Aufregung in Frankreich: Rachida Dati, Justizministerin des Landes, ist fünf Tage nach ihrer Entbindung, einem Kaiserschnitt, wieder zur Arbeit erschienen. Nun sollte man annehmen, dass diese Entscheidung ganz und gar ihre Privatsache ist und das diejenigen, die ihr eine Vorbildfunktion zuschreiben, berücksichtigen würden, dass Dati nun mal Ministerin eines Landes ist – doch all das wird in der Debatte schön außen vorgelassen und Rachida Dati von den einen bejubelt, von den anderen beschimpft. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:
Einige loben die Professionalität und Aufopferungsbereitschaft der Ministerin. Die große Mehrheit der veröffentlichten Kommentare kritisiert Dati jedoch. Sie habe den Frauen einen Tort angetan – aus arbeitsrechtlichen, gesellschaftlichen und medizinischen, vor allem aber aus psychologischen Gründen.
So bemängelt die Frauenrechtlerin Maya Sturduts, die Arbeitgeber könnten das Beispiel nutzen und einen „unerträglichen Druck“ auf arbeitende Mütter ausüben. Die Auffassung „Schaut her, es geht doch“ könnte zur gesellschaftlichen Maxime werden. Andere fürchten, Datis Verhalten bewirke bei Müttern, die ihren Kindern mehr Zeit widmen wollen, ein schlechtes Gewissen.
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„Dati hätte ihre Karriere auf das Spiel gesetzt, wenn sie länger zu Hause geblieben wäre“, sagt die Leiterin der französischen Profamilia, Marie-Pierre Martinez. Der Kinderpsychiater Alain Lazartigues geht noch weiter: „Jemand tut ihr da Gewalt an, wenn sie es nicht selber tut“, sagt er. Die Bedürfnisse von Mutter und Kind würden nicht ausreichend respektiert.

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