Archiv für September, 2008

Zielgruppe: Frauen, Thema: Verhütungsmittel

Tuesday, September 30th, 2008 von Susanne

Sarah Haskins, wie immer bestechend wunderbar, über Verhütungsmittel-Werbung:

“I am just a lady, with a simple lady mind.”

Wer’s braucht

Tuesday, September 30th, 2008 von Barbara

Sexy Titten-Mauspad und sexy Titten-Maus. Über feministing.com

Erziehungsfragen

Monday, September 29th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 11 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Stellen wir uns folgende Situation vor:
Ein paar Männer sitzen um einen Tisch, sie unterhalten sich, trinken Bier. In der Küche der Wohnung klappert die Freundin des Gastgebers mit Geschirr, dann schaut sie kurz ins Zimmer: „Na, Männer, braucht ihr noch was? Alle glücklich?“ Die Herren nicken, bedanken sich. Die Frau verschwindet im Arbeitszimmer, sie hat noch zu tun. Die Männer stoßen an und einer fragt den Gastgeber, wie es denn so läuft gerade. Dieser antwortet: „Super! Sie kocht sehr gut und auch gerne. Außerdem kann sie bügeln und sonntags holt sie immer Brötchen“. Die Männer nicken anerkennend und einer von ihnen sagt: „Na, die haste aber gut erzogen!“ Die anderen grinsen wissend.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber würde ich so ein Gespräch mitbekommen, hätte ich irgendwelche „gekauftes Thai-Mädchen“ Assoziationen und würde mich insgesamt über so ein herablassendes Verhalten ziemlich ärgern.

Die Sache ist nur:
Ich war schon bei vielen solcher Gespräche dabei! Nur saßen da nicht Männer, sondern Frauen zusammen.

Viele werden sie kennen, die Sprüche über den Mann, der erzogen werden muss, den man gut er-/gezogen hat. Oft geht es in solchen Unterhaltungen darum, dass ein Mann etwas klassisch „unmännliches“ getan hat, der Frau „ihre“ Arbeit erleichtert hat. Wenn ein Mann (natürlich völlig überraschend!) z.B. in Sachen Haushalt(sführung) mitdenkt, dann kommt er der Satz, vorgetragen in einem anerkennenden Ton, in dem immer ein wenig Belustigung mitschwingt über dieses kleine, possierliche Tierchen namens Mann. Lustigerweise wird er – so zumindest meine Beobachtung - meistens vorgetragen von Frauen jeder Altersgruppe, die selbst insgesamt sehr klassische Beziehungsmodelle bevorzugen, Beziehungen, in denen meistens er im weiteren Sinne „die Hosen an hat“.

Es steht außer Frage, dass wir uns in Beziehungen entwickeln und verändern, dass man in einer guten Beziehung von einander lernt und Rücksicht nimmt. Dass man sich manche Macke versucht abzugewöhnen, weil genau diese eine Kleinigkeit den Partner total wahnsinnig macht. Aber erziehen? Kann eine Beziehung, in der eine den anderen „erzieht“ wirklich auf gleicher Augenhöhe funktionieren?
In meiner Familie kursiert der Spruch „Menschen ab 16 kann man nicht mehr erziehen“. Ich denke, da ist was wahres dran. Erziehung funktioniert immer von oben nach unten. Vom Älteren zum Jüngeren, von Eltern zu Kind, von Lehrern zu Schülern. Der Erziehende weiß (meint zu wissen) wo’s lang geht.

Warum stellen manche Frauen die Augenhöhe ihrer (oder einer fremden) Beziehung durch solche Sprüche in Frage? Warum versuchen sie sich wenigstens für eine Mittagspausenlänge über ihrem Mann zu positionieren und zeigen sie damit nicht genau das Gegenteil? Und ist es nicht interessant, dass oft Frauen ein Kompliment zu ihrer „Erziehung“ bekommen, die selber nie davon reden würden, dass sie ihren Mann erzogen hätten? Folgt daraus nicht völlig logisch, dass der beste Weg, einen „gut gezogenen“ (also einen aufmerksamen, interessierten) Partner zu haben der ist, sich gegenseitig zu respektieren und auf gleicher Höhe zu agieren? Die eigenen Wünsche zu äußern, nach den Bedürfnissen des anderen zu fragen, nachzugeben und Kompromisse auszuhandeln, also eine gleichberechtigte Beziehung zu führen, in der sich keiner über- oder unterlegen fühlen muss?

Mein Vorschlag wäre, in Zukunft einfach mal sagen: „Du hast ja einen tollen Mann!“
Ohne Erziehung, ohne Machtfragen. Einfach nur so, weil er eben auch ein toller ist!

Verantwortung für Mensch und Mensch

Monday, September 29th, 2008 von Barbara

Unlängst berichtete die Zeit über Mitarbeiterinnen der niedersächsischen Wurstwarenfabrik, die über Schwangerschaftstests bei der Bewerbung zu Abtreibung gezwungen wurden.

Die Betriebsärztin Christina von Auenmüller hat Bewerberinnen zu Schwangerschaftstests aufgefordert – das bestätigt selbst das Unternehmen. Um Frauen zu schützen, behauptet die Firma. Um Frauen einzuschüchtern, vermuten die Expertinnen aus den Schwangerenberatungsstellen von pro familia und donum vitae. Wegen der Tests bei Kemper hätten Frauen gekündigt oder sogar abgetrieben, heißt es in mehreren Briefen und Vermerken, die der Zeit vorliegen.

Die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch ist heikel. Denn obwohl es laut Gleichstellungsgesetz nicht erlaubt ist, danach zu fragen, gibt es natürlich Gründe, auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Zum Beispiel der Umgang mit giftigen Substanzen, die einer Schwangeren schaden können. Ähnlich argumentiert auch Kempers Betriebsärztin:

»Es kommt immer wieder vor, dass Mitarbeiterinnen erst im fünften oder sechsten Monat feststellen, dass sie schwanger sind«, sagt die Betriebsärztin. »Wir wollten verhindern, dass solche Frauen in unseren gekühlten Räumen arbeiten und sich selbst und ihren Nachwuchs gefährden.«

Die Bedrängnis, in die Bewerberinnen durch diese dubiosen Abtreibungstests geraten sind, kommt leider häufig vor. Ein Kind gilt in der Berufswelt nach wie vor als Handicap - lieber verschweigen und mehr noch, denn als Mutter stigmatisiert werden, denken viele. Vielleicht ist es aber gerade ein Denkfehler, die Tatsache zu verschweigen, dass Frauen Kinder haben (können). Ein Punkt, den die Journalistin Tissy Bruhns unlängst in einer Diskussion anbrachte: In der älteren Generation der Feministinnen wurden Kinder nicht erwähnt. “Sag bloß nicht, dass du Kinder hast oder willst”, riet man einander damals. Wollen wir heute eine strukturelle gesellschaftliche Änderung erreichen, dürfen Kinder (ob bereits existent oder nur theoretisch) kein Benachteiligungsgrund sein. Qua Gesetz sind sie das auch nicht mehr - demnach können sie künftig auch erwähnt werden. Oder sollten das auch. Was meint ihr?

Selbermach-Sonntag (28.9.08)

Sunday, September 28th, 2008 von Susanne

Was habt ihr gelesen, gesehen, erfahren, das auch alle anderen hier Anwesenden unbedingt lesen, sehen, erfahren sollten? Hier ist Platz für Empfehlungen aller Art.

Mannschaftspost: Trikots für alle

Sunday, September 28th, 2008 von Susanne

Auch Feministinnen und Feministen brauchen was zum Anziehen, deshalb gibt es jetzt die erste Mannschaftskollektion: ein türkises T-Shirt mit dem Konterfei von Simone de Beauvoir - in einer limitierten Auflage von nur 30 Stück.

Textual Intercourse

Saturday, September 27th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 22 von 28 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Gesehen bei ninja9ine, die eine ganze Galerie voller AdBustings hat.

Wichtig! Für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung

Friday, September 26th, 2008 von Meredith

Am Samstag, den 4. Oktober, läuft ein Bündnis aus christlichen Fundamentalisten und Rechtsextremisten in München auf, um gegen das Recht auf Abtreibung zu demonstrieren. Sie waren in Berlin und Salzburg auch schon unterwegs und wurden dabei relativ effektiv gestört. Auch in München sollen sie es bloß nicht gemütlich haben.

Wie erwähnt, treffen sich Interessierte morgen, am 27. 9. im Kulturladen Westend, in der Ligsalzstraße 44 um 20.00. Und wer da keine Zeit hat: Die Kundgebung gegen den “Schweigemarsch” findet am 4. Oktober um 14.00 am Geschwister-Scholl-Platz statt.

Be pragmatisch, be a Platzhirschkuh

Friday, September 26th, 2008 von Meredith

Auf Spiegel Online gibt es ein interessantes Interview mit der Unternehmerin, Trainerin und Autorin Marion Knaths. Sie hat letztes Jahr das Buch “Spiele mit der Macht” veröffentlicht. Darin schreibt sie darüber, wie Frauen sich die Techniken und Strategien der Männer im Wirtschaftsbetrieb aneigenen können, um sich durchzusetzen.

Das Interview ist auch deshalb so interessant, weil Knaths zwar einerseits darauf besteht, dass Frauen und Männer komplett unterschiedlich kommunizieren - aber andererseits das nicht auf einen biologischen Grund zurückführt. Ihre These ist, dass Frauen das berühmte Platzgehirsche in Unternehmen einfach nicht durchschauen, weil es ein spezifsch männliches Ding ist. Deshalb halten sie sich da lieber raus und beschäftigen sich mit Inhalten - und verpassen so die Möglichkeit, sich selbst durchzusetzen.

Außerdem sagt Knaths, dass Frauen in Führungspositionen dazu neigen, sich selbst zurück zu nehmen, um Reibungen oder Konflikte zu vermeiden. Das ist ihrer Meinung nach eines der größten Hindernisse, die sich Frauen auf ihren Karrierewegen sozusagen selbst bauen:

SPIEGEL ONLINE: Wie demonstriert die männliche Eins ihren Status?
Knaths:
Achten Sie mal auf die Körpersprache: Wer sitzt bei der Konferenz am breitesten im Sessel? Wer entert den Raum mit dem meisten Schwung, wer grüßt am lautesten, setzt sich am geräuschvollsten, redet am längsten? Richtig! Die Eins. Führungsfrauen dagegen müssen oft üben, sich den entsprechenden Raum zu nehmen - zum Beispiel, indem sie sich Redezeit genehmigen und ihre Arme dabei souverän über die Sessellehne breiten, statt die Hände brav im Schoß zu falten. Aber Frauen dürfen es mit der Fläzerei auch nicht übertreiben. Was bei Männern negativ wirkt - auch Brüllen oder zotige Sprüche - sollten sie auf keinen Fall imitieren, sonst kippt das Ganze in Richtung Mannweib. Wie es richtig geht, können Sie sehr schön bei Anne Will beobachten: Unten die Beine telegen gefaltet - oben breites Kreuz. Schließlich darf sie sich von den Alphatieren dieser Republik nicht verfrühstücken lassen.

Gleichzeitig bleibt Knaths aber dankenswerter Weise nicht bei der Aussage stehen, Frauen sollten sich halt “mehr wie Männer” benehmen, dann werde schon alles gut. In dem Interview finden sich zwar auch ein paar klassische Frauenkarrierelahmaussagen, wie z.B. Männer wollen viel Geld verdienen - Frauen geht es um die Inhalte - doch alles in allem scheint Knaths Anliegen zu sein, erstmal die Strukturen von innen zu bearbeiten, um sie dann auch zu verändern. Ob das der richtige Ansatz ist, darüber lässt sich ja vortrefflich streiten.

Neue Runde gegen Diskriminierung

Friday, September 26th, 2008 von Susanne

Die Sommerpause ist zuende und so geht auch das politische Geschäft in Brüssel weiter – auch die Debatte um eine EU-weite Antidiskriminierungsrichtlinie. Die Europäische Kommission nahm einen Vorschlag für diese Richtlinie an, dessen Inhalt an einigen Punkten noch zu wünschen übrig lässt, wie Franziska Brantner, in Brüssel aktiv und Initiatorin der Unterschriftenaktion eu-antisikriminierung.de, kommentiert:

“Das Thema reproductive rights wurde zum Beispiel ausgenommen, was heftig ist, weil es Fragen wie Abtreibung betrifft, aber auch Zugang zu Verhütung, künstliche Befruchtung, Schwangerschaft und so weiter. Hier werden vor allem Schwule und Lesben häufig noch diskriminiert. Auch im Bereich family status werden Homosexuelle nicht ausreichend geschützt. So kann es passieren, dass ein schwules oder lesbisches Paar ein Hotelzimmer reservieren will und abgewiesen wird, weil es zum Beispiel zwei Männernamen nennt. In diesem Fall ist noch nicht klar, ob die vorgeschlagene Richtlinie rechtlichen Schutz bietet, das ist auf jeden Fall noch klarzustellen!”

Der Vorschlag soll nun am kommenden Donnerstag, den 2. Oktober das erste Mal allgemein diskutiert und im Idealfall in einer der späteren Sitzungen angenommen werden - und zwar einstimmig, von 27 Mitgliedsstaaten. Leider bleibt Deutschland bisher bei seiner Verweigerungshaltung. Deswegen geht die Protestaktion für ein diskriminierungsfreies Europa weiter - sowohl bei www.eu-anti-diskriminierung.de (Druck auf die deutsche Regierung) als auch bei der europäischen Kampagne www.signtostopdiscrimination.org (Druck auf Kommissionspräsident José Manuel Barroso).