Archiv für July, 2008

Women and peace and security

Monday, July 21st, 2008 von Barbara

Vor gut vier Wochen wurde die UN-Resolution 1820 verabschiedet: “Women and peace and security“. Durch die Resolution werden Vergewaltigungen in Kriegszonen als große weltweite Gefahr erkannt. Die Vereinten Nationen sprechen sich dafür aus, Zivilistinnen zu schützen,

to eliminate all forms of violence against women and girls, including by ending impunity and by ensuring the protection of civilians, in particular women and girls, during and after armed conflicts, in accordance with the obligations States have undertaken under international humanitarian law and international human rights law.

Frauen sind mehr als Opfer, ihnen Gewalt anzutun, gilt als Kriegsstrategie, als

a tactic of war to humiliate, dominate, instil fear in, disperse and/or forcibly relocate civilian members of a community or ethnic group.

In der Zeit schrieb Andrea Böhm zur neuen Resolution:

Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen hat deren mächtigstes Gremium anerkannt, dass sexuelle Gewalt das Ausmaß einer globalen Krise angenommen hat. Es hat anerkannt, dass Vergewaltigungen immer wieder als Kriegsstrategie eingesetzt werden und als Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Teil eines Völkermords zu ahnden sind.

UN-Truppen sollen künftig eingesetzt werden, um Frauen in Krisengebieten vor Vergewaltigungen zu schützen. Unter den Un-Truppen sollen auch Soldatinnen sein. Und alle Soldaten müssen verstehen, dass die Vergewaltigung von Zivilistinnen eine Straftat ist. All das ist ein Anfang.

US-Außenministerin Condoleezza Rice, die diese legendäre UN-Versammlung leitete, beklagte neben den Gewalttaten gegen Frauen etwa in Birma, in Darfur und im Kongo auch, dass Frauen keine hohen Positionen bei den United Nations bestritten. Bis heute hätten nur sechs Frauen einflussreiche Posten wie jenen einer stellvertretenden Generalsekretärin eingenommen.

Jetzt isses raus!

Monday, July 21st, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 6 von 14 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Ich muss euch etwas sagen. Etwas, das sich für eine Feministin, vor allem eine junge Feministin in Deutschland irgendwie nicht gehört:

Ich halte den Roman „Feuchtgebiete“ für so ziemlich das schlechteste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nicht wegen des ganzen Ekel-Kram, dazu gleich mehr. Sondern wegen des „Plot“, wenn man das, was da passiert, überhaupt so nennen darf. Mir ist keine Rezension bekannt, in der das mal wirklich angesprochen wird. Alle sind mit Tampons, Kotze, Hämorrhoiden, Kackeschwitze und all dem anderen Kram dermaßen beschäftigt, dass die stilistischen Schwächen nicht auffallen.

Die Hauptfigur ist einfach gezeichnet und bedient alle billigen Klischees des Scheidungskindes. Leider ist sie dafür schon zu alt. Einer 10-jährigen Protagonistin würde ich diese Gedanken abnehmen. Aber nicht einer 18-jährigen. Die eigentliche Handlung ist platt, belanglos und dabei leider nicht mal wirklich gut geschrieben. Nicht zu vergessen natürlich der Schluss, der wirklich an den, pardon, Schamhaaren herbeigezogen wirkt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Besonders werfe ich der von mir sonst verehrten Charlotte Roche vor, dass sie als erklärte Feministin sich tatsächlich in jeglicher Hinsicht in ein „Die Mutter ist an allem schuld“ flüchtet: Helene ist total gestört: Die Mutter ist schuld! Helene hat ein verqueres Verhältnis zu ihrem Körper: Die Mutter ist schuld! Und klar, Mama hat Papa weggetrieben. Papa hingegen ist der Gute, egal was er macht. Geht es noch simpler? Roche geht in Interviews sogar so weit, jeder Frau, die nicht mit gebrauchten Tampons um sich wirft, eine gestörte Mutter mit Hygienezwang zu unterstellen. Noch mal langsam, dieser Punkt ist wichtig: Eine überzeugte Feministin fährt die „Die Mutter ist an allem schuld und zwar nur sie ganz allein“-Schiene. Stößt das denn niemandem auf? Vor allem ärgert mich die Tatsache, dass ich von Charlotte Roche stilistisch wie inhaltlich mehr erwartet habe. Viel mehr. Ich bin fast schon persönlich beleidigt, dass sie so ein Buch geschrieben hat!

Den Ekelkram hingegen finde ich eher langweilig. Ich musste an zwei Stellen schlucken, einmal, als Helene und ihre Freundin ihre eigene Kotze essen und einmal, als sie sich selber extrem hart verletzt. Alles andere rief nicht viel mehr als ein müdes Schulterzucken hervor.

Was mich zu meinem zweiten Problem führt: Ja, der Roman hat bestimmt bei einigen Freundinnen oder Beziehungen dazu geführt, dass man mal wieder über intime Dinge geredet hat, Dinge, die vielleicht sonst nicht thematisiert worden wären. Dennoch bin ich insgesamt in einem Konflikt. Ich bin Feministin. Und trotzdem menstruiere ich am liebsten ganz privat. Ich sehe auch nicht so ganz ein, warum es die Frauenbewegung voranbringt, wenn ich mit meinem Unisitznachbarn über meine Pilzinfektion plaudere. Und bin ich erst dann eine richtige Feministin, wenn ich nicht mehr täglich die Unterwäsche wechsle?

Es ist ein schmaler Grad zwischen normaler Intimität und übertriebener Scham, Geheimnistuerei oder Hygienezwängen. Ich wohnte einmal mit einer Frau zusammen, die es immer „total eklig“ fand, wenn sie ihre Tage hatte (für die wäre vielleicht das Tampon-Abo – bitte googlen – etwas gewesen). Sowas ist natürlich auch nicht gesund.

Aber so bin ich nicht und außer dieser Frau kenne ich persönlich auch keine andere, die so ist. Ich finde mich nicht eklig und wenn es Probleme gibt oder mir etwas weh tut, dann kann ich das sehr genau benennen, ohne dabei Vokabeln wie „mein Schmuckkästchen“ zu bemühen. Aber ich möchte mich bitte auch als Feministin nicht alles jedem erzählen müssen. Und ich will mich, bitte, auch als Feministin regelmäßig waschen dürfen!

Ob Charlotte das wieder gut machen kann?

Wie Frau die Familie satt kriegt

Monday, July 21st, 2008 von Susanne

Judith hat gestern im Selbermach-Sonntag schon Reklame für die neueste Episode von “Target: Women” gemacht. Weil die Folge “Feeding Your F…ing Family” und Sarah Haskins so großartig sind, hier noch mal extra, live und in Farbe:

Danke an Judith für den Link! 

Verborgener Iran

Monday, July 21st, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 10 von 18 der Serie Die Feministische Bibliothek

Mit ihrem Buch “Hinter den Schleiern Irans. Einblicke in ein verborgenes Land” hat Christiane Hoffmann mein gesamtes Halbwissen über das Leben von Frauen in einer muslimischen Gesellschaft verändert - ergänzt, widerlegt, es überhaupt erst einmal in komplexe Zusammenhänge gesetzt. Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt allen, die auch nur das leiseste Interesse am Thema Frauen & Islam haben.

Die Autorin lebte fünf Jahre lang in Teheran als Korrespondentin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und stellt sich von Anfang an die Aufgabe, dieses Land unbedingt verstehen zu wollen. In diesen fünf Jahren vor Ort merkt sie, dass sie mit ihrem westlichen Wertesystem nicht weiter kommt, dass sie aber genauso verzweifelt, wenn sie sich der iranischen Kultur versucht anzupassen.

Genau dieses Schwanken und Zaudern, das Infragestellen und Zweifeln, machen dieses Buch sehr wertvoll. Weil Christiane Hoffmann genau die Fragen stellt, die beispielsweise bei mir während des Lesens aufkamen. Sie trifft und beschreibt Menschen, vor allem Frauen, erzählt von Ritualen und Werten. Und: An den Stellen, an dem das Fremde unzugänglich zu sein scheint, schreibt sie auch mal etwas ausführlicher über Moral, Tradition oder Toleranz. Während dieser Passagen hat es dann auch bei mir geklickt. Weil man eben in einem anderen Koordinatensystem denken muss, um vieles aus der islamischen Welt zu verstehen.

Als eines der Grundmissverständnisse zeigt Hoffmann unsere Interpretation der zunehmenden Radikalisierung in der islamischen Welt:

Im Gespräch mit Farsaneh wird verständlich, wie sehr der islamische Radikalismus eine Reaktion auf die Moderne und nicht eine Folge der Tradition ist. Er führt nicht zurück zu traditionellen Lebensformen, sondern ermöglicht einen Schritt in ein modernes, emanzipiertes Leben. Farsanehs Leben als berufstätige Frau, Ehefrau und Mutter eines Sohnes ist äußerlich dem Leben vieler junger Frauen in westlichen Großstädten ähnlich. Ihre eigene moderne Lebensform aber verbindet sie mit einer strikten Ablehnung des westlichen Liberalismus.

Hoffmann schreibt über Gespräche mit Reformern und Konservativen und zeigt immer wieder, dass viele Menschen im Iran nach einem Weg zwischen dem Festhalten an der Tradition und der totalen Verwestlichung suchen. Vor allem viele Frauen probieren schon verschiedene Rollen aus, die sie der strengen Kultur ihres Landes abgetrotzt haben. Was Christiane Hoffmann über sie schreibt ist wie eine kleine Reise, das nicht nur ein ganzes Land und eine ganze Idee erklärt, sondern auf der wir auch Frauen treffen können, die uns gar nicht so unähnlich sind. Und doch wieder auch ganz anders sind.

Erschienen bei Dumont, 318 Seiten, gebunden, 19 Euro 90.

Selbermach-Sonntag (20.7.08)

Sunday, July 20th, 2008 von Susanne

Here we go again.

Hochstuhl oder Lehrstuhl?

Saturday, July 19th, 2008 von Susanne

Das fragt die Zeit in dieser Woche. Anlass zur Fragestellung ist der geringe Frauenanteil im Universitätsbetrieb:

Fast nirgends sind Frauen so unterrepräsentiert wie in der Wissenschaft. Während im Durchschnitt 50 Prozent aller Hochschulabsolventen in Deutschland weiblich sind, sinkt die Zahl der Frauen an den Unis mit jeder weiteren Karrierestufe deutlich. Nur noch 40 Prozent von ihnen schaffen eine Promotion, rund 23 Prozent habilitieren sich. Nur zehn Prozent der vollen Professuren in Deutschland sind weiblich besetzt.

Vier Frauen erzählen von sich, ihrer Familiensituation und der Arbeit an der Uni: Davon, wie es ist, während des Studiums ein Kind zu bekommen, wegen des Nachwuchs die Uni zu wechseln, mit drei Kindern eine Habilitation zu stemmen oder warum eine zehn Jahre lang nur mit befristeten Verträgen arbeitet.

Female Trouble

Friday, July 18th, 2008 von Susanne

Jetzt und bis zum 26. Oktober 2008 in der Münchner Pinakothek der Moderne: Die Ausstellung “Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierung”. Die Ausstellung dreht sich um Klischees, Vorurteile und Andersdenken des Weiblichen.

Spiegel Online schreibt heute, die Ausstellung “bereichert die neue Feminismusdiskussion um überraschende Einsichten”. Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert die Bedeutung des Kunst-Selbermachens für Frauen:

Fotoapparat und später Videokamera (…) wurden für zahlreiche Frauen zur Prothese, zur zweiten Realität, um aus den gesellschaftlich auferlegten Beschränkungen auszubrechen. Im Zeitraffer spielen sie verwehrte Leben durch, parodieren die Rollen, die ihnen das Umfeld aufdrängt oder erfinden Frauenbilder, die bisher nicht vorgesehen waren.

Spannender Text zum Theme Frauen und Kunst-/Kulturbetrieb auch im Spiegel der letzten Woche: Weder Muse noch Madonna.

Sollten sich Frauen “männlicher” Mittel bedienen?

Friday, July 18th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 8 von 11 der Serie Grundsatzfragen

Eine Frage, die gerade bei reinen Frauen-Diskussionen immer wieder auftaucht, ist: In wieweit müssen wir Frauen uns “männliche” Mittel aneignen, wenn wir Erfolg haben wollen?

Jüngst wieder gehört waren dazu auf einer Konferenz zum Thema die folgenden Argumente:

  • “Die” Frauen sind zaghafter als Männer und zurückhaltender, während “die” Männer sich eher überschätzen und mit dem Kopf durch die Wand gehen.
  • Wenn “die” Frauen Hilfe benötigen oder eine gute “Connection”, um etwas zu erreichen, machen sie sich viel mehr Gedanken über den Aufwand, den sie damit anderen bereiten, als “die” Männer, die unverholener alle Mittel ausreizen und eher bereit sind, andere für sich arbeiten zu lassen, um dann den Erfolg trotzdem für sich zu verbuchen.
  • “Die” Frauen haben einen zu fairen Diskussionsstil, “die” Männer ziehen Diskussionen gerne mit ihrer dominanten Art an sich, “die” Frauen müssen genauso aggressiv diskutieren, wie “die” Männer.

Um nur wenige Beispiele zu nennen. Ich denke, es wird klar, was Kern all dieser Überlegungen ist. Ein bisschen aggressiver, ein bisschen rücksichts- und schamloser, weniger zaghaft sollen “wir” werden, damit der Erfolg, den wir ja verdienen, sich einstellen kann. Damit “wir” sozusagen “bereit” für einen Konkurrenzkampf mit männlichen Kollegen werden.

Ich persönlich kann mit diesen Vorschlägen wenig anfangen. Denn:

  • Die Unterschiede zwischen “den” Männern und “den” Frauen werden mir zu sehr überbetont.
  • Die vorgeschlagenen Mittel finde ich genauso unsympathisch wie mein Mann, der lieber andere, “weibliche” Wege geht.

Wie seht ihr das? Müssen Frauen sich härtere Bandagen zulegen, wenn der Erfolg (Welcher Erfolg ist eigentlich gemeint?) sich einstellen soll?

Baby-Klartext

Thursday, July 17th, 2008 von Susanne

Wir haben hier eine Diskussion immer wieder, nämlich: ob Frauen als Arbeitnehmerinnen diskriminiert werden oder nicht. Nach der Recherche für das Alphamädchen-Buch stand für mich fest: Ja, und zwar massesnweise, oft unbewusst, aber in den meisten Fällen nach den immer gleichen Mustern und zwar spätestens und meistens in dem Moment, in dem Kinder auf den Plan treten.

Das war mir also schon seit einiger Zeit klar. Aber während es für mich damals immer noch ein “viele Frauen” und ein “immer wieder” waren, kommt es mir mittlerweile so vor, als sei es überhaupt nicht unangebracht davon zu sprechen, dass ALLE Frauen diese Probleme haben - mit Ausnahmen, die im Promille-Bereich liegen.

Wie ich zu diesem Schluss komme? Nun, ich bin mal meinen Freundes- und Bekanntenkreis durchgegangen und habe nach einer Frau gesucht, die kein unverschämtes Gespräch mit ihrem Chef hatte, die nicht mit ihrer “Rolle als Mutter” konfrontiert wurde oder problemlos - und ohne jeglichen blöden Kommentar - nach einer Babypause wieder in ihren Beruf eingestiegen ist.
Also wirklich K E I N E E I N Z I G E.

Deswegen heute Reality Check: Kennt ihr einen Arbeitgeber bzw. eine Firma, in der es kein Problem ist, Kinder und Beruf in eine wünschenswerte Balance zu bringen? Oder eine Freundin / einen Freund, der da keine Probleme hatte? (Und an dieser Stelle interessieren mich die Meinungen über das Ob, Wie und Warum mal nicht, das tun wir nebenan in anderen Diskussionen ja ausführlich. Ich will mal eure Erfahrungen und Beobachtungen.)

Feminismus an der Uni

Monday, July 14th, 2008 von Susanne

Morgen in Berlin: Eine Podiumsdiskussion zur Frage “Cool, erfolgreich, sexy - feministisch?!” - und zwar an der Freien Universität ab 18 Uhr, im Otto-Suhr-Institut in der Ihnestraße 21. Es diskutieren Anita Eckhardt vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, Ina Kerner vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Technischen Universität Berlin, Vera Tudor vom Insitut für Gender Studies der Humboldt Universität Berlin und Chris Köver vom Missy Magazine.

Nachtrag 16. Juli:
Im Genderblog schreibt Magda Albrecht über die  Veranstaltung und die Diskussionen, die es da gab.