Archiv für Januar 2009


Kampf um die Frauenstimme

30. Januar 2009 von Meredith

Morgen, am Samstag, finden im Irak landesweit Kommunalwahlen statt. In der New York Times ist nachzulesen, wie es dem weiblichen Wahlvolk damit geht.

Für das irakische Parlament gilt eine Frauenquote von 25 Prozent, doch für die kommunalen Räte nicht. Für diejenigen Frauen, die gewählt werden, wird es also ein harter Kampf, denn besonders gern gesehen sind sie von ihren männlichen Kollegen offenbar nach wie vor nicht.

Von 14.000 Kandidaten sind etwa 4.000 Frauen und sie müssen ziemlichen Mut aufbringen. Denn die politische Gewalt betrifft auch sie: Am Mittwoch wurde eine Politikerin von bewaffneten Milizen in ihrem eigenen Haus erschossen. Bisher sind Frauen von dezidiert politisch motivierten Angriffen zumindest körperlich verschont geblieben. Meist beschränkten sich ihre Gegner darauf, Wahlplakate zu verschandeln und Drohungen auszusprechen. Viele Frauen trauen sich daher nicht mal, Wahlplakate anzubringen oder sonst öffentlich für ihr Kampagnen zu werben – sie organisieren stattdessen eher private Veranstaltungen.Wer etwa ganz traditionell von Haus zu Haus geht, beweist schon einen extrem großen Willen.

Die Stimmung ist so schlecht, dass auch erfolgreiche, gebildete Frauen teilweise resignieren:

Bushra al-Obeidi, a law professor at Baghdad University, has rebuffed all efforts to persuade her to become a candidate. She feels the odds are stacked against women, starting with laws she views as discriminatory and derogatory toward women — one allows a rapist to largely escape punishment if he marries his victim. Ms. Obeidi also has little faith in the commitment to gender equality among the current political leadership, which is dominated by religious parties.“I assure you,” she said, “they are against women. They are lying to us.”


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Was für ein Zusammenhang

30. Januar 2009 von Barbara

Das Zusammenspiel von redaktionellen Inhalten und Google Anzeigen funktioniert an manchen Stellen auf erschreckende Weise, wie dieser Link zeigt: WIE DU MICH AUFREISST vs “Kinderbetreuungsangebot kann für Chancengleichheit für Frauen sorgen”. Danke an Lucie fürs Finden.


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Ein Spiel für Mädchen

29. Januar 2009 von Barbara

“Um diesen Mann zu verführen, muss er dich perfekt finden. Wenn du ihn verführt hast, macht er dir das untenstehende Geschenk!” [Wer jetzt weiterliest, sollte an das Wort "Ironie" denken.]

Na da ist er ja, der Sinn meines Lebens: Wie schaffe ich es, dass mich ein Mann perfekt findet? Ganz klar: Ich muss mein Aussehen verbessern (Lidschatten, Nasenform, Haut- und Haarfarbe sowie Fingernägel inklusive) und die richtige, sexy Kleidung tragen. Und shoppen, Klamotten, Möbel, Zeug – aber das ist teuer! Schlechte Voraussetzungen dafür sind, dass ich in Unterwäsche dastehe, nur 25 Dollar besitze, keine Erfahrungen habe und einen Job als Babysitter.

So beginnt das Online-Spiel “Oh my doll“. Um was es eigentlich geht? Na klar, üben, für den Ernstfall, eine richtige Frau zu werden. Bei Typen landen, um nichts anderes geht es ja, sagt die Gebrauchsanweisung:

Zu Beginn des Spiels ist deine Doll eine “brave junge Lady”. Um ihre Bezeichnung zu ändern und später ‘femme fatale’ zu werden, muss sie zunächst ein paar Männer verführen. Beim Klick auf “Alle Eroberungen ansehen” siehst du alle Männer, die deine Doll bereits verführt hat.

Natürlich ist das total empfehlenswert für Eltern minderjähriger Kinder:

Ohmydollz ist ein Spiel, das auf einer großen Interkation zwischen den Spielern beruht. Ihre Kinder können nicht nur im Spiel die Wohnungen der anderen Spieler besuchen und für sie stimmen, sondern auch real mit ihnen in Kontakt treten, indem sie sich gegenseitig Kommentare und persönliche Nachrichten schreiben oder über das Forum in Echtzeit unterhalten. Je besser ihr Kind mit den anderen Spielern umgeht, desto erfolgreicher wird es im Spiel sein und nebenbei echte Freunde gewinnen!

Danke an Simone, die dieses total empfehlenswerte Spiel auch uns empfohlen hat. Lernen fürs Leben. Und dieses Gerede von “Feminismus” – ach das ist sicher nicht so wichtig …


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Berlusconi zu Vergewaltigungen:

28. Januar 2009 von Katrin

„Wir müssten so viele Soldaten haben, wie es in Italien schöne Frauen gibt.“

Selbst in einem Polizeistaat würde man daher Vergewaltigungen nicht verhindern können.
Ach und: Das war natürlich ein Kompliment, liebe schönen Frauen!

(Weiterlesen über Berlusconis Griff ins Klo: tagesschau.de oder spiegel.de; Foto: Presidenza della Repubblica)


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Ach scheiß drauf!

28. Januar 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 6 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Vielleicht sollte das mal gesagt werden: Wenn ich hier über „wilde Mädchen“ schreibe, dann meine ich oft weder entfesselte Amazonen noch wutschnaubende Riotgirls. „Wild“ sind manchmal schon die Frauen, die die allgemein anerkannten Regeln in Aussehen, Auftreten oder Verhalten nicht erfüllen. Die eben nicht dem entsprechen, was von Frauen oft erwartet wird, schlank zu sein oder Contenance zu bewahren.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Gemma Arterton, das aktuelle Bond-Girl aus „Ein Quantum Trost“ erschien jetzt bei einer offiziellen Veranstaltung mit einigen Pfunden mehr auf den agentenerprobten Hüften. Spiegel.de zitierte die „Daily Mail“

Arterton habe ob der Trennung von ihrem Ex-Freund wohl in der “altbewährten Art und Weise” Aufmunterung gesucht, und “einem Bottich Eiscreme, oder zwei” verdrückt.

Als Ergebnis sah das britische Yellow-Paper statt kokettierender Taille ein – für eine Bondsche Bettgefährtin – No-Go-Doppelkinn.

Nach Kate Winslets Gewinn zweier Golden Globes meldete Perlentaucher.de mit Bezug auf Jezebel.com die Reaktionen der britischen Presse auf die Dankesrede der ausgezeichneten Schauspielerin.

Die britische Presse hat Kate Winslet für ihren Auftritt bei den Golden Globes geschlachtet: “Bei dieser Rede hätte sich sogar ein Kadaver vor Peinlichkeit gekrümmt”. Die englische Schauspielerin war mit zwei Globes ausgezeichnet worden und geriet darüber in, ähm, Erregung (Videos bei Youtube). Der Guardian war angeekelt, die Times hielt sie für beschwipst, und der Independent forderte eine Entschuldigung von Winslet

Über die dritte im Bunde, Rachida Dati und ihre „Rückkehr“ in den Job, wenige Tage nach der Entbindung ihres Kindes, haben wir hier an anderer Stelle schon diskutiert.

Aber auch wer nicht neben 007 schläft, Golden Globes einheimst oder ein Justizministerium führt, muss sich bisweilen ein Feuerwerk aus Häme, Geschmacklosigkeiten oder Vorurteilen um die Ohren knallen lassen. Egal ob im Job, im Freundeskreis oder der Familie, immer wieder stolpern wir über die an uns gestellten Erwartungen und geben oft genug klein bei, wenn uns deshalb ein Contra droht. Dann, wenn wir nicht der Norm entsprechen, eine unpopuläre Meinung vertreten oder in irgendeiner Form „überreagieren“. Statt konstruktiv zu kritisieren, wird unser Gegenüber unsachlich, grob und verletzend, während wir wie gejagte Hasen rechtfertigende Haken schlagen. Am Ende sind wir wahnsinnig aus der Puste und trotzdem kein Stück weiter. Unsere eigentlichen Fähigkeiten und die Inhalte, um die es uns geht, spielen dann nur noch eine geringfügige Rolle, wenn sie nicht sogar ganz auf der Strecke bleiben. Schließlich haben wir gefälligst gefällig zu sein.

Aber pah, scheiß drauf, sollen wir doch aussehen, wie wir wollen oder es die Umstände nun mal gerade erfordern, sollen wir doch rumflennen und sentimental werden, wenn unser Herz überquillt, gehen wir doch ein paar Tage nach dem Kreissaal wieder arbeiten oder eben nicht! Egal ob als öffentliche Person oder im privaten Alltag, tun wir doch einfach das, was wir wollen!


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In diesen Brüsten ist Musik drin, yeah

27. Januar 2009 von Susanne

Da ist ja mal wieder jemandem was ganz Tolles eingefallen, was man mit einem Frauenkörper so machen kann.

Denkt eigentlich jeder dieser “Designer”, er sei mit seiner Idee wahnsinnig originell?

Über Feministing


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Bildung beeinflusst Eltern

27. Januar 2009 von Barbara

“Arbeitslosigkeit kann das Kinderkriegen fördern”. Schon ein paar Tage alt, diese Meldung zu einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), bei der Männer und Frauen aus unterschiedlichen europäischen Wohlfahrtsstaaten untersucht wurden. Das DIW hat herausgefunden, dass Frauen mit einem höheren Bildungsgrad schneller nach der Geburt eines Kindes zurück in den Beruf gehen würden als weniger gut ausgebildete Frauen.

DIW-Familienexperte Christian Schmitt: “Joblosigkeit geht einher mit drohenden finanziellen Engpässen, die eine Familiengründung auf eine unsichere Basis stellen. Das schreckt Frauen je nach Bildungsgrad in unterschiedlichem Maße vom Kinderkriegen ab”. Gut ausgebildete Frauen hätten neben der Sorge, wieder zurück in den Beruf zu finden, auch Angst davor, sich von ihrem Partner abhängig zu machen. Im Gegenzug zeigten arbeitslose Männer wenig Bereitschaft für eine Vaterschaft, da sie befürchteten, die Familie nicht ernähren zu können. Das immer noch traditionelle und konservative Rollenverständnis wurde als mögliche Ursache für dieses Verhalten genannt.


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Von “personalisierten Investitionshindernissen” und “Quasselstrippen”

26. Januar 2009 von Susanne
Dieser Text ist Teil 21 von 44 der Serie Die Feministische Bibliothek

Seit 90 Jahren, seit dem Januar 1919, dürfen Frauen in Deutschland wählen – genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint also “Damenwahl”, herausgegeben von Alice Schwarzer.

In Damenwahl portraitieren Tissy Bruns, Chefkorrespondentin des Tagesspiegels, und Chantal Louis, Redakteurin bei Emma, 18 Politikerinnen aller Parteien und lassen diese von ihrem ersten Mandat erzählen.

Herausgekommen sind dabei Portraits von Frauen, die oft Quotenfrauen waren, als “Trümmerfrauen” nach oben gekommen sind – also immer dann, wenn die Partei nicht weiterwusste oder von einer Krise geschüttelt war, Frauen, die meist quer in die Politik eingestiegen sind und nicht den langen Weg durch alle Ebenen gegangen sind – weil sie, wie gleich mehrere von ihnen sagen, dann niemals dort angekommen wären, wo sie sind.

Welche Frauen kann man nun in “Damenwahl” kennenlernen? Da ist zum Beispiel Bärbel Höhn von den Grünen, von der es bald nach ihrem Einstieg in die Politik heißt, sie nerve.

Doch sie bleibt hart, wenn es ihr um etwas geht. Und sie lässt sich auch nicht dadurch einschüchtern, dass FDP und CDU als das “personalisiertes Investitionshindernis” bezeichnen.

Über Katja Kipping, PDS, und ihre Anfangszeit als Verkehrsexpertin im sächsischen Landtag schreibt Tissy Bruns:

So brüllt ein Verkehrpolitiker der CDU zur PDS-Fraktionsführung rüber: Mensch, Ihre Verkehrsmädels, haben Sie die denn nicht besser im Griff? (…) Auf den ersten Blick seien Jugend und gutes Aussehen hilfreich; auf den zweiten schädlich, weil das automatisch mit Harmlosigkeit gleichgesetzt werde und viele nicht damit umgehen könnten, sobald sich zeigte: Die ist ja gar nicht harmlos. “Und dann gibt es eine Stufe, da wird es egal.”

Dieses Buch gibt auch einen Einblick in die Waffenkammer des Politikbetriebs: Melanie Huml, CSU, wird von Konkurrenten um den Posten als Becksteins Staatssekretärin eine Schwangerschaft angedichtet; über Christa Thoben, NRW-Wirtschaftsministerin von der CDU, wird das Gerücht gestreut, sie habe ein Verhältnis mit dem Partei- und Fraktionschef. Persönliche Angriffe, die sich auf das Thema Kinder und Liebe beschränken, weil man vielleicht glaubt, Frauen seien an diesen Stellen besonders empfindlich.

Doch beim Lesen des Buches stellt man fest: Empfindlichkeiten leisten sich die Politikerinnen nicht; auch nicht Andrea Nahles, die sich von Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner sogar nachsagen lassen muss, die “Quasselstrippe” sei höchstpersönlich am Untergang der SPD Schuld. Im Gegenteil verraten die 18 Frauen, was sie gelernt haben, geben Tipps wie Silvana Koch-Mehrin aus der FDP:

“Im Weltbild vieler Männer ist es noch nicht angekommen, dass Frauen hierarchisch über ihnen stehen. Das muss man sportlich sehen, sonst ist es sehr ermüdend.”

Oder Grünen-Chefin Renate Künast:

“Es kommt darauf an, genau zu wissen, welche drei Punkte man durchsetzen will. Dann kann man bei den 15 anderen gelassen die Deals machen, die nötig sind.”

Alle Portraitierten ermutigen Frauen, es ihnen nachzutun. Die SPD-Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagt sogar, Frauen, die in der Politik mitmischen wollen, dürften sich um keine der ihnen angeboteten Positionen drücken. Eine andere SPD-Ministerin, Ulla Schmidt, sagt, es sei überaus wichtig, “dass Frauen sich auch melden, wenn Ämter zur Verfügung stehen. Sonst werden wir es nie ändern.”

Ein Buch zum Nach- und Mitdenken. Denn: “Der Kopf ist nicht zum Nicken, sondern zum Denken da”, wie Heidemarie Wieczorek-Zeul darin zitiert wird.

Erschienen bei KiWi Paperback, 224 Seiten, mit einem Geleitwort von Angela Merkel, 8 Euro 95.

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Selbermach-Sonntag (25.1.09)

25. Januar 2009 von Susanne

Guten Morgen! Auf in einen neuen Selbermach-Sonntag. Her mit euren Links, Texten, Gedanken und Fragen an die Anderen.

Schönen Sonntag!


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Rasta, Reggae, Rastafari

24. Januar 2009 von Werner
Dieser Text ist Teil 7 von 16 der Serie Neues vom Quotenmann

Als ich gestern auf einer Party herumhüpfte, durfte ich mal wieder ein für mich sehr erschreckendes Bild sehen: Da tanzte eine Frau mit Rastas zu Bob Marley. Wer mich ein bisschen kennt, wird wissen, dass ich Probleme mit Rastas und Reggae habe, denn ich verbinde das mit Rastafari und Jamaika. Natürlich, das will ich diesem Beitrag auch vorausschicken, möchte ich nicht jeder oder jedem der Rastas trägt unterstellen, diese Gesinnung zu haben. Aber es erschreckt mich doch sehr, wie wenig die dahinterstehnde Ideologie  reflektiert wird. Dies gilt übrigens auch für Menschen, die ich mit Jamaika-Flaggen rumrennen sehe.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich stelle mir dann immer die Frage: Darf man dass nun tun, weil es gerade hip und modern ist oder nicht? Es ist die Frage nach „political correctness” – wo fängt sie an, wo hört sie auf. Bleiben wir doch beim Erlebnis von gestern Abend. Das Lied das gespielt wurde war „no woman, no cry” – und ja ich weiß, dass das nicht „keine Frauen, kein Geschrei” heißt, sondern eigentlich „no woman, huh cry” (huh kann mit don`t übersetz werden) und somit „Nein Frau, weine nicht!” bedeutet. Aber ein Frauenrechtler war Bob Marley wahrhaftig nicht! Seine Lieder hatten für ihn den vorrangigen Zweck, die Rastafari-Ideologie in die Welt zu tragen. Und diese Ideologie ist bei weitem nicht frauenfreundlich – ganz im Gegenteil: die Frau ist der Untertan des Mannes, soll ihr Haupt bedecken, tut sie es nicht, soll der Mann ihr die Haare abrasieren, Frauen werden während ihrer Menstruation wegen Unreinheit von der Gemeinschaft ausgeschlossen, sie darf noch nicht mal Hosen tragen, usw. Auch das Frauenbild das Bob Marley so hatte, war nicht feministisch. Er hatte mit vielen Frauen Sex, seiner Frau erlaubte er dies aber nicht – die Kinder dieser Seitensprünge durfte sie allerdings groß ziehen. Die Frau hatte gefälligst zu Hause zu bleiben und war für Kindererziehung, Hauhalt und ähnliches eingeplant – sofort nach seiner Hochzeit, zog Bob Marley nach Amerika, seine Frau musste jedoch in Jamaika bleiben.

Gut, nun kann nicht gesagt werden, dass Rasta gleich Bob Marley oder Reggae ist und wohl auch nicht, dass Reggae gleich Rastafari ist. Aber so ganz auseinander zu dividieren ist es dann doch nicht. Für mich bestehen diese Assoziationen sogar sehr stark. Ich weiß, dass ich damit eine Minderheit darstelle. Deshalb frage ich mich des Öfteren, warum Menschen, die mit Thor Steinar oder Lonsdale Pullis rumlaufen, öffentlich geächtet werden, wenn jedoch jemand eine Jamaika-Flagge auf der Jacke trägt diese_r als cool und liberal gilt? Die frauenrechtliche Situation in Jamaika ist nun wirklich nicht die Beste. Auch Homosexualität steht dort noch unter Strafe (10 Jahre Haft) und Gewalt gegen Homosexuelle und gegen Frauen wird nur bedingt und wenn überhaupt dann nur sehr lasch verfolgt. Wann ist es denn nun gerechtfertigt mit „political correctness” anzufangen und wann noch nicht?

Ich würde mich sehr freuen, wenn auch bei den Themen Reggae, Rastas und Jamaika mehr Differenzierung einkehren würde. Ich habe nichts gegen Reggae-Gruppen/-Fans, die sich deutlich von dieser Ideologie abgrenzen. Ich habe aber deutlich Probleme damit, wenn dies nicht passiert. Ich finde, wer mit Rastas durch die Welt läuft, sollte zumindest wissen, wofür dies auch stehen kann. Aber meistens habe ich bei Diskussionen mit jenen das Gefühl, dass sie reichlich wenig über Rastafari wissen. Das kann und will ich nicht akzeptieren. Ich freue mich, wenn diese Menschen komplett anders denken, als es die hinter diesen Symbolen liegende Ideologie tut – aber wenigstens sich mit dieser einmal etwas gründlicher auseinanderzusetzen, das erwarte ich von jeder und jedem, der symbolkräftige Zeichen trägt – eine Landesflagge ist dies für mich genauso wie eine eindeutige Haarfrisur.

Abspann: Ich weiß, dies war nun eher über Symbole als über Feminismus – aber es berührt dieses Thema doch so stark, dass ich es wichtig fand, mich dazu einmal zu äußern. Außerdem: Der Artikel konnte erst heute kommen, da wir gestern in meinem Viertel in Istanbul Stromausfall hatten.


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