Einträge mit dem Tag ‘Sommer’


Hotpants, Miniröcke und was du sonst noch (nicht) anziehen darfst

7. Juli 2015 von Charlott

Für alle, die es bisher verpasst haben: Es ist Sommer. Es ist warm. Viele Menschen entscheiden sich für geringere Textilmengen am Körper. Und wie eigentlich jedes Jahr flammt die Debatte auf: Was geht zu weit? Was darf in Schulen getragen werden? So heißt es in einem Brief an die Eltern von Schüler_innen einer Schwarzwälder Realschule:

[…] in letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind. Diese Entwicklung stimmt uns nachdenklich und wir haben entschlossen, dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen. […] Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes. Wir wollen damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden.

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaming und weitere sexistische_rassistische_klassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend‘ (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

Doch Kleidungsvorgaben kommen auch im anderen Gewand, wenn zum Beispiel ein Gymnasium in Bayern Schülerinnen anhält keinen Minirock zu tragen, da in unmittelbarer Nachbarschaft Geflüchtete untergebracht sind. Es könne zu „Missverständnissen“ kommen. In diesem Fall wird ebenfalls die Verantwortung auf den Mädchen abgeladen und Jungen/ Männer als geradezu hilflos dargestellt, doch geht dies einher mit rassistischen und anti-muslimischen Zuschreibungen, die ein klares Täterbild zeichnen und geflüchte Jungs/Männer als Aggressoren markieren. (Sicher ist Täter sind immer die Anderen.)

Welche „gesellschaftliche und soziale Werte“ sind es also, die gelebt werden sollen? Kleidungsvorschriften – explizite und implizite – sind zu dem nichts, was sich auf Schulen begrenzt. Wie Körper be_ oder ent_kleidet wahrgenommen werden, wird ständig reguliert, sanktioniert, kommentiert: Welche Körper dürfen (ungestraft) fast überall freie Oberkörper zeigen? Welche Arten von Kopfbedeckungen werden akzeptiert? Was für Kommentare ziehen welche Körper in Hotpants nach sich? Wem wird nahegelegt sich im öffentlichen Raum wenig zu bedecken? Und wem wird eigentlich das Gegenteil suggeriert? Hierbei verknüpfen sich Diskriminierungen hinsichtlich Geschlecht, Körperform, Religion, race und so weiter.

Oftmals wird so getan als wären bestimmte Kleidungsstücke und das Nichtverdecken von Körperstellen noch einmal eine besondere Einladung zu übergriffigem Verhalten: Damit meine ich nicht ausschließlich sexualisierte Übergriffe, sondern auch das allgemeine Kommentieren anderer Körper, ungefragte Hinweise dazu wie sich zu kleiden wäre, Bemerkungen/ Blicke/ Geräusche beim Entblößen dicker Oberarme, Zeigen und Starren auf Narben, die sonst unter Stoff bleiben.

Doch selbst wenn man als Person, die all diese Erwartungen versucht zu navigieren, sich entschließt längere Kleidung zu tragen, ist nicht viel gewonnen: Denn das Fenster von dem, was ‚akzeptabel‘ ist, ist minimal und es gelten auch nicht die gleichen Anforderungen an alle. Kleidung, die bei muslimischen Mädchen, als ‚zu lang‘, ‚zu viel‘ kommentiert wird, kann an anderen Personen als vollkommen legitim gelten. Frauen sollen zu dem schon auch sich in bestimmte Blicke einordnen, irgendwie ‚sexy‘ sein – aber eben auch nicht zu sehr und eigentlich darf es nicht so aussehen, als wäre viel Arbeit in dieses ‚sexy‘-Sein geflossen. Und dicke_fette Menschen sollen bitte nicht wirklich ihre Körper zeigen, wenn sie dann aber sich mit längerer Kleidung schwitzend im öffentlichen Raum bewegen, heißt es: Ist das nicht warm?

In diesem Gesamtzusammenhang finden auch das Hotpants-Vebot und die Mini-Rock-Tipps statt. Mädchen wird direkt an der Schule beigebracht: Nicht die Gesellschaft um euch ist das Problem, sondern ihr mit eurer Kleidung seid verantwortlich für jegliche Gedanken und Übergriffe. Angesetzt wird wie so häufig eben nicht beim (in diesem Fall) zugrunde liegenden Sexismus, der Mädchen als sexualisierte Objekte, und den rassistischen Zuschreibungen, die potentielle Tätergruppen festschreibt. Stattdessen ‚nachdenkliche‘ Elternrundschreiben.


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Sommer, Hitze und mal wieder Rassismus-Fails – die Blogschau

22. Juni 2013 von Nadine
Dieser Text ist Teil 207 von 280 der Serie Die Blogschau

Auf kleinerdrei gibt es einen sehr umfangreichen und mit vielen Hinweisen und Tipps gespickten Text zu Programmieren für Mädchen.

Me Myself and Child schreibt über Sommer_Ferien mit Kind.

RagingJosefine thematisiert ihre Versuche an einer Schauspielschule angenommen zu werden und was das alles mit Lookismus zu tun hat.

Accalmie nimmt auf ihrem privaten Blog den letzten rassistischen „Satirebeitrag“ der taz zu Barack Obama auseinander.

Angela Merkel hat während Obamas‘ Besuch in Berlin Internet als „Neuland“ bezeichnet. Das sorgte für einige Lacher, das Hashtag #neuland auf Twitter und gleichzeitig jede Menge rassistische Vergleiche und Metaphern, analysiert Femgeeks.

In die Reihe der Webseiten, die bei Gewalt gegen Frauen nicht sensibilisiert sind, reiht sich nun auch die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein, berichtet Helga auf Femgeeks.

Wenn sich Oberschenkel beim Laufen in der sommerlichen Hitze ständig berühren, kann das mitunter sehr schmerzhaft werden. Auf Identitätskritik gibt es praktische Tipps, was eine_r gegen vorbeugend tun kann.

Schläge und Prügel waren vor einiger Zeit gesellschaftlich anerkannte Erziehungsmethoden. Somlu schreibt einen sehr persönlichen Text über Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Die BILD mahnt Sexismus an und andere Kuriositäten – die Blogschau

23. April 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 108 von 280 der Serie Die Blogschau

Diese Woche war mächtig viel los in der Blogosphäre. Einmal tief durchatmen und die Lese­brille raus­geholt:

Der Mädchenblog ärgert sich, das mit Kristina Schröder nur noch Familien- und nicht Frauenpolitik an der Tages­ordnung ist und welche Aus­wirkungen das hat.

Auf andersdeutsch geht es um Männer, Frauen, Kälte­empfinden und hetero­nor­mativen Zu­schreibungen.

anarchie und lihbe hat eine Broschüre von der Frauen­­abteilung der Stadt Wien gefunden, die „Sicher­heits­tipps für Frauen und Mädchen“ zusammen­ge­stellt hat und fragt, warum wir in einer Gesell­schaft leben, in der Menschen lediglich beigebracht wird, nicht ve­rgewaltigt zu werden. Besser wäre die Bot­schaft: Vergewaltige nicht!

The Gurkenkaiser hat einen interessanten Text geschrieben: „Geschlecht und Praxis, Geschlecht und Technik und die Kritik an Ge­schlechter­sozialisations­theorien„.

Lucy schreibt auf ihrem Blog Nahtzugabe über DIY, Crafting und Handarbeiten. Vor einiger Zeit bekam sie vom Stuttgarter Frech-Verlag die Anfrage, ob sie es sich vorstellen könnte, „auf einer größeren Plattform im Internet über [ihr] Hobby zu berichten.“ Das Honorar: Ruhm und Ehre und ein Buch pro Monat. Eine Frechheit, wie Lucy zu Recht befindet.

Auf Klirrr hofft Lucie auf eine sexismusfreie Berichterstattung der anstehenden Fussball-WM der Frauen, obwohl diese mit der von einschlägigen Zeitschriften beworbenen Bikini-Diät-Rasier-Saison zusammenfällt.

Ninia La Grande ist genervt von der neuen Badminton Kleiderordnung:

Ab Mai dürfen Badminton-Spielerinnen auf gehobenem Leistungsniveau nur noch in Röcken oder Kleidern spielen. Damit Badminton endlich, endlich etwas „attraktiver“ rüberkommt. Lob an den deutschen Verband: Der wehrt sich momentan noch gegen die Regelung.

@habichthorn von Just Another Female Blogger hat noch einmal die re:publica 2011 zu­sammen­gefasst.

Julia Seeliger war ebenfalls auf der re:publica und hat eine eigene De­finition zum (politischen) Cyber­feminismus geschrieben.

Sina ärgert sich über die aktuelle EMMA, in der mit allen Mitteln versucht wird, Prostituierte zu patho­logi­sieren.

Svenja von Svenja and the City freut sich, dass sie im neuen Motorrad-Abenteuer Magazin auftaucht.

Paula und Deef haben einen sehr persönlichen Podcast zu Bisexualität gemacht und ein­gesendete Fra­gen be­antwortet.

Onyx von Gedankensalat hat ein wenig herumgestöbert und „ein erschreckend großes Sammelsurium an widerlicher und sexistischer Werbung“ gefunden. Achtung: Sexistische Kackscheiße ohne Ende.

Schafott hat drei Gründe für die ein­geschränkte politische Freiheit der chinesischen Bürger­_innen zusammen­ge­tragen.

Das Kotzende Einhorn weist auf die skurrille Bericht­erstattung der BILD hin, die auf investigativ-journalistische Art und Weise frauen­ver­achtende Struk­turen im Autonomen Zentrum Kalk aufdeckte. Dass das Autonome Zentrum lediglich kritisch mit dis­kriminierenden Struk­turen umgeht und an­erkennt, dass diese auch in einem herr­schafts­kritischen Raum kaum weg­zudenken sind, hat die BILD nicht verstanden. Und dass gerade die BILD auf Sexismus auf­merksam macht, setzt der Ge­schichte noch die Kro­ne auf.

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Wohin im Sommer? Hierhin!

23. Juni 2010 von Helga

Wer in den Ferien noch nichts zu tun hat oder Urlaub auf Balkonien macht, findet hier ein paar spannende Termine im Sommer:

Am 30. Juni gibt es in Berlin eine Fachtagung zu Alleinerziehenden unter dem Titel „Allein erziehend – doppelt gefordert”. Sie richtet sich an Berliner Senats- und Bezirksverwaltungen, Jobcenter, Arbeitgeber_innen sowie Akteur_innen aus Politik, Verbänden und Netzwerken, die praktische Lösungsansätze entwickeln und sich besser vernetzen wollen. Anmeldungen sind bis zum 25. Juni möglich, mehr dazu in dem Programm (PDF).

Eine große Klappe ist kein Muss, aber von Vorteil beim Lady-Slam. In sieben Minuten könnt Ihr Eure rhetorischen Talente unter Beweis stellen oder anderen lauschen. Ebenfalls am 30. Juni um 20 Uhr im Markandu Paderborn, Hathumarstr. 16. Der Eintritt kostet 2 Euro.

Noch mal Berlin: Die Fußball-WM der Männer läuft noch und im nächsten Jahr geht es mit der Damen-WM in Deutschland weiter. Vom 6. bis 13. Juli kommen daher Spieler_innen, Künstler_innen und Besucher_innen beim interkulturellen Discover Football, dem Festival zum Frauenfußball, zusammen.

Schwarzer Hintergrund mit weißen Punkten, wie eine FIlmrolle, darauf: QueerFilmFest Rostock - 29.-31.07.2010 - Peter-Weiss-Haus2010
Filmfans kommen dann vom 29. bis 31. Juli in Rostock auf Ihre Kosten. Dort entführt das QueerFilmFest 2010 „mit kosmosexuellem Filmgenuss in die Sphären queerer Welten”. Veranstaltungsort ist das Peter-Weiss-Haus und bis zum 30. Juni können noch Filme eingesandt werden.

Das Sommercamp Gayisland lädt zum dritten Mal zum queeren Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte, zwischen Neustrelitz und der Müritz. Vom 30. Juli bis 8. August ist die Zeit für Fahrradtouren oder faules Entspannen am Strand.

Ein Vortrag zu PorYes, Vortrag und Konzert von Sookee und eine Lesung mit Mithu Sanyal sind nur einige der Highlights, die Besucher_innen des Ladyfestes in Trier erwarten. For Ladies, Gentlemen and everyone in between (oder auch außerhalb) geht’s vom 13. bis 15. August in die Tuchfabrik Trier in der Wechselstr. 4.


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Buchtipps für den Sommertag!

11. August 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 5 von 106 der Serie Die Feministische Bibliothek

Momentan befinden sich vieler LeserInnen sicherlich im Urlaub (oder träumen zumindest davon) und obwohl ich gerade gar nicht an Urlaub denken kann, sondern über meiner Abschlussarbeit schwitze, merke ich, wie die Sommer Langsamkeit auch mich überkommt. Da fehlt dann nur noch ein Strand (oder wahlweise ein Park) und ein gutes Buch.

Auf DoubleX wurde vor ein paar Tagen The Double X Guide to Beach Reading veröffentlicht, in der die AutorInnen ihre Lieblingsbücher für einen perfekten Strandtag vorstellen. Unter anderem werden Klassiker wie James Baldwin’s „Another Country“ (zu deutsch: „Eine andere Welt“) genannt, in der sich der Autor mit Beziehungswirren von schwarz und weiss, zwischen und unter den Geschlechtern befasst.

Welche Bücher würdet oder werdet ihr mit an den Strand oder in den Park nehmen? Und wenn ihr wegfahrt, wo geht es hin?

http://robot6.comicbookresources.com/wp-content/uploads/2009/06/chicken-with-plums.jpg

Ich bleibe in Berlin und beende meine Arbeit, aber wenn ich mich in den Park setze, dann nehme ich Marjane Satrapi und „Chicken with Plums“ mit (Original Titel aus dem französischen „Poulet aux Prunes“, und zu deutsch: „Huhn mit Pflaumen“). Ich bin in letzter Zeit großer Fan von so genannten Graphic Novels geworden, und insbesondere von Marjane Satrapi, die in Deutschland wohl am bekanntesten mit Persepolis geworden ist, in der die Autorin ihre Kindheit im Iran während und nach der iranischen Revolution beschreibt.

„Chicken with Plums“ ist eine einfache und wunderschöne Geschichte eines Musikers, der sich entschließt zu sterben, nachdem sein allerheiligster Besitz – eine Tar, ein persisches Musikinstrument – kaputt ging. Mit vielen Rückblicken in die Vergangenheit, u.a. seine Kindheit und eine unglückliche Liebe, und Ausblicken in die Zukunft setzen sich die verschiedenen Puzzle-Teile seines Lebens zusammen und ergeben eine traurige, aber doch schöne Geschichte eines Mannes und seiner großen Liebe – die Musik.

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