Seit letzter Woche gibt es ja einen völlig neu aufgezogenen Freitag, und der kollaboriert mit dem britischen Guardian, was uns den schönen Text „Mami, mach mal Feierabend“ der Autorin Rachel Cooke beschert. Darin führt sie allerlei Gründe an, warum sie mit 39 Jahren noch immer keine Kinder hat, überwindet sich dann aber, auch den einzig wahren Grund preiszugeben – und der ist:
Hauptsächlich allerdings – warum nicht ehrlich sein und es geradeheraus sagen – weigere ich mich Kinder zu haben, weil ein bestimmter Typus von Müttern mir Angst und Schrecken einjagt.
Diesen Typ Mutter kennt man auch hier in Deutschland: die Übermütter. Und sie können einen wirklich angst und bange machen – denn hört man ihnen mal zu, hat man immer das Gefühl, ohne Pekip-Gruppenbesuch, Early English-Kurs oder stets biodynamischem Essen würde der eigene Nachwuchs nur noch Terrorist_in oder Hartz-IV-Empfänger_in werden können.
Cookes Text trifft dann auch in jedem einzelnen Absatz den Nagel auf den Kopf. Zum Beispiel:
Eigentlich hätte man ja erwarten können, dass sich im Zuge der Entwicklung zur Gleichberechtigung der Geschlechter am Arbeitsplatz auch die Kluft zwischen Frauen mit und Frauen ohne Kinder bis zur Bedeutungslosigkeit verkleinern würde. (…) In den letzten zehn Jahren allerdings ist eine steigende Anzahl von Frauen dazu übergegangen, sich ganz im Geiste der fünfziger Jahre primär, lautstark und manchmal sogar ausschließlich über ihr Muttersein zu identifizieren. Sie machen einen Fetisch aus der Geburt und sind in einem Maße von allem besessen, was danach kommt, dass es an Satire grenzt und teils gar darüber hinausgeht.
(…)
Alles, was ich hier sagen will, ist, dass diese überzogene Baby-Fixiertheit auf lange Sicht niemandem wirklich gut tut. Für mich und viele andere Frauen ist es langweilig und egoistisch und enthält indirekt immer eine Wertung darüber, wie wir unser Leben leben. Für viele Männer bestätigt es nur das Vorurteil, dass Frauen sowieso nichts anderes wollen, als Kinder zu kriegen. Warum sollte man sich dann für sie einsetzen, sie ernst nehmen oder sie anständig bezahlen?
Also: Unbedingt lesen. Und die Supermutterschaft sofort von der eigenen To-Do-Liste streichen.

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