Samstagabend, „Genial Daneben“. Sie wusste hinterher selber nicht mehr, wie sie darauf gekommen war, aber auf einmal referierte Hella von Sinnen über Tampons, abgerissene blaue Fädchen, Empfindlichkeiten im Genitalbereich und Menstassen. Insgesamt sprang da zumindest für mich mehr als ein guter Lacher heraus.
Allgemeiner gesehen wurde da allerdings ein Themenbereich berührt, bei dem ich wie so oft recht zwigespalten bin. Und was liegt bei einem untenrum-Thema näher, als erstmal zu hören, was Charlotte Roche dazu zu sagen hat? Vor ein paar Jahren war Charlotte bei „Zimmer Frei!“, und sprach im Interview darüber, dass sie es ganz furchtbar fände, dass Frauen, wenn sie um einen Tampon bitten („Du, hast du mal ’nen Tampon?“) das nur geflüstert in einem Ton tun, als hätten sie etwas sehr schlimmes verbrochen („Du, ich hab gerade ein Kind umgebracht!“).
Wo sie Recht hat, hat sie Recht! Allerdings, und das ist der Knackpunkt, habe ich manchmal die Befürchtung, ich gehöre doch eher zur Kindstöter-Fraktion.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Ich würde mich wirklich nicht als verklemmt betrachten. Aber es gibt gewissen Themen, die ich mit niemandem teilen möchte. Dazu gehört meine Menstruation.
Natürlich, als es damit los ging, da wurde vieles ausführlich mit den Freundinnen besprochen. Wir warteten gemeinsam auf die Menarche und gemeinsam trauten wir uns auch, Tampons zu kaufen. Irgendwann trat aber auch in diesem Punkt Normalität ein. Heutzutage sehe ich selten bis nie Anlass, über meine Regel zu sprechen. Umso irritierter bin ich, wenn Frauen um mich herum mit diesem Thema anders umgehen. Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich eine der wenigen bin, die sich in der Kaffeepause nicht über Blutungsstärken unterhalten möchte? Ich habe den Eindruck, es gibt Frauen, die gegen einen obligatorischen Aufenthalt in einer Menstruationshütte wirklich nichts einzuwenden hätten.
Woher kommt meine Abneigung, mich zu diesem Thema ausführlich zu äußern? Nun, zum einen finde ich schlicht und einfach, dass das prinzipiell keinen was angeht. Dieses Gefühl resultiert nicht aus irgendeinem Klemmschwester-Impetus heraus, nein, ich lege schlicht und einfach Wert auf meine Intimsphäre.
Allerdings spielt noch ein anderer Aspekt hinein:
Oft habe ich den Eindruck, Frauen, die so ausführlich über ihre Regel sprechen, tun dies, um Mitleid und vor allem vermehrte Toleranz für ihr Verhalten einzufordern.
Ich finde es, mit Verlaub, schlicht und einfach unangebracht, Äußerungen oder Handlungen, die man tätigt mit „ach, ich hatte da meine Tage, weißt ja, wie wir Frauen da sind“ oder „uhhh, das lag nur am PMS, dass ich da so drauf war“ zu rechtfertigen. Viele Frauen erwarten in diesen Punkten gerade von anderen Frauen totales Entgegenkommen. Nein, ich bin nicht bereit, das zu geben. Versteht das nicht falsch: wer sich mir Wärmeflasche ins Bett verkrümeln will, soll das tun. Wirklich, ich habe Verständnis und ich kann auch gerne Schmerztabletten vorbei bringen und einen Tee kochen.
Mein Verständnis hört aber dann auf, wenn Frauen sich daneben benehmen, unkonzentriert oder gar aggressiv sind und so ein Verhalten mit einem einfachen Hinweis auf ihre Tage oder ihr PMS beiseite wischen wollen.
Auch aus diesem Grund behalte ich meinen aktuellen Zyklusstand meist für mich: Ich möchte ernst genommen werden. Wenn ich sauer oder genervt bin, dann bin ich das nicht, weil ich meine Tage habe oder bekomme, sondern weil es einen Anlass gab. Ich möchte respektiert werden und habe den dringenden Eindruck, Frauen verschenken durch den Hinweis auf ihren Zyklus oft eine Menge an Respekt.
Es kann nicht sein, dass wir ein „die hat/bekommt wohl ihre Tage“ als zutiefst diskriminierend empfinden und uns gleichzeitig selber diskriminieren, so tun, als seien wir Sklavinnen unserer Hormone, die die gesamte Kontrolle über unser Verhalten übernommen haben. Mal ehrlich, würden wir bei einem Mann unangebrachtes Verhalten mit dem achselzuckenden Hinweis auf „das war eben das Testosteron, ich kann einfach nicht anders“ akzeptieren?
– Eben!

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