Einträge mit dem Tag ‘Roman Polanski’


Obama, Transgender und Battlefield 3 – kurz notiert

29. September 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 123 von 138 der Serie Kurz notiert

Ein lesenswerter Nachruf auf die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai fand sich diese Woche in der Zeit. Ebenfalls dort: Ein Artikel über Morgan McCormick. Morgan wurde als Mädchen in einem Jungskörper geboren und trainierte in Computerspielen, eine starke Frau zu werden.

Erinnert sich noch jemand an die (inoffzielle) LAN-Party zum Start des Computerspiels Battlefield 3? Die ohne Frauen? Jetzt ratet mal, welcher Song im neuen (offiziellen) Trailer verwendet wird. Jay-Z’s “99 Problems (but a bitch ain’t one)”. Stilvoll.

Es gibt (mal wieder?) eine neue Petition zum Schließen von Facebookseiten, die sexualisierte Gewalt propagieren.

Norbert Blüm hat im Berliner Tagesspiegel über “Familie und Neoliberalismus” geschrieben. Heraus gekommen ist dabei – neben ein paar interessante Gedanken – vor allem eine Beschwörung der üblichen konservativen Vorstellungen von Familie. Schade.

Über ein neues Buch, in dem Frauen den Sexismus in Obamas Regierung anklagen schreibt die Washington Post. Und wo wir gerade dabei sind, hier noch ein Artikel bei the f word über Larry Summers, seines Zeichens Havardpräsident. Und Sexist.

Alice Schwarzer hat ihre Biografie vorgestellt und der Freitag war dabei.

Der Anteil der Autorinnen im US-Fernsehen ist zuletzt dramatisch gesunken (wir berichteten). Nur warum? Maureen Ryan hat für AolTV bei den Produzent_innen und Autor_innen nachgefragt.

Die Schauspielerin Leisha Hailey (“The L Word”) wurde aus einem Flugzeug verwiesen, nachdem sie Freundin geküsst hatte. Ja, richtig gelesen. Für mehr Infos bitte hier entlang.

Es gibt ein neues, cooles Mädchen-Online-Magazin: http://rookiemag.com/ Bei jetzt.de hat Mercedes Lauenstein es schon vorgestellt.

Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg kommentiert im polli-magazin den Papstbesuch.

Roman Polanski bezeichnet in einer neuen Dokumentation das von ihm vergewaltige Mädchen das erste mal als “Opfer”. Bei jezebel steht mehr dazu.

Zum Abschuss nach dem Klick noch eine Handvoll Veranstaltungen:

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Polanski-Entschuldigungen und kein Ende

15. Juli 2010 von Helga

Fast schon ein wenig heimlich, mitten im weltweiten WM-Trubel, hat die Schweiz den Hausarrest für Roman Polanski aufgehoben. So berichtete die Tagesschau:

Zur Begründung teilte das Justizministerium mit, man habe nicht abschließend klären können, ob Polanski eine ihm 1977 auferlegte Strafe nicht bereits verbüßt habe.

Dass er der 13-Jährigen damals Alkohol und Drogen gab und sie anschließend vergewaltigte, dies zugab und schuldig gesprochen wurde, hat sich anscheinend rumgesprochen. Trotzdem wurde von Stars, Sternchen und Kommentator_innen unzählige Male sein Promibonus bemüht und das so offen wie sonst selten. Ungeachtet auch der Tatsache, dass Strafverfolgung heute nicht mehr auf dem Racheprinzip basiert, kann es darüberhinaus die Tagesschau nicht lassen, wiederholt zu bemerken:

Opfer forderte mehrfach Einstellung des Verfahrens […] Die Frau äußerte inzwischen mehrmals den Wunsch, das Verfahren solle eingestellt werden.

In einem Kommentar bei der taz setzt sich Kirsten Reinhardt mit diesem und den weiteren Euphemismen auseinander, die im Zusammenhang mit Roman Polanski gern verwendet werden:

[…] bleiben wir bei der Formulierung des “Sichvergehens”. Haben Sie dabei nicht auch einen kleinen Jungen im Kopf, der mit dem Finger in der Marmelade in der Speisekammer steht? Klingt das nicht wie ein Kavaliersdelikt? Ein kleines “Vergehen” eben?

[Achtung: Die Kommentare enthalten teilweise explizite Beschreibungen.]


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Der Fall Roman Polanski

8. November 2009 von Barbara

Darf ein Mann für ein mehr als dreißig Jahre zurückliegendes Verbrechen eingesperrt werden? Er darf, findet das Schweizer Justizministerium, wenn das Verfahren nicht abgeschlossen wurde. Egal, ob das Opfer dem Täter vergeben hat. Und egal, ob der Täter ein Filmemacher von Weltruhm ist. Seit fünf Wochen sitzt der 76-jährige Roman Polanski in einem Gefängnis in Zürich. Weil er in Los Angeles ein Mädchen zum Sex verführt hat. Er soll in die USA überstellt werden und dort vor Gericht kommen – zum zweiten Mal seit über dreißig Jahren.

1977 kam die damals 13-jährige Samantha Gailey, heute Geimer, für ein Mode-Fotoshooting in die Villa von Jack Nicholson. Sie hatte das Einverständnis ihrer Mutter, sich von Roman Polanski fotografieren zu lassen. Das Vernehmungsprotokoll des Mädchens dokumentiert, dass sie von Polanski gezielt und heimtückisch in eine Falle gelockt worden ist, weder Flehen noch die Aussage, sie leide unter Asthma und müsse sofort nach Hause, halfen ihr. Mit Tabletten und Alkohol löste er ihren Widerstand und verging sich an ihr. “Kein Päderast” lautet das Urteil eines Psychiaters, das Polanski als Mann “von hoher Intelligenz” zeigt, als einen, der “ein gutes Urteilsvermögen und starke moralische und ethische Werte” habe. Bei seiner Tat, die er gestanden hat, handele es sich “um einen isolierten Fall des vorübergehenden Verlusts des Urteilsvermögens in einer intimen, kreativen Arbeitssituation”. Hört hört! Das Verfahren gegen Polanski wurde nie abgeschlossen, da er 1978 nach Europa geflohen ist und sich bis heute der US-amerikanischen Justiz entzogen hat. Angeblich hatte er geglaubt, zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt zu werden – das aktuelle Auslieferungsbegehren der USA nennt eine Höchststrafe von zwei Jahren Haft.

Was auch immer damals genau geschehen ist, nicht beide haben es gewollt. Nun kann man sagen, dass diese Tat sehr lange her ist, zu lange, um noch einmal aufgerollt zu werden. Doch wenn nach Jahren herauskommt, dass etwa ein Geistlicher seine Konfirmanden sexuell missbraucht hat, werden Anklage und Bestrafung seiner Tat von der Öffentlichkeit mehr als begrüßt. Das sagt auch Alice Schwarzer, die sich über dieses Zweiklassen-Unrechtsbewusstsein und Petitionen wie “Free Polanski” sehr ärgert. Denn für Polanskis Freiheit haben zahlreiche deutsche Regisseure wie Wim Wenders und Tom Tykwer ebenso unterschrieben wie viele internationale Filmemacher, etwa David Lynch, Martin Scorsese, Woody Allen, Pedro Almodovar. Und auch Schauspielerinnen wie Isabelle Adjani und Tilda Swinton wollen, dass Roman Polanski aus der Haft entlassen wird.

Lasst ihn frei, fordert auch die heute 45-jährige Samantha Geimer. Es geht ihr dabei wohl weniger um Vergebung als um die Tatsache, dass ihr eigenes Leben seit der Vergewaltigung stark beeinträchtigt ist. Sie werde von der Presse verfolgt, sagt sie, sie habe “lebenslänglich” bekommen wie Polanski. Ob sie von ihm die vollständige Summe an Schadensersatz erhalten hat, die sie eingeklagt hatte, wird bis heute bezweifelt. Samantha Geimer möchte die 32 Jahre alte schlimme Erinnerung vergessen und versucht, zurückgezogen zu leben. Sie forderte bereits Ende der Achtziger, das Verfahren einzustellen; Polanski könne ja von der Justiz in Los Angeles auch keinen fairen Prozess erwarten. So heißt es in dem Dokumentarfilm “Roman Polanski: Wanted and Desired” über den vorsitzenden Richter, dass dieser den Fall mit Unbeteiligten diskutiert habe. Und deshalb den Deal platzen ließ, die Tat durch Polanski Geständnis als “statutory rape” abzumildern, was etwas Ähnliches wie Unzucht mit Minderjährigen ist.

Dass Samantha Geimer ihrem Vergewaltiger vergeben möchte, löst diesen Fall nicht. Rechtsfrieden wird wohl erst dann herrschen, wenn Polanski sich seinem Richter stellt. Denn sexueller Missbrauch ist strafbar, ein schlimmes Fehlverhalten gegenüber den Grundsätzen unserer Gesellschaft ebenso wie ein schlimmes Fehlverhalten gegenüber den Rechten eines Individuums. Der Täter muss die Konsequenzen für dieses Fehlverhalten auf sich nehmen, und die sind in unserem Rechtssystem ähnlich wie im US-amerikanischen: auf Verbrechen folgt Strafe. Beobachtet von der Öffentlichkeit. So muss man dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger recht geben, der über den Fall Roman Polanski sagt: „Ich bin ein großer Bewunderer seiner Arbeit, aber er sollte behandelt werden wie jeder andere auch.”

Dieser Text ist bereits im Bayerischen Rundfunk erschienen, am 7. November 2009 in “Jazz und Politik” auf Bayern 2.


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