Wie die FAZ vor einigen Tagen berichtete, hat der internationale Leichtathletikverband IAAF eine Änderung bei der Anerkennung von Weltrekorden beschlossen: In der Disziplin Marathon, wo gemeinsame Rennen von Männern und Frauen nicht unüblich sind, sollen künftig als Weltrekorde für Frauen nur noch Zeiten aus rein weiblichen Veranstaltungen gelten. Dies betraf aktuell die Zeit der Britin Paula Radcliffe von 2:15:25 Stunden, aufgestellt 2003 beim London-Marathon.
Das Argument des Verbandes scheint zu sein, dass die Leistung von Frauen durch eventuelle männliche Tempomacher in den Rennen unangemessen verbessert, oder sagen wir der Kürze halber: zu gut, wird. Paula Radcliffe (die im Übrigen Weltrekordhalterin bleibt, nur mit einer schlechteren Zeit) selbst bezeichnete die Entscheidung als „a little unfair“ und wies darauf hin, dass die beiden Männer an ihrer Seite bei dem London-Marathon andere Läufer waren, die versuchten, ihr Tempo zu halten. Inwieweit sich die Regelung angesichts wohl relativ vieler „mixed“ Rennen tatsächlich durchsetzen lässt, ist fraglich.
Bemerkenswert ist die Entscheidung, weil sie die vorgebliche Leistungsorientierung des – ja eben genauso benannten – Elitensports ad absurdum führt. Zunächst nämlich hat also das Geschlecht als imaginäre Leistungskategorie zu zählen und erst danach die tatsächlichen Kriterien wie eben in diesem Fall Schnelligkeit. In einer der wenigen Disziplinen, wo es tatsächlich gemeinsame Wettbewerbe von Männern und Frauen gibt, auch wenn diese dann getrennt gewertet werden, ergibt sich in den gemeinsamen Rennen ein anderes Bild: Im London-Marathon 2003 etwa waren die 14 schnellsten Frauen insgesamt unter den 100 besten Teilnehmer_innen. Paula Radcliffe selbst war 16., das heißt schneller als die allermeisten der angetretenen Männer.

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