Ich freue mich heute sehr, weil die Autorin Alice Munro dieses Jahr mit dem Man Booker Prize geehrt wird. Das ist der wichtigste britische Literaturpreis, er ist mit 60.000 Pfund dotiert. Munro hatte harte Konkurrenz dieses Jahr, unter anderem waren V.S. Naipaul und Mario Vargas Llosa nominiert. Doch die Jury entschied sich angesichts Munros „praktisch perfekten“ Geschichen für sie.

Alice Munros Geschichten spielen meist in der (kanadischen) Provinz und behandeln die Verhältnisse von Menschen zu sich selbst, ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen. Oft sind es kleine Ereignisse, die ein kaum merkliches Ungleichgewicht oder Unbehagen in diese Beziehungen tragen. Daraus resultieren tektonische Verschiebungen und fundamentale Erschütterungen, die von der Autorin mit unwahrscheinlicher Präzision und in einer herrlichen Sprache beschrieben werden. Es geht um Mütter, die von überforderten Töchtern zurück gelassen werden; Männer, die ihre Stiefsöhne hassen; Frauen, die die sich Jahre lang darüber grämen, das Richtige zum Falschen gesagt zu haben. Es sind die kleinen Ausrutscher, die zu großen Verlusten werden können, die langen Einsamkeiten, die auch eine Form des Glücks zeitigen können, über die Alice Munro schreibt. Für mich ist sie eine der wichtigsten und besten Autor_innen, die es gibt. Deswegen: Herzlichen Glückwunsch! Und falls jemand von euch neugierig geworden ist, kann ich z.B. den Erzählband „Runaway“ als Einstieg sehr empfehlen.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.