Wir haben ja schon ein paar Mal darauf hingewiesen, dass Münchnerinnen morgen auf die Straße gehen, um gegen Abtreibungsgegner zu demonstrieren. Organisiert wird der „1000 Kreuze für das Leben“-Marsch durch die Münchner Innenstadt von den Vereinen „Euro pro Life„und „Helfer für Gottes kostbare Kinder e.V.“ Die Beiden gehören zusammen, letztere ist sozusagen die Ortsgruppe.
Simone Kraft ist die Pressesprecherin des Antisexistischen Aktionsbündnisses München. Das ist eine Gruppe von jungen Aktivistinnen und Aktivisten, die sich seit Sommer um die Gegendemo bemühen. Sie hat vorab ein paar Fragen zu den so genannten Lebensschützern beantwortet:
Worum handelt es sich beim „1000 Kreuze für das Leben“-Aufmarsch?
In den letzten Jahren gibt es in immer mehr europäischen Städten einen solchen Aufmarsch. Wie 2002 und 2006 in München hat es zuletzt am 20. September in Berlin ein derartiges reaktionäres Treffen gegeben. Die Teilnehmenden bekommen Holzkreuze ausgegeben und fordern ein völliges Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Die Zahl „1000“ bezieht sich auf die angebliche Zahl der an einem Werktag in Deutschland vorgenommenen Schwangerschaftsabbbrüche. Diese Zahl ist übrigens frei erfunden.Verhütungsmittel werden als Sünde bezeichnet. ÄrztInnen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, werden als MörderInnen“ diffamiert.
Was ist der Hintergrund der christlichen Gruppen, die das ganze organisieren?
Das Frauenbild der Abtreibungsgegner ist völlig altmodisch. Frauen werden oft lediglich als „Brutkasten“ um den Embryo wahrgenommen. Die Ideologie der sich selbst zynisch „Lebensschützer“ nennenden Gruppierungen ist aber nicht nur frauenfeindlich, sondern meist auch rassistisch und homophob. Ständig wird ein“Aussterben der Deutschen“beklagt. Der Nationalsozialismus wird oft in ekelhaftester Weise verharmlost, wenn z. B. vom „Babycaust“ die Rede ist.
Die großen gesellschaftlichen Diskussionen und Kämpfe um den §218 sind doch vorbei, oder?
Der Herrschaft von Männern über Frauen wurde noch kein Ende gemacht. Und der Paragraph 218, der Schwangerschaftsabbrüche regelt, steht nach wie vor im Strafgesetzbuch. Das ist ein Skandal, genauso wie die Entmündigung von Frauen, die einen Abbruch vornehmen lassen wollen, durch die ihnen vorgeschriebene Zwangsberatung. Den AbtreibungsgegnerInnen reicht das noch nicht, sie wollen Schwangerschaftsabbrüche generell unterbinden.
Was ist von Ihrer Seite, den KritikerInnen, geplant? Wieviel TeilnehmerInnen erwarten sie bei Ihren Aktionen?
Der Aufruf unseres Bündnis wird in den letzten Tagen von mehr und mehr Gruppen unterstützt. Wir erwarten daher mehrere hundert Teilnehmerinnen bei unserer Kundgebung vor der Ludwig-Maximilians-Universität. Rund um den reaktionären Aufmarsch würden wir uns auf bunte und kreative Aktionen freuen, voll Witz, Verkleidung, vielfältiger Sexualitäten und Perversion.
Liebe Leserinnen und Leser, kommt also unbedingt vorbei. Hier findet ihr die Route der „Lebensschützer“. Die Kundgebung beginnt um 14.00 am Geschwister-Scholl-Platz.

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