Früher war das anders, so mit vierzehn, fünfzehn, da konnte ich ganz schlecht alleine sein. Ohne eine Freundin irgendwo hingehen, da hätte ich mich nicht wohl gefühlt. Anfang 20 war es auch nicht besser: Zwar war es ganz verwegen, mal alleine in die Disco zu gehen, aber ehrlich gesagt wusste man ja schon, wen man da treffen würde und war dann auch nicht wirklich allein. Während meines Studiums habe ich sehr viel (aus heutiger Sicht „wertvolle“) Zeit verplempert: vorm TV-Gerät, in Kneipen und im Bett. Und das ganze, um die Zeit totzuschlagen, in der ich alleine war.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Heute als zweifache Mutti genieße ich jeden Moment, den ich ganz alleine bin oder ohne meinen Familienanhang unterwegs bin. Und dann ist auch ganz egal, ob ich einen Kaffee trinken gehe, sinnlose Zeit vor dem Fernseher verbringe, Fahrrad fahre oder schreibend vor dem Computer sitze. Alleinsein kann so toll sein! Denn ich kann mal einfach so bei Rot über die Straße gehen oder einfach Lärm machen, ohne dass ein Kind dadurch aus dem Schlaf gerissen wird. Ich glaube das Entscheidende ist, dass ich mich dann einfach nicht so verantwortlich fühlen muss. Dass ich nicht für zwei, drei mitdenken muss, sondern in meiner freien-allein-Zeit ganz einfach machen kann, was ich will, ohne Rücksicht auf Verluste. Ein totaler Luxus.
Natürlich ist es dann auch wieder schön, alle um sich zu haben, geherzt und gedrückt zu werden und zu merken, Mutti wurde vermisst. Andererseits ist es doch auch ganz gut, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ich immer da bin.
Und zum Schluss zitiere ich heute mal noch, weil es so gut passt, aus „Niemals dorthin“ von Bernadette la Hengst:
„Ich will was lernen können
nicht in der Ferne schweifen
nie mehr vor mir wegrennen
und nach den Sternen greifen …
Über den Schatten springen
ich lass die Sonne rein
und doch vor allen Dingen:
es soll nicht nützlich sein“
Bis in 14 Tagen! Macht mal was alleine!
Eure Mrs. Pepstein

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