Neulich beim Eltern-Stammtisch des Kindergartens: drei der zehn im Biergarten anwesenden Personen trinken Kräutertee, daraufhin die Bedienung: „Bei dem Wetter Tee trinken, das machen doch nur Kindergartenmütter!“

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Am nächsten Tag: ich bin mit Fahrrad inklusive Anhänger inklusive Baby in der Innenstadt auf dem Markt. Ich komme vollgepackt zum Hänger zurück mit dem Kind auf dem Rücken und Tüten in der Hand, neben mir schließt gerade ein Typ (Student oder Surfer oder beides, Anfang 20) sein Fahrrad an. Als ich gerade losfahren will (Einkäufe und Kind sind verstaut) und er gerade losgehen will (ob er wohl Gemüse einkauft?), kommt ein junges dynamisches Kamerateam (Studentinnen, Anfang 20) auf uns zu. „Hallo, wir machen eine Umfrage zum Thema Veranstaltungsmagazine, kannst du uns erzählen, was dir da wichtig ist?“ . Typ so: „Na ja, wo die geilen Parties sind und fette Locations, das ist schon wichtig“. Danach labern alle noch so in bisschen rum, die angehenden Redakteurinnen bestätigen mit seinen Worten die echt belanglose Aussage des Surfers. Währenddessen lege ich mir im Kopf eine kluge Antwort zurecht, eine die überraschen soll, die intelligent ist und witzig und so weiter. Schließlich (und das weiß ich aus eigener Radioerfahrung) nimmt man doch an Aussagen, was man kriegen kann, um später aus der Masse die besten Antworten rauszufiltern. Aber was passiert? Das ambitionierte Kamerateam und der Student verlassen die Szene.
Zack, da bin ich also drin in der Mutterschublade: Mütter trinken abends immer Kräutertee und haben ja keine Ahnung von Veranstaltungsmagazinen, weil sie ja sowieso nie weggehen. Frechheit! Mütter können alles genauso gut oder schlecht wie andere (kinderlose) Menschen. Sie gehören in keinen Verein, der ihnen verbietet zu tanzen und Alkohol zu trinken. Mich persönlich interessieren die geilsten Locations jetzt zwar nicht so brennend wie die letzte Ausgabe der Fiber, aber ich möchte doch zumindest auch gefragt werden, wenn’s ums ausgehen geht!
Klar, das ist nicht das Wichtigste von der Welt, sich zu Partymagazinen zu äußern, aber das ist ja nur der Knauf zu der Schublade, in die man als Mutter so gesteckt wird. Klischees wie Mütter so „allgemein“ sind oder zu sein haben gibt es schließlich so reichlich wie Schmutzwäsche in einem Mehr-Personen-Haushalt mit Kleinst- und Kleinkindern: Mütter kümmern sich, Mütter sind aufmerksam, Mütter ernähren sich bewusst, Mütter haben immer einen Arm mehr als real vorhanden und das Oberklischee Mütter schlechthin: wissen immer, was das beste für ihr Kind ist (Liste kann beliebig erweitert werden…)
Klar ist, dass es Klischees nun mal gibt (und leider oder vielleicht muss das auch so sein, dass es Frauen gibt, die diesem Klischeebild entsprechen), und irgendwie logisch ist auch, dass sich im Leben von Menschen, die Kinder bekommen so einiges ändert – ABER sie werden deswegen nicht komplett neue Wesen aus der Kategorie Mutter!
An dieser Stelle kann ich nur für mich sprechen: ich will nicht nur als Mutter wahrgenommen werden. Ich bin eine Frau mit eigenen Bedürfnissen, ich gehe auch ab und zu aus, wenn ich gerade nicht zu müde bin, ich lebe gerne mit meinem Freund und meinen Kindern zusammen, aber ich bin immer noch ich und möchte das verdammt noch mal auch bleiben.
Jetzt schließt sich die Schublade
Bis in 12 Tagen
Grüßt eure Mrs. Pepstein

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