Bereits am Montag wurde eine Gymnasiastin verhaftet, die verdächtigt wurde, einen Amoklauf geplant zu haben. Dabei handelt es sich keineswegs um den ersten Amoklauf einer Frau. Der berühmte Hit der Boomtown Rats „I don’t like Mondays“ griff das Zitat einer Amokläuferin aus dem Jahre 1979 auf.
Der Spiegel berichtete, dass nach einer Studie der TU Darmstadt nur etwa vier von hundert Amokläufen an Schulen von Mädchen verübt werden, auch bei Amokläufen außerhalb von Schulen liegt der Anteil der Täterinnen bei rund fünf Prozent.
Dass der Anteil derart niedrig ist, liegt am anderen Umgang von Frauen mit Aggressivität. Sie richtet sich eher gegen sich selbst, Gewalt gegen andere ist meist subtiler. Steigende körperliche Gewalt unter Mädchen ist aber ein Hinweis darauf, dass bisher Männern vorbehaltene Verhaltensweisen in immer stärkeren Maße die allgemeine Verhaltensvorgabe werden. Eine Diskussion über männliche Identität, den allgemeinen Umgang mit Gewalt in der Gesellschaft, Auswege aus Situationen der Ohnmacht findet allerdings noch nicht statt.
Die Politik glänzte stattdessen mehr mit Debatten über Computerspiele, Gewaltvideos und biometrischen Schlössern an Waffenschränken. Doch bisher hat es nach jeder Gesetzesänderung weiter Amokläufe gegeben und fast alle der kontroversen Gegenstände und Aktivitäten sind Minderjährigen bereits heute verboten. Manchmal werden zwar mehr Psychologen und Krisenteams gefordert, die aber sind teuer. Daher sind die Krisenteams oft Mogelpackungen, wie der Entwicklungspsychologe Jens Hoffmann im Gespräch mit der Zeit erklärt.
Ich kann mich aber an eine Gesprächsrunde nach dem Amoklauf in Winnenden erinnern, in der die hessische Kultusministerin sagte, es gebe in ihrem Bundesland Krisenteams an den Schulen. Tatsächlich wurde einfach an jeder Schule ein Verantwortlicher ernannt. Den Leuten blieb es selbst überlassen, wie sie sich fortbilden.
Außerdem sieht er einen Grund in der idolisierenden Darstellung der Amokläufer in den Medien. Zumindest die öffentlich-rechtlichen Medien berichten inzwischen über Amokläufe ohne den vollen Namen zu nennen und erkennbare Fotos des Täters (oder der Täterin) zu zeigen.

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