Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
nun geht das Muttiblog also in eine neue Runde. Ich werde in den kommenden Kolumnen versuchen, das wertvolle Erbe meiner Vorgängerin Mrs. Pepstein fortzuführen und hier einmal im Monat über die schönen und weniger schönen Seiten des Mutterdaseins – mit allen Auswirkungen im privaten, gesellschaftlichen, beruflichen und sogar politischen Bereich – zu berichten und diese Kolumne erneut mit Leben zu füllen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
„Mit Leben gefüllt“ ist ein gutes Stichwort, denn ich möchte meine Reihe mit zwei Beiträgen zum Thema „Schwangerschaft“ beginnen – sozusagen in der Ursuppe der ganzen Bredouille, in die Frau gerät, wenn sie zur Mutter wird. Es muss zunächst festgehalten werden: Schwangere sind in unserer Gesellschaft keine normalen Menschen mehr (wie auch Hilmar Klute auf sueddeutsche.de feststellt: „Der Fall ist Rund„). Sie stehen unter ständiger Beobachtung durch Freunde, Ärzte, Bekannte und – was besonders seltsam wird: Unbekannte. Sie werden zudem fremdbestimmt und herumkommandiert, dass es weh tut – nur erfahrene Mütter oder Vorgewarnte schaffen es, sich dagegen zu wehren. Diese beiden Aspekte sollen aber Thema der nächsten Kolumne sein. Der dritte und heutige lautet: Schwangere als Ärgernis für Arbeitgeber_innen.
Ich empfand was das anging meine Situation als ziemlich heikel: Wenige Tage, nachdem mir gewahr wurde, dass ich (ungeplant) schwanger war, forderte mich ein von mir fachlich sehr geschätzter Mensch dazu auf, mich auf eine bei ihm ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Dass wir uns richtig verstehen: In jedem anderen Moment käme dieses Angebot einem Sechser im Lotto gleich! Ich! Von ihm aufgefordert!
Doch mein erster Gedanke war: Nein. Das geht ja gar nicht. Das bringt es doch gar nicht: Nach nur einem halben Jahr wäre ich ja schon wieder weg vom Fenster, weil der Mutterschutz losgeht. Der arme Mensch würde sich sicherlich total ärgern, mich eingestellt zu haben. Ich war also drauf und dran, mich einer Verwertungslogik hinzugeben, wie sie mir schon zu oft begegnet war: Laut dieser Logik war ich als Arbeitnehmerin nicht gerade ein „Gewinn“. Ich bedeutete Stress.
„Die Chance kommt bestimmt nie wieder!“ – sagte – oh Göttin sei Dank – eine andere Stimme in mir. Klar: Ich bekomme ein Kind. Aber was nützt es uns beiden, wenn ich quasi in vorauseilender Rücksicht mein – also unser – Leben einschränkte, wie ich es ohne den Krümel sicherlich im Traum nicht getan hätte (Stichwort: frustrierte Mutter). Also ganz klar: nichts. So war ich zwar unglaublich aufgeregt, als ich meinem neuen Chef dann nach dem Ablauf der ersten 12 Wochen „beichtete“, was er sich da für ein Überraschungsei angestellt hatte (es hat nur noch gefehlt, dass ich mich bei ihm entschuldigt hätte – so schlecht habe ich mich gefühlt). Aber irgendwo war ich mir sicher, dass eine Schwangere, die nicht für ihre Ziele kämpfte, nicht gerade der Weg zur Emanzipation sein würde. Belohnt wurde mein „Mut“ zuguterletzt durch den Chef: „Machen Sie sich keinen Kopf! Das kriegen wir schon hin,“ sagte er fröhlich (hatte er meine Gedanken gelesen?) und er gratulierte einfach von Herzen.
Jetzt fehlt nur noch, dass der Chef meines Liebsten genauso cool auf den Antrag auf Teil- und Elternzeit reagiert – leider sieht es an dieser Front nicht so gut aus.
Drückt bitte alle eure Daumen – bis zum nächsten Mal,
eure Erna

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