Einträge mit dem Tag ‘outside the box’


outside the box: Feministische Formen

13. Mai 2011 von Helga

Titelbild der outside the box #2 FORM In ihrer zweiten Ausgabe haben sich die Macherinnen von outside the box eines spannenden Themas an­ge­nom­men: Form. Dabei gelingt ihnen ein feines Kunststück. Sie hätten kein Wort, keinen einzigen Text drucken müssen. Form erfasst einen, bevor man die erste Seite aufgeschlagen hat. Denn entstanden ist ein „Magazin in 9 Bögen”. Outside the box kommt inside a plastic bag, die einzelnen Seiten fein säuberlich zusammengefaltet.

Zur Orientierung gibt es eine Legende, die zunächst die Markierungen erläutert, mit denen man sich an den Kanten entlang hangeln kann. Außerdem gibt es weiter ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen. Zumindest ich hatte die Seiten nach dem ersten Öffnen alle durcheinander gebracht – so schnell können Zahlen ihre Funktion an sich verlieren.

Aufgefaltet sind die einzelnen Bögen etwa DIN A2 groß, daraus ergibt sich eine ganz neue Herausforderung. Eine Seite ist nur komplett aufgefaltet lesbar, die andere kann teilgefaltet bleiben, der gelesene Teil wird wieder zugeklappt. Dabei ist jeder Bogen eine in sich geschlossene Einheit und stets individuell gestaltet. Auch die Illustrationen und Bilder sind, je nach Knick und Faltung immer wieder neu zu entdecken. Magazin im „Taschenformat“ oder Kunstwerk auf Postergröße?

Auch der Inhalt widmet sich der Form. Theoretische Betrachtungen zu Roswitha Scholz’ Wert-Abspaltungstheorem und Michel Foucaults Erläuterungen zum Wahr­sprechen, der Parrhesia, wechseln sich ab mit Einblicken in iranisches Grafikdesign und queeren Tango. Für einige Themenbereiche waren Artikel angedacht, etwa quotierten Redelisten, kamen aber (erstmal) nicht zustande. Eine Aus­ein­an­der­setzung fehlt allerdings, obwohl sie im Leitartikel schon im Raum steht: Barrierefreiheit.

Ganz konkret drückt es sich hier auch in der Sprache aus. So sind viele Beiträge mit schwer verständlichen, akademischen Ausdruck geschrieben. Die Form sei am Inhalt ausgerichtet worden, heißt es, außerdem stünde man „eher am Beginn der Suche nach gesellschaftskritisch-feministischen Formen“. Doch diese Sprache schließt aus. Sie zu erlernen, müssen Leser_innen sich erst einmal leisten können. Am Ende blieben die Debatten, die hier angestoßen und vorangetrieben werden sollen, auf einen priviligierten Kreis beschränkt. Und das wäre, bei all den kreativen Potential das sich hier findet, schade.


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Neu im Zeitschriftenregal: outside the box

9. Februar 2010 von Helga

Titelbild der Zeitschrift outside the box - die obere Hälfte ist weiß mit der schwarzen Aufschrift: #1 dez.09 EMANZIPATION // outside the box // ZEITSCHRIFT FÜR FEMINISTISCHE GESELLSCHAFTSKRITIK - die untere Hälfte ist eine schwarz-weiß Aufnahme von hellen Ästen vor einem dunklen Waldhintergrund

Im Dezember 2009 erschien erstmals die Zeitschrift outside the box (das Editorial verrät, dass es sich dabei ursprünglich um ein Logik-Spiel handelt) und versuchte bisher als „unverrückbar geltende Denkweisen” anzugehen. Die Box um die es herumzudenken gilt, könne dabei der (klassische) Feminismus sein, der männlich dominierte Teil der Linken oder die, bis heute patriarchalisch geprägte, Gesellschaft sein. Gemäß dem Untertitel Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik soll einerseits Gesellschaftskritik um eine feministische Position ergänzt werden, andererseits Intersektionalitäten in feministische Diskussionen einließen lassen.

outside the box versteht sich entsprechend nicht als ein feministisches Spartenprodukt, sondern stellt Verknüpfungen her und übt daher inhaltlich sowie formal eine umfassende emanzipatorische Kritik.

Das Thema des ersten Heftes lautet denn auch „Emanzipation”. Dieses wird über vier verschiedene Ansätze erfasst. Zunächst geht es um die politisch-philosophischen Grundlagen: Während der Artikel „B² – Von Beauvoir zu Butler” (von Kristina Biene Holme) anhand der Werke Simone de Beauvoirs, Luce Irigarays und Judith Butlers die Geschichte feministischer Philosophie anschaulich darstellt, sind die weiteren Artikel von Andrea Trumann und Martin Dornis sehr akademisch und für Nicht-Philosoph_innen kaum zu verstehen.

Sowohl um klassische Themen des Feminismus, das (Nicht-)Sichtbarmachen von Seximus, die Aktualität der Abtreibungsdebatte und der Kampf um die sexuelle Befreiung geht es im zweiten Teil, aber auch um etwas seltener diskutierte Gesellschaftsaspekte – Emanzipation in der DDR und die rechte Frauenbewegung. Besonders das Interview mit Sarah Diehl und Kirsten Achtelik über den internationalen Kampf auf das Recht auf Abtreibung zeigt die historischen und aktuellen Entwicklungen anschaulich auf.

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