Im Kindergarten lernt das Kind so allerlei. Unter anderem auch das Katzentatzenlied.
Dieses Lied spiegelt sehr plakativ das Kindheits- und Jugendtrauma vieler post-gender Piraten wieder: Man fragt nett und freundlich, aber leider genügt schon ein einziger Makel (dick, hyperaktiv, laut, aber auch schlicht anders, nicht der eigenen Art entsprechend), der es scheinbar rechtfertigt, dass man zurückgewiesen wird. Und dann kommt dieser oberflächlich perfekte Typ vorbei, geht hin, nimmt sich einfach, was er will, ganz ohne zu fragen und schon macht die Frau bereitwillig mit – egal, ob er die totale Dumpfbacke ist oder nicht.
Wenn ich auf diese problematische Implikation des Liedtextes hinweise, bekomme ich, wie so häufig bei ähnlichen Themen (Werbung für Kinder, Rollenklischees in Kinderbüchern, Religionsunterricht in der Grundschule, etc.) zu hören: „Ist doch nur ein Kinderlied!“ Genau, es ist ein Kinderlied! Und Kinder lernen ihre Welt nun mal auch über solche Spiele kennen. Da schaue ich mit dem Kind ein Bilderbuch und es zeigt auf einen normalgewichtigen Hamster und sagt: „Hamster, pummelig.“ Das 2-jährige Kind hat also schon kapiert, dass ein Hamster pummelig ist, also wird es früher oder später auch kapieren, dass pummelig zu sein dazu führt, dass man nicht mitspielen darf und schlussendlich – am Beispiel des übergriffigen Katers – , dass es nicht auf das Einverständnis des Mädchens/der Frau ankommt, wenn man sie küssen möchte.
Ob es allerdings Zufall oder tatsächlich Absicht der deutschen Synchronisation von „Big Bang Theory“ war, dass Sheldon als Kind von seiner Mutter dieses Lied immer vorgesungen bekam, weiß ich nicht. Es ist auf jeden Fall passend, dass der Inbegriff des Nerds schlechthin schon als Kind vermittelt bekam, wie es mit den Frauen klappt.
Etwas weniger problematisch ist die Version von Frederik Vahle wo die Katze immerhin mit jedem Tier tanzt. Aber der Kater bleibt schlicht und einfach übergriffig und bekommt trotzdem, was er will (wobei er sich die Katze dann mit all den anderen Tieren teilen muss…). Trotzdem fand ich den Ansatz meiner Mutter, dem Kind statt dem Katzentatzen-Lied dann „Anne Kaffeekanne“ vorzuspielen deutlich besser!

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