Neulich erklärte mir ein Kommilitone, dass er bei den Grünen ausgetreten sei – wegen der Frauenquote! Da war ich erst mal baff. Kriegsbeteiligung, Hartz IV oder was auch immer hätte ich verstanden, aber weil Frauen die Hälfte der Macht zugesichert wird? Das verstehe ich nicht.
Er meinte, es sei unfair. Wenn sich drei qualifizierte Männer und nur eine dementsprechende Frau für, sagen wir mal, zwei Listenplätze bewerben, müssten die Männer untereinander konkurrieren, die Frau aber nicht. Noch viel schlimmer: wenn sich nicht mal eine „gute“ Frau bewirbt. Ich meinte nur, dass die Partei, Organisation oder was auch immer, in so einer Situation, sich erstens auf die Suche nach dieser „guten“ (wer auch immer das definiert) Frau machen solle, die es wohl vergessen hat sich zu bewerben und zweitens, wenn sie keine finden, sich mal fragen sollten, was für ein Haufen sie eigentlich sind! In meinen engagierten Jahren habe ich immer wieder beobachtet, dass Frauen seltener kandidieren – zumindest wenn sie dies a) zum ersten Mal für diesen Posten tun und wenn sich b) schon andere Personen bewerben. Sie vergessen es nicht.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Reine Männerrunden, seien es nun Vorstände, Fraktionen, Arbeitskreise oder andere Gremien sind meiner Erfahrung nach langweilig und einseitig. Sie sehen Probleme nur aus männlicher Sicht – was ja einen Großteil der Bevölkerung vergisst! Ich habe festgestellt, dass reine Männervereine anstrengend und unproduktiv sind. Hier zählt noch Gepose und der ständige Schwanzvergleich geht schnell auf die Nerven. Kaum ist ein relevanter Anteil Frauen mit am Tisch, wird die Stimmung respektvoller, wird sich Ziel orientierter Unterhalten und alles ist weniger angespannt. Das liegt nicht nur an den Frauen – das liegt auch daran, dass die ganze Situation viel ausgewogener ist.
Doch das sind ja nur einige der Vorteile für uns Männer. Die andere Seite ist: Es steht ihnen zu. Und seien wir doch mal ehrlich, in einem System, das Jahrtausende lang von Männern für Männer konzipiert wurde, ändert sich nicht alles mit einer Merkel oder einer Clinton. Da helfen nur viele Frauen an vielen Positionen. Und um viele Frauen an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen zu beteiligen, hilft die Quote. Manchmal wird das wohl heißen, dass Organisationen sich auf die Suche machen müssen, manchmal werden sie sogar ihr Auftreten frauenfreundlicher machen müssen – aber das ist gut! Alle Frauen mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, und die wegen der Quote diesen Job hatten, waren eine Bereicherung. Ich kenne viele, die niemals kandidiert hätten – aber erst mal gewählt, in ihrer Position gerockt und den Verband, den Verein oder die Partei(gliederung) um Meilen vorangebracht haben.
Noch etwas: Dank der Quote gibt es auch weniger Konkurrenz, denn gegen die Hälfte meiner KollegInnen kann ich niemals antreten, und sie können mir auch nichts wegnehmen. Das schafft einen themenorietierten und weniger karrieristischen Umgang.
Ich finde die Quote toll – zumindest so lange wir sie brauchen. Und dass wir sie derzeit brauchen, steht für mich außer Frage. Überall dort, wo ich die Abschaffung der Quote miterlebt habe, stand ich danach einem Männerverein gegenüber und das will ich nie wieder, meine Zeit in einer bayrischen Knabenschule hat mir vollkommen gereicht.

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