben sich als Hüterinnen der menschlichen Friedfertigkeit angesehen und sind in einen tosenden Sturm gegen Alice Schwarzer ausgebrochen, als diese sich für einen Zugang von Frauen zum Militär aussprach (erschienen 1978 in einem Aufsatz der Emma ).

Schwarzer begründete diese ungewöhnliche Forderung mit drei wesentlichen Fakten: 1. Sei das Militär nur ein weiterer Bereich der Gesellschaft, in dem es um Macht ginge und auch hier glänzten typischerweise Frauen durch Abwesenheit, was als Missstand gesehen werden müsse. 2. Sei das Militär ein Ort, der zur ideologischen und realen Verfestigung des Männlichkeitswahns diene. Durch den Ausschluss aus diesem Bereich würden zugleich Frauen weiterhin in die typische Opferrolle der Hilflosigkeit gedrängt. 3. Sei das Militär „ein extremster Ausdruck der Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen: hier steht ein Jahr Wehrdienst gegen 20 Jahre Mutterdienst.“

Zwar relativierte Schwarzer in ihrem Aufsatz gleich selbst ihre Forderung nach weiblichem Zugang zum Militär, indem sie deutlich machte, dass Wiederaufrüstung, Kasernendrill und Waffengeprotze sie persönlich schon immer schockiert hätten. Außerdem wehrte sie sich auch sofort gegen die – wie sie es nannte – Milchmädchenrechnung, dass die Frauen, wenn sie Gleichberechtigung wollten, auch zum Militär müssten: Darüber könne man reden, wenn die Männer auch alle Frauenpflichten wahrnähmen. (mehr …)


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