Anfang der Neunziger sah es ja mal kurz so aus, als würde es eine dritte Feminismuswelle geben: Die Girlies waren rotzig, fanden es super, Mädchen zu sein und wollten niemandem gefallen. Dann wurden die Medien auf sie aufmerksam, erfanden das Girlie in seiner heute bekannten Bedeutung, und schon war die Welle vorbeigerollt bevor sie auch nur das kleinste Bötchen hätte zum Schwanken bringen können.
Die Spice Girls war die Band, die den Girlism zu Grabe trug. Sie schrieben sich all das auf die Fahnen, was die Girlies auch wollten: Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein, Spaß und Sex und eine große Klappe. Übrig blieb nach einer Runde in der Marketingmaschine aber nur Spaß und Sex – mit viel Glitzer versehen und von immer dünner und affektierter werdenden Sängerinnen präsentiert.
Gestern traten die Spice Girls in Köln auf und taten so als habe es die letzten zehn Jahre nicht gegeben, als hätten sie nicht schon eine halbe Fußballmannschaft Kinder zuhause sitzen und als wäre es total normal, mit Mitte 30 immer noch in Rosa und Glitzer herumzuhüpfen. Und dann schreibt Spiegel Online auch noch an einer Stelle einer sehr langen Konzertkritik:
Wenn auch mit der dünnsten Stimme und den wenigsten Gesangsanteilen ausgestattet, hat sich Victoria Beckham damit als das klügste Spice Girl erwiesen. Sie hat das Girlgroup-Konzept individualisiert und sich als Marke etabliert, die die Schlagzeilen füllt.
Nun ja. Ehrlich gesagt, waren „eine Marke sein und Schlagzeilen füllen“ nicht gerade das, wovon die Girlies damals träumten als sie in Rock und Gummistiefeln und grellbunt geschminkt wütend durch die Städte stapften.
(Graffiti über Flickr)

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