Nach den ersten Gedanken und für den Blog– bzw. Medienspiegel hier noch mal das re:sümee, mit (fast) allen Links zu unseren Panels.
„Letztes Jahr hat jede Veranstaltung zu spät angefangen und das WLAN war auch die ganze Zeit off.” – So gewappnet machte ich mich auf zur re:publica 2010. An dieser Stelle schon mal ein Lob an die Organisatoren und Helfer, denn die Veranstaltungen begannen und endeten sehr pünktlich. Das WLAN war allerdings am Mittwoch erst wieder nutzbar nachdem alles vorbei war, an den späteren Tagen wurde es aber deutlich besser.
Am Mittwoch traf ich mich zunächst mit meinen Mitpanelist_innen zum Kennenlernen, bevor es dann aufs Podium von Feministische Netzkultur 2.0 ging. Wie bereits erwähnt kannten wir uns vorher nicht und hatten auch nicht die Zeit, die wir uns erhofft hatten. So dauerte es eine Weile, bis wir uns richtig akklimatisiert hatten und für die Publikumsfragen blieb leider wenig Zeit, wie auch Franziska Bluhm (sie hat auch ein nettes Foto gemacht) und Anke Groener feststellen. Bei der Diskussion stellte sich dann auch heraus, dass viele eher eine inhaltliche Diskussion erwartet hatten, während das Panel eher eine Metabetrachtung war. Meiner Meinung nach ist die re:publica als Blogger(_innen)konferenz dafür auch nicht der richtige Ort. Auch nicht (explizit) feministische Menschen sollten etwas über die Entwicklung der feministischen Blogosphäre erfahren, die im Übrigen so divers ist, dass mögliche Themen oder Kampagnen einzeln ausgehandelt werden müssen. Ein besserer Ort für konkrete Themen wird sicher z.B. das GenderCamp sein. Weitere Berichte haben news.de und die ZEITjUNG.
Danach habe ich es erst wieder zum Vortrag Sex and the Internet von Melissa Gira Grant geschafft. Ehemals Sexarbeiterin und heute feministische Aktivistin wandte sie sich vor allem an Webseiten- und Shopbetreiber. Diese sollten ihre Einstellung zu potentiell obszönen Inhalten sehr genau prüfen, denn meist wären Helmut Newtons Bücher mit Aktfotos (trotz Nacktheit auf dem Titel) wie auch Hardcore-Pornos á la Deep Throat (allerdings ohne Nacktheit auf dem Titel) weiter frei verkäuflich, während Jessica Valentis „Full Frontal Feminism” (mit nacktem Bauch auf dem Titel) leicht auf der schwarzen Liste lande. Viele Zuschauer_innen hatten sich wohl eher Informationen über youporn und Konsorten versprochen, Grant beschäftigte sich dagegen mit emanzipatorisch-feministischen Seiten wie scarleteen und Where is your line? . Mit der anschließenden Runde Chatroulette, anzusehen in ihrem Tumbler, war dann ein Trend geboren.
Über das Panel Das andere Geschlecht – Seximus im Internet ist schon viel geschrieben worden. Auch hier stand im Vorfeld die Frage „Wer ist eigentlich das Publikum, wieviel wissen die Leute, wieviel müssen wir erklären?“ im Raum. Während die Erklärung der Vorfälle und Entwicklungen seit dem letzten Jahr für einige ein alter Hut war, hatten andere davon wenig mitbekommen. Klar geworden ist, dass Sexismus leider immer noch ein akutes Problem ist und ein ungeheurer Bedarf an Strategien zum Umgang damit besteht. Dies wäre schon mal ein Ansatz für die Planungen fürs nächste Jahr. Noch mehr über den Inhalt des Panels hat Maike Hank geschrieben und auch Anke Gröner befasst sich damit. Mit dabei waren auch engl@absurdum und das loadblog. Den entstandenen Shitstorm im parallelen Chat haben das Piratenweib, Karnele und Fräulein Zimtsternin dokumentiert. Antje Schrupp machte sich noch weitere Gedanken dazu, Medienelite antwortete. Alles zusammengefasst hat auch Anne Roth in ihren Beobachtungen (es gibt auch einen 2. Teil). Last but not least: E13 fand alles akademisch, schnarchlangweilig und mit „teilweise wirklich ärgerlichen Stuss über die Diskriminierung der Frau im Netz” – aber in dem Panel saß anscheinend auch Susanne statt Anna auf dem Podium?!
Mein letzter Vortrag war Warum das Internet scheiße ist von Felix Schwenzel. Nach dem aufgrund großer Nachfrage wiederholtem Vortrag von bov beschrieb er zunächst sehr treffend, was alles nervt am Internet – für all das gibt es übrigens auch im realen Leben Entsprechungen. Am Netz nervt eben das, was in der Welt an sich auch schon nervt. Danach wurde es sehr ernst mit einem Plädoyer an die vertretenen Blogger_innen, mal kritischer mit sich selbst und der Blogosphäre umzugehen, um an der Kritik zu wachsen. Politik und Wirtschaft hingen im Moment noch hinterher und könnten diese Funktion nicht übernehmen.
An dieser Stelle dann doch noch zwei Kritikpunkte an die Organisator_innen: Zum einen ist „für alle offen sein” nicht das gleiche wie „aktiv auf Menschen zugehen”. Genau das sollte passieren, wenn sich die re:publica aus dem Um-sich-selbst-kreisen befreien will. Für eine Bloggerkonferenz fehlten weite Teile der Blogosphäre auf den Panels und auch der Frauenanteil an den Speakern war trotz viel Gerede genau so hoch wie letztes Jahr. Warum gerade weiblich dominierte Blogszenen (trotz hoher Zugriffszahlen) nicht relevant scheinen und vertreten waren, wurde bereits mehrfach angesprochen, diese Debatte sollte aber auf jeden Fall weitergeführt werden. Zum anderen gibt es immer noch einen Unterschied zwischen „Beleidigungen und Morddrohungen unterbinden” und „Zensur” und bei dem Ausmaß an Scheiße, inklusive massiven Streamproblemen, wäre eine klare Positionierung gegenüber den Störern angebracht, statt nur hintenrum sein Bedauern auszudrücken.
Zum Abschluß noch eine versöhnliche Note: am Freitag abend gab es dann ein Treffen der Girls On Web Society, das äußerst gut besucht war und für die Mädchenmannschaftlerinnen der eigentliche Höhepunkt der Woche. Hier gab es die Gelegenheit, Bekanntschaften der letzten Tage zu vertiefen und neue Bloggerinnen kennenzulernen. Einmal den Sprung von Twitter, Facebook und ICQ hinein ins reale Leben zu schaffen und sich von Angesicht zu Angesicht zu sehen war ungeheuer spannend und macht Lust auf die nächste re:publica (alternativ: GOWS-Treffen, GenderCamp, Vernetzungstreffen in Hattingen oder was danach noch so geplant wird…).
Weitere Artikel:
Lantzschi und Deef haben auf der re:publica über Queerness gepodcastet.
Ina Freudenschuß berichtet ausführlich auf dieStandard.at.
Im Interview mit Mercedes Lauenstein von jetzt.de erklärt Teresa Bücker, was sie an der re:publica 09 störte und worum es bei ihrem Vortrag Liebe ist für alle da ging.
Francesca Schmidt hat für Gender is Happening gebloggt und Leonie macht sich für das mädchenblog Gedanken.
Update: Der Beitrag von Kathrin Ganz beim Missy Magazine zur Feministischen Netzkultur ist nun auch online.
Auch die Zitty berichtet (und versetzt Klaus Schönberger aufs falsche Podium).

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