Archiv für Juli 2009


NME holt Musikjournalistin

30. Juli 2009 von Verena

Gute Nachrichten aus dem Musikjournalismus: Der britische New Musical Express (NME), auch international eines der wichtigsten Musikmagazine, hat sein Redaktionsteam um eine Frau aufgestockt. Krissi Murison verstärkt die bisher zehnköpfige Mannschaft. Keine Ahnung, wie viele davon bisher Frauen sind, aber wir wollen auch nicht immer meckern…

Paul Cheal vom NMW erklärte immerhin, dass der Job heiß umkämpft gewesen wäre. Fein also, dass sich eine Frau im nerdigen Männermetier durchsetzen konnte. Was sich viele Leser von der neuen Redakteurin wünschen, scheint vor allem eine Rückkehr zu mehr Text und weniger poppigen Bilderstrecken zu sein, die den NME gefährlich nah an Teenie-Mag-Optitk gebracht hat.

Good Luck, Krissi!

P.S. Tatsächlich ist Murison wohl zur Chefredakteurin ernannt worden, wie der Guardian in einem lesenswerten Artikel berichtet. Hier gibt es die Übersetzung beim Freitag.


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Renate Schmidt über Frauen- und Familienpolitik

30. Juli 2009 von Susanne

Die ehemalige (unter Rot-Grün) Familienministerin Renate Schmidt spricht im Interview über den Ausbau der Kinderkrippen, über Kinderarmut, alleinerziehende Eltern, Gleichberechtigung von Müttern und Vätern und über ihren Abschied aus dem Bundestag am 27. September:

Schmidt fordert auch eine verbindliche Frauenquote in der Privatwirtschaft – hat sie doch selbst die Erfahrung machen müssen, dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen, die sie in ihrer Zeit als Ministerin mit den Unternehmen vereinbart hatte, keinerlei Wirkung auf die Chancengleichheit von Frauen im Berufsleben hatte.


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Porno – D.I.Y.

29. Juli 2009 von Verena

Wer sich bei YouPorn langweilt, sollte vielleicht mal selbst zur Kamera greifen und einen Joy Award gewinnen.

Die Filmemacherin Petra Joy hat den gleichnamigen Pornoaward ins Leben gerufen, um unerfahrenen Filmemacherinnen den Einstieg in eine Branche zu erleichtern, in der die Rolle der Frau vor allem als vor der Kamera positoniert wird. Dazu Joy:

I would like to inspire first time female film-makers to take control, get behind the camera and show erotica – from a female perspective. {…} I would like to help talented film-makers to finance and publish their future films. My wish is that this award will help to make more female fantasies visible and more female erotic film-makers seen and heard!

Einzureichen sind Kurzfilme unter dem Motto „What is erotic to you?”, die durchaus Klischees in Frage stellen dürfen und Bilder innovativ und kreativ besetzen. Die drei besten Filme werden im Oktober beim Pornofilmfest in Berlin gezeigt. Die drei Erstplatzierten erhalten außerdem bis zu 800 Euro Preisgeld

Einsendeschluss ist der 15. September 2009!


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Applaus für… eine Heldin in Afghanistan

29. Juli 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 5 von 21 der Serie Applaus für

Die Unterdrückung der Frauen durch die Taliban war ein Argument, das Deutschland zur Teilnahme an der “Operation Enduring Freedom” in Afghanistan bewegte. Dass die Befreiung immer noch nicht bei den Frauen angekommen ist, zeigte zuletzt die Diskussion um ein Gesetz, dass den ehelichen Geschlechtsverkehr der Schiiten regeln sollte. (Das Gesetz wurde inzwischen geändert, enthält aber weiterhin strittige Passagen, so der Focus.)

Für gesunde Frauen und sichere Geburten kämpft jeden Tag Pashtoon Azfar, die Vorsitzende der Afghanischen Hebammen Vereinigung. Sie ist außerdem Vorsitzende des Afghanischen Instituts für Gesundheitswissenschaften und Beraterin von JHPIEGO, einer gemeinnützigen Organisation der Johns Hopkins Universität, die sich für kostengünstige und effektive Gesundheitsversorgung einsetzt. Im Porträt in der New York Times wird deutlich, wie schwer die letzten Jahrzehnte dem Land zugesetzt haben:

Ms. Azfar never actually saw a birth until she began studying midwifery at age 16[…] . She finished the rigorous three-year program at the top of her class in 1976. “It was a very well-respected profession in my country,” she said. But decades of war destroyed midwifery and much of health care, she said. Professionals fled the country, and many never went back.

Heute hat Afghanistan die zweit-höchste Sterberate weltweit bei Schwangerschaften und Geburten. Jedes Jahr sterben 26.000 Afghaninnen, weil sie unzureichende oder gar keine medizinische Betreuung bekommen. Nach dem Ende der Talibanherrschaft waren nur noch 537 Hebammen übrig – in einem Land mit 28 Millionen Einwohnern. Neben chronischem Personalmangel und unterfinanzierten Krankenhäusern gibt es ein weiteres Problem:

The deeper problems are cultural, rooted in the low status of women and the misperception that deaths in childbirth are inevitable — part of the natural order, women’s lot in life. During her talk in Washington Ms. Azfar quoted Dr. Mahmoud Fathalla, an Egyptian physician and advocate for women’s health: “Women are not dying of diseases we can’t treat. …They are dying because societies have yet to make the decision that their lives are worth saving.”

Seit Jahren arbeitet Azfar sieben Tage die Woche, auch zum Missfallen ihrer Familie, um Hebammen auszubilden und die Wertschätzung der Frauen zu erhöhen. Eine echte Heldin.

Artikel via Feministe.


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Die Weiber seien untertan ihren Männern

29. Juli 2009 von Werner
Dieser Text ist Teil 10 von 27 der Serie Neues vom Quotenmann

Jimmy Carter hat in einem sehr kritischen Artikel im britischen Observer die Rolle von Religionen in Bezug auf die Unterdrückung der Frauen thematisiert. Und ich muss sagen, er hat in den meisten Punkten Recht, nur leider bleibt er, aus meiner Sicht, nach einer guten Analyse auf halber Strecke stehen.

Oft ist es auf Religionen zurückzuführen, dass Frauen schlechter ausgebildet werden, ihnen Berufe vorenthalten und Macht verwehrt wird – von sexuellen wie freiheitlichen Selbstbestimmungsrechten ganz zu schweigen. Und das gilt nicht nur für eine Religion, in so gut wie jeder finden sich dafür Regeln, sogar in vielen buddhistischen Häusern!

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Es tut wirklich gut, jemanden wie Jimmy Carter – immerhin ehemaliger Präsident eines echt sehr religiösen Landes – das sagen zu hören. Manchmal fühle ich mich mit dieser Position doch eher allein oder unter vielen, die sich das nicht auszusprechen trauen, da sonst religiöse Gefühle verletzt werden. Dieses letztere Argument halte ich, nur mal so ganz kurz nebenbei sowieso für extrem arrogant, da es die Gefühle religiöser Menschen über die von Frauen, Homosexuellen, Huren und sonstigen von der Religion Ausgestoßenen stellt. Religiöse Menschen dürfen diese sehr wohl kritisieren – ihren kompletten Lebensstil – diese dürfen aber nicht den Glauben an ein überirdisches Wesen und die Ableitung für Regeln im alltäglichen Leben kritisieren. Aber ich komme vom Thema ab.

Also, toll dass Jimmy Carter das alles schreibt, aber er zieht irgendwie die falschen Schlüsse. Denn erstens sind es für ihn nur die bösen Gelehrten, die die Unterdrückung der Frau legitimieren und zweitens wäre alles gut, wenn wir uns nur wieder auf Jesus, Mohammed, Moses oder sonstige Propheten berufen würden. Und da kann ich mit ihm schon nicht mehr mitgehen. Religionen sind für mich Herrschaftsmittel. Und dieses Herrschaftsmittel wird von den Herrschenden – und das waren nun mal Jahrhunderte lang Männer – so verwendet, dass ihre Macht vergrößert und zementiert wird. Bei Religionen gilt dies übrigens nicht nur für die formalen, großen Herrscher (gern auch mal Gelehrte genannt), sondern auch für alltägliche familiäre Verhältnisse, denn Religionen versuchen, diese bis ins Kleinste zu regeln. Die Rolle des Mannes und die der Frau innerhalb einer Ehe sind klar definiert – und Vorsicht, hier muss nicht immer nur auf die ach so bösen Muslimen geschielt werden (Zwangsverheiratung, Ehrenmord, …), auch bei den Christen wurde die Frau aus der Rippe des Mannes gemacht und „die Weiber seien untertan ihren Männern.“ (Bibel, Ephesser 5:22) (Anm.: Ich war das mit den Weibern nicht, das war Luther)

Gut ich gebe ja zu, dass ich mich als nicht gläubiger Mensch per se schwer tue, Menschen ernst zu nehmen, die die Unterdrückung anderer damit legitimieren, dass sie irgendetwas glauben. Doch genauso schwer tu ich mich damit, wenn Menschen feststellen, wie sehr Frauen durch Religionen unterdrückt werden, dann aber nicht der Religion, sondern den Menschen, die sie machen, die Schuld geben – denn das ist naiv. Es sind immer Menschen, die hier auf Erden etwas machen, sonst wäre es der Himmel. Und wer sich mal die Bücher der Religionen durchliest – ich habe das bei einigen tatsächlich getan – wird merken, dass die Frau in keinem dieser wirklich gut wegkommt, es sei denn es geht ums Putzen!

Ja, dieses Thema ist nun nur angerissen und somit auch nur oberflächlich besprochen – aber wir können gern in der Diskussion noch bei einigen Fragen in die Tiefe gehen. Zu Jimmy Carter kann ich eben nur sagen, ich freue mich, dass er kritisiert, denn das ist mir allemal lieber als jene, die alles nur als gottgegeben hinnehmen. Von mir aus darf jeder glauben, was er will, aber wenn er deshalb denkt, Frauen weniger Macht, Freiheit oder Spaß zugestehen zu dürfen, dann werde ich das nicht akzeptieren, auch wenn ich damit seine Gefühle verletze.


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Die Familienministerin-Kandidatin

28. Juli 2009 von Susanne

Langsam kommt der Wahlkampf in Schwung und erste Personalien werden bekannt: Zum Beispiel Manuela Schwesig, die für die SPD in den Wahlkampf zieht und Familienministerin Ursula von der Leyen Konkurrenz machen soll. Die 35-jährige Sozial- und Familienministerin von Mecklenburg-Vorpommern hat damit vermutlich eine der schwersten Aufgaben im Wahlkampf übernommen. Denn Ursula von der Leyen ist außerordentlich beliebt, ihre Familienpolitik gilt der Allgemeinheit als modern, als rundum gute Sache.

Bisher hatte SPD-Chef Franz Müntefering die Themen Familie und Vereinbarkeit von ebenjener und Beruf beackert, doch anscheinend ist Deutschland noch nicht bereit für einen Mann mit dieser Aufgabe – wie jedenfalls Kerstin Kullmann im Spiegel in dieser Woche in einem Portrait der jungen Ministerin Schwesig schreibt: “Aber es war immer ein wenig irritierend zu sehen, wie ein Mann im Rentenalter über den Kita-Ausbau sprach.” Ob eine Frau im Rentenalter genauso irritierend gewesen wäre? Allgemein wird ja beim Familienministerium im Gegensatz zu jedem anderen Ministerium angenommen, für das Amt seien die entsprechenden persönlichen Umstände einfach zwingend notwendig – also: Wer über Kinder spricht, muss auch selber welche zu Hause haben.

Aber zurück zu Manuela Schwesig. Sie hat einen zweijährigen Sohn und nun den undankbaren Job, Ursula von der Leyens Arbeit zu kritisieren – die in der Großen Koalition vor allem SPD-Forderungen wie die Vätermonate und das Elterngeld umgesetzt hat –, also quasi ihr eigenes Parteiprogramm. Deswegen muss sie nun nach Themen suchen, die Ursula von der Leyen nicht beackert:

“Elterngeld plus Vätermonate macht mehr Geburten”, sagt Schwesig und schüttelt den Kopf: “So funktioniert das nicht.” Sie wolle nie eine Politik machen, die sich nur an den Geburten orientiere. (…) von der Leyen habe das Gespür für die wahren Nöte der Menschen verloren, ihr fehle das Verständnis für die Wirklichkeit abseites ihrer bürgerlichen Heile-Welt-Romantik.

(…) Schwesig erzählte ihm [Steinmeier], dass sie Elterngeld und Vätermonate zwar für notwendige Instrumente halte, um das Kinderkriegen zu unterstützen. Dass sie aber das Gefühl habe, bei all dem Geburtenratensteigern gerate anderes aus dem Blick: die Kinderarmut, die Probleme Alleinerziehender, die mangelnde Bildung schon bei den Jüngsten.

Die SPD sollte sich so schnell wie möglich mit lautem Kettenrasseln auf diese Themen stürzen, wenn sie in Sachen Familienpolitik wirklich eine Alternative zu von der Leyens Politik zeigen will. Sie muss die Chance nutzen, Sozialpolitik mit Familienpolitik zu verbinden. Sie muss einen radikalen Ausbau der Kinderbetreuung fordern und ein Finanzierungsmodell für kostenlose Kinderbetreuung vorlegen. Kinderarmut und die Probleme alleinerziehender Eltern sollten für die SPD höchste Priotität haben, wenn sie sich im Wahlkampf in der Familienpolitik als SOZIALDEMOKRATISCHE Partei profilieren will.

Manuela Schwesig, die als ihr Vorbild Regine Hildebrandt nennt, könnte die Richtige dafür sein: Als Familienministerin in Mecklenburg-Vorpommern ist sie mit der sozialen Realität, die Ursula von der Leyen nur vom Hörensagen kennen dürfte, konfrontiert: 36 Prozent aller Kinder des Bundeslandes wachsen in Familien auf, die Hartz IV beziehen, fast 1.000 Kinder wurden 2007 von ihren Familien getrennt, weil die Eltern nicht mehr für sie sorgen konnten oder wollten, schreibt der Spiegel. Und: “Man kann Mecklenburg-Vorpommern als eine Art Bottcamp betrachten, ein taffes Ausbildungslager für eine junge Familienpolitikerin.”


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Acht Jahre. Vergewaltigt.

26. Juli 2009 von Barbara

Ein achtjähriges Mädchen wurde vergewaltigt. Von einer Bande Jungs, 9, 10, 13 und 14 Jahre alt. Die Täter wurden erwischt und bestraft. Das Mädchen auch: Ihre Eltern wollen mit ihr nichts mehr zu tun haben. Wegen der Schande, die durch die Vergewaltigung an ihr klebt wie Scheiße an einer Schuhsohle. Passiert ist das im US-Bundesstaat Arizona. Das Mädchen, ihre Eltern und die Täter sind Flüchtlinge aus Liberia.

Der Vater des Mädchens sagt zur Polizei vor Ort über seine Tochter:
“Take her, I don’t want her.”

Die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf sagt über den Fall:
“I think that family is wrong. They should help that child who has been traumatized and they should make sure that they work with the U.S. law authorities to see what can be done about the other young boys who have committed this offense. Not only should they abide by the law, but they too need serious counseling because clearly they are doing something, something that is no longer acceptable in our society here.”

Monica Westin von der Organisation World of Hope International sagt über den Fall:
“It’s always the girl’s fault. There’s no gender equality.”

Ich frage:
“Was können wir tun, um so etwas zu verhindern?”

Die Details dieser schrecklichen Geschichte sind nachzulesen auf jezebel.com.


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Selbermach-Sonntag (26.7.09)

26. Juli 2009 von Susanne

Hey-ho, let’s go. Ein neuer Selbermach-Sonntag, wieder mal Zeit für eure Themen der Woche.

Schönen Sonntag!


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Neues aus all den schönen Blogs

25. Juli 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 38 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Gedanken über die Vulva, die Vagina und den Wortstamm derselben: Vanille, finden sich im Blog von Luise Pusch bei fembio: “Mit Vanille gen Italien” ist der Titel und Luise befasst sich darin mit Literatur über die Entdeckung des weiblichen Geschlechts. Sie schreibt:

Die männlichen Genitalien sind ja schon lange in Mode; phallisch schießt es immerfort aus allen Rohren. Nun ziehen wir also endlich nach, und das ist auch gut so. Oder vielleicht nicht?

Im Mädchenblog war vergangene Woche eine Menge los: sv schrieb ein Resümee des “Gender Happenings” bei der Heinrich-Böll-Stiftung und widmete unserem politischen Salon eine ausführliche Kritik. leonie schreibt in einem Artikel über den Versuch eines Sheriffs in Arizona, das Recht auf Abtreibung für weibliche Häftlinge abzuschaffen. Auch aus leonies ‘Feder’ ein Text über den Versuch Evangelikaler, Journalisten einzuschüchtern. Und von wem ist der nächste Text – richtig: von leonie :) , diesmal geht es um den Versuch, in North Dakota Frauen per Gesetz dazu zu zwingen ein Ultraschallbild des Wesens in ihrem Bauch anzusehen – damit weniger Frauen abtreiben. Also ab ins Mädchenblog, es gibt eine Menge zu lesen und zu diskutieren!

Queer-o-Mat berichtet von der Zeitschrift Phase 2, in der sich Gedanken über queer und links gemacht werden:

Insofern sich eine Linke in der Tradition der Aufklärung sieht, scheint es unumgänglich, dass eine Auseinandersetzung mit dem emanzipatorischen Potential queerer Theorien stattfinden muss, da queer die objektiven und materiellen Verhältnisse, an denen der Marxmismus Kritik übt, zu dekonstruieren versucht.

“Weit über Gleichberechtigung hinaus. Das Wissen der Frauenbewegung fruchtbar machen” – so der Titel eines Buches, das Antje Schrupp in ihrem Blog bespricht. In einem Rutsch habe sie es verschlungen und in der Tat: Gerade für uns jungen und noch bildungsbedürftigen Feministinnen (kleiner Selbstironie am Rande) klingt das hier doch nach einer potentiellen Bereicherung, oder:

Mit ihrem Text will Ina uns selber und “alle Vergesslichen an die Wünsche und Ziele der Frauenbewegung erinnern, die über Gleichberechtigung hinausreichen. Und allen, die noch nie etwas von feministischen Einsichten und Visionen gehört haben, möchte ich sagen, worum es geht”.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Kopftuch ab, Kopftuch auf, Kopftuch egal?

25. Juli 2009 von Magda

Beim Surfen bin ich über den Artikel The dos and don’ts of defending Muslim women von Fatemeh Fakhraie gestolpert, welcher schon vor ein paar Wochen veröffentlicht wurde. Darin spricht sie vom Ethnozentrismus westlicher FeministInnen, die muslimische Frauen als Opfer eines rigiden Patriarchats konstruieren und so aus der Perspektive der vermeintlich Befreiten für die Belange der Musliminnen sprechen, ihnen aber gleichzeitig ihre Idee der Befreiung aufdrücken. Die Kopftuchfdebatte ist dazu sicherlich einer der bekanntesten Mediendebatten. Ist das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung oder lediglich ein Kleidungsstück, welches Religionszugehörigkeit aufzeigt? Sollte dieses verboten oder als bloße Religionsausübung betrachtet werden? Und wer entscheidet das eigentlich? Viel zu oft bekommen nur jene Gehör, die das Kopftuch entweder vehement ablehnen oder jene Musliminnen, die das Kopftuch aus freien Stücken tragen und dessen Verbannung opponieren.

In einem Politik-Essay für die Uni habe ich mal geschrieben, dass man insbesondere diejenigen zur Kopftuchdebatte sprechen lassen sollte, die es betrifft, sprich Muslim/innen. Meine Professorin kommentierte mit den Worten: Wie sieht es denn mit jenen Frauen aus, die gar nicht sprechen dürfen? Das ist ein interessanter Punkt; fällt es doch auf, dass insbesondere westliche und islamische AkademikerInnen – die folglich relativ priviligiert sind – zum Kopftuch Stellung nehmen.

Vor einiger Zeit gab es auf feministing eine Diskussion, die u.a. eine Antwort auf Sarkozys geplante Burka-Verbannung (der Spiegel berichtete) darstellte. Darin reagiert die muslimische Autorin SaraMalkani auf die Behauptung, dass für Frauen, die die Burka freiwillig tragen, jenes ein Kleidungsstück der Wahl sei, mit folgendem Satz:

This argument obscures the fact that there is a pervasive, sexist propaganda in many Muslim communities in favor of the burqa. Many women are vulnerable to this propaganda and so their so-called choice to wear a burqa may not be the result of independent, informed decision-making.

Die Frage ist nur: In welchem sozialen Kontext können wir von einem “informierten und unabhängigen Entscheidungsprozess” reden? Das Problem liegt auch hier wieder in der Annahme, dass die liberalen westlichen Gesellschaften diesen Rahmen uneingeschränkt bieten. Nun möchte ich  bestimmt nicht die Strukturen westlicher Patriarchate wie die USA oder Deutschland mit all ihren Spezifika mit jenen von islamischen Ländern wie Saudi Arabien, Iran oder Afghanistan in einer Skala von “ein ganz klein bisschen patriarchisch” bis “ganz schön krass patriarchisch” einordnen. Ich glaube zwar in der Tat, dass es da Qualitätsunterschiede gibt, aber wird hier doch schnell klar, dass die Kopftuchdebatte stellvertretend für diese Debatte steht. Das Problem ist ja dann letztendlich: Kopftuch hin oder her, wie definieren wir eigentlich Geschlechtergerechtigkeit? An einem Stück Stoff kann es kaum liegen (oder doch?). Das ist doch wohl die Debatte, die dahinter steckt.


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