Einträge mit dem Tag ‘Deutsche Einheit’


24 Jahre Hoyerswerdaer Pogrome – alles wie immer in Deutschland

1. Oktober 2015 von Nadine

1991 Hoyerswerda. 2015 Heidenau. Und noch immer keine Lösung in Sicht.

Nazis, „besorgte Bürger“, „Asylkritiker“ versammeln sich vor Unterkünften und Wohnungen von Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, fliehen mussten aus ihrem Herkunftsland und nun in Deutschland leben wollen bzw. hierzulande nach Möglichkeiten suchen zu überleben. Die Besorgten, Verängstigten und Völkischen grölen nicht nur rassistische Parolen, zeigen ab und zu ganz unverhohlen mit ausgestreckter Handfläche und Arm gen Himmel oder schimpfen auf „die da oben“, die völlig an den Bedürfnissen der „einfachen und guten“ Deutschen (arbeitsam, pünktlich, fressehaltend, weiß) vorbei planen und Trilliarden von Menschen ins Land lassen, die gar nicht „hier her gehören“. Sie schmeißen auch Flaschen, Steine (aber nicht auf Deutsche, deswegen okay!!!111), Brandsätze, lauern auf, schlagen zusammen, morden. Der rassistische Mob, der sich schnell zusammenfindet (gerne auch mit Beteiligung aus anderen Städten und Umgebungen, der gute Deutsche hilft schließlich aus), um am Ende mit der Hitler-Hand und dem ausgestreckten Zeigefinger ganz schnell von sich weg zu zeigen. Dumpf daneben zu stehen, zu schweigen, zuzusehen und grummelig in Fernsehkameras zu gucken wie das Kind, das Mittagsschlaf machen muss, obwohl es viel lieber draußen spielen möchte. Unverhohlen jubeln war schließlich gestern, als die Presse, Antifaschist_innen, Aktivist_innen und Gutmenschen den weißdeutschen Einheitstaumel vor den Unterkünften noch nicht störten. Als die Stadt, die Kommune, die Gemeinde noch nicht öffentlich überfordert tat, sondern hinter vorgehaltener Hand entschied, die Unterkunft an der städtischen Peripherie oder ganz abseits von Sozialleben bereitzustellen, weil Sicherheit und Ängste ernstnehmen eben in erster Linie für den weißdeutschen Volkskörper gilt. Öffentliche Überforderung wird dann zelebriert, wenn die Unterkünfte brennen und die Polizei nur zusieht oder Aktivist_innen festnimmt (Rechts-Links, Links-Rechts, da kann mensch sich halt total leicht vertun), wenn die „Ängste der Bürger“ sich bereits in die Steine geschrieben haben, die fliegen oder mit einem einig „Wir sind das Volk“ bereinigt werden. So wie die Unterkunft, aus der die Menschen, sollten sie noch unversehrt sein, dann ausziehen müssen, irgendwo hingebracht werden, irgendwo anders abgeladen werden, einfach weil diese Stadt… so… überfordert ist mit dem Rassismusproblem ihrer Alteingesessenen. Schwierig.

1991 Hoyerswerda. 2015 Heidenau. Und noch immer keine Lösung in Sicht.

Obwohl die Tatsachen seit Jahrhunderten für sich sprechen (weiße Deutsche haben ein Rassismusproblem), wird mit den immergleichen Mustern und Abläufen darauf nicht_reagiert. Stur wie ein Esel verschärft, schafft ab, gewaltet Deutschland vor sich hin. Versenkt Milliarden Steuergelder in noch mehr Bürokratie für noch mehr Abschiebung, Menschenrechtsverletzung und Rassismus. Wo ein Formular ist, kann die Empathielosigkeit und Menschenverachtung nicht weit sein.

Vor 24 Jahren schaffte es Hoyerswerda mit tagelangen rassistischen Ausschreitungen nicht nur in die internationale Öffentlichkeit, sondern entledigte sich aller geflüchteten Menschen und ehemaligen Vertragsarbeiter_innen auf einen Schlag – zu wessen Schutz eigentlich ist nach wie vor nicht abschließend geklärt, denn die örtliche Polizeibehörde kapituliert weiterhin vor den Nazis, die mittlerweile weiße Leute aus der Stadt jagen müssen. Damals wurde der Rassismus der Bevölkerung mit Abstiegsängsten, allgemeiner Verunsicherung nach dem Mauerfall und Arbeitslosigkeit gerechtfertigt. 24 Jahre später passiert 1:1 das gleiche jeden Tag in vielen anderen Städten Deutschlands und die vorgeschobene „Einheitsproblematik“ von damals weicht der unverblümten Affirmation weißdeutscher Einigkeit von heute, dass Platz 1 in der Europa League einfach nicht mit anderen teilbar ist. Hey, und außerdem wollen 25 Jahre 3. Oktober schließlich angemessen gefeiert werden.

1991 Hoyerswerda. 2015 Heidenau. Und noch immer keine Lösung in Sicht.


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Ausgrenzung, Armut, Abschottung feiern? Protestaktionen zum 3. Oktober

30. September 2015 von accalmie
http://www.grenzenueberwinden.de/#start

http://www.grenzenueberwinden.de/#start

Zum 25. Jahrestag der Wieder­ver­eini­gung am drit­ten Ok­to­ber diesen Jahres schmeisst Deutschland sich selbst eine Party: Das Mot­to der bun­des­weiten Feier in Frank­furt am Main heißt „Gren­zen über­win­den“. An­ge­sichts zum Beispiel der poli­ti­schen Maß­nahmen gegen ge­flüch­tete Men­schen, die ge­plan­te Ver­schär­fung der Asyl­rechts­gesetz­gebung und der de facto wirt­schaft­lichen Sank­tionen gegen Griechen­land ist die Pa­ro­le zy­nisch. Gren­zen über­win­den: Das ist das Ex­klusiv­recht wei­ßer Deut­scher.

„Staat, Nation und Kapital sind zwar vieles, aber ganz sicher kein Grund zu feiern!“, schreibt auch das Bündnis Kritik und Praxis, und ruft gemeinsam mit dem „ums Ganze!“-Bündnis und dem Krisenbündnis Frankfurt zu Gegenaktionen auf:

Für den Griff des Standortes Deutschland nach der Poleposition auf dem Weltmarkt geht die Elite über Leichen und eine ganz große Koalition stimmt ihnen zu. Zwar hat der Einzelne auch hier immer weniger vom Erfolg des deutschen Kapitals, doch die nationalistische Rhetorik samt dem kaputten Stolz darauf, mit dem Exportweltmeister wenigstens den Pass zu teilen, erreicht viele Menschen. Währenddessen will man von den unbezahlten Nazischulden nichts mehr wissen und im ganzen Land brennen wieder Flüchtlingsheime. Die Rückkehr des „hässlichen Deutschen“ konterkariert das Bild des „sanften Hegemons“ in dessen Schatten sich das autoritäre Krisenmanagement in Europa vollzogen hat. […]  Wie gerufen kommt da der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung, an dem der deutsche Staat sich unter dem unverschämten Motto „Grenzen überwinden“ bei den bundesweiten Feiern in Frankfurt/Main mit der Erinnerung an die „friedliche Revolution“ von 1989 als zivilisatorische Kraft inszenieren will. […] Gleichzeitig ist in ganz Europa, aber besonders auch in Deutschland, das Getöse sowohl an den Stammtischen als auch in den Parlamenten groß – und die Losung lautet: Grenzen dicht.“

In Frankfurt am Main finden verschiedene Prostaktionen statt:

Am 2. Oktober findet eine Kundgebung und Demonstration, „Auf die Straße gegen die ‚Einheitsfeierlichkeiten'“ statt – Treffpunkt ist um 19 Uhr am Kaisereck.

Am 3. Oktober lautet das Motto „Keine Party ohne uns! Zusammen die nationalistische Show stören!“ und es werden dezentrale und kreative Aktionen gegen das Einheitsfest stattfinden.

Um 20 Uhr am 3. Oktober findet schließlich eine Diskussion mit dem Titel „Nie wieder Deutschland!“ im DGB Haus statt. Weitere Informationen findet ihr beim Bündnis Kritik und Praxis, dem „ums Ganze!“-Bündnis  und dem Krisenbündnis Frankfurt.

Am 3. Oktober ruft ein breites Bündnis ebenfalls zur Demonstration „Refugees Welcome – 3. Oktober Demo“ in Bremen auf. Weitere Informationen zur Treffpunkt und Route findet ihr auf dessen Facebook-Seite.

Kennt oder plant ihr weitere kritische Aktionen zur Einheitsfeier? Bitte in den Kommentaren ergänzen!


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Rechtsextremismus, Musliminnen, Transmasculinity, Arbeitswelt und Kritik an Kristina Schröder

7. Oktober 2010 von der Mädchenmannschaft

Die Rosa Luxemburg Stiftung stellt eine neue Publikation vor „Was ein rechter Mann ist … Männlichkeiten im Rechtsextremismus.“ von Robert Claus, Esther Lehnert, Yves Müller (Hrsg.) – inklusive PDF zum Runterladen.

Der neue TRANSMASCULINITIES 2011 Kalender ist gerade erschienen!

Auf Philibuster führte Nadia Shehadeh ein Interview mit Sineb El Masrar über ihr neu erschienenes Buch „Muslim Girls„, in dem  El Masrar die „Klischeewelten, die nicht existieren“ thematisiert und eine heterogene mediale Darstellung von Musliminnen fordert.

Passend dazu ein Artikel in der taz über die Chancen von muslimischen Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt: „Ob mit oder ohne Kopftuch – muslimische und türkischstämmige Frauen werden im Arbeitsleben stark benachteiligt, unabhängig davon, wie sehr sie sich bilden.“

Outside the Box, die Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik hat ihre erste Ausgabe als PDF online gestellt.

Auf GenderAcrossBorders wird diskutiert, ob die oft zitierte Doppelbelastung von Frauen nur noch ein Mythos sei.

Auf Derangierte Einsichten schreibt Patrick zum Thema Privilegien.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders, der vor der „Islamisierung Europas“ und vor der „Zerstörung der deutschen Idenität“ warnt, rechtfertigt dies – na klar! – mit Verweis auf Frauenrechte.

Ein Deutschland voller Moscheen und voller verschleierter Frauen ist nicht mehr das Deutschland Schillers und Heines, Bachs und Mendelssohns.

Die österreichische Grünen Frauensprecherin Judith Schwentner kritisiert im Gespräch mit dieStandard.at, dass sich unter den anerkannten Berufskrankheiten viele Beispiele finden, die lediglich auf männerdominierende Branchen zugeschnitten sind.

In einem offenen Brief an Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) kritisiert das Netzwerk Internationaler Gender Mainstreaming-Expertinnen (GMEI) die mangelnden Gleichstellungsbemühungen und stellt ihre fünf Forderungen an Frau Schröder vor.

Die New York Times resümiert 20 Jahre nach dem Mauerfall den Status quo der Frauen in Ost und West.


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