Sie ist immer schon vor den anderen da. Im Kindergarten meldet sie sich schon bevor überhaupt freiwillige HelferInnen gesucht werden. In ihrer Schwangerschaft hat sie sich tonnenweise Lachsöl eingeflößt und natürlich niemals Kaffee getrunken. Sie hat einen Halbtagsjob („für die kleinen Extras“) von 10-14 Uhr, genug Zeit um nebenbei noch den Haushalt zu schmeißen und nachmittags die Kinder zu diversen Freizeitaktivitäten zu kutschieren.
(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Die Rede ist von der „perfekten Mutter“. Ich nenne sie so, weil diese vom Perfektionismus getriebenen Wesen mir Angst machen. Deshalb weil sie anscheinend immer alles (besser) wissen, was ich schon immer wissen wollte und weil sie organisatorisch vieles schaffen, wovon ich nur träumen kann: Sie sind immer lieb und auf Augenhöhe mit ihren Kindern, sie sehen immer gut aus, egal wie kurz ihre Nacht war, und sie verteilen ihr über Jahre angehäuftes elitäres Mutterwissen häppchenweise an Auserwählte, ohne dabei arrogant zu wirken. Ich werde neidisch, neidisch auf so viel geballte Außenwirkung, neidisch auf „immer gut drauf“.
Doch dann denke ich darüber nach, wie es dazu kommen konnte, dass die „perfekte Mutter“ zu dem wurde, was sie heute ist. Sie musste und muss einiges entbehren: die Kinder sind ständig unter ihrer Betreuung, denn andere Menschen (im schlimmsten Fall inklusive des Vaters der Kinder) können ja nicht richtig auf die Kinder und ihre Bedürfnisse eingehen. Ihre Partnerschaft ist eigentlich auch seit Jahren im Eimer und echte Freundinnen hat sie auch keine mehr, weil sie immer nur über ihre Kinder geredet hat. In ihrem Job wird sie zwar akzeptiert, aber ihre Karriere wird allenfalls stagnieren und wenn sie mal älter ist und die Kinder aus dem Haus, was wird sie dann tun? Vielleicht wird sie sich dann erinnern, dass es eine Zeit gab, in der sie anderen Bedürfnissen nachgegangen ist, und zwar ihren eigenen, und es wird dann für sie ein ziemlich schwerer Weg sein, sich daran zu erinnern, welche Bedürfnisse das eigentlich waren.
Ihr lieben Mütter, die ihr nach Perfektion strebt (mich eingeschlossen): lasst mal fünfe gerade sein, denn die Jungs wollen auch was vom Mutterkuchen und eure Kinder wollen eine coole Mutter, die auch mal unterwegs ist und dann mit einem Blitzen in die Augen wieder nach Hause kommt, weil sie weiß, dass sie auch noch ein eigenes Leben hat. Ich versuche unperfekt zu bleiben, PeKip-Kurse kann ich eh nicht leiden und wenn ich das nächste mal um einen Gefallen gebeten werde, der irgendwas mit basteln, Kuchen backen oder saubermachen zu tun hat werde ich ganz mutig NEIN sagen.

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