Einträge mit dem Tag ‘Nils Pickert’


Kaffeekränzchen bei der Frauenärztin

15. August 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 55 von 59 der Serie Meine Meinung

Seit März dieses Jahres schreibt Nils Pickert eine monatliche Kolumne bei dieStandard. Seitdem habe ich jeden Monat einen neuen Termin zum vehementen Kopfschütteln. Das liegt nicht (ausschließlich) daran, dass ich es nicht besonders bereichernd finde, dass nun endlich mal ein Typ regelmäßig in einem feministischen Medium über Feminismus schreibt, sondern an den konkreten Inhalten, denen dort Platz eingeräumt werden. Als im Mai eine Reihe von Feminist_innen berechtigte Kritik an Pickerts Artikel zu Sex übten, zeigte sich dieStandard nicht sonderlich einsichtlich und kritisierte lieber „gewisse theoretische Strömungen“ (Queer-Feminismus?). Seit dieser Auseinandersetzung facepalmte ich im Ruhigen, ob er nun über Vaterschaft oder Dustin Hoffman schrieb.

Doch dann wurde die gestrige Kolumne unter dem Titel „Nicht wirklich krank“ veröffentlicht. In dieser widmet sich Pickert eigentlich dem Thema „Männergesundheit“. Sein Ansatz, der etwa so ausdifferenziert ist wie „Warum Männer nicht zu hören und Frauen schlecht einparken“, sagt: Alle Männer ™ (ausgehend von dem passenden Sample „alle Männer, die Nils Pickert kennt“) gehen nicht gern zum Arzt. Sie wollen nicht mit ihrer eigen Sterblichkeit konfrontiert werden. Usw. Wäre das alles in dem Artikel, hätte ich mich zwar sehr über sehr platte Argumentation geärgert, aber der Tab in meinem Browser wäre schnell geschlossen gewesen.

Doch Nils Pickert reicht es nicht Halbgares zu (Cis-)Männern zu verbreiten, er muss auch einen Absatz einbauen, in dem er erklärt, warum es bei Frauen ganz anders ist. Die Gründe? Ganz offensichtlich:

Mit dem Einsetzen der Menstruation werden Mädchen aus informierten Elternhäusern zu einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt geschickt, weil sie dort nicht zuletzt auch die Rezepte für Pillen zur hormonellen Verhütung von Schwangerschaften erhalten. Darüber hinaus werden dort regelmäßig Themen wie Krebsvorsorge, Fertilität und Sexualität besprochen und behandelt. Im besten Fall bietet sich die ÄrztInnen als kompetente GesprächspartnerInnen an, mit denen die Mädchen über die schulische und elterliche Sexualaufklärung hinaus schwierige und schambesetze Themen besprechen können. Im schlechtesten Fall erfahren sie eine Pathologisierung und Problematisierung ihres Körpers sowie den Eindruck, dass es ihnen allein obliegt, sich um das Thema Verhütung zu kümmern.

Ich weiß nicht, wie Nils Pickert zu dieser Einschätzung kommt. Ich hoffe sehr, dass er eine Frau gefragt hat und freue mich sehr über deren doch positive Erlebnisse. Klar ist, dass Pickert in seiner feministische Kolumne es mal wieder schafft, jedes bisher erarbeitete kritische feministische Wissen zu ignorieren.

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