Einträge mit dem Tag ‘Belgien’


Burka-Verbot in Belgien: Wer profitiert eigentlich?

5. Mai 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 7 von 10 der Serie Frauen & Religion

Ich weiß: Die Verschleierung von Frauen ist ein ungemütliches Thema. Es ist noch nicht so lange her, da konnte ich mir kaum vorstellen, dass eine Frau ein Kopftuch oder gar die Burka freiwillig trägt, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass muslimische Frauen mit Kopf- bzw. Körperbedeckung in westlichen Medien häufig ausschließlich als Opfer eines unbeugsamen Patriarchats, als homogene Masse schwarzer Laken, und weniger als frei denkende Subjekte konstruiert werden. Da das freiwillige Tragen eines Kopftuches oder einer Burka in der Vorstellung vieler Menschen nicht vorhanden ist, fällt diese Möglichkeit von vornherein weg. Verschleierung ist und bleibt mit der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts verknüpft.

So überrascht es vielleicht nicht, dass das belgische Parlament letzte Woche ohne Gegenstimmen und mit zwei Enthaltungen als erste Volksvertretung in Europa ”das Tragen jedes Kleidungsstücks, welches das Gesicht ganz oder hauptsächlich verhüllt” beschloss verbot, welches nun noch vom Senat bestätigt werden muss. Dies betrifft die Burka und den Niqab, welche beide jeweils nur ein Stoffgitter bzw. einen Sehschlitz haben. Nach Gesetzesbeschluß drohen in Belgien bei Nichteinhaltung Geldstrafen von 140 Euro oder bis zu sieben Tage Gefängnis. Offiziell als Vermummungsverbot konzipiert, wird aber auch auf die Würde der Frau verwiesen, welche durch das Tragen einer Burka eindeutig verletzt scheint. Dass das gesetzliche Abarbeiten an geschlechtlich codierten Kleidungsstücken als Schritt in eine geschlechtergerechte Zukunft nur Symbolik sei, verdeutlicht Abgeordneter Georges Dallemagne (Cdh) mit seinem Ausspruch, dass Kleidungsstücke wie die Burka oder Niqab “den sichtbarsten Angriff auf die Rechte der Frau darstellen”. Sichtbar: ja. Aber wer profitiert eigentlich von diesem Verbot und wer wird bestraft?

Wenn eine Frau eine Burka freiwillig trägt, wird ihr Recht auf Religionsausübung oder freie Kleiderwahl eingeschränkt. Wenn sie gezwungen ist, diese zu tragen, wird sie doppelt bestraft – von ihrer Familie und dem Staat. Es ist wohl stark anzuzweifeln, dass ein Verbot automatisch zum Ablegen der Burka oder der Niqab führt, sonderen eher zur Folge hat, dass jene Frauen, die gezwungen sind, sich voll zu verschleieren, ihr Haus einfach nicht mehr verlassen (dürfen). Hier entpuppt sich der auf den ersten Blick kaum vereinbar scheinende Zwang zum Tragen der Burka aus Tradition und die staatlich verordnete Enthüllung als zwei Seiten ein und der selben totalitären Methodik: Beides sind Zwänge, die an der Situation der Frauen kaum etwas ändert.

Profitieren wird in diesem Falle insbesondere die Mehrheitsgesellschaft, welche den angeblichen “Feind” klar ausgemacht zu haben scheint, sich zwar der sichtbaren Problematik annimmt, aber tieferliegende Unterdrückungsmechanismen und eigene, ernstzunehmende Ressentiments gegenüber dem Islam kaum hinterfragt.

In seinem Kommentar fasst Felix Neumann treffend zusammen:

Vordergründig geht es um die Burka, hintergründig um »den« Islam. Vordergründig geht es um die Würde der Frau, hintergründig um eine abendländische Leitkultur. Vordergründig um liberale Werte – hintergründig um konservative Ausschlußmechanismen. Um die burkatragenden Frauen geht es zuletzt.


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Kurz und knapp

2. April 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 70 von 138 der Serie Kurz notiert

Ein Parade-Beispiel für Gender-Sozialisation:

Weniger Alkohol, weniger Marihuana und weniger Verstöße gegen das Gesetz – alles eine Folge des Kinderkriegens?Telepolis berichtet von einer Studie, nach der Frauen in sozial schwachen Stadtteilen von einer Geburt mehr profitieren, als etwa vom Heiraten.

Die großartige Rachel Maddow hatte gestern Geburtstag! Sie wurde knackige 37 Jahre alt.

Hier gibt’s die Top13 besten weiblichen MC’s.

Auf feministing ärgert man sich über Lady Gaga, die gesagt haben soll: “Popstars sollten nichts essen!”

Das Bitch Magazine stellt die deutsche Hildegard von Bingen vor.

In Belgien könnte es zu einem Verbot der Vollverschleierung kommen. Der Innenausschuss des Parlaments in Brüssel hat einstimmig einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, wie auf tagesschau.de berichtet wird.

Auf fudder.de wird stolz verkündet: “Ich stehe dazu: Ich studiere Gender Studies!”.

Und zu guter Letzt:

Auf Sociological Images wundert sich Mathestudent Ian über das Geschenk seiner Freundin, die in einer Kinderabteilung folgendes T-Shirt aufgabelte, welches von den Hersteller_innen wohl eher für kleine Mädchen gedacht war: Too pretty to do Math (“Zu hübsch, um Mathe zu lernen”).


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