Einträge mit dem Tag ‘Feministinnen’


Die Playlist zum Frauenkampftag – Beyoncé-Style!

8. März 2014 von Magda

Im letzten Dezember ließ Beyoncé eine fette Bombe platzen und veröffentlichte ohne eine einzige Vorankündigung (kreisch!) über Nacht ihr fünftes Album: 14 Songs, 17 Videos und 1 Sample aus Chimamanda Ngozi Adichie’s berühmten Vortrag “We should all be feminists“.

Die feministische Blogosphäre sprang im Dreieck und diskutierte sich heiser: Beyoncé ist Feministin!!! Beyoncé ist Feministin??? Beyoncé ist eine schlechte Feministin! Beyoncé ist die Feministin!

Fakt ist: Einige von Beyoncés Songs haben explizit feministische Botschaften, sie nimmt Bezug auf hegemoniale Bilder von Geschlecht und race und erklärte in einem Videointerview, warum sie es wichtig findet, feministische Perspektiven in ihrer Musik zu haben. Nicht zu vergessen, dass sie im letzten Jahr mit einer 13-köpfigen Musikerinnen-Combo auf Tour ging. Richtig gelesen: Beyoncé brachte 13 fabelhafte Musikerinnen auf eine Bühne, während zahlreiche andere sich als feministisch verstehende Musikerinnen ausschließlich mit Typen touren.

Beyoncé erhielt auch viel berechtigte Kritik, weil sie ihren Rapperkollegen und Ehemann Jay Z auf ihrem neuen Album gewaltverherrlichenden und sexistischen Müll rappen ließ. Ich habe auch so meine Schwierigkeiten mit der selten hinterfragten Glorifizierung von normschönen Körpern in ihren Musikvideos und bin genervt, wenn sie musikalisch und performativ Heteronormen abfeiert. Ambivalenzen und Widersprüche bleiben also bestehen: Beyoncé bietet viele feministische Anknüpfungspunkte, aber auch eine Fläche für feministische Kritik.

Zum heutigen Frauenkampftag lege ich den Fokus auf all die wunderbaren popkulturellen Erzeugnisse, die durch und mit Beyoncé entstanden sind: (Cover-)Songs und Choreographien, die Mut machen, humorvoll sind, ins Herz treffen. Meine Top 7:  (mehr …)


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Angela Davis in Frankfurt und in eurem Zimmer

13. Dezember 2013 von Charlott

Zum aktuellen Wintersemester hat das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse in Frankfurt am Main die Angela Davis-Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies eingerichtet. Und wer könnte diese besser als erstes besetzten als Angela Davis selbst?

Für die Frankfurter Rundschau hat Hadija Haruna ein eindrucksvolles Porträt über die Wissenschaftlerin und Aktivistin geschrieben. Haruna schreibt über Davis’ Leben und Arbeiten im Civil Rights Movement, zum Thema Gefängnisse und das Zusammenspiel von Kategorien wie race, Klasse und Geschlecht. Sie zeigt auch, wie diese Kämpfe weiterhin relevant sind – ob in den USA oder in Deutschland.

Während der letzten zwei Wochen in Frankfurt hat Angela Davis Vorträge gehalten und ein Blockseminar zu „Critical Theory and Feminist Dialogues” gegeben. Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es aber einen Trost. Die Antrittsrede ist vollständig als Video online und kann jederzeit angeschaut werden.

Ein weiterer Tipp aus dem Mädchenmannschafts-Archiv: Angela Davis’ Analyse zu Assata Shakur, race und Terrorismus.


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Feministische Politik ist mehr als Kosmetik

6. November 2013 von Maria

Im Moment verhandelt die zukünftige Große Koalition darüber, wie eine Frauenquote für Aufsichtsräte aussehen könnte oder ob man Veränderungen beim Elterngeld beschließt. Feministische Wissenschaftlerinnen fordern in einem aktuellen Aufruf (PDF) einen Blick auf die breiteren gesellschaftlichen Zusammenhänge von Ungleichheit und Ausgrenzung. Sie stellen fest: „Die Gleichstellungspolitik der letzten Jahre hat sich hingegen weitgehend auf kosmetische Korrekturen beschränkt. Der emanzipatorische Gehalt feministischer Kritik muss deshalb wieder neu erstritten werden!“

In dem Aufruf, der sich als offener Brief an Politiker_innen richtet, wenden sich die Autorinnen unter anderem gegen Prekarisierung der Arbeitswelt, die vielfachen Benachteiligungen von Menschen mit Sorgearbeit und eine rassistische Migrationspolitik. Der sehr lesenswerte Aufruf formuliert einen Anspruch an das Zusammenleben in einer „globalisierten Gesellschaft“ und stellt fest, dass die Politik „bei den sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Rechten aller Menschen“ ansetzen muss. Die Autorinnen wollen die feministische Debatte neu entfachen und laden deshalb Menschen aller Geschlechter auf, ihren Aufruf mitzuzeichnen. Hierfür genügt eine E-Mail an feministische_initiative@gmx.de


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Happy Birthday: 40 Jahre Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek e.V. in Berlin

20. Mai 2013 von Magda

Die letzten 40 Jahre, in denen Spinnboden – Lesbenarchiv und Bibliothek e.V. neben Herstory in New York zum mittler­weile größten Lesben­archiv der Welt angewachsen ist, waren mitunter turbulent: Am 25. Mai 1973 beschloss die Frauen­gruppe der „Homosexuellen Aktion Westberlin“ (HAW) ihre Protokolle, Flug­blätter und Briefe zu sammeln und legte damit den Grund­stein für das heutige Spinnboden-Archiv. In den kommenden Jahren wurden Spenden gesammelt, Förder­gelder beantragt, ein Verein gegründet, Ver­anstaltungen organisiert, Stellen geschaffen und für deren Erhalt gekämpft (denn Kürzungen im Bereiche Frauen-Lesben-Trans*-Arbeit waren damals wie heute keine Selten­heit, wie gerade auch wieder bei der Lebensberatung Berlin e.V. zu beobachten ist).

Spinnboden Lesbenarchiv e.V.

Wie aus der Pressemitteilung (PDF) zu entnehmen ist, umfasst die Sammlung von Spinnboden ver­schiedene Dokumente über die Berliner „Freundinnenkultur“ der 20er Jahre und aus der Lesben­bewegung der 70er Jahre, private Sammlungen, wissen­schaftliche Arbeiten, Belletristik und eine umfassende Film­sammlung. Die internationale Präsenz­bibliothek und die Dokumenten­sammlung umfasst ca.10.000 Bücher, über 1600 Zeitschriften­titel, 1000 Plakate sowie Bild-und Tonträger zur Lesben­geschichte und –bewegung.

In diesem Monat wird also 40-jähriges Bestehen gefeiert. Einige Veranstaltungen haben bereits statt­gefunden, z.B. eine öffentliche Kundgebung zum Gedenken an das Leid lesbischer Frauen im National­sozialismus. In der Pressemit­teilung (PDF) findet ihr weitere Ver­anstaltungen. Am 25. Mai 2013 lädt der Spinnboden ein zur großen Jubiläums­feier. Mit dabei sind: Coco Lorès, die Rapperin Sookee und Djane trust.the.girl.


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Feministische Bündnisse über Grenzen hinweg

26. März 2013 von Charlott

Noch sind wir alle, die wir das vergangene Wochenende bei “Mobilize! International Activism Conference” verbrachten, ganz schön geschafft, beim Verarbeiten aller Erlebnisse, den bereichernden Gesprächen, dem Anknüpfen an feministische, netzpolitische Debatten über Grenzen hinweg, im off, und an neue Kontakte, die entstanden, aber auch beim Kritikformulieren, zum Beispiel am abrupten Abbruch der folgenden Diskussion.

Trotzdem wollen wir euch  die Videoaufnahme zu dem von uns gehosteten Panel zu feministischen Bündnissen nicht vorenthalten. Denn da saßen wundervolle Aktivistinnen zusammen und hatten viel Wichtiges zu sagen. Neben Sabine von der Mädchenmannschaft, die moderierte, nahmen auf dem Podium platz:

  • Miss Kaewmala von thaiwomantalks.com, Thailand
  • Elizabeth Ngari von Women in Exile, Deutschland
  • Sheena Gimase Magenya von Sister Namibia, Namibia
  • Arevik Martirosyan von heghaforum, Armenien
  • Lala Aslikyan, LGBTIQ-Aktivistin, Psychologin, Armenien

Für diejenigen, die sich das Panel lieber anhören möchten, gibt es hier die Tonaufnahme.


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Keine Rezension, sondern eine Liebeserklärung: Beth Ditto’s Autobiographie

24. Januar 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 67 von 86 der Serie Die Feministische Bibliothek

Dies ist keine Rezension, sondern eine Liebeserklärung. Kann Spuren von grenzen­loser Bewunderung ent­halten.

Beth Ditto AutobiographieBeth Ditto hat gemeinsam mit  Michelle Tea ihr Leben auf­ge­schrieben. Als Gossip und Beth Ditto Fan-Grrrl habe ich selbst­ver­ständlich jede Zeile dieses Buches in mein Herz tätowiert und plädiere stark dafür, dieses Werk zur Pflicht­lektüre für alle Acht­klässler_innen zu machen.

Leichte locker-flockige Lektüre ist es allerdings nicht. Beth Ditto nimmt uns mit auf ihre teils schmerz­hafte Reise in die Vergangen­heit. Wir befinden uns in den Südstaaten, dem so genannten „Bibelgürtel“ der USA: irgendein christlich-konservatives Kaff im Bundes­staat Arkansas, mitten im gefühlten und real­existierenden Nirgendwo. 1970? 1980? Egal. Die Unter­schiede merkt mensch nicht, laut Ditto.

Auf ziemlich bedrückende Weise schildert Ditto ihr Leben als junges Mädchen und Teenager in einer Gesell­schaft, in der Gewalt weg­geschwiegen und jede Abweichung von der Norm aufs Brutalste geahndet wird. 1981 wurde Ditto in diese Welt hinein­geboren. Armut, körperliche und sexualisierte Gewalt, Sexismen und Homo­feind­lichkeit gehören zu Dittos Alltag. Die klaren Worte, mit denen diese Grausam­keiten beschrieben werden, sind einge­bettet in knall­harte Analysen: Ditto individualisiert nicht, sondern benennt klar Diskriminierung und gesell­schaftliche Strukturen.

Als sie sich mit dem späteren Gossip-Gitarristen Nathan und der ersten Gossip-Schlagzeugerin Kathy in der High School an­freundet, entdeckt sie die Liebe zu Riot Grrrl, Musik, Fat Acceptance Zines, Haare färben und Feminismus. Als es nach der High School nach Olympia (Washington) geht, ist das wie eine andere Welt. Dort kämpfen sich die Musiker_innen von einem zum nächsten schlecht bezahlten Job, machen Musik, klauen sich ihr Essen zusammen, spielen oder gehen auf Konzerte. Ditto kämpft mit einer seltenen Krank­heit, entdeckt die femme in sich, erste längere Beziehungen. Irgend­wann wird die erste Platte auf­genommen, die alte Schlag­zeugerin geht, Hannah Blilie steigt ein. Es geht auf Tour mit Sleater Kinney, später Le Tigre. Beim Lesen komme ich öfter durch­einander, weil das Buch nicht chronologisch erzählt. Für mich, die alles wissen will und jede Info aufsaugt, wird das zur echten Konzentrations­arbeit.

Ab 2006 wird es dann weird, also komisch, wie Ditto sagt. Standing in the Way of Control wird zum Hit in Großbritannien, Gossip startet durch und steigt in diverse Charts in Europa ein. Hier endet das Buch dann langsam, nicht ohne noch mal Bezug auf feministischen Aktivismus zu nehmen: Ditto erzählt von den Girls Rock Camps und wie sehr ihr Empowerment von Mädchen und jungen Frauen am Herzen liegt.

Die ersten Entzugs­erscheinungen zeigen sich: es soll schon zu Ende sein? Ich hätte mir sehr ge­wünscht, mehr zu er­fahren. Wie geht die Band mit ihrem Erfolg um? Wieso arbeitet Ditto mit einem wie Karl Lagerfeld zusammen? Wie schreibt die Band Songs? Erfahren tun wir’s nicht, aber ich bin trotz­dem selig. Auf einer Skala von eins bis zehn vergebe ich elf Punkte.

Das Buch ist auf Deutsch, Englisch und Französisch erschienen. Ich las die englische Original­fassung. Die deutsch­sprachige Version hat mehrere Seiten Bilder, die die englisch­sprachige nicht hat. Ich empfehle aller­dings allen, die gut Englisch lesen können, das Original zu lesen. Wer linke Projekte unterstützen möchte, bestellt das Buch einfach über links-lesen.de.


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Wer war… Shulamith Firestone?

4. September 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 33 von 40 der Serie Wer war eigentlich …

Als ich “The Dialectic of Sex” (von 1970, auf deutsch: “Frauen­befreiung und sexuelle Revolution”) von Shulamith Firestone vor ein paar Jahren las, verstand ich nicht viel. Ich hatte damals weder Ahnung von Geschlechter­verhältnissen, noch von Reproduktions­technologien und kritzelte an den Rand einer Seite einfach nur große Fragezeichen. Die Kern­aussage des marxistisch inspirierten Textes, dass das Ziel der feministischen Revolution sein solle, nicht nur männliche Privilegien zu beseitigen, sondern auch gleich biologische Unter­schiede mit, fand ich damals zu abstrakt und unvorstellbar. Für Shulamith war künstliche Re­produktion die Lösung: So könne jede_r ein Kind bekommen und das Kinder­bekommen sei fortan nicht mehr automatisch an bestimmte Körper geknüpft – so die Theorie. Heute finde ich das unglaublich spannend und werde das Buch wohl bald mal wieder raussuchen müssen.

Nun ist Shulamith Firestone – eine der wichtigsten Vertreter_innen des (Radikalen) Feminismus der so genannten Zweiten Welle in den USA – im Alter von 67 Jahren gestorben.

Die letzten Jahre ihres Lebens lebt sie eher zurück­gezogen, malte viel, publizierte hin und wieder Texte und beschäftigte sich mit (ihrer) Schizophrenie und der Institutionalisierung psychiatrischer Anstalten.

Firestone gründete mit anderen radikalen Feministinnen Ende der 1960er in New York drei feministische Organisationen, die sich als Alter­nativen zu etablierten Gruppen wie der unter anderem von Betty Friedan gegründeten National Organization for Women (NOW) verstanden: die “New York Radical Women”, die “Redstockings” und die “New York Radical Feminists”. Diese Gruppen waren kritisch gegenüber liberalen Stimmen wie NOW, die in ihren Augen viel zu wenig patriarchalische Strukturen in den Blick nahmen und eher reformistisch Politik betrieben.

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Endlich Feminismus 101 auf deutsch, aber keine Kekse mehr – die Blogschau

14. Juli 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 166 von 259 der Serie Die Blogschau

Diese Woche nicht nur hier Thema war „50 Shades of Grey“. Mina hat versucht es zu lesen und befindet: Dass Mädchen ihre Wünsche ignorieren müssen, nur um mit einem Jungen zusammen zu sein, ist eine furchtbar schlechte Botschaft. Les petits Plaisirs nimmt die „Satire“ von Spiegel Online auseinander.

In Frankreich haben Sexarbeiter_innen gegen die neuen Vorschläge in der Prostitutionspolitik protestiert. menschenhandel heute berichtet.

Erst 14 Jahre aber ein großes Vorbild: Julia Bluhm hat erfolgreich ans Teenie-Magazin Seventeen appelliert, in Zukunft auf durch Photoshop verschlankte Models zu verzichten. Mehr bei den Geeksisters.

Auch die Debatte ums Betreuungsgeld und Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht weiter. Deus ex Machina über den Wunsch nach mehr Selbstbestimmung in der Arbeitswelt und Feministmum über den Alltag mit (geschlossenen) Kinderkrippen.

Bollocks and Bitches erzählt, wie sie zur Dickenaktivistin wurde und die Vor­speisen­platte sinniert über die Sätze, mit denen schon kleine Mädchen lernen, dass Frauen sich scheiße finden müssen.

Mit Mitte 20 noch nicht verheiratet und kinderlos, aber aufs Festival jetzt nur noch mit rückenschonenden Isomatten. Sind wir schon alt oder noch zu jung, fragt Ninia LaGrande.

Die Nerd-Songwriterin Marian Call will in Eurapa touren. Die Femgeeks wissen mehr. Ein kleiner Vorgeschmack:

Rassismus im deutschen Kinderfernsehen hat Joe Dramiga in den Sankoré Schriften dokumentiert und fragt sich, ob jemand das mit einer Master-Arbeit mal genauer untersuchen möchte.

Auf die Porträtserie afrikanischer, ferministischer Bloggerinnen im Ms. Magazine verweist derblogderkleinenethnologin.

Warum „es gut zu meinen“ nicht vor Kritik schützt, wenn mensch sich sexistisch und rassistisch verhält, erklärt stop! talking. Keine Kekse für Selbstverständliches.

Nachdem der „1000 Kreuze Marsch für das Leben“ sich einen neuen Namen gegeben hat, sucht auch das Gegenbündnis „1000 Kreuze in die Spree“ ein neues Motto!

In Syrien hat der Aktivist Hussein Ghrer nun einen Hungerstreik begonnen, um gegen seine Haft zu protestieren – seit vier Monaten ist er bereits ohne Verhandlung im Gefängnis. anders deutsch erklärt sich solidarisch mit dem Aufruf von Razan Ghazzawi, die selbst vor einiger Zeit verhaftet wurde (wir berichteten).

Finally Feminism 101 ist ein guter Startpunkt, über Feminismus zu lernen – auf Englisch. Inzwischen arbeitet aber das antiblog an der Übersetzung ins Deutsche. Acht Teile sind schon entstanden, jetzt ist die Frage, welcher Text der nächste wird?!

Und nach dem Klick noch die Termine, in Wuppertal und für Informatik-Interessierte: (mehr …)


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Beinhaar zum Rock

26. Juni 2012 von Liz

Liz Weidinger wird künftig jeden zweiten Mittwoch auf freitag.de über Gender und Popkultur schreiben und übernimmt somit die Kolumne von Mädchenmannschafts-Autorin Verena Reygers. Wir freuen uns, dass wir den einen oder anderen Text von Liz ab nun an auch auf der Mädchenmannschaft veröffentlichen können. In ihrer ersten Kolumne, die bereits vor ein paar Wochen erschien, freut sich Liz über die Musikerin Frau Kraushaar, die perfekt in die feministische Diskussion um Körperhaare passt, da sie eine Alternative zum Glattheitswahn bietet.

Es ist Sommer.

Das heißt keine drei Klamottenschichten übereinander, sondern weniger Stoff und Schweiß statt Gänsehaut. Aber auch Fragen wie: Bin ich keine Feministin, wenn ich mir die Achseln rasiere? Sieht es nicht einfach hässlich aus, wenn ich zum Rock Beinhaar trage? Und warum muss ich mich überhaupt mit meinen Körperhaaren politisch positionieren? Zum Glück finden sich Antworten auf diese Fragen nicht nur im Normierungszirkus der Frauenmagazine, sondern auch auf so kompetenten Blogs wie der Mädchenmannschaft oder im aktuellen Dossier des Missy Magazine.

Unterhaltsamer und genauso wichtig wie eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem haarlosen und widerspruchsfreien Frauenkörper sind Bilder, die solche Schönheitsnormen nicht streng reproduzieren, sondern erweitern und verschieben. Und so leistet auch die Hamburger Musikerin Frau Kraushaar ihren Beitrag zur feministischeren Repräsentation von weiblichen Haaren – sei es Achselhaar oder Monobraue. Sie kann zusammen mit Künstlerinnen wie Peaches, Patti Smith oder Coco Rosie genannt werden, die beweisen, dass nicht nur Kopfhaare schön statt eklig sind. Mehr Musikerinnen speziell mit Bart, gab es auch schon in dieser Kolumne.

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Lasst mich die Stereotype bedienen!

24. Mai 2012 von Kübra

Mal unter uns. Wenn ich schon Rassismus und Islamophobie in der Gesellschaft anprangere, dann muss ich bitte schön auch über die vielen Probleme innerhalb der muslimischen Gemeinden sprechen, nicht wahr? Ein bisschen auf die Köppe der Muslime hauen. Na klar, her mit der schmutzigen Wäsche!

Eine sehr beliebte schmutzige Wäsche ist ja der Sexismus, das Patriarchat und die unterdrückten Frauen der Muslime. Darum ging es kürzlich auch im Artikel der ägyptisch-amerikanischen Journalistin und Aktivistin Mona El Tahawy in ihrem Artikel „Warum hassen sie uns?“

Eine nackte Frau, die Haut schwarz bemalt, der Augenbereich Niqab-ähnlich ausgespart, schaut verschüchtert in die Kamera und ziert das Titelbild des amerikanischen Magazins Foreign Policy. El Tahaways These: Arabische Männer hassen uns Frauen. Um ihre These zu untermauern folgen Beispiele, wie das saudische Fahrverbot für Frauen, Genitalverstümmelung und Jungfrauentests in Ägypten – einmal querbeet durch die arabische Welt.

Als mit Erscheinen des Artikels im Internet heiße Diskussionen über den Artikel tobten, schrieb ein weißer Leser belustigt, der Ärger der arabischen und muslimischen Leser rühre nur daher, dass man ihre schmutzige Wäsche offen der westlichen Gesellschaft vorgeführt habe. Wie lustig.

Doch die meisten Kritikerinnen sind arabische, muslimische und asiatische Feministinnen und Aktivistinnen. Frauen, die genau die gleichen Themen anprangern wie Mona El Tahawy, darüber schreiben und an der Basis gegen den Sexismus ankämpfen.

Ihre Kritik war unter anderem, El Tahawy würde die arabisch-muslimische Frau als ein hilfloses Wesen, den Mann als aggressiven Patriarchen darstellen und damit westliche Stereotypen über die Muslime und Araber füttern. Sie würde sich als vermeintlich einzige Sprecherin muslimischen Frauen positionieren und sich als mutige Journalistin profilieren.

Bild gemalt von Kübra

Bild gemalt von Kübra

„Ach komm doch, Kübra. Kritisier die Muslime, der Glaubwürdigkeit wegen“, empfahl mir kürzlich jemand, der es gut mir meinte. So geht es doch viel einfacher, erfolgreich zu werden. Bücher mit den Titeln „Die Unterdrückung der muslimischen Frau“ oder „Sex, Schleier und Sehnsucht“ würden sich doch verkaufen wie warme Semmeln. Lasst mich Stereotypen bedienen, die voyeuristischen Fantasien befriedigen und mich selbst als heroisch-mutige Journalistin profilieren, die sich vom Rest der rückständigen Muslime absetzt. Ich werde die gute Muslimin sein. Die, die in das Bild passt.

Heißt das, man soll Muslime nicht kritisieren? Heißt das, ich werde nie über den Sexismus in muslimischen Gemeinschaften schreiben? Die Frage ist nicht, ob man kritisieren darf, die Frage ist: wo und wie.

Als Feministin spreche ich in muslimischen Gemeinden über Sexismus, ich motiviere Frauen, sich von Rollenbildern zu befreien. Ich spreche über Homophobie oder Antisemitismus. Das werde ich noch öfter auf meinem Blog oder in muslimischen Medien tun. Das muss aber nicht in einer Kolumne geschehen, die mehrheitlich von weißen Nichtmuslimen (Nachtrag: gemeint ist Mehrheitsgesellschaft) gelesen wird. Und nicht selten kommt es vor, dass ich Muslime in dieser Kolumne kritisiere und Missstände benenne. Jedoch in dem Bemühen, nach Ursachen zu suchen. Denn jede banale Vereinfachung macht die Realität kaputt.

Diese Kolumne ist ursprünglich in der taz erschienen.

NACHTRAG (auch nachzulesen auf: ein-fremdwörterbuch)

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