Müssen wir wirklich immer noch über Sexismus im Netz reden? Gibt es dazu noch viel Neues zu sagen?
Diese Frage stellte ich mir, als ich für einen Workshop zu genau diesem Thema angefragt wurde, den ich im Rahmen des Netzpolitischen Kongresses der Grünen am 13.11.2010 zusammen mit Monika Lazar und Leena Simon gestalten soll.
Also habe ich mich hingesetzt, um zunächst noch einmal eine Definition von Sexismus herauszuarbeiten, anhand derer man sich Orientierung im überquellenden Angebot des WWW verschaffen kann. Was ist denn Sexismus? Gibt es mehrere Auslegungen, was das sein soll?
Die gibt es durchaus! Der einfachheit halber verwende ich die recht aktuelle Definition der Universität Bielefeld, die in ihrer Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ auch Sexismus untersuchte:
„Sexismus betont die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Sinne einer Demonstration der Überlegenheit des Mannes und fixierter Rollenzuweisungen an Frauen. Sexismus ist ein Sonderfall, weil es hierbei nicht, wie bei den anderen Gruppen, um die Ungleichwertigkeit einer zahlenmäßigen Minderheit, sondern einer Mehrheit der Bevölkerung geht.“
Davon ausgehend suchte ich den Sexismus im Netz.
Womit sucht man Dinge im Netz? – Genau, mit Google! Die Ergebnisse der Sucherergebnisse für „Frauen“ und „Männer“ sind erschreckend unterschiedlich und verdeutlichen in einer sehr ernüchternden Art und Weise die Alltäglichkeit und Normalität von Sexismus im WWW. Frauen werden dabei vor allem als Sexobjekte „gefunden“. Oder als Idioten, die man in Videos und Witzen verballhornen kann (Stichwort „Frau am Steuer“). Die Suche ergab auch zwei Frauen-Portale, die sich beide an den Stereotypen abarbeiten, die als typisch weibliche Interessen gelten: Liebe, Kochen, Kinder, Diäten und Abnehmen, Dekoration der Wohnung und Schminktipps.
Die Suche bei Youtube mit dem Suchwort „Frauen“ endet ähnlich traurig. Gerade, wenn ich die Sucherergebnisse für Männer vergleichend daneben halte, die doch wesentlich positiver und vor allem nicht so sexualisiert ausfallen.
Eine zweite Quelle für Sexismus im Netz sind die knapp 1.600 Kommentare hier im Blog, die nicht freigeschaltet wurden, die wir aber „sammeln“. Ich schätze etwa 70 Prozent von ihnen als unter der obigen Definition betrachtet sexistisch ein. Anna hat darüber ja schon einmal geschrieben.
Was also tun gegen den Sexismus im Netz, der so alltäglich geworden ist, dass eine einfache google-Suche ihn sofort sichtbar machen kann? Wie umgehen mit offenem Sexismus als Reaktion auf Frauen, die sich trauen, Missstände anzuprangern? Wie post-gender ist denn das Netz? Und was passiert, wenn feministische Positionen gepostet werden? Wer kommt eigentlich zu Netzkongressen? Und wer liest überhaupt Blogs von Frauen? Wie sind die Potenziale des Netzes zur Herstellung einer feministischen Öffentlichkeit?
Das alles würde ich gerne mit Monika, Leena und euch diskutieren.
Und für alle, die nicht kommen können, steht hier die Kommentarfunktion zur Verfügung!
Sagt mir eure Meinung.
Veranstaltungs-Infos:
Der Netzpolitische Kongress der Grünen im Bundestag:
Workshop im Netzpolitischen Labor II, 13.11., 15.15—16.45 Uhr, Paul-Löbe-Haus
Alles eine Frage der Macht: Sexismus im Netz
Mit Monika Lazar MdB, Sprecherin für Frauenpolitik
Leena Simon, FoeBuD e.V.
Katrin Rönicke, Journalistin

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